Drei Schwarzwälder in Asien

Cambodia (Kambodscha)

Kurzinformation:

Fläche: 181ÿ035 km2

Einwohner: (2001) 13,4 Mio.

Hauptstadt: Phnom Penh

Verwaltungsgliederung: 24 Provinzen

Amtssprache: Khmer

Nationalfeiertage: 24.ÿ9. und 9.ÿ11.

Währung: 1ÿRiel (CR)ÿ=ÿ10 Kakÿ=ÿ100 Sen

Zeitzone: MEZÿ+ÿ6ÿStunden

(amtlich Khmer: Preah Reach Ana Pak Kampuchea; deutsch Königreich Kambodscha), Staat in Südostasien, im südlichen Hinterindien; grenzt im Westen und Nordwesten an Thailand, im Nordosten an Laos, im Osten und Südosten an Vietnam, im Südwesten an den Golf von Thailand.

Staat und Recht:

Nach der Verfassung  ist Kambodscha eine konstitutionelle Wahlmonarchie mit Mehrparteiensystem. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte sowie Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrats ist der auf Lebenszeit vom Thronrat gewählte König.Einflussreichste Parteien: Kambodschanische Volkspartei (CPP), FUNCINPEC-Partei und Sam-Rainsy-Partei (SRP).

Landesnatur:

Kambodschas Kernland wird von dem fruchtbaren Mekong- und Tonle-Sap-Becken gebildet, das im Westen, Norden und Osten von bis zu 1ÿ500ÿm über dem Meeresspiegel aufsteigenden Randgebirgen, im Süden vom Mekongdelta begrenzt wird. Im Südwesten verläuft die flache und buchtenreiche Küste des Golfs von Thailand, in dessen Nähe das Kardamomgebirge bis 1ÿ744ÿm über dem Meeresspiegel ansteigt. Im flachen Landesinneren liegt der bei Hochwasser mit dem Mekong verbundene See Tonle Sap, dessen Fläche jahreszeitlich stark schwankt. Das Klima ist tropisch (Regenzeit JuniþNovember); nur noch 30 % der Landesfläche sind durch unkontrollierten Kahlschlag bewaldet (Regenwald, lichter Monsunwald); Mangrovenküste.

Bevölkerung:

Rund 92ÿ% der Bevölkerung sind Angehörige des Khmervolkes, etwa 5þ7ÿ% Vietnamesen, 2ÿ% Chinesen, Cham u.ÿa. Gruppen malaiischer Herkunft sowie verschiedene Bergstämme, z.ÿB. Moi und Lao. Diese anderen ethnischen Gruppen machten vor 1975 etwa 15ÿ% der Bevölkerung aus, wurden aber zwischen 1975 und 1979 zusammen mit den Intellektuellen von den Roten Khmer umgebracht, vertrieben oder, in Genossenschaften von den übrigen Khmer abgesondert, in den Nordwesten zur Bewirtschaftung der Reisfelder zwangsweise umgesiedelt. Der größte Teil der Bevölkerung lebt im zentralen Tiefland. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 2,8ÿ%.ÿþ Über 90ÿ% der Bevölkerung, darunter fast alle Khmer, bekennen sich zum Hinayana-Buddhismus, der seit 1993 wieder die Staatsreligion Kambodschas ist. Die Cham und Malaien sind sunnitische Muslime, die meisten im Lande lebenden Vietnamesen katholische Christen. Traditionelle ethnische Religionen haben sich bei den in den Gebirgen lebenden Bergstämmen erhalten.ÿþ Es besteht eine fünfjährige Grundschulpflicht ab dem 6.ÿLebensjahr. Die Analphabetenquote beträgt 32ÿ%. Universität in Phnom Penh (gegründet 1960; 1988 wieder eröffnet).

Wirtschaft und Verkehr:

In dem ausgeprägten Agrarland, das zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, arbeiten rund 70ÿ% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Während der Herrschaft des Pol-Pot-Regimes und durch mehrjährigen Bürgerkrieg wurde die Wirtschaft des Landes weitgehend ruiniert (u.ÿa. Zerstörung der Landwirtschaft und der Infrastruktur, Einführung der Natural- und Tauschwirtschaft). Auch nach dem Bürgerkrieg verhinderten die anhaltenden Kämpfe einen kontinuierlichen Wiederaufbau. Auf rund 70ÿ% der Ackerfläche wird Reis (Hauptanbaugebiete am Tonle Sap und Mekong) kultiviert, daneben wird Kautschuk als zweitwichtigstes Exportprodukt in Kautschukpflanzungen im Osten des Landes angebaut. Weiterhin erfolgt der Anbau von Mais, Zuckerrohr, Maniok, Bananen, Tabak und Pfeffer. Der Reichtum an Edelhölzern in den Randgebirgen wird verstärkt genutzt (Teak, Mahagoni, Ebenholz). Seit Anfang der 1990er-Jahre ist Holz das wichtigste Exportprodukt. Übermäßige Abholzungen führten aber in den letzten Jahren zu verstärkter Bodenerosion an den Oberläufen der Flüsse und bedingten stärkere Überschwemmungen und Trockenheiten sowie begünstigen die zunehmende Verlandung des Tonle Sap. Der Tonle Sap wird jedes Jahr mit dem Sinken des Wasserspiegels fast vollständig abgefischt; auch Küstenfischerei. Es gibt wenig Bodenschätze; im Norden Eisenerzlager; Vorkommen an Gold und Edelsteinen; Phosphat- und Meersalzgewinnung. Vorwiegend in Kleinbetrieben Herstellung von Textilien, Geräten und Werkzeugen sowie Verarbeitung von Agrarprodukten; Reifenproduktion (in Phnom Penh). Die Handelsbilanz ist stark defizitär.

 

Das Verkehrswesen befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Das Straßennetz hat eine Gesamtlänge von rund 35ÿ800ÿkm, davon sind nur etwa 4ÿ200ÿkm asphaltiert. Das Schienennetz ist 612ÿkm lang, die wichtigste Eisenbahnlinie führt von der thailändischen Grenze über Battambang und Phnom Penh zum einzigen Seehafen Kompong Som (Sihanoukville). Die Binnenschifffahrt auf dem Mekong ist für den Güterverkehr der wichtigste Verkehrsträger. Internationaler Flughafen bei Phnom Penh.

Geschichte:

6. bis Mitte 20. Jahrhundert:

Im 6.ÿJahrhundert eroberten die Khmer das unter indischem Einfluss gegründete Reich Funan im Süden Hinterindiens. Das unter JayavarmanÿII. (802þ850) entstandene Khmerreich mit der Hauptstadt Angkor (seit 889) erlebte im 12.ÿJahrhundert und Anfang des 13.ÿJahrhunderts den Höhepunkt seiner Macht und zugleich eine Zeit höchster kultureller Blüte. Nach wiederholter Eroberung und der Zerstörung Angkors durch die Thai wurde die Hauptstadt mehrmals verlegt, zuletzt 1434 nach Phnom Penh. Vom 17. bis 19.ÿJahrhundert Streitobjekt zwischen Thai und Vietnamesen, schloss Kambodscha 1863 einen Protektoratsvertrag mit Frankreich und wurde 1887 Indochina einverleibt. Nachdem japanische Streitkräfte 1941 ganz Indochina besetzt hatten, rief König Norodom Sihanouk (1941þ55) im März 1945 die Unabhängigkeit aus, unterstellte das Land aber nach der japanischen Kapitulation erneut Frankreich. 1949 erhielt das Königreich den Status eines assoziierten Staates innerhalb der Französischen Union. Im Indochinakrieg (1945/46þ54) unterstützten antifranzösische Guerillaeinheiten (besonders die Khmer Issarak) die Vietminh in Vietnam. Auf der Genfer Indochinakonferenz erhielt Kambodscha 1954 die volle Unabhängigkeit.

1996/97 zerfielen die Roten Khmer weitgehend; die übrig gebliebenen Rebellengruppen kapitulierten Ende 1998 (im März 1999 Festnahme des letzten Guerillakommandanten Ta Mok durch Regierungssoldaten). Am 30.ÿ4. 1999 wurde Kambodscha als letzter Staat Südostasiens in die ASEAN aufgenommen. 2001 stimmten Parlament und Verfassungsrat der Einrichtung eines internationalen Tribunals in Kambodscha zur Verurteilung der Hauptschuldigen am Terrorregime der Roten Khmer zu; die UNO und die kambodschanische Regierung einigten sich erst nach jahrelang geführten und zeitweilig unterbrochenen Verhandlungen im März 2003 auf gemeinsame Schritte zur Schaffung eines solchen Gerichtshofes (Ratifizierung eines entsprechenden Gesetzes durch die kambodschanische Nationalversammlung im Oktober 2004).

Schwere antithailändische Ausschreitungen in Phnom Penh Ende Januar 2003 (u.v.a. Inbrandsetzung der thailändischen Botschaft) führten zu einer zeitweiligen Krise und vorübergehenden Grenzschließung zwischen Thailand und Kambodscha.

Am 13.10. 2004 wurde Kambodscha Mitglied der WTO.

Nach der Abdankungserklärung Sihanouks wählte der Thronrat am 14.10. 2004 dessen Sohn Norodom Sihamoni zum König (Krönung am 29.10. 2004).

                                        

                                                 Fotos: Wolfi , Berrymanilow, Pommes                              Created by Berrymanilow/ Copyright