Die Entstehung der Musikinstrumentenindustrie in Nauheim.
- Die Entstehung der
Musikinstrumentenindustrie in Nauheim.
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- Von Karl-Heinz Pilz, Nauheim
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- Mit dem Begriff ethnische
Säuberung weiß spätestens durch die Vorgänge
im Balkankrieg jeder etwas anzufangen. Vor mehr als fünfzig
Jahren bezeichneten es die Deutschen weniger verschleiert schlicht
und einfach als Vertreibung. Mit Ende des unseligen 2.Weltkrieges am
8. Mai 1945 begann der Opfergang der Deutschen aus Polen, Ungarn und
der Tschechoslowakei.
- Die Westmächte hatten
die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten schon während des
Krieges erwogen, doch erst auf der Konferenz der Siegermächte
in Potsdam (17.7. - 2.8.1945) einigten sich die drei Regierungen von
Großbritannien, der USA und der Sowjetunion im berühmten
Artikel XIII des Protokolls auf eine humane Rückführung
der Menschen im Osten nach Deutschland. Die Westmächte hatten
allerdings auf diese humane Ausweisung fast überhaupt
keinen Einfluß. Nach heutigen Erkenntnissen haben über
zwölf Millionen Menschen ihre Heimat im Osten verlassen müssen.
Im Zuge dieser Vertreibung fanden nach Berechnungen des
Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden (3) 2.3 Millionen Menschen
den Tod. Es handelt sich bei den Toten in der Mehrzahl um Frauen und
Kinder und um nicht mehr wehrfähige Männer. Sie starben an
Hunger, Erschöpfung und Kälte, auf der Flucht und
Vertreibung, in den Arbeitslagern der östlichen Deportationen
oder wurden ermordet. Allein aus der Tschechoslowakei waren 272 000
Tote zu beklagen (1).
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- Die Flüchtlingstransporte
(2) in den Westen liefen über die vier Grenzauffangstellen in
Bayern und zwar in Piding, Schalding, Wiesau und Furth im Wald. Sie
kamen dort in Viehwaggons an mit einem persönlichen Gepäck
von max. 50 Kg. Von dort wurden sie auf die Länder der US-Zonen
verteilt. Im Jahre 1946 kamen mit 374 Transporten fast 400 000
Ausgewiesene allein aus der Tschechoslowakei nach Hessen.
- Dem Vertreibungsgebiet
Sudetenland (3) kommt eine besondere Bedeutung zu, die sich aus
seinem hohen Industriealisierungsstand vor dem 2.Weltkrieg erklärt.
Hier lag der Anteil der Erwerbstätigen im produzierenden
Gewerbe mit 51 % weit höher als in der übrigen
Tschechoslowakei (33%) oder im Deutschen Reich (41%). Die
Hauptzentren der sudetendeutschen Wirtschaft waren in der
nordböhmischen Gebirgsumrandung zu finden. Die
Konsumgüterindustrien, insbesondere die Textilbranche, die
Glas- und Musikinstrumentenherstellung lagen fast ausschließlich
in deutscher Hand. Durch die Vertreibung wurden die
Musikinstrumentenmacher in alle Winde zerstreut. Die meisten fanden
in den bayrischen Orten Bubenreuth, Neustadt/Aisch, Waldkraiburg und
Geretsried oder in Winnenden/Württemberg eine neue Bleibe.
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- Aber auch der bisher mehr
nach der Agrarwirtschaft ausgerichtete hessische Ort Nauheim bei
Groß-Gerau kam durch Zufall mit der Musikindustrie in
Verbindung. Wie Ortrud Becker für ihr Buch Geflüchtet,
Vertrieben, Aufgenommen 1990 recherchierte , kamen im April
1946 die ersten Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland nach Nauheim.
Es waren vor allem Frauen und Kinder, aber keine Männer die für
den Wiederaufbau notwendig gewesen wären. Es mußte hier
Abhilfe geschaffen werden. Richard Schuh erinnert sich, daß
der Nauheimer Bürgermeister Heinrich Kaul IV. mit dem
Gemeindeangestellten Diehl ins Auffanglager nach Sandbach (Odenwald)
kam, um sich dort nach Arbeitern umzusehen. Er wurde fündig und
am 3.Juni 1946 trafen 41 Heimatvertriebene vor allem aus Schönbach
in Nauheim ein. Darunter befanden sich Maria Marek, die
Bürgermeister Kaul auf die eine neue Existenz suchenden
Musikinstrumentenmacher ihrer verlassenen Heimat aufmerksam machte.
- Auch Anna Sandner die mit
ihrem Mann, dem Geigenbauer Franz Sandner, in Tennenlohe bei
Erlangen Unterkunft gefunden hatte, besuchte Nauheim, hörte von
den Plänen des Bürgermeisters und war an einer Umsiedlung
interessiert. Heinrich Kaul IV. erkannte in weiser Voraussicht die
industrielle Chance für seine Gemeinde und richtete am
14.7.1946 einen Brief an den Regierungspräsidenten in Darmstadt
mit der Bitte, die Instrumentenmacher Sandner, Winter, Himmer,
Glassl, Schuh, Neubauer, Schösser, Dotzauer und Lang nach
Nauheim einzuweisen. Die Genehmigung wurde erteilt und am 23.7.1946
fuhr ein Lastwagen in Richtung Erlangen, um die ersten Schönbacher
Musikinstrumentenbauer nach Nauheim zu holen.
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- Bereits am 15.8.1946 meldete
Franz Sandner die Wiedergründung seines Unternehmens für
Musikinstrumentenerzeugung im Gewerbetagebuch der Gemeinde Nauheim
an. Es muß darauf hingewiesen werden, daß die
Gründungsdaten im Nauheimer Gewerbetagebuch und die Angaben in
der Festschrift 10 Jahre Musikinstrumentenindustrie in
Nauheim nicht übereinstimmen.
- Franz und Anna Sandner
gründeten ihr Unternehmen 1924 in Schönbach. Es war dies
das erste Musikinstrumentenunternehmen das in Nauheim seine Arbeit
aufnahm. Die erste Produktionsstätte fand man in der
Bahnhofstraße 60, einem Nebengebäude vom Hessischen
Hof. Später errichtete man eine neue Fertigungsstätte
in der Rheinstraße 4, wo man auch heute noch ist. In den 60er
Jahren lag der Produktionsschwerpunkt bei Elektro- und
Konzertgitarren. Man fertigt heute in erster Linie Violinen, Violen
und Celli.
- Es sprach sich 1946 schnell
herum, daß die Gemeinde Nauheim den heimatvertriebenen
Instrumentenbauern einen Anreiz bot sich eine neue Existenz
aufzubauen. Auch aus Graslitz zogen nun einige Instrumentenmacher
zu.
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Die Vertriebenen hatten große
Schwierigkeiten sich an dem neuen Standort zurechtzufinden. Sie
kamen überwiegend aus Schönbach, sowie Graslitz und
Umgebung nach Nauheim. Ihre alte Heimat gehörte zusammen mit
den auf sächsischem Gebiet liegenden Städten Klingenthal
und Markneukirchen zum berühmten erzgebirgischen Musikwinkel.
Die Landschaft war also völlig unterschiedlich zum Nauheimer
Flachland. Sie ertrugen aber mit Duldsamkeit die oft
menschenunwürdigen Umstände bei der Aufnahme, denn
Wohnraumnot herrschte auch in Nauheim, und die Bürger waren
verständlicherweise nicht begeistert, wenn sie
Zwangseinweisungen ganzer Familien erhielten. Zuerst waren die
Vertriebenen davon überzeugt, bald wieder in ihre Heimat
zurückkehren zu können. Nach und nach setzte sich jedoch
der natürliche Selbsterhaltungswille in den meisten Fällen
gegen den Vetreibungsschock durch und man wandte den Blick wieder in
die Zukunft. Sicher half auch bei vielen Menschen die Musik zu einem
großen Teil über die Wunden hinweg, welche die
vergangenen Ereignisse geschlagen hatten.
- Unter den Neuankömmlingen
waren auch die Familien Josef Köstler und Franz Weck, die nach
einer Irrfahrt in der Sowjetzone über Torgau/Elbe, Delitzsch
und dem Auffanglager Moschendorf bei Hof am 2.10.1946 in Nauheim
eintrafen. Willi Köstler, der Bruder von Josef Köstler,
der nach Bayern ausgewiesen wurde, hatte für die Familien
Köstler und Weck die Zuzugsgenehmigung nach Nauheim erreicht.
Man wurde vorläufig im Saalbau Ruhland einquartiert. Acht Tage
darauf kamen die Verwandten von Köstler, die Familien Kroner,
Meinl und Pilz am Bahnhof in Nauheim an. Auch wir verbrachten die
erste Nacht im Saalbau Ruhland. Die Wirtin Frau Ruhland hatte ein
gutes Herz und hat uns erstmals ausreichend verköstigt. Ich
habe dies Frau Ruhland nie vergessen. Die Köstler-Familien
waren fest entschlossen, die in Graslitz verlorene Fabrikation für
Mundharmonikas und Akkordeons, die 1891 von Johann Köstler
gegründet wurde und 300 Personen beschäftigte, in Nauheim
sofort wieder aufzubauen. Auf Grund der mir vorliegenden Biographie
von Josef Köstler (5) und anhand der Tatsache, daß meine
Mutter Adrienne Pilz, eine Schwester der Brüder Köstler,
bis 1.7.1951 Mitinhaberin des Unternehmens war, möchte ich
versuchen den weiteren Fortgang der Firma zu schildern.
- Am 3.10.1946 wurde die Firma
Köstler & Co. angemeldet. Noch am gleichen Tag war Herr
Josef Köstler mit Herrn Bürgermeister Kaul unterwegs um
eine Fabrikationsmöglichkeit in Nauheim zu finden. Zuerst wurde
die SKV-Halle und der Saalbau Ruhland in Erwägung gezogen, doch
beide Besitzer gaben aus verständlichen Gründen nicht ihr
Einverständnis. Als Provisorium mußte man mit
verschiedenen Stellen vorliebnehmen, wo die Fertigung mit 6
Beschäftigten begann .Im Anwesen Volz, Bahnhofstraße 29
war die Schlosserei untergebracht. Das Büro befand sich bei der
Familie Schaffner in der Bahnhofstraße und die Galvanik war
von 1946 bis 1952 in der Werkstatt der Familie Engroff, Hügelstr.
23. Da man keine Schreinerei besaß wurden die Arbeiten von der
Schreinerei Klier & Niedermayer, Hintergasse 1
durchgeführt. Einige Wochen später konnte man den Tanzsaal
der Gaststätte Zum Hirsch mieten, unter der
Bedingung, daß die Nauheimer Feuerwehr freitags dort weiter
ihre Musikproben abhalten konnte. Die Familie Metz bot dann an,
ihren Rohbau in der Carlo-Mierendorffstraße 41 auf
Firmenkosten auszubauen und einen 180 qm Fabrikationsraum
anschließend zu mieten. Für die Fabrikation von
Mundharmonikas benötigt man selbstverständlich Bandeisen,
das jedoch zu jener Zeit nur unter größten
Schwierigkeiten zu erhalten war. In der Not wandte man sich an die
Firma Opel in Rüsselsheim und erhielt die Genehmigung, aus dem
Schrott Material herauszusuchen um daraus Stimmplatten zu stanzen.
Um das nötige Messing zu erhalten, hatte man aus der Sowjetzone
200 Kg. Messingabfälle mitgebracht und im Tausch erhielt man
von den Wieland-Werken, Ulm Messing für die Stimmplatten.
Sorgen bereitet auch der bescheidene Maschinenpark. Herr Josef
Köstler hatte das Glück, in Nürnberg einen ehemaligen
Geschäftsfreund zu treffen, Herr Eckard aus New York, der sich
in dieser Notlage für die Firma Köstler einsetzte und
seinen Freund Martin Fuchs in Zirndorf ersuchte der Firma Köstler
eine Exenterpresse und einige Spindelpressen zu leihen. Der
Schlosser der Firma Köstler Herr Lorenz, gab eine Gastrolle bei
der Firma Faulstroh in Groß-Gerau um für Köstler
eine Hölzerfräsmaschine zu bauen. Es fehlte an Hölzern,
denn alleine mit Stimmplatten konnte man keine Mundharmonikas
herstellen.
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- Nach einigen Wochen standen
die ersten Harmonikas zur Verfügung und es konnte der Verkauf
begonnen werden. Die Firma Hohner, die in der französischen
Zone fertigte mußte alle ihre Erzeugnisse an die französische
Besatzung abliefern. Das war der Vorteil von Köstler der
dadurch Alleinhersteller in der amerikanischen Zone war und trotz
der noch nicht optimalen Qualität gute Preise auf dem Markt
erzielen konnte. Bis zur Währungsreform taten sich die
Heimatvertriebenen besonders schwer, da die wenigsten etwas zu
schrotteln hatten. Immer neue Anforderungen wurden an
die Firmen gestellt, auch an Köstler. Um die Beschäftigten
zu halten mußte eine Werksküche eingerichtet werden. Die
Personen, die in der Landwirtschaft Aufnahme und Arbeit fanden
erhielten zwar nur einen geringen Lohn von 10 bis 20 Reichsmark,
doch die Verpflegung hatten sie meistens umsonst und das war in der
damaligen Zeit wichtiger als alles andere. Die Naturalien für
die Werksküche mußten gegen Musikinstrumente eingetauscht
werden. Im August 1947 konnte Josef Köstler zusammen mit seinem
Sohn Hans erstmals die Messe in Hannover besuchen. Aus finanziellen
Gründen konnten nur 1 qm Ausstellungsraum in Anspruch genommen
werden, die der Firma Köstler nach langen Bitten auch
zugestanden wurde. Trotz des kleinen Ausstellungsstandes konnten 12
Kontrakte für Mundharmonikas und Akkordeons, alles Exporte nach
USA, Nigeria, Belgisch Kongo, Australien, Neuseeland und Kanada,
abgeschlossen werden.
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Man fand bald heraus was verlangt
wurde und stellte die Fertigung darauf ein. 1947/48 konnten zwei
Baracken erworben werden, die in der Muschel, in der Nähe der
heutigen Graslitzer Straße zur Aufstellung kamen. Die eine
Baracke stammte aus Ziegenberg bei Bad Nauheim, dem letzten
Führerhauptquartier bei der Ardennenoffensive 1944 und die
andere kam aus dem Internierungslager in Darmstadt, und mußte
schon in DM bezahlt werden. Die Hessische Regierung hatte von Anfang
an viel Verständnis für die Industrie der
Heimatvertriebenen und besonders Herr Regierungsrat Montua
bewilligte willkommene Kredite. Den ersten Kredit erhielt die Firma
Köstler über 50.000 RM, doch bis zum 20.Juni 1948, dem Tag
der Währungsreform waren davon nur 9.000 RM verbraucht, da man
nichts kaufen konnte. Das Geld war in einer Hinsicht wertlos,
niemand wollte Geld, sondern immer nur Ware, so daß fast alle
zu Schwarzhändlern wurden. Mainz lag bereits in
der französischen Zone und Josef Köstler erhielt als
Reparateur (Instrumente ausbessern und wiederherstellen) einen
Passierschein und konnte nun Musikinstrumente gegen Wein, Kaffee und
Zigaretten eintauschen.
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Mit Einführung der Deutschen
Mark am 20.6.1948 wurde alles anders und die Schaufenster füllten
sich über Nacht wieder mit Waren , an die man vier Wochen
vorher noch nicht zu denken wagte.
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- Vom Jahr 1949 an bis Mitte
1950 ließen die Geschäfte etwas nach. .Man konnte sich
nun dem Aufbau widmen und auch wieder eine Fertigungsqualität
erreichen, die den Anforderungen des Auslandes gerecht wurde. Aber
man litt nach wie vor daran, daß man zuwenig Facharbeiter
einstellen konnte. Bezeichnend für die Situation ist ein
Schreiben der Firma Köstler vom 11.Mai 1950 an das
Flüchtlingsministerium in Bonn. Ich zitiere wie folgt: Im
Sommer 1946 wurden wir aus Graslitz, C.S.R. ausgesiedelt und nach
langem Suchen in der ganzen Westzone zeigte der Bürgermeister
von Nauheim für die Musikinstrumentenindustrie großes
Interesse und wir erhielten durch ihn die Zuzugsgenehmigung. Als wir
nach Nauheim kamen, war außer einem alten Tanzsaal kein
Fabrikationsraum vorhanden, so daß die
Musikinstrumentenerzeuger teilweise in Sommerküchen und alten
Scheunen ihre Werkstätten einrichten mußten. (...) Wir
beschäftigen bereits 132 Fabrikarbeiter und 30 Heimarbeiter
wovon sich die letzteren auf das ganze Bundesgebiet aufteilen.
Mehrere davon leben noch in Flüchtlingslagern und arbeiten
unter großen Schwierigkeiten und Hemmnissen und teils zum
Ärger der anderen Lagerinsassen.(...) Vor zwei Jahren sollten
für die Facharbeiter der Musikinstrumentenindustrie 48
Wohnhäuser gebaut werden, doch bis heute sind nur 10 errichtet
worden und selbst in diesen 10 Wohnhäusern mußte ein Teil
für Altbürger zur Verfügung gestellt werden.(...) 95%
unserer Erzeugnisse werden nach dollarstarken Ländern
exportiert, was ein Beweis ist, daß Qualität und
Preislage unserer Ware konkurrenzfähig sind. Es wäre
deshalb im Interesse der ganzen Gemeinde und nicht zuletzt des
Staates, wenn ein größerer Wohnhausblock für
Fachkräfte der Musikinstrumentenindustrie und
Musikspielwarenbranche errichtet würde, so daß unsere
früheren Betriebsangehörigen, welche teilweise in der
Landwirtschaft und als Hilfsarbeiter tätig sind, oder in
fremden Berufen stehen, viele arbeitslos sind und dem Staat zur Last
fallen, hier angesiedelt werden können. (...)
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Da in absehbarer Zeit damit zu
rechnen ist, daß die Bundesrepublik weitere Handelsverträge
mit England und südamerikanischen Staaten abschließen
wird, bestehen die besten Chancen für unsere Industrie und es
wäre dringend notwendig, wenn hier auf dem Gebiet des
Wohnungsbaues nicht nur geplant, sondern die Pläne auch in Tat
umgesetzt würden (...).(4)
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- Im 2.Halbjahr 1950 zog das
Geschäft wieder an und man konnte mit Hoffnung in die Zukunft
sehen. Auch die Erweiterung der Fertigungsräume mußten
mit der Entwicklung Schritt halten und so entschloß man sich
1949 ein Fabrikationsgebäude zu bauen das längs der
heutigen Schillerstraße verlief. Schon der Aushub machte uns
Kindern gewaltigen Spaß. Wir legten uns unter das
Transportband, mit dem der Sand aus der Baugrube geschafft wurde und
ließen den Sand auf unsere Körper fallen. Kritisch wurde
es nur ,wenn ab und zu größere Steinbrocken über das
Laufband kamen. Auf Pfiff rollten wir uns dann schnellstens zur
Seite. Das waren unsere damaligen bescheidenen Kinderfreuden, heute
wäre das wegen der Sicherheitsvorschriften undenkbar.
- Als Tag mit der schwarzen
Wolke ist mir der 19. November 1950 in Erinnerung, Mit meinem Onkel,
Willi Köstler waren wir im Auto von Otto Metz, einem alten
Opel P 4, gerade auf dem Heimweg vom Oberligaspiel SV Darmstadt 98
- 1.FC Nürnberg 2 : 3. Schon aus weiter Ferne sahen wir einen
riesigen Rauchpilz über Nauheim. Onkel Willi hatte nun größte
Sorgen, daß die Firma Köstler vom Brand betroffen sein
könnte. Otto Metz mußte aus seinem Opel rausholen
was rauszuholen war. Als wir dem Firmengelände
näher kamen sahen wir, daß das Fertigungsgebäude der
Firma Blohberger brannte. Die in der Nähe stehenden
Köstler-Baracken waren aber auch mehr als gefährdet
ebenso wie das Anwesen der Firma Winter. Die Bewohner der Barracken
waren bereits beim Ausräumen ihrer Wohnungen. Auch die
Maschinen wurden eiligst ins Freie geschafft, da mit einem
Übergreifen des Feuers gerechnet werden mußte, was Gott
sei Dank nicht geschah. Im Frühjahr 1951 wurde mit dem
Querbau des Betriebsgebäudes begonnen, es ging also aufwärts.
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Im August 1951 wurde auch die
1100 Jahrfeier der Gemeinde Nauheim gefeiert. Namhafte
Persönlichkeiten statteten der Gemeinde aus diesem Grunde einen
Besuch ab und vergaßen nicht, auch die hier ansässigen
Musikinstrumentenfirmen aus dem Sudetenland aufzusuchen. Unter
anderem erschien auch eines Tages Regierungsdirektor Wenzel Jaksch
vom hessischen Innenministerium mit einer Gruppe führender
Politiker aus England, darunter auch der letzte englische
Kriegsminister, der einige Erzeugnisse kaufte.
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Für die 1100-Jahr-Feier
wurde für die damaligen Verhältnisse ein großer
Festzug organisiert, an dem auch die Firma Köstler mit zwei
Gruppen beteiligt war. Ein Wagen zeigte die Firmenerzeugnisse in
vergrößerter Ausführung und auf dem zweiten Wagen
konzertierte die Köstler-Betriebskapelle. Für viele
Zuschauer war ein Mundharmonika-und Akkordeonorchester unbekannt,
bisher gab es dies nur in Sachsen und in Württemberg. Es war
dies nicht das einzige Betriebsochester in Nauheim. Soweit ich mich
erinnern kann, hatten auch die Firmen Keilwerth, Schreiber und
Himmer & Sandner eigene Betriebsorchester deren Musikanten sich
aus den Betriebsangehörigen rekrutierten.
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- Nach Fertigstellung des
Querbaus konnte am 4.Dezember 1951 das 60- jährige
Betriebsjubiläum gefeiert werden. Zu diesem Anlaß fanden
sich wiederum einige Persönlichkeiten aus Politik und Kommune
ein, die voll des Lobes über die bisher geleistete Arbeit
waren. Auch die Presse und der Rundfunk waren vertreten. Es war eine
würdige Feier. Im Jahre 1952 konnten auch die Mustermessen in
Frankfurt und Nürnberg besucht werden wo gute Ergebnisse zu
verzeichnen waren. Aufgrund der guten Beschäftigungslage konnte
die Belegschaft auf 300 Personen erhöht werden, bei einem
jährlichen Umsatz von über 2 Mio. DM. Fast 95 Prozent
aller Erzeugnisse gingen ins Ausland.
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- Herr Josef Köstler
erhielt am 27.11.1952, für seine Verdienste um den
Wiederaufbau, das Verdienstkreuz am Bande von
Bundespräsident Theodor Heuss. Die Überreichung erfolgte
durch den Hessischen Regierungspräsidenten Arnoul.
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- Die Nähe zur Firma Opel
war jedoch nicht zu verleugnen und es wurde immer schwieriger
Facharbeiter zu bekommen. Die Firma Opel zahlte Spitzenlöhne
mit denen die Nauheimer Musikinstrumentenmacher nicht konkurrieren
konnten Man ging nun daran in Knittlingen und Freudenberg am Main
Ausgabestellen für Heimarbeiter einzurichten, weil der
Facharbeitermangel immer größer wurde. Mittlerweile wurde
ein PKW und ein kleiner Lieferwagen gekauft um beweglicher zu sein.
Man lag bei einer Erzeugung von 4000 Mundharmonikas wöchendlich.
Der Ausstoß der Handharmonikas lag bei 200 Stück. Im
Jahre 1955 wurde ein 18m hoher Silo errichtet, der zeitweilig als
Wahrzeichen von Nauheim galt, um den Mitarbeitern staubfreie
Werkräume zu bieten, auch eine Halle zum Lagern von Hölzer
wurde in Angriff genommen. Im selben Jahr wurde auch mit der
Herstellung kleiner Orgeln begonnen. Kurze Zeit später nahm
auch die Firma Hohner,Trossingen diese Orgeln in ihr Programm. Nun
sah sich die Firma Köstler gezwungen mit dem Bau größerer
Tischorgeln und Harmophone zu beginnen.
- Am 14.9.1962 verstarb der
Seniorchef Josef Köstler, was nicht nur für die Firma ein
großer Verlust war. Immerhin war Herr Köstler, neben
Bürgermeister Kaul, einer, wenn nicht sogar der wichtigste,
Wegbereiter der Musikinstrumentenindustrie in Nauheim. Inzwischen
machte sich die Konkurrenz aus unserer alten Heimat, der
Tschechoslowakei, der Sowjetzone und aus Japan bemerkbar. Diese
Länder gaben staatliche Zuschüße zwischen 30 und 40
% , so daß die deutschen Musikinstrumentenhersteller unter
großen Wettbewerbsdruck gerieten. Um genügend Platz für
die Orgelfertigung zu schaffen wurde der erste Bau nochmals
aufgestockt. Doch die Schwierigkeiten wurden immer größer.
Die Instrumente aus den Billiglohn-Ländern überschwemmten
den deutschen Markt und ließen den deutschen Herstellern immer
weniger Luft zum Atmen. Auch bei Köstler mußte man sich
Gedanken machen. Man sah auf Dauer nur eine Chance in der Zukunft,
wenn man Personal abbaute und sich auf neue Produkte umstellte. Im
Jahre 1973 nahm man von der traditionellen Fertigung von
Musikinstrumenten Abschied und stellte nach und nach auf die
Herstellung von Kunststoff-Preßteilen für die
Automobilindustrie oder andere früher artfremde Branchen um. Im
Jahre 1987 lag der Umsatz bei 22 Millionen DM bei einer
Beschäftigtenzahl von 200 Personen. Mit der Musikindustrie
hatte man nichts mehr zu tun, man verstand sich in erster Linie als
Zulieferer der Automobilindustrie.
- Die dritte
Musikinstrumentenfirma die sich in Nauheim niederließ, war die
Firma Wenzel Schreiber & Söhne. Vor dem Krieg war Herr
Schreiber bei Firma Püchner in Graslitz beschäftigt.
Ausgesiedelt wurde die Familie Schreiber nach
Trendelburg/Oberhessen. Herr Hugo Schreiber (7) kann sich gut daran
erinnern, daß sein Vater auf der Suche nach einer neuen
Beschäftigung, zum Arbeitsamt nach Hofgeismar kam und dort ein
Schreiben vom Arbeitsamt Groß-Gerau ausliegen sah. Darin
wurden Flüchtlinge, für die Ansiedlung der
Musikinstrumentenindustrie in Nauheim gesucht . Herr Schreiber
setzte sich umgehend in den Zug und fuhr nach Nauheim. Das hört
sich sehr leicht an, aber eine Zugfahrt in den Jahren 1945-48 glich
einem mittleren Abenteuer. Nach Ankunft nahm er die Gelegenheit wahr
und gründete in Nauheim am 10.Oktober 1946 eine neue Firma,
Wenzel Schreiber, Holzblasinstrumentenfertigung Die erste
Produktionsstätte lag in der Hintergasse 1, in einem der
vorderen Ställe. Unter der gleichen Adresse war bereits die
Firma Klier&Niedermayer etabliert. Die Größe des
Raumes betrug genau 6 qm. Der erste Arbeiter der Firma Schreiber war
Wenzel Scherbaum, dessen Sohn Franz später Konzertmeister am
Staatstheater in Wiesbaden werden sollte. Zunächst beschränkte
man sich auf Reparaturen an Holzblasinstrumenten. Danach zog man in
Rathausstraße 14 und es wurden die ersten Blockflöten
hergestellt. Zuvor mußte selbstverständlich ein
entsprechendes Werkzeug gebaut werden um überhaupt Löcher
in die Blockflöte bohren zu können. Jede Woche wurde der
Rucksack geschnürt und der Versuch unternommen, die Blockflöten
in Wiesbaden an den Großhandel zu verkaufen. Die dritte
Werkstätte lag in der Waldstraße 17 bei Familie Engroff
wiederum in einem Stall und die vierte Station war beim
Fahrrad-Neumann in der August-Bebel-Straße 3. Man verfügte
inzwischen über 5 Beschäftigte. Am 3. Juni 1951 wurde das
erste Schreiber-Fagott angeblasen. Presse und Rundfunk berichteten
groß darüber . Die ersten 4 Fagotts gingen in die USA.
- Ab 8.8.1951 firmierte man
unter dem neuen Firmennamen Schreiber Wenzel & Söhne. Auch
Herrn Wenzel Schreiber wurde am 27.11.1952, für den
Wiederaufbau, mit dem Verdienstkreuz am Bande von
Bundespräsident Theodor Heuss, geehrt.
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- Mit Recht wiesen Hugo
Schreiber und auch Albert Winter darauf hin, daß der
Fertigungsstandort Nauheim keineswegs ideal war. Das Gebiet um
Nauheim war hoch industrialisiert und es wurden hier Löhne und
Gehälter bezahlt, wie es in Deutschland fast ohne Beispiel war.
Auf der anderen Seite war man dadurch gezwungen, immer wieder zu
rationalisieren und sich neue Gedanken zu machen um mit dem
Wettbewerb mithalten zu können.
- Im April 1953 zog man in die
heutigen Produktionsräume in die Muschel, in der
Industriestraße 17 und 1954 wurde mit Produktion von
Klarinetten begonnen. Mit einer Fertigung bis zu 2400 Klarinetten im
Monat war Schreiber im Jahre 1975 Europas größter
Hersteller dieser Instrumente. Hinsichtlich der im selben Jahr
monatlich gefertigten 70 bis 80 Fagotts war Schreiber zu dieser Zeit
sogar der Welt größter Hersteller. Die Produktion von
Blockflöten wurde 1982 eingestellt, nachdem sich Schreiber 1969
dem multinationalen Konzern Boosey & Hawkes
anschloß. 1987 lag der Exportanteil der Erzeugnisse bei ca. 70
Prozent, die Instrumente gingen in alle Welt.
- Nach der Wende 1989 wurden
weitere Niederlassungen in Erlbach und Markneukirchen im
Sächsischen aufgebaut. Am 2.12.1991 wurde Herr Hugo Schreiber
mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
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- Den größten
Produktionsausstoß der Firmengeschichte erzielte man im Jahr
1999, allein in diesem Jahr wurden 50 000 Klarinetten hergestellt.
Während man im Jahr 2000 in Nauheim 200 Mitarbeiter hat, gehen
in Erlbach 70 und in Markneukirchen 20 Beschäftigte ihrer
Arbeit nach.
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- Am 25. Oktober 1946 wurde
die Firma Klier & Niedermayer, Tonholzhandlung und Schreinerei
angemeldet. Bereits 1882 wurde die Firma Klier in Schönbach bei
Eger gegründet. Man begann zusammen mit der Schreinerei
Niedermayer in der Hintergasse 1. Anfangs verfügte man
lediglich über eine gebraucht Hobelmaschine und eine Kreissäge.
Man verarbeitete einheimische Hölzer wie Ahorn, Weißbuche
und Birnbaum, die am Ort zu erhalten waren. Hieraus wurden nun Teile
für Geigen gefertigt. Auch Kanteln (Rohlinge) für die
Flötenfertigung wurden hergestellt. Durch das gemeinschaftliche
Auftreten der Musikindustrie konnten auch Finanzmittel aus dem
Marshallplan und aus dem Lastenausgleich
erreicht werden, so daß man bereits zu Weihnachten 1952 das
eigene Betriebsgebäude in der Industriestraße 15 beziehen
konnte. Mit dem Umzug erfolgte nun die Trennung von der Schreinerei
Niedermayer und man firmierte jetzt unter dem Namen Karl Klier &
Co. Nun begann man auch mit der Fertigung von Griffbrettern für
Streichinstrumente die auf selbst entwickelten Maschinen gefertigt
wurden. Die Firma Klier erfüllte eine sehr wichtige Funktion
im Rahmen der Nauheimer Musikinstrumentenfertigung. Zur Herstellung
der Holzblasinstrumente benötigt man sehr lang gelagertes und
trockenes Holz. Die Edelhölzer werden zum großen Teil von
der Firma Klier aus dem Ursprungsland wie Afrika und Südamerika
importiert. Die meist verwendeten Holzarten sind Ebenholz für
Griffbretter, Grenadill und Cocobolo für Klarinetten und Oboen,
Ahorn und Birnbaum für Flöten und Fagotte sowie in
geringem Umfang Spezialitäten wie verschiedene Palisanderarten
für Gitarren, orffsches Instrumentarium und
Holzblasinstrumente. Laut Auskunft von Norbert Niedermayer verfügte
man über die höchste Mitarbeiterzahl Anfang der 70er Jahre
mit 10 Beschäftigten. . 1969 und 1970 wurde man durch den Tod
von zwei Familienmitgliedern schwer getroffen, der Betrieb wurde
jedoch weitergeführt. Seit 1988 leitet Norbert Niedermayer den
Betrieb in der 4. Generation. Im Jahr 2000 werden jährlich
Teile für
- ca. 100 000
Streichinstrumente hergestellt.
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- In der Darstellung über
die Firma Karl Klier & Co. kam zum Ausdruck, daß man in
den Genuß des Marshallplans nur deshalb kam, weil
die Musikindustrie in Nauheim gemeinschaftlich auftrat. Wie es dazu
kam geht aus dem nachfolgendem Protokoll vom 2.November 1946 hervor,
das der Autor im Archiv der Gemeinde Nauheim Abt. XXIII, Konvolut 9,
Faszikel 27, fand.
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- Im November 1946 und zwar am
Samstag, den 2.11., begannen gleich zwei Firmen mit der Fertigung in
Nauheim. Zunächst wurde die Firma Josef Wilfer, Baß- und
Cello-Erzeugung ins Firmenregister eingetragen. Die Firma wurde
ursprünglich im März 1932 in Schönbach gegründet.
In Nauheim begann Josef Wilfer mit seinem Sohn Kurt in der
Bahnhofstr.14, dann verlagerte man die Fertigung in einem kleinem
Raum bei Familie Kuhlmann in der Königstädter Straße
11, einer ehemaligen Schusterwerkstatt. Man zog nochmals in eine
größere Produktionsstätte bei der Familie Jung in
der Wilhelm-Leuschner-Straße 13 um. Im Jahre 1952 konnte man
endlich ins eigene Wohnhaus mit Werkstatt in der Schillerstraße
22 ziehen. Dreizehn Jahre später 1965 hatte der Betrieb 5
Personen die sich mit der Herstellung von Violinen, Violas, Celli
und Kontrabässen beschäftigten. Während der
Familienbetrieb vor 1959 die Produkte an Zulieferer für
Exporteure abgab, wurden die Instrumente ab diesem Zeitpunkt direkt
exportiert. Der Ausfuhranteil betrug rund 80 Prozent. Den Höhepunkt
erreichte die Produktion im Jahre 1965, als monatlich 12 Kontrabässe
die Werkstatt verließen. Seit 1975 werden nur noch
Einzelanfertigungen für Solisten und Orchester hergestellt.
Hier werden Meisterinstrumente nach Vorlage gebaut . Kurt Wilfer
verläßt sich nun auf seine Söhne Franz und Andreas.
150 bis 200 Stunden benötigt man zum Beispiel um einen
Kontrabass in Gamben- oder Violinform herzustellen. Es kommt nur
Holz für die Bearbeitung in Frage, das mindestens 20 Jahre
gelagert ist.
- Am selben Tag wie Josef
Wilfer startete auch Robert Spinnler, in der Carlo-Mierendorffstr.24
mit seinem Geschäft für Blechblasinstrumente und
Maschinenbau . Dann zog man in die Wilhelm-Liebknecht-Str. 4. Robert
Spinnler übergab die Fertigung an seinen Sohn Emil am 1.1.1955
. Mit dessen Tod am 12. Dezember 1993 fand die Musikherstellung in
dieser Firma ein Ende.
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- Drei Tage später am 5.
November 1946 wagte die Firma Richard Glassl, Gitarren- und
Mandolinenfertigung den Schritt ins Unternehmertum. Seine Werkstatt
hatte er in der Mühlstraße 1 und in der Taunustr. 6.
Unter den Musikinstrumentenherstellern findet man diese Firma heute
nicht mehr. Die Menschen waren damals verzweifelt durch die
Vertreibung. Gleichzeitig brachten aber viele den Mut auf eigene
Wege zu gehen und dem Risiko ins Auge zu sehen. Sie nahmen die
Chance wahr und versuchten ihr Glück.
-
- Angesichts der schwierigen
Wohnungslage formulierte Bürgermeister Kaul am 1o.November 1946
seinen berühmten Aufruf an die Solidarität der Bevölkerung
zur Bereitstellung von Wohnraum(4). Kaul schreibt in diesem Aufruf:
Wir stehen vor einem gewaltigen Trümmerhaufen,
materieller und geistiger Art, den wegzuräumen das
allerdringlichste Gebot der Stunde ist. (...) Nun kommen noch viele
Millionen Deutsche aus den Ostgebieten hinzu. Diese müssen bei
uns aufgenommen werden und Wohnung haben. Denkt daran, daß es
umgekehrt sein könnte und wir heute als Flüchtlinge
hungernd und frierend vor den Häusern der heute zu uns
kommenden stehen könnten und um Aufnahme bitten müßten.
Kaul bat weiter darum, die Wohnungen mit den Heimatvertriebenen zu
teilen und nicht darauf zu warten, bis die Wohnungen von Amts wegen
frei gemacht würden. So würde die ohnehin schwere Arbeit
der Wohnungskommission erleichtert.
-
- Die Firma Jakob Winter stammt
aus Schönbach mit Gründungsdatum von 1887 (9). Im Jahre
1928 kaufte man die Firma Franz Eckert in Graslitz auf und man hatte
insgesamt 60 Beschäftigte. Während man in Schönbach
nur Etuis für Geigen herstellte, fertigte man in Graslitz Etuis
für alle anderen Musikinstrumente. Am 8.11.1946 kamen die
Familien Lorenz Winter, Willi Köstler, Otto Blohberger und Hans
Borucker mit ihrem ganzen Hab und Gut auf einem Holzvergaser-LKW mit
Anhänger, der Firma Brenner, Groß-Gerau vom Gebiet des
Starnberger Sees nach Nauheim. Richard Schuh als Mitfahrer und Willi
Köstler saßen auf dem Hänger im Rauch des
Holzvergasers. Als sie in Nauheim ankamen, sahen beide aus wie
Schornsteinfeger. Schon 3 Tage danach am 11.11.1946 wurde die Firma
Jakob Winter wiedergegründet. Wo Musikinstrumente gebaut
wurden, durfte natürlich die dazu gehörende Verpackungs-
bzw. Etui-Fertigung nicht fehlen. Die erste Fabrikationsstätte
war in einem Saal des 1839 erbauten alten Schulhauses, in der
Schulstr. 4, das heute nicht mehr steht (11). Die ersten Arbeiter
waren Hans Borucker und Wilhelm Wohlrab. Da zur Etui-Fertigung eine
Schreinerei unablässig ist, nahm man Kontakt zur Schreinerei
Adam Schneider, Waldstraße 3 auf. Herr Schneider kam der Firma
Winter großzügig entgegen, so daß dort die
notwendigen Maschinenarbeiten durchgeführt werden konnten.
Begonnen wurde mit der Fertigung von Geigenkästen, später
kamen Trompetenetuis hinzu. Inzwischen hatte man 10 Mitarbeiter und
im Jahre 1950 zog man mit der Produktion in die Graslitzer Straße
10 um. 1987 hatte man wieder eine Belegschaft von 80 Arbeitern und
der Exportanteil stieg auf ca. 60 Prozent. In dieser Zeit hielt auch
die Kunststoffverarbeitung in der Etui-Herstellung Einzug. Es wurden
Etuis für alle Musikinstrumente vom Streichbass bis zur
Piccolo-Flöte gefertigt. Nach der Wende im Jahre 1989 gründete
man aus Wettbewerbsgründen eine Niederlassung in
Satzung/Sachsen. Seit 1981gehört die Firma Winter zum
multinationalen Konzern Boosey & Hawkes. Die
Produktion hatte im Jahre 1998 mit einer Stückzahl von 160 000
Etuis ihren bisherigen Höhepunkt.
-
- Auch die Firma Blohberger &
Co.,später Blohberger & Jörka meldete am 11.11.1946 in
Nauheim ihr Geschäft an. Sie stellten Musikspielwaren her und
hatten ihre erste Fertigung im Keller des 1909 erbauten
Schulgebäudes (11). Später zog man in einen Barackenbau in
die Graslitzer Straße 5. Am 19. November 1950 wurde die ganze
Einrichtung durch einen Brand vernichtet. Man baute zwar an der
gleichen Stelle ein neues Fabrikgebäude, doch von dem
Feuerschaden konnte man sich nicht mehr erholen und meldete das
Geschäft am 30.9.1963 ab.
-
- Ein weiteres Opfer dieses
Brandes am 19.11.1950 war Johann Leicht. Er kam 1948 nach Nauheim
und fand Arbeit bei der Firma Köstler. Am 1.11.1949 machte er
sich selbstständig mit der Fertigung von Ziehharmonikas. Er
mietete, bei der herrschenden Platznot, einen Werksraum in der
Baracke der Firma Blohberger und Jörka. Bei dem Brand verlor er
alle seine Erzeugnisse. Nach langen Verhandlungen mit der
Versicherung gab er entnervt auf.
-
- Ebenfalls am 11.11.1946
meldete Johann Meinlschmidt seine Fräserei für
Stimmplatten an. Er fertigte in der Bahnhofstraße 43. Später
zog man um in das Eigenheim Gartenstraße 3. Die Firma wurde am
31.12.1961 abgemeldet. Am 1.1.1962 übernahm sein Sohn Erich die
Werkstatt und fertigte Klappenteile für Klarinetten,
Saxophone,Fagotte, Oboen und Flöten. Am 31.8.1874 meldete er
sein Geschäft ab und es ging am 1.9.1974 an seine Ehefrau Eva
über, die es jedoch kurze Zeit später aufgab.
-
- Auch die Firma Anton Fischer,
später Anton und Willi Fischer, hatten ihre Fertigungsstätte
für Musikinstrumenten-Bestandteile in der Nauheimer
August-Bebel-Straße 8. Später zog man in die
Bahnhofstraße 43 (4). Die Firma war im Jahre 1919 in Kirchberg
gegründet worden und die Wiedergründung erfolgte am
27.11.1946 in Nauheim. Mitte der fünfziger Jahre, genau am
1.7.1957, zog man mit der Produktion in die Straße Unter der
Muschel 35 um. Am 1.1.1987 hatte man mit 4 Arbeiter die höchste
Beschäftigtenzahl erreicht. Während 1990 nur Bestandteile
für Streichinstrumente gefertigt wurden, hatte man von 1959 bis
1961 auch Fideln und Gamben produziert. 1987 hatte sich der Umsatz
seit der Gründung vervierfacht und die Produktion 1986 ihren
vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nachdem Willi Fischer aus
gesundheitlichen Gründen im Sommer 1999 zurücktrat,
übernahm sein Sohn Harald das Gechäft.
-
- Ende 1946 waren in Nauheim
schon 565 Heimatvertriebene erfaßt. Mit vielen Problemen (6)
hatten die Instrumentenmacher zu kämpfen. Es fehlte praktisch
Alles. Es fehlte nicht nur an Nahrung. Es fehlten auch die
einfachsten Dinge. Das fing beim Vormaterial an und hörte bei
den simpelsten Werkzeugen auf. Überall mußte improvisiert
werden. Es fehlten z.B. Glühbirnen um die Werkstätten
ausreichend zu beleuchten. Im eiskalten Winter 1946/47 standen die
Menschen ohne ausreichenden Brennstoff da. Die Gemeinde Nauheim
konnte nur waldfrisches Holz liefern. Dieses Holz hatte nur einen
geringen Heizwert, der eine optimale Arbeitsleistung nicht zuließ.
Auf der Suche nach Brennholz sägten einige Pfiffige sogar die
Telefonmasten entlang der Bundesstraße nach Bischofsheim ab.
Doch dem Arm des Gesetzes entkamen sie nicht. Viele werden sich noch
erinnern, daß Kohlenzüge, die im Stellwerkbereich zum
Halten kamen, von den Menschen geentert wurden. In Taschen, Säcken
und vierrädrigen Handwagen wurden die Steinkohle oder die
Eierbriketts verstohlen nach Hause gefahren. Auch die Zuckerfabrik
in Groß-Gerau war in der hereinbrechenden Nacht das Ziel
vieler Nauheimer. Die Rucksäcke mit Zuckerrüben
vollgepackt verließen sie unbemerkt das Gelände. Und da
selbst der Kardinal von Köln, Josef Frings, auf Grund der Not,
diese unlegalen Aktionen stillschweigend billigte, nannte man im
Ruhrgebiet das Ganze Fringsen. Viele Nauheimer nahmen
Wege bis nach Nieder- oder Oberbayern in Kauf um z.B. ein
Schmuckstück gegen ein Pfund Butter oder Mehl zu schrotteln.
Zahlungsmittel Nummer Eins waren Zigaretten. Wer gute Beziehungen
zur amerikanischen Besatzungsmacht hatte und über genügend
Zigaretten verfügte konnte sich manchen Wunsch erfüllen.
Viele Menschen begannen in diesen schlechten Jahren Tabak im eigenen
Garten anzubauen. Die Exkremente der Tiere wurden auf der Straße
aufgelesen und mit dem Knittelkarren nach Hause
gefahren. Er war der Dünger für die Tabakpflanzen, die
später in der Scheuer getrocknet wurden und anschließend
zu Zigaretten Marke Eigenbau verarbeitet wurden. So
half sich jeder so gut er konnte, entweder auf dem Schwarzmarkt oder
im privaten Bereich.
- Wegen der Wohnraumnot
erinnerte sich man wieder an die Heimarbeit, die im Egerland gang
und gäbe war. Zuerst wurden die alten Fachkräfte im
Bundesgebiet ausfindig gemacht. Dann wurden sie am Wochenende
besucht um das zu verarbeitende Material hinzubringen und die
inzwischen fertiggestellten Werkstücke mitzunehmen. Trotz der
Mangelerscheinungen (8) in dieser Zeit, wie Bezugsscheinpflicht für
Materialien und äußerst mangelhafter Werkzeug- und
Werkstättenausstattung wurde ohne Verzug an den Wiederaufbau
gegangen, denn man besaß den Willen zum Neubeginn sowie
handwerkliches Können, verbunden mit Zähigkeit und Fleiß,
eben Dinge, die man als unsichtbares Fluchtgepäck
mitgebracht hatte.
-
- Die Firmengründungen
gingen auch 1947 weiter. Am 29.1.1947 nahm die Firma Julius
Keilwerth ihren Sitz in Nauheim . Die Firma war im Jahre 1925 in
Graslitz gegründet worden und war mit 150 Mitarbeitern im Jahre
1939 der größte deutsche Saxophonhersteller. In der
Waschküche der Nauheimer Bäckerei Stelzer, Bahnhofstr. 9
wurde begonnen. Zunächst hatte man 5 Beschäftigte und
machte nur Reparaturarbeiten für Saxophone. 1949 bezog man ein
neues Gebäude in der Königstädter Str. 101 und später
unterhielt man einen Zweigbetrieb in der Helwigstraße in
Groß-Gerau. In dieser Zeit beschäftigte man über 80
Mitarbeiter in der Herstellung von Saxophonen und
Blechblasinstrumenten. Nach dem Tod von Julius Keilwerth 1962
übernahm sein Sohn Josef die Firma.
-
1964 wurde neben dem alten
Gebäude in der Königstädter Straße ein neues
Fabrikgebäude, unter damals modernsten Gesichtspunkten
errichtet.
-
In den 60er und 70er Jahren
wurden Keilwerth Instrumente in viele Länder exportiert, wobei
sich der amerikanische Markt zum wichtigsten Standbein entwickelte.
-
Josef Keilwerth legte schon
damals Wert auf guten Kontakt zu vielen bekannten Solisten und
Orchesterchefs wie z.B. Max Greger, Ambros Seelos und Hazy
Osterwald. Er brachte seine Kunden oftmals freitags mit zu seinem
Graslitzer Stammtisch in den Egerländer.
Seit November 1989 gehört man der Unternehmungsgruppe Boosey
& Hawkes an. 1994 baute man das 100 000. Saxophon.
-
- Daß der Wohnraum immer
noch sehr knapp war und die Kommune zu unpopulären Maßnahmen
schreiten mußte war nichts Unbekanntes. Ebenso soll nicht
verschwiegen werden, daß auch in der Interessengemeinschaft
der Musikinstrumentenhersteller nicht alles seinen richtigen Weg
nahm. Die beiden nachfolgend aufgezeigten Sitzungsprotokolle vom
31.3. und 1.4.1947, die der Verfasser im Archiv der Gemeinde Abt.
XXIII, Konvolut 9, Faszikel 27 fand, sollen Zeugnis davon ablegen.
-
- Am 15. April 1947 eröffneten
Franz Himmer und Josef Sandner ihr Geschäft für Zupf- und
Streichinstrumente und ab 22.11.1948 betrieben sie auch den
Großhandel mit Musikinstrumenten. Sie bauten hervorragende
Konzert- und Solistengitarren von der mittleren bis zur oberen
Preisklasse. Die Werkstatt hatten sie in der Mühlstraße
Nr. 4 u. 16, bei den Familien Schupp und Wenner.
- Am 15.3.1951 trennten sie
sich. Josef Sandner verlegte seine Fabrikation in die
Weingartenstraße 21 in der er weiter Gitarren für
gehobene Ansprüche fertigte. Ab 1.1.1974 ging das Geschäft
auf seine Ehefrau Anneliese über, die es nach dem Tod von Herrn
Sandner am 29.11.1976, am 1.1.1980 abmeldete.
-
Franz Himmer zog mit seiner
Produktion in die Bahnhofstraße 72 wo er Gitarren fertigte bis
er sein Geschäft im Jahre 1955 abmeldete und in eine neue
Branche überwechselte.
-
- Am 22.4.1947 meldete Schuh
Wenzel, Geigenbauer, Am Weiher 2, sein Geschäft an. Wann es
abgemeldet wurde ist nicht mehr feststellbar.
-
- Herr Anton Sandner konnte
sich durch die Hilfe von Herrn Karl Fuchs und Bürgermeister
Heinrich Kaul in Nauheim ansiedeln. So gründete am 11.5.1947
die gemeinsame Firma Karl Fuchs und Anton Sandner, Streich-
und Zupfinstrumente.
-
Die Werkstatt befand sich in der
Wilhelm-Leuschner-Str. 16 bei Familie Arnold. Ab 28.5.1949 fertigte
jeder auf eigene Regie seine Erzeugnisse in der gleichen Werkstatt,
bis Karl Fuchs Ende 1951 von Nauheim wegzog.
-
Herr Anton Sandner teilte dann ab
25.9.1951 einige Jahre seine Werkstatt mit seinem Bruder, dem
Gitarrenbauer Josef Sandner, bis er sich in der Bahnhofstr. 46 eine
separate Werkstatt einrichtete.
-
Seine Celli und Gitarren, aber
vor allem seine Geigen fanden bei der Kundschaft mit höheren
Ansprüchen großen Anklang. Bereits in der Schönbacher
Heimat und später in Aussig a.d. Elbe machte er sich einen
Namen, u.a. durch langjähriges Experimentieren auf dem Gebiet
der Geigenlackherstellung.
-
Aus Altersgründen meldete
Anton Sandner am 1.7.1965 sein Geschäft ab.
-
- Auch die
Streichbogenfertigung wurde in Nauheim ansässig. Am 15.9.1947
meldete Rudolf Ringer sein Gewerbe wieder an (10). Der Betrieb wurde
1935 in Abtsroth bei Schönbach gegründet. Die erste
Werkstatt war in der Rathausstr. 10. Im Jahre 1952 zog man in neue
Werkstatt in der Schillerstraße 24. Im Familienbetrieb wurden
Bögen für die Geigenindustrie, auch für historische
Instrumente wie Gamben und Psalterium (trapezförmige Rahmen-
oder Brettzither) hergestellt. Es wird Fernambukholz aus Brasilien
und Roßhaar aus China verarbeitet. Ab 1.1.1980 führt der
Sohn Klaus Ringer die Firma. Während man früher die
Erzeugnisse auch in die Schweiz und nach USA exportierte, gehen
die Produkte heute zu 100% ins Inland.
-
- Georg Klier meldete seine
Firma am 1.2.1948 an. Das Unternehmen war bereits 1924 in Schönbach
ins Firmenregister eingetragen worden. In Nauheim produzierte man in
der Bahnhofstr. 37, Musikbestandteile. Die Spezialität lag bei
Bogenteilen. Im gleichen Jahr zog man mit der Fertigung nach
Groß-Gerau um.
-
- Auch die Firma Klier &
Riedl, begann am 1.4.1948 als Harmonikastimmer. Die erste Werkstatt
war bei Familie Reitz, Bleichstr. 20. Karl Klier trennte sich am
28.6.1949 von Herrn Riedl und fertigte dann Akkordeons in der
Carlo-Mierendorff-Str.3 und in der Schillerstr.20, ehe sein
Geschäft am 6. 10. 1954 abgemeldet wurde. Er wechselte die
Branche und begann ein Lebensmittelgeschäft in der
Schillerstraße 20. Jahre später zog er nach Bad Füssing.
Unter der neuen Firmenbezeichnung Rudi & Roland Klier,
Akkordeonbau wurde in Nauheim die Akkordeonfertigung weiter
betrieben, bis man am 1.6.1952 in die eigenen Werksräume nach
Groß-Gerau zog.
-
- Am 25.August 1897, als Josef
Püchner im böhmischen Graslitz, damals Teil der
Österreich-Ungarischen-Donaumonarchie, das Licht der Welt
erblickte, meldete sein Vater Vinzenz Püchner gleichentags ein
selbstständiges Gewerbe als Holzblasinstrumentenmacher an. Die
Firma Püchner ist also ein Unternehmen mit mehr als
hundertjähriger Tradition. Unmittelbar nach der Währungsreform
(20.6.1948) begannen Vater Josef und Sohn Walter Püchner mit
dem Aufbau einer Werkstatt in Nauheim und gründeten die Firma
Josef Püchner, früher Vinzenz Püchner,
Graslitz. Walter Püchner beschreibt den Neuanfang:
-
Unsere Bemühungen, in
den Orchestern des Umkreises Kunden für Reparaturen und
Umbauten zu finden, waren nach und nach erfolgreich. Durch gute
Arbeit das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, die wiederum durch
Mundpropaganda dies publik machten, war unser Werbemittel. Umbauten
der Oboen am Hessischen Rundfunk vom deutschen zum französischen
System in solider handwerklicher Art war ein Einstieg. Der Mangel an
trockenen Hölzern verhinderte den Bau von neuen Instrumenten..
In dieser Zeit schafften wir uns eine Erwerbsquelle durch den Bau
von Motorradhupen, Notenpulten und Klarinettenmundstücken aus
Kautschuk.
-
Schließlich gelang es,
ältere Holzbestände aufzukaufen, die bereits mehr als 10
Jahre gelagert hatten, und der Klarinettenbau, kurz darauf auch der
Oboen- und schließlich der Fagottbau konnte wieder aufgenommen
werden. Die Werkstatt war in den ersten Nachkriegsjahren
provisorisch in der Bleichstraße 40 untergebracht und Walter
Püchner erinnert sich:
-
Mit Oboen und Klarinetten
fanden wir mehr und mehr Anklang in den umliegenden Orchestern wie
u.a. in der Frankfurter Oper, Mainzer Oper und im Rundfunk
Frankfurt. Der Kauf des Grundstückes in der Beethovenstraße,
um eine richtige Werkstatt samt Wohnhaus zu bekommen, waren jetzt
Notwendigkeiten.
-
1955 wurde dann eine richtige
Werkstatt und Wohnung in der Beethovenstr. 18 fertiggestellt. Nach
und nach baute man neue Kundenkontakte auf. Die Musiker fühlten
sich von der familiären Atmosphäre im Hause Püchner
immer speziell angesprochen. Fachlich kompetent betreut von Josef
und Walter, finanziell beraten von Gerta im Büro und lukullisch
verwöhnt von Paula Püchner- wurden die Kunden über
das rein Geschäftliche hinaus umsorgt und es entstanden
langjährige Freundschaften zwischen den Musikern und der
Püchner-Familie.
-
Walter Püchner hatte 1963
die Meisterprüfung im Holzblasinstrumentenbau in Koblenz
abgelegt. 1967 wurde die Firma in eine offene Handelsgesellschaft
mit Josef, Walter und Gerta Püchner als Gesellschafter
umgewandelt. Der Betrieb ging mehr und mehr in die Hände der
jüngeren Generation über, aber Josef Püchner war bis
ins hohe Alter täglich schon frühmorgens in der Werkstatt
anzutreffen, um die auszuliefernden Instrumente kritisch
durchzusehen.
-
Am 4.Juli 1988 verstarb Josef
Püchner im Alter von 91 Jahren.
-
1988 wurde die J. Püchner
Spezial Holzblasinstrumentebau GmbH gegründet, in die als
vierte Püchner-Generation die Kinder von Walter Püchner:
Gabriele und Gerald als Gesellschafter eintraten. Gabriele Püchner
absolvierte nach dem Abitur ein Klavierstudium an der Akademie für
Tonkunst in Darmstadt und studierte Oboe in Darmstadt und Frankfurt.
Nach Examen und Lehrauftrag arbeitet sie seit 1983 in der
Geschäftsführung mit. Gerald Püchner absolvierte eine
Lehre zum Holzblasinstrumentenmacher und legte 1992 in München
die Meisterprüfung ab. Er ist zusammen mit Walter Püchner
maßgeblich an der Modellpflege und Entwicklung beteiligt.
-
Auch Vorträge über
Holzblasinstrumente gehören seit etlichen Jahren zum
Wirkungsfeld von Walter und Gerald Püchner. Praktische Tips,
wie Holzblasinstrumente in Selbsthilfe optimal funktionstüchtig
gehalten werden, gibt Püchner auf Symposien und in Hochschulen
im In- und Ausland gerne weiter.
-
Heute sind in der Firma rund 30
Mitarbeiter tätig. Viele gehören dem Hause Püchner
seit langem an, einige sogar mehr als 35 Jahre.
- All unsere Erfolge
fußen auf Qualität, fachlichen Können und Erfahrung.
Diese Leistungen kann man nur schaffen und aufrechterhalten, wenn
man über eine Belegschaft voller Verantwortungsbewußtsein,
Engagement und Erfahrung verfügt, ist sich Walter Püchner
bewußt. Immer wieder in der Püchnerschen Geschichte war
der Ideenaustausch mit Holzbläsern Auslöser für neue
Entwicklungen. Enge Zusammenarbeit mit führenden Bläsern
verknüpft mit bester handwerklicher Qualität ist darum
firmenphilosophische Grundlage und Rezeptur auch für das
begonnene zweite Jahrhundert.
-
- Am 5.8.1948 meldete Josef
Siebenhüner, Musikinstrumentenmacher seine Firma an. Seine
Fertigungsstätte war in der Wilhelm-Liebknecht-Str. 12. Am
16.3.1949 meldete er die Firma wieder ab.
-
- Eine weitere Firma entstand
in der Königstädter-Str. 20. Dort hatte Karl Wohlrab,
Metallgießer und Bestandteilerzeuger für
Musikinstrumente, am 15.2.1949 seine Arbeit aufgenommen. Am 6.7.1949
meldete Herr Wohlrab das Geschäft wieder ab.
-
- Am 1.3.1949 hatte Josef
Dörfler sein Holzblasinstrumente-Gewerbe angemeldet. Mit den
Herren Josef Kühnl und Franz Hamm arbeitet man in der
Hügelstraße 21. Hauptsächlich war man für die
Firma Keilwerth beschäftigt. Den von Keilwerth gelieferten
Saxophoncorpus versah man in mehreren Operationen mit dem
Klappenmechanismus. Nachdem die Firma Keilwerth immer weniger Arbeit
an Dörfler zu vergeben hatte, gründete man am 1.9.1950
die Firma Dörfler & Jörka, Saxophonherstellung.
Die Werkstatt hatte man in der Steinstraße 18. Am 31.12.1965
schied Hubert Jörka aus der Firma aus und das Geschäft
wurde von Josef Dörfler allein weitergeführt. Aus
Altersgründen meldete er die Firma am 31.1.1968 ab.
- Der Graveur Johann Zankl
meldete sein Geschäft am 19.6.1949 an. Seine Werkstatt hatte er
in der Carlo-Mierendorff-Straße 12, in der er bis zu seinem
Tod im Jahre 1953 arbeitete.
-
- Der Zuzug von neuen
Musikinstrumentenfirmen nach Nauheim ließ nun merklich nach.
Nach der Vertreibung hatten die meisten Wohnung und Arbeit gefunden.
Auch die Währungsreform vom 20.6.1948 hat dazu beigetragen. Man
konnte sich zwar fast alles wieder kaufen, aber unter der
Bevölkerung machte sich eine Abwartungshaltung breit.
-
- Die Einwohnerzahl Nauheims
ist von 2313 Personen im Jahre 1933 auf 3886 Personen im Jahre 1950
angestiegen.
-
- Erst am 1.2.1951 meldete mit
dem Geigenbauer Andreas Moritz Schäfer wieder jemand eine Firma
an. Er fertigte in der Carlo-Mierendorff-Str. 9 und meldete sein
Geschäft am 30.6.1969 wieder ab.
-
- Am 7.8.1952 meldete Anhalt
Julius Erich einen Export- und Musikinstrumentenhandel in der
Rheinstr. 4 an. Am 26.10.1955 wurde er wieder abgemeldet.
-
- Richard Himmer, Goethestr. 39
meldete am 1.10.1952 eine Firma für Geigenbau an. Sie wurde am
31.5.1955 wieder abgemeldet.
-
- Am 2.12.1952 meldeten die
Gebr. Max und Rudolf Bauerfeind ihre Produktion von
Perinet-Trompetenmaschinen an. Sie kamen von London, aber bereits im
Jahre 1903 war das Geschäft durch Gustav Bauerfeind in
Schwaderbach bei Graslitz gegründet worden. Die erste Werkstatt
in Nauheim war in der Bahnhofstraße 43. Im Jahre 1956 erfolgte
der Umzug in den neu erbauten Betrieb, Alte Mainzer Straße 16.
Mit 10 Mitarbeitern unter der Betriebsleitung von Max sen. und Max
jun. Bauerfeind, begann man auch mit der Trompetenfertigung. Dieser
Betriebszweig existiert bis zum heutigen Tag unter der
Firmenbezeichnung Max Bauerfeind und Co. Man beschäftigt zur
Zeit 7 Mitarbeiter, mit einem Exportanteil von über 50%.
Hauptabnehmer sind die USA und die Schweiz und man hofft, auch in
Zukunft, erfolgreich fertigen zu können.
- Ein Unternehmen für
Flachstichgravuren eröffnete Anton Deibl 1953 in der Mühlstraße
4. Im Jahre 196o verlegte Herr Deibl seine Werkstatt in das neue
Eigenheim in der Mozartstraße 32, in der er bis zu seinem Tod
am 26.2.2000 noch tätig war.
-
- Am 1.8.1953 eröffnete
Willy Keylwerth sein Export- und Importgeschäft für
Musikinstrumente. Ohne Eigenkapital und Kredit mußte er unter
schwierigsten Umständen den Aufbau bewerkstelligen. Die
Kontakte mit den ausländischen Kunden wurde durch die
Frankfurter Frühjahrsmesse aufrecht erhalten, die erstmals 1957
beschickt wurde. Anfangs handelte man in erster Linie mit
Blasinstrumenten, 1955 kamen Schlagzeuge ebenso hinzu wie Gitarren
und diverses Zubehör. Anfang der 70er Jahre nahm man in dem
Geschäft Schleifweg 13 auch elektronische Orgeln und später
sogar Klaviere in das Verkaufsangebot auf. Der Umsatzhöhepunkt
lag im Jahre 1978 mit dem Verkauf von 30 000 Instrumenten. Aus
gesundheitlichen Gründen wurde das Unternehmen 1989 aufgegeben.
Willy Keylwerth war auch lange Jahre Vorsitzender und Organisator
des Arbeitskreises der Nauheimer Musiktage, die erstmals 1970
veranstaltet wurden.
-
- Heinrich Sandner,
Akkordeonbauer meldete am 1.2.1954 seine Firma an. Die Werkstatt
hatte er in der Feldstraße 5. Bereits am 30.9.1954 wurde das
Geschäft wieder abgemeldet.
-
- Am 25.11.1955 meldete Walter
Neudel, Zupfinstrumentenmachermeister seinen Betrieb in Nauheim,
Mainzer Landstraße 10 an, den er am 16.10.1959 wieder
abmeldete.
-
- Ebenfalls in der Mainzer
Landstraße 10 fertigte seit dem 15.12.1955 Stephan Liebender,
Musikinstrumente. Am 1.12.1958 erfolgte die Abmeldung.
-
- Seit dem 1.7.1956 bestand die
Firma Anton Schmucker, Baß- und Celloerzeugung. Seine
Werkstatt hatte er in der Bahnhofstraße 76 bis er sie am
31.5.1964 abmeldete.
-
- In der Zeit vom 26. - 31.Juli
1957 feierte die Musikinstrumentenindustrie in Nauheim ihr 10
jähriges Bestehen. Die Festlichkeiten zogen sich über 5
Tage hin und die Veranstaltungen fanden in der Nauheimer Stoga-Halle
(heutiger Bauhof in der Alten Mainzer Straße) statt. Man
hatte sich einiges einfallen lassen wie Festkonzert des
Opelwerksorchesters, Musikinstrumentenausstellung,
Gemäldeausstellung, Weckruf, Feldmesse, Festball in drei
verschiedenen Sälen, Militärkonzert, Kultur- und
Heimat-Abend und sogar der Hessische Rundfunk fand den Weg nach
Nauheim. Obwohl der Besuch sehr gut war, litt leider alles unter
der schlechten Witterung. Nachfolgend ein Bericht aus dem
Graslitzer Heimatbrief vom August 1957:
-
Am 20.12.1958 entstand eine neue
Firma. In der Goethestraße 41 eröffnete Anton Sattler
eine Anfertigung für Druckwerken für die
Musikinstrumentenindustrie. Am 1.2.1968 wurde die Firma wieder
abgemeldet.
-
- Am 27.11.1959 und nicht 1961,
wie mehrmals publiziert, kam der Betrieb von Karl Fischer (10),
Wirbeldrechslerei zur Anmeldung. Der Betrieb war bereits um 1900 in
Schönbach gegründet worden. 1946 begann man wieder in
Mittenwald bevor man nach Nauheim zog. Herr Fischer war einer der
letzten fünf Wirbeldrechsler in der Bundesrepublik. Noch in den
70er Jahren verließen Wirbel für 1080 Geigen wöchendlich
die Bahnhofstr. 74. Ab 1.1.1975 führte der Sohn Manfred
Fischer die Firma alleine weiter, bis er 1979 eine Tätigkeit in
einer anderen Branche aufnahm und das Geschäft abmeldete.
-
- Als Hausgewerbetreibender im
Musikinstrumentenmacher Handwerk meldete Emil Brandner sein Geschäft
am 1.6.1962 an. Er betrieb es bis zu seinem Tod am 1.12.1995.
-
- Am 5. Juli 1964 fand der
Hessentag in Kassel statt. Die Nauheimer Musikinstrumentenindustrie
nahm daran mit einem prunkvollen Festwagen teil. Der Festwagen glich
mehr einem Raddampfer, in dessen Rädern die einzelnen
Musikinstrumente zu sehen waren, die in Nauheim gefertigt wurden.
Auf dem Schiff konzertierte das Nauheimer
Jugend-blasorchester und man fand großen Beifall.
-
- Unter der Gewerbebezeichnung
Hausgewerbetreibender im Musikinstrumentenmacher-Handwerk begann am
22.9.1964 Jürgen Richter sein Geschäft in der Taunusstraße
9, das am 13.12.1967 wieder abgemeldet wurde.
-
- Die Firma Josef Lausmann OHG
wurde 1899 von Richard Lausmann in Eibenberg bei Graslitz gegründet.
Nach der Vertreibung erfolgte die Neugründung durch Josef
Lausmann 1953 in Königstädten in der Astheimer Straße
16. Am 1.9.1968 verlegte man den Betrieb nach Nauheim, Rüsselsheimer
Straße 13. Im Jahr 2000 wird das Unternehmen in der
3.Generation von Dipl.-Wirtsch.-Ing. Josef Lausmann geführt. Es
werden Mundstücke für Blechblasinstrumente und
Präzisionsdrehteile gefertigt.
-
- Max Wesp, Unter der Muschel
27, meldete am 6.1.1970 seine Firma Erzeugung für
Musikinstrumente und Bestandteile an. Ab 15.6.1983 übernahm
Sohn Frank die Firma bis er sie am 31.10.1990 abmeldete.
-
- Am 1.6.1974 meldete Gerhard
Siebenhüner, Eibenweg 9 seinen Einzelhandel für
Musikinstrumente an, aber bereits am 31.12.1975 meldete er das
Geschäft wieder ab.
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- Hans H. Riedl,
Holzblasinstrumente eröffnete seine Firma am 10.1.1987. Er
führte in seiner Werkstatt Ahornweg 2, Reparaturen und
Montagaoperationen durch. Am 1.9.1989 wurde das Geschäft durch
den Verkauf von Holzblasinstrumenten und Zubehör ergänzt.
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- Das Musikhaus Glassl zog am
3.2.1988 nach Nauheim, Adam-Opel-Straße 12. Gegründet
wurde die Firma von Heribert Glassl im Jahre 1956 in Königstädten,
Rheinstraße 26. Heribert Glassl begann seine berufliche Aus-
und Weiterbildung zum Metallblasinstrumentenmacher von Januar bis
Mai 1946 in Graslitz. Danach erfolgte die Ausweisung. Seine Lehr-
und Gesellenzeit verbrachte er in Markneukirchen/Vogtland,
Göttingen, Süd-Wales, Köln, sowie ein kurzes
Gastspiel in der Schweiz. Im April 1954 kam Heribert Glassl zur
Firma Keilwerth nach Nauheim. Bereits im August 1956 meldete er ein
Nebengewerbe an, daß im Oktober 1958, nach Ablegung der
Meisterprüfung, zum Hauptgewerbe wurde. Am Anfang wurden
Reparaturen durchgeführt und einige Trompeten und Posaunen
gefertigt.
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Ab 1967 wurden Sousaphone mit
Fiberglascorpus hergestellt. Bis zum heutigen Tage ist man der
einzige Hersteller dieser Instrumente in Europa. Seit 1980 ist die
Glassl Es Alt Posaune ein in die ganze Welt geliefertes
Produkt. Der 1988 erfolgte Umzug in größere Betriebsräume
in Nauheim hat auch bessere Arbeitsbedingungen gebracht. Seit 1996
werden auch B Tuben mit Fiberglascorpus gebaut. Das
neueste Produkt des Hauses sind Alphörner. Das Musikhaus
Glassl, das von Heribert Glassl und seinem Sohn Jürgen,
ebenfalls einem gelernten Metallblasinstrumentenmacher geführt
wird, erfreut sich in der Branche eines guten Rufes.
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- Hatte die Nauheimer
Musikindustrie beim Hessentag 1964 in Kassel noch einen prunkvollen
Festwagen finanziert, so überließ man 30 Jahre später
beim Hessentag, am 12.Juni 1994 in Groß-Gerau, die
Präsentation der Nauheimer Musikindustrie dem Graslitzer
Stammtisch. Tagelang wurde von den Stammtischbrüdern an
den beiden Festwagen gearbeitet und das Ergebnis konnte sich sehen
lassen. Als Geschenk für den hessischen Ministerpräsident
Hans Eichel hatten die Stammtischler eine Gitarre organisiert, man
wollte ja nicht mit leeren Händen dastehen. Nachdem auch ein
Sponsor für das Bier, Alfred Hoyer, gefunden war, konnte der
dreistündige Umzug, bei herrlichem Sonnenschein, beginnen.
Selbst im Fernsehen wurden die beiden Wagen mit Lob und Anerkennung
bedacht.
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- Eine neue Geschäftseröffnung
gab es am 1.8.1997. Wolfgang Schuster, Holzblasinstrumentenmacher,
machte sich in der Schillerstraße 20, mit einer
Reparaturwerkstätte für Holzblasinstrumente,
selbstständig.
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- Die Jugend auf dem Vormarsch.
Auch Stephan Bösken meldete am 1.3.1998 seine Firma an. Nach
einer gut fundierten Ausbildung und Studium im Instrumentenbau über
die Stationen Nauheim, Wiesbaden, Ludwigsburg und London eröffnete
er in der Groß-Gerauer-Straße 8 in Nauheim sein
Unternehmen für Holzblasinstrumente, sowie Reparatur und
Handel.
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- Es gab in Nauheim sicher noch
einige andere kleine Firmen oder Familienbetriebe, die in Schuppen,
Scheunen, Waschküchen oder Ställen ihre ersten
unternehmerischen Schritte starteten. Sie wurden aber ins
Gewerbetagebuch der Gemeinde oder in die Handwerkerrolle nicht
eingetragen und sind deshalb lokal und zeitlich nicht einzuordnen.
Nach internen Schätzungen waren in der Glanzzeit bis zu 600
Personen in der Nauheimer Musikinstrumentenindustrie beschäftigt.
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- Mit den in der näheren
Umgebung beheimateten Firmen
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Johann Siebenhüner,
Walldorf-Mörfelden, Saitenfabrik
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Gunter J.Klier
Groß-Gerau Perlmutteinlagen
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Alois Sandner
Königstädten Bogenmacher
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Franz Loquai
Zithererzeugung
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Andreas Sandner
Gitarrenmacher
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Karl Bauerfeind
Schleiferei
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Max Kahl
Instrumentenbau und
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Franz Sattler
Schlaginstrumente
- ist hier ein Potential
geschaffen worden das seinesgleichen sucht. Die
Musikinstrumentenindustrie spielte für die finanzielle
Situation der Gemeinde Nauheim zumindest bis in die 60er Jahre eine
bedeutende Rolle, auf die ich jedoch nicht näher eingehen will.
Es soll aber nicht vergessen werden, daß dadurch auch
fruchtbarer Boden bereitet wurde, für die in Nauheim ansässigen
Klangkörper wie Musikverein, Jugendblasorchester,
Erzgebirgischer Heimatverein, Blasorchester der SKV, Dorfmusik,
Junge Musiker, die Nauheimer Musikschule, der Graslitzer
Stammtisch und der vielen Tanzorchester,die in all den Jahren
der Nauheimer Bevölkerung viel Freude brachten. Ohne die
Musikindustrie würden viele dieser musikalischen Vereinigungen
sicher nicht bestehen.
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- Wenn man heute, nach mehr als
fünfzig Jahren nach der Gründung der ersten
Musikinstrumentenfirma in Nauheim, eine Bilanz ziehen soll, so kann
man feststellen, daß bei allen Firmen das Positive im
Vordergrund steht. Trotz vorübergehender Probleme hat man in
den vergangenen Jahren doch einen steten Aufschwung genommen. Auch
in der Zukunft wird das nicht anders sein. Vertrauend auf das
Können, des Fleißes und der Kreativität wird man
auch in den nächsten Jahren erfolgreich sein und den weltweiten
Ruf der Musikgemeinde Nauheim hochhalten.
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- Daß der Beginn nicht
einfach war wird allen, die es miterlebt haben, noch in guter
Erinnerung sein. Viele Hürden mußten genommen werden.
Heute, nachdem man von den Ereignissen genügend Abstand
gewonnen hat, kann man besser verstehen, weshalb nach Kriegsende
Menschen der gleichen Sprache und Volkszugehörigkeit
Anfangsprobleme hatten.
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- In der Festschrift 10
Jahre Musikinstrumenten-Industrie Nauheim, 1957 hatte Herr
Lehrer Merle den Wunsch geäußert, daß zukünftige
Chronisten Nauheims nicht mehr von Altbürgern und
Neubürgern sprechen und diejenigen, die
unverschuldet Haus und Hof, Hab und Gut zurücklassen mußten,
Nauheim als ihre zweite Heimat ansehen. Das kann heute ohne jede
Einschränkung bestätigt werden. In vielen Gesprächen
mit Heimatvertriebenen wird immer wieder darauf hingewiesen, daß
man mit unserer neuen Heimat Nauheim eine Sechs im Lotto
gewonnen hatte. Es ist unbestritten, daß die Integration der
Vertriebenen in Nauheim beispielgebend für viele Gemeinden in
ganz Deutschland war. Und darauf, meine ich, können wir doch
alle gemeinsam stolz sein.
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- Quellen- und
Literaturverzeichnis.
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- (1) Josef Mühlberger,
Sudetendeutscher Schicksalsweg, 1976
-
(2) Hess. Staatsarchiv, Vom
Neubürger zum Mitbürger, Wiesbaden 1992
-
(3) Jürgen Greim, In
einer neuen Heimat, Hof 1990
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(4) Hartmut Reitz und Udo Pfeifer,
Heimatvertriebene und die
-
Musikinstrumentenindustrie, 1989
-
(5) Biographie von Josef Köstler,
niedergeschrieben in den 50er Jahren. Sie befindet
sich in Familienbesitz.
- (6) Ortrud Becker, Geflüchtet,
Vertrieben, Aufgenommen, Groß-Gerau 1990
-
(7) Gespräch mit Hugo
Schreiber am 4.2.2000
-
(8) Theoderich Schmidt, Graslitz,
München, 1983
-
(9) Gespräch mit Albert Winter
am 4.2.2000
-
(10)25 Jahre hessische
Musikinstrumenten-Industrie, Publikation des Gmeindevorstands1972
- (11) Wilhelm Kuhlmann, Richard Kaul,
Harald Hock, 400 Jahre Schule in der
-
Gemeinde Nauheim , Nauheim
1993
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