
ESTLAND 2005
Ensemble GuitArt & Bielefelder Gitarrenensemble
mit den Solisten
Duo Kvaratskhelia
Invitation - Events - Programm - Reisebericht
|
|
On behalf of the Heino Eller Music School of Tartu I invite the
Ensamble
|
03.september day for sightseeing Tallinn - Deutschen Kulturinstitut/Goethe-Institut Tallinn
04. september day for sightseeing Tartu 15.00 - Deutsches Kulturinstitut Tartu dki@dki.ee
05. september concert in Viljandi Culture Hall 19.00 http://www.viljandikultuurimaja.ee/
06. september concert in Tartu St.Johns Church 18.00
07. september concertin Narvas Geneva Culturecenter 19.00 http://www.geneva.ee/
08. september workshop for conducting of guitar ensemble and
for performing of contemporary music on guitar in H.Elleri nim. Music School http://eller.tmk.ee/
09. september concert in Tallinn http://www.nmkool.ee/
Nõmme Music School
Estland – Tour 2005 (2. - 10. September 05)
Ensemble GuitArt – Heidelberg (Ltng:
Helmut Oesterreich, Solisten „Duo Kvaratskhelia“)
Bielefelder Gitarrenensemble (Ltng: Hans Irmer)
![]()
Bielefelder Gitarrenensemble in der Musikschule Tallinn Hans Irmer - Kristel Kuslap - Helmut Oesterreich
Die Zusammenarbeit der beiden Ensembles, die mit jeweils ca 20 Teilnehmern Estland bereisten und dort konzertierten, hat inzwischen Tradition. Der Kontakt besteht schon seit der ersten gemeinsamen Reise 2001 nach Bulgarien und setzte sich 2004 bei einem weiteren Reiseprojekt: Bosnien (mit Sarajewo und Mostar) fort. Beide Ensembles sind Preisträger des Deutschen Orchesterwettbewerbs und erfreuen sich daher der Förderberechtigung durch das Goethe - Institut, das auch diesmal dankenswerterweise wieder einen großzügigen Zuschuss gewährte.
Konzept dieser gemeinsamen Tourneen ist es, Kontakte mit ausländischen Gitarristen, Gitarrenensembles und Musikern aufzubauen, Erfahrungen auszutauschen durch Konzerte, auch möglichst durch gemeinsame Konzerte mit den Musikern des bereisten Landes, und durch gemeinsame Workshops.
Die gastgebende Institution war die renommierte Heino Eller Music School in der Universitätsstadt Tartu, wo auch der Workshop stattfand. (Heino Eller war ein wichtiger Estnischer Komponist und Pädagoge, ehemals Lehrer von Arvo Pärt). Die organisatorische Betreuung im Lande wurde jedoch von der Direktorin der Forest Music Agency, Frau Kristel Kuslap, sehr professionell ausgeführt. Sie hatte den gesamten Aufenthalt in Estland durchgeplant. (ursprünglich sogar 8! Konzerte für die 7 Tage im Lande für uns gehabt, von denen wir jedoch lediglich 5 in der knapp bemessenen Zeit unterbringen konnten.) Abgesehen von den Konzertterminen bedeutete dies: sie hatte im Vorfeld bereits eine groß angelegte Werbekampagne mit Zeitungsanzeigen, Plakatdruck, Rundfunkankündigungen etc. gestartet, sie hatte Auftrittsorte und Säle ausgesucht und terminlich aufeinander abgestimmt, sie hatte für den Bustransfer gesorgt und schließlich auch Sightseeing – Events, Führungen und Museumsbesuche vorgesehen.
on the road
Die Stationen der Unternehmung im Einzelnen waren wie folgt:
Nach Vorbereitungsproben in Heidelberg und Bielefeld brachte ein Bus die beiden Ensembles zum Flughafen Berlin-Schönefeld, wo der Flug nach Tallinn am frühen Abend des 02.09. startete. Nach 90 min bereits war die Landung, bei der wir schon erwartet und empfangen wurden.
Der erste Tag bzw. die ersten 2
Nächte logierten wir mitten in Tallin’s Altstadt im Vana Tom Hostel, einer
jugendherbergsähnlichen Einrichtung. Der noch konzertfreie Tag war weiteren
intensiven Proben sowie der Stadtbesichtigung (mit einer Führung, die uns
zahlreiche interessante historische Details vermittelte) und Erkundungen, teils
in der ganzen Gruppe, teils auch individuell, vorbehalten.
Am Morgen des 4.9. reisten wir dann weiter in die Universitätsstadt Tartu, wo wir für die nächste 4 Tage wohnten. Zwei junge Damen vom Deutsch-Estnischen Kulturinstitut informierten uns über die Stadt und zeigten die Sehenswürdigkeiten. Nochmals wurde dann geprobt und vom nächsten Tag an gab es jeden Abend oder Nachmittag ein Konzert. Das erste fand statt in einem Saal der Stadt Viljandi im Landesinnern. Auch hier hatten wir zuvor wieder eine Führung und wurden sehr lebendig vor allem in die jüngere Geschichte eingeführt, die auch so betroffen machende Fakten wie die Verschleppung fast der gesamten Estnischen Bevölkerung während der Stalin - Ära nicht aussparte.
Unser Auftritt war dann abends. Das Programm (auch der darauffolgenden Konzerte) wurde in der ersten Hälfte vom Bielefelder Gitarrenensemble gestaltet:
1. Teil: Bielefelder Gitarrenensemble
Musik der Engl. Renaissance Acht Stücke von Dowland, Moreley u.a.
Maximo Diego Pujol Grises Y Soles
Leo Brouwer Acerca Del Cielo, El Aire Y La Sonrisa
La Ciudad De Mille Cuerdas
Fantasia De Los Echos
Andrew York Quiccan
(Quartett: Benjamin Njuhvic, Almut Pingel,
Melanie Ptatschek, Benjamin Trinczik)
Klaus Wüstenhoff Concerto Di Samba – I. Satz Allegro
(Solisten: Benjamin Njuhvic, Melanie Ptatschek,
Benjamin Trinczik)
2. Teil: Ensemble GuitArt:
Felix Mendelssohn-Bartholdy Fugue – Lied Ohne Worte
Oliver Kälberer Balloon IV (Uraufführung in Tartu)
Gerald Garcia Lorca Concerto
II Satz Nana
(Solisten: Nick & David Kvaratskhelia)
Joseph Haydn Concerto in C (Lyrakonzert)
Allegro – Andante – Presto
(Solisten: Nick & David Kvaratskhelia)
Zum Abschluss und als Zugaben spielten beide Ensembles gemeinsam die Stücke „Summertrip“ von Jürgen Klose und “Frog Galliard“ von John Dowland.
Die beiden aus Georgien stammenden Solisten Nick und David Kvaratskhelia sind ein professionelles Gitarrenduo das auf höchstem Niveau spielt. In einigen der Konzerte präsentierten sie sich auch allein ohne Ensemblebegleitung mit einer atemberaubenden Interpretation der „Tarantella“ von Pierre Petit. Sie waren dem Ensemble GuitArt bereits bekannt von deren Reise nach Tiflis im Jan. 2004, die damals enorm engagiert von ihnen betreut wurde. Die Bearbeitung des Haydn-Konzerts stammt von H. Oesterreich.
Das wohl repräsentativste vor allem aber publikumsreichste Konzert fand am nächsten Tag in Tartu in der Jani – Kirche (Kirche vom Hl. Johannes) statt. Diese im 2. Weltkrieg zerstörte Kirche wurde erst im vergangenen Jahr nach eingehender Restaurierung wieder ihrer Bestimmung übergeben und übrigens von Bundespräsident Köhler eingeweiht. Noch 10 min nach dem vorgesehenen Konzertbeginn standen Leute bis auf die Straße Schlange, um Einlass zu bekommen. Dementsprechend war die geräumige Kirche dann bis auf den letzten Platz besetzt, übervoll. Mit im Publikum waren die Gastgeber der Musikschule, die Direktorin und ihre Beauftragte für Auslandskontakte, Frau Lina Kytt sowie etliche Gitarristen und Gitarrenlehrer aus Tartu. Das enthusiastisch gefeierte Konzert wurde aufgenommen und gefilmt und im Anschluß eine DVD davon hergestellt.
Das nächste Konzert war im Theater der östlichsten Stadt des Landes, in Narva. Hier herrscht schon (oder noch) ganz der russische Einfluss. Die Grenzstadt ist gerade mal noch 140 km von St. Petersburg entfernt. Wir besichtigten die historische Festung, die ihr Pendant auf der russischen Seite am anderen Ufer des Grenzflusses hat. Die Stadtverwaltung Narvas hatte für uns nach der Ankunft ein Mittagessen bereitgestellt. Auch hier war das Publikumsinteresse groß, wenn auch der riesige Theatersaal nicht ganz gefüllt war.
Schließlich dann der Workshop und
das Konzert in der Musikschulen von Tartu. Estnische Gitarristen spielten uns
vor und erbaten Tipps von unseren Solisten sowie von Hans Irmer und H.
Oesterreich. Anschließend wurde in einer öffentlichen Probe mit ihnen und
einigen Spielern unserer Ensembles gemeinsam ein Werk von Gabrieli einstudiert.
Einige Estnische Solobeiträge und dieses „Workshopensemble“ eröffneten das
Konzert vor dem vollbesetzten Musikschulsaal. Anschließend gab es in der
Musikschule Kaffee und einen Imbiss. Hier und später am Abend wo man sich in
einem Georgischen Restaurant traf, gab es Gelegenheit zu zahlreichen Gesprächen
über die musikalische Ausbildungssituation in Estland, über Gitarrenbauer,
Gitarristen und Konzerte, aber auch über die allgemeine Lebenssituation, die Vor
– und Nachteile der Unabhängigkeit, die nationale Identität, die
Zweisprachigkeit, die Eingliederung in die EU.
Nach diesem Highlight, der den Abschluss des Aufenthaltes in Tartu bildete, hatten wir nochmals eine Übernachtung und zuvor ein Konzert in Tallinn. Auch hier, in der bedeutendsten Musikschule, wie uns der Direktor versicherte, war der Saal komplett voll, die Zuhörer waren Fachkollegen, Musikschulschüler und Lehrer sowie der Leiter des Goethe – Instituts Tallinn, Herr Harald Biek, der uns nach der Veranstaltung begrüßte und beglückwünschte.
Tallinn
Der Rückflug war erst am nächsten Abend, sodaß noch einmal Zeit blieb in der Altstadt zu bummeln und Souvenirs, folkloristische Textil - Handarbeiten, Holzschnitzereien, Bernsteinschmuck oder Glaskunst, zu besorgen.
-------------------------------------------------------
Humor:

... und so schrieb mir Herr G., dieses Länderlexikon sei hochinteressant, es verzeichne für jedes Land nicht nur die Hauptstadt und die Einwohnerzahl, sondern auch Klimadaten, die Kriminalitätsrate, die Zusammensetzung der Bevölkerung, die Ausgaben für das Gesundheitssystem und die Zahl der im Land lebenden Hühner.
Die Zahl der Hühner?
Ja, zum Beispiel leben in Frankreich 230 Millionen Hühner, in Großbritannien 168
Millionen, aber in Deutschland nur 108 MilIionen. Obwohl wir viel mehr Einwohner
haben. Wir sind eigentlich ein relativ hühnerarmes Land, das dringt einem gar
nicht ins Bewusstsein. Übrigens gibt es Länder, in denen es überhaupt keine
Hühner gibt. Der Vatikan. Katar. Die Marshallinseln. Andorra. Man liest das und
stellt sich vor, wie die Rechercheure des ADAC‑Länderlexikons um die ganze Welt
gereist sind und überall die Hühner gezählt haben, in jeden Stall haben sie
hineingeguckt, die Hühner in Reihen antreten lassen, und dann wurde
durchgezählt.
Was für ein Aufwand! Was für eine Liebe zum Detail! In China leben 3,77
Milliarden Hühner, in den USA 1,83 Milliarden, aber in Tuvalu mitten im Pazifik
nur 27 000. Nun aber zu Estland. Das war ja der Grund, weshalb Herr G. mir
geschrieben hatte. Für Estland verzeichnet das ADAC‑Länderlexikon nämlich eine
Hühnerzahl von 3 003 746 Millionen. Drei Billionen drei Milliarden
siebenhundertsechsundvierzig Millionen Hühner. In Estland! Ein Druckfehler?
Druckfehler kann ich mir beim ADAC nicht vorstellen. Ebenso wenig wie beim TÜV
Estland hat 45 226 Quadratkilometer. Da bedeutet ungefähr 66, 5 Millionen Hüher
pro Quadratkilometer. Das bedeutet etwa 66 Hühner auf jedem Quadratmeter
Estlands. Man fragt sich, wo noch Platz für die 1,4 Millionen Esten ist. Warum
sie ihr ganzes Land den Hühnernb zur Verfügung gestellt haben. Herr G. hat
ausgerechnet, dass auf jeden Esten 2 145 533 Hühner entfallen, und er fragt
sich, wie lange es dauert, bis alle diese Hühner auf jeden einzelnen Kopf
entfallen sind. Er hat weiter gerechnet: »Nehmenwir der Einfachheit halber an,
ein Federtier bräuchte pro Kopffall 1 Sekunde; dann würden insgesamt für jeden
statistisch sauber ausgeführten Hühnerfall/Kopf 214553312 Sekunden benötigt,
also knapp 25 Tage.« Dreieinhalb Wochen Hühnerregen in Estland, ununterbrochener
schwerer Hühnerniederschlag. Man wagt es nicht, sich vorzustellen, wie die
Anzüge der ADAC‑Hühnerzähler aussahen, als diese tapferen Männer und Frauen
Estland endlich verlassen durften und nach Lettland weiterreisen konnten, wo nur
3,11 Millionen Hühner leben. Sie haben ja an der Grenze kaum die Tür hinter sich
schließen können, die Hühnerzähler. So stark drückten die estnischen Hühner
dagegen. Was fär ein Land, dieses Estland! Die Hauptstadt heißt übrigens
Tallinn. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist allein, dass wir jetzt auch mal
wenigstens ein bisschen an die Esten denken sollten und an ihr unglaublich
hartes Leben.

zurück zu: