Boßeln in Schleswig-Holstein 1. Einleitung

Ziel
Die traditionelle Sportart Boßeln soll in der folgenden Arbeit gesellschaftswissenschaftlich 
untersucht werden. Dabei lautet die zentrale Fragestellung:
Welche Auswirkungen hatten gesellschaftliche Veränderungen auf das Boßeln?
Dazu müssen die Wechselbeziehungen zwischen den drei gesellschaftlichen Bereichen
Politik, Wirtschaft und Kultur als Rahmen für eine Analyse der Entwicklung des
Boßelns gelten. Das heißt, es wird beschrieben wie die Sportart Boßeln zu verschiedenen 
Zeiten betrieben wurde und wie sie sich im Lauf der Zeit veränderte. Die Schwerpunkte sollen 
dabei die Veränderungen der gesellschaftlichen Bedeutung und die organisatorischen 
Veränderungen des Boßelns in der jeweiligen spezifisch historischen Situation sein. 
Diese Beschreibungen werden mit den jeweils neuen gesellschaftlichen und ökonomischen 
Bedingungen verknüpft.

Zentrale Begrifflichkeit
Der zentrale Begriff „Boßeln“ kennzeichnet eine Spiel- und Sportart ,
die an der schleswig-holsteinischen Westküste in den Gebieten Eiderstedt und Wilstermarsch,  
in den Marschgebieten Dithmarschens, sowie im Raum Husum betrieben wird.
Darüber hinaus wird der Begriff für ein verwandtes Spiel gebraucht, welches in den 
niedersächsischen Landschaften Oldenburg und Ostfriesland betrieben wird. Diese 
Begriffsgleichheit führt oft zu Verwechslungen. Diese beiden Spiele sind aber nicht 
gleichzusetzen. Das schleswig-holsteinische Boßeln ist eher mit dem Klootschießen vergleichbar, 
welches ebenfalls in Oldenburg und Ostfriesland betrieben wird.
Man findet in der Literatur zwei verschiedene Schreibweisen, das gebräuchlichere „Boßeln“ 
und das weniger benutzte „Bosseln“. Beide Begriffe werden jedoch synonym gebraucht.

Abgrenzung des Gegenstandsbereich
Zahlreiche Dokumente lassen darauf schließen, dass sich das alte Volksspiel Boßeln über 
Jahrhunderte nicht oder wenig änderte. Das hängt damit zusammen, dass sich die Arbeits- und 
Lebensbedingungen auf dem Lande in Schleswig-Holstein über Jahrhunderte wenig änderten. 
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam Bewegung in die Entwicklung des Boßelns. 
Einhergehend mit einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel veränderte sich auch das Boßeln. 
Deshalb soll auch dieser Zeitraum, das heißt ab ca. 1880 bis in die Gegenwart der 
Hauptgegenstand der Untersuchung sein.

Das besondere an dieser Untersuchung ist, dass sie nicht die schon hinreichend untersuchten 
Entwicklungen der großen Säulen der Bewegungskultur in Deutschland die schwedische Gymnastik, 
das deutsche Turnen oder den englischen Sport behandelt, sondern den Bereich der regionalen 
traditionellen Bewegungskultur, der in bisherigen sportgeschichtlichen Abhandlungen nur wenig 
Beachtung fand.

In diesem Zusammenhang soll der Frage nachgegangen werden, ob das Boßeln den Prozess der 
„Versportlichung“ ebenso vollzog wie es der Trend bei  Bewegung und Spiel  im ausgehenden 
19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert war.
Den Prozess der „Versportlichung“  kennzeichnet EICHBERG mit den folgenden Merkmalen:
- das Leistungsprinzip: Steigerung von in Zentimetern, Gramm, Sekunden und Punkten   
gemessenen Leistungen, Quantifikation und Rekordwesen,
- infolgedessen Bevorzugung von Übungen um Zeit und Geschwindigkeit,
- Leistungsstaffelung in hierarchisch angeordneten Meisterschaftsebenen,
- Vereins- und Verbandsstruktur mit bürokratischen Kontrollen, Regeln und Schiedsrichtern.
(Vgl. EICHBERG 1980, 398-399).

Forschungsmethodologie
Der Arbeit liegt eine deskriptive Methodenkonzeption zu Grunde. Erkenntnisse in dieser 
historischen Untersuchung wurden hermeneutisch gewonnen, dazu wurden Texte und Quellen gesammelt, 
systematisiert, interpretiert sowie zueinander in Zusammenhang gesetzt und daraus Schlüsse gezogen.

Überblick
Am Anfang wird die Spiel- und Sportart Boßeln, wie sie sich heute darstellt, kurz beschrieben. 
Vor diesem Hintergrund soll die Geschichte des Boßelns beleuchtet werden. Dazu wird die Entwicklung 
des Boßelns in verschiedene Epochen und Zeitabschnitte eingeteilt und mit einer Kapitelüberschrift 
versehen, die kennzeichnend für die Tendenzen in der jeweiligen Epoche ist. Die Kapitel sind in 
chronologischer Reihenfolge angeordnet. Die dazu angegebenen Jahreszahlen sind nicht absolut zu nehmen. 
Sie bezeichnen vielmehr den Kern bestimmter Entwicklungstendenzen. Es gibt aber durchaus fließende 
Übergänge und Überschneidungen. Besonders in der Zeit ab 1965 werden die Kapitel zeitlich trennunschärfer, 
da die in diesen Kapiteln angesprochenen Strömungen bis heute noch weiterzuverfolgen sind.
In fast allen Kapiteln wird ein sozialgeschichtlicher und ein sportgeschichtlicher Überblick gegeben. 
Angesichts des Rahmens dieser Arbeit sind diese jeweils sehr kurz und vereinfacht und beschränken sich auf 
die für die Geschichte des Boßelns relevanten Aspekte.
Am Ende der Arbeit werden die verschiedenen gegenwärtigen Entwicklungstendenzen aufgezeigt und ein Blick 
in die Zukunft gewagt, wie sich das Boßeln weiterentwickeln könnte.
Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit nochmals zusammengefasst.

Quellenlage
Datengrundlage für die Untersuchung war eine große Anzahl von Zeitungsartikeln, Verbandszeitschriften, 
Urkunden und Vereinschroniken. Nach der wahllosen Sammlung des Materials mussten die Quellen klassifiziert 
und der Informationsgehalt abgeschätzt werden. 
Umfangreichere Gesamtdarstellungen über das Boßeln gibt es wenig. Diese wenigen Darstellungen geben aber 
einen guten Einblick in das Spiel zur entsprechenden Zeit.
Eine wichtige Quelle über das Boßeln im 19. Jahrhundert bis zur Jahrhundertwende stammt von Professor 
W. Peters aus Kiel, der 1898 durch Eiderstedt wanderte und Material über das Boßeln sammelte und dieses 
in den „Jahresberichten des Vereins zur Förderung der Jugend- und Volksspiele in der Stadt Kiel“ in den 
Jahren 1899 bis 1902 veröffentlichte.
Die nächste wichtige Quelle stammt aus dem Jahr 1938. Georg Coldewey gibt in seinem Buch 
„Die Klootschießer- und Boßlerbewegung in Wort und Bild“ einen guten Überblick über das 
schleswig-holsteinische Boßeln und das niedersächsische Klootschießen zur Zeit des Nationalsozialismus und davor.
Die bisher letzte in Buchform herausgegebene Gesamtdarstellung stammt aus dem Jahr 1978 und behandelt die 
miteinander in Kontakt stehenden Lokalsportarten „Boßeln“ aus Schleswig-Holstein, „Klootschießen“ aus 
Niedersachsen und Holland, sowie „Bowl-playing“ aus Irland, herausgegeben von M. Augustin und F. Johannsen.
Die große zeitliche Lücke von 1938 bis 1978 schließt teilweise die Verbandszeitschrift „Lüch op!“ des 
Boßelverbandes, die von 1957 bis 1973 anfangs unregelmäßig mit ungefähr sechs Ausgaben pro Jahr und später 
(ab 1964) regelmäßig jeden Monat erschien. Sie dokumentiert sehr gut den Verlauf der Boßelentwicklung zu dieser 
Zeit und gibt auch Aufschluss über die Nachkriegszeit.
Ergänzt werden diese Veröffentlichungen durch die oben schon angesprochene große Anzahl von sogenannter „grauer“ 
Literatur, so dass die Möglichkeit einer lückenlosen Rekonstruktion der Entwicklung des Boßelns im 
Untersuchungszeitraum (ab ca. 1880 bis in die Gegenwart) gewährleistet ist.
Die Erkenntnisse, die aus dem vorliegenden Material gewonnen wurden, wurden in Zusammenhang gesetzt mit 
sozialgeschichtlichen Darstellungen über diese Region und diesen Zeitraum (besonders Aufsätze in 
„Geschichtsumschlungen“ von PAUL u.a. 1996, „Schleswig-Holsteins Weg in die Moderne“ von MOMSEN 1988, 
„Geschichte der Leibesübungen. Band 3/2“ von ÜBERHORST 1982 und „Schlaglichter der deutschen Geschichte“ 
von MÜLLER 1996), sowie mit zusammenfassenden Darstellungen über die Entwicklung des Sports in diesem Zeitraum 
(besonders die „Einführung in die Geschichte der Leibeserziehung und des Sports“ Band 2 und 3 von KRÜGER 1993, 
die „Geschichte der Leibesübungen“ Teilbände 3/1 und 3/2 von ÜBERHORST 1980 und 1982 und „Sportgeschichte“ von 
BOHUS 1986).



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