Der Grundgedanke des Boßelns ist sehr einfach: Man werfe mit einer Kugel möglichst weit. Dabei gibt es aber verschiedene Ausprägungen mit unterschiedlichen Regeln des Spiels und Sports, die im nachfolgenden kurz beschrieben werden sollen. Heute kann man die Gesamtheit des Boßelns in Schleswig-Holstein in drei verschiedene Ausprägungen mit verschiedenen Entwicklungslinien einteilen.
Zuerst ist die älteste Linie zu nennen: der „Feldbosselkampf“, welcher aus dem alten Heimatspiel „Eisboßeln“ hervorgegangen ist. Hier streiten zwei gleich große Parteien (gewöhnlich 15-25 Personen) gegeneinander. Jedes Mitglied wirft dabei entlang einer vorher festgelegten Wurfstrecke mit einer mit Blei gefüllten Holzkugel, die 500 Gramm schwer sein muss und 58 Millimeter im Durchmesser misst. Dabei werfen die Parteien jeweils abwechselnd und der folgende Werfer wirft von dort aus, wo die Kugel seines Vorwerfers liegengeblieben ist. Nachdem jeder Werfer einmal geworfen hat, dreht man um und wirft dieselbe Strecke wieder zurück; dabei kommt wiederum jedes Mannschaftsmitglied einmal zum Abwurf. Ausnahme ist, wenn eine Mannschaft mit weniger Würfen weiter geworfen hat als die andere Mannschaft, dann wird der nächste Werfer der führenden Mannschaft ausgelassen. Holt die zurückliegende Mannschaft den Vorsprung wieder auf, kann die andere Partei ihren ausgelassenen Werfer wieder einsetzen. Dies hat den Vorteil, dass beide Parteien immer dicht zusammen bleiben. Gewonnen hat am Schluss die Mannschaft, die die meisten Personen aussetzen lassen konnte oder, wenn keine Mannschaft jemanden aussetzen lassen konnte, dessen Kugel am Schluss am weitesten vorn liegt, d.h. dessen Mannschaft die weiteste Wegstrecke zurückgelegt hat. Als Schiedsrichter, die beim Boßeln „Kretler“ oder „Obmänner“ genannt werden, wird jeweils ein Mitglied jeder Partei berufen. Vorgeschrieben ist der „diskusähnliche“ Wurf mit 3600-Drehung (siehe Abbildung 1). Bis heute gibt es keine wie in anderen Sportarten übliche Einteilung in Leistungsklassen, sondern die Wettkämpfe werden durch die Vorsitzenden der Boßelvereine vor der Boßelsaison vereinbart. (Vgl. VERBAND SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER BOßLER E.V. 1969, 22-28)
Eine jüngere Linie ist das „Stand- und Leistungsbosseln“ oder kurz der „Standkampf“. Diese Art des Boßelns kam als neuer Wettkampf mit der Gründung des Boßelverbandes um die Jahrhundertwende dazu. Dieser Wettbewerb ist ein Einzelwettbewerb, in dem der Werfer drei Würfe in einen aufgezeichneten Wurfsektor zu werfen hat. Jeder Wurf wird in Metern und Zentimetern ausgemessen. Das Endergebnis ist die Summe der drei Würfe jeweils ohne Ausrollen der Kugel. Gewonnen hat der Werfer, der mit diesen drei Würfen die größte Weite erzielt hat. Diese Boßelart zeigt große Ähnlichkeiten zu leichtathletischen Sportarten wie z.B. Kugelstoßen, Diskuswerfen, Speerwerfen oder auch Schlagball- und Schleuderballweitwurf. Vorgeschrieben sind dieselben Kugeln und derselbe „diskusähnliche“ Wurf wie beim Feldboßeln. (Vgl. VERBAND SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER BOßLER E.V. 1969, 22-25)
Die jüngste Linie wird seit beginnender Internationalisierung in Schleswig-Holstein betrieben, d.h. seitdem Wettkämpfe mit Verbänden anderer Länder mit ähnlichen Lokalsportarten ausgetragen werden. Darunter sind zu verstehen: das „Straßenboßeln“, das irische „road bowling“, bei dem ein Werfer in zehn Würfen mit einer 28 Unzen (ca. 800 g) schweren Eisenkugel (58 mm Durchmesser) eine möglichst weite Straßenstrecke zurücklegen muss, und das „Feldpokalboßeln“, das holländische „Klootschieten“, bei dem ein Werfer in zehn Würfen mit einer 300 Gramm schweren bleigefüllten Holzkugel (65 mm Durchmesser) eine möglichst weite Strecke auf dem Feld zurücklegen muss. (Vgl. DER VORSTAND DES UNTERVERBANDES DER FRUNSBOßELVER-EINE NORDFRIESLAND 1990, 4-5)