Riemels1

Viele Städte oder Landschaften auf dieser Welt haben Künstler aller Genres zu Melodien und Liedern, Bildern und Filmen sowie Geschichten und Gedichten inspiriert. Das künstlerische Interesse an der Stadt Jarmen hat sich offensichtlich sehr in Grenzen gehalten. Denn hier verbrachte Johann Wolfgang von Goethe garantiert niemals eine Mußestunde und Caspar David Friedrich dürfte die Stadt höchstens auf der Durchreise wahrgenommen haben.

Trotzdem war die Stadt bestimmt niemals eine völlige kulturelle Einöde. Die alten Straßen und Häuser, die träge dahin fließende Peene und die Wiesen, aber auch die Menschen, die hier leben, und die plattdeutsche Sprache liefern dafür genügend Anregungen,  wie die nachstehende kleine poetische Kostbarkeit beweist.

Gold ut Jarmen

Ut 't Best von miene Kindheit buucht de Sünn
mit ehre Strahl'n, de allns vergoll'n un warmen,
'ne Brügg för mi, un bringt mi trööch na Jarmen,
in mien lütt Stadt, in de ick grot warn bün.

Ick seih uns' Hus un lop up Plastersteen
den Wech tau Kark lang, un - vörbi an Katen,
de an't Verfoll'n sünd, hen dörch enge Straten
na 'n grönen Grund an't Oewer von de Peen.

De Wischen bläug'n, de Adebor fängt Poggen.
Lies suust de Wind dörch Wiedenböm un Pappeln.
De Peen strömt hen. En Angler sitt in 't Boot.

Up 't Land ringsüm riept Weiten, Garst un Roggen,
un as de Kunstmoehl ehre Räders rappeln, 
ward 't Kurn tau Mähl un 't Jarmsche Gold tau Brot.

 

För böse Tung'n

Wat woll hew ick all ümmertau,
wenn 'k segg, wurher ick kamen dau,
vun böse Tung'n spektakeln hürt,
wat ehr so dull an Jarmen stüürt.

Diss' Stadt seggn s', wier en grieset Kaff,
dor keem ein fix un giern vun af.
Jung Lüd gahn wech, de Grotstadt röppt.
Oll Jarm' liggt an de Peen' un slöppt.

Dat wakt nie up, so seggn de Lüd,
so wier 't alltied un is 't noch hüt.
Dor drömt de Katt, dor döst de Muus.
De Langewiel is dor tauhus,

De Langewiel - un Karkhoffrauh,
dor foll'n ein bald de Ogen tau,
doch is 't, wenn 't Og denn slaten blifft,
egal, wiel 't nicks tau kieken giwwt.

So räden s' woll, de bösen Tung'n.
Väl Gauds up Jarmen wür nie sung'n,
doch kiek ick tau un holl mi ran,
of ick dat nich eis ännern kann. 

Wat lött sik seggn? Nich dull wat Grots!
En Dörp binah is Jarmen bloots,
un Attraktschon', as ein dat kennt
vun anner Uurt, de Allns so nennt,

Giwwt dat hier nich, uns lütt oll Kaff
kreech vun de Welt ehr'n Glanz nicks af,
nicks Kollossals, kein Pedersdom,
doch Jarmen is ja ok nich Rom.

Dor möten w' nich mit konkurriern.
De Duf up 't Dack is Rom un fihrn.
Jarm' is de Sparling in mien Hand,
de is woll lütt, doch sihr scharmant.


Wat böse Tung'n segg'n, is egal.
Ick segg juch een för alle Mal:
Up Riek un Arm, dor schient de Sünn.
Mi freucht, dat ick ut Jarmen bün.

Diese Gedichte hat Renate Wüstenberg, die jüngste Tochter von Karl Wüstenberg, verfasst. Aus ihrer Feder stammen noch viele weitere plattdeutsche Reime, wie zum Beispiel die beiden folgenden Frühlingsgedichte.

 

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