
alte Ankündigung für das SS 1999:
Kunstgeschichte
Seminar
Künstler, Kopisten, Fälscher und Experten oder die schwierige
Frage nach dem Original
Dozent
Jörg Bittner
Die »Entzauberung« des Mannes mit
dem Goldhelm, der nicht von Rembrandt stammt, dennoch ein
bedeutendes Original-Kunstwerk bleibt oder
die jüngst aufgetauchten Aquarelle, die sich als Fälschungen
nach
Jawlensky herausstellten, sind keine echten
Probleme der Kunstgeschichte. Diese Fälle waren vergleichsweise
leicht lösbar, sie haben jedoch einer
breiten Öffentlichkeit auf z. T. aufregende Weise die Frage nach dem
Original verdeutlicht. Spätestens seit
der Antike, jedenfalls solange die bekannte Kunstgeschichte
zurückreicht, gibt es Kopien, Nachahmungen
und Fälschungen von Kunstwerken und viele Bilder und
Skulpturen von denen niemand weiß, wann
sie entstanden sind und wer sie geschaffen hat. Die Kunsthistoriker
sind hier oft ratlos. Komplizierter wird es
noch, weil auch bedeutende Künstler regelrechte Fälschungen
fabriziert haben, z. B. die Bildhauer Michelangelo
und Bernini in ihrem Frühwerk. Diese »Fälschungen«
bringen
heute Millionen. Andere aufgedeckte Betrügereien
sind hingegen nicht mehr wert als das Papier, auf dem sie
gemalt wurden. Wie erklärt man sich diese
»Werteverschiebungen«? Das Seminar will an historischen
Beispielen von der Antike, über Giotto,
Vermeer bis zur Gegenwart den Originalitätsbegriff aus ästhetischer,
ökonomischer und nicht zuletzt kriminologischer
Sicht unter die Lupe nehmen, um den Wertbegriff der Kunst
zu befragen und das Methodenbewußtsein
zu schulen. Vorausgesetzt wird bei den Teilnehmern die
Bereitschaft, unter Anleitung in einem Referat
einen historischen Fall oder ein methodisches Problem aus
diesem Forschungsbereich vorzustellen.
Literatur: Arnau, Frank, Kunst der Fälscher,
Düsseldorf 1959.
Corino, Karl (Hg.), Gefälscht! Betrug
in Politik, Literatur, Wissenschaft, Kunst und Musik, Reinbek 1992.
Weitere 'Stufu'-Veranstaltungen an der Private Universität Witten Herdecke
Für Fragen, Kommentare oder Vorschläge email an: joergb@uni-wh.de