Lidl Refraktor

 Das Lidl-Scope


 09. Dezember 2002
Ich konnte doch nicht widerstehen mir dieses 'Kult Teil' zu besorgen.
So bin nun stolzer Besitzer eines Lidl Teleskops, welches bei den anstehenden klaren und kalten
Nächten vom 10.-12. 12.2002 auf dem Balkon in Frankfurt zum Einsatz kommen sollte.
 Die Durchsicht war klasse, das Seeing jedoch nur gut bis mäßig, die Schornsteine taten ein übriges.

 

 

Test der Optik am Stern Rigel

intrafokal, ah Hoffnung keimt auf....

Rigel @ 92fach 7.5mm Baader, Astigmatismus?

extrafokal
na ja, schon deutliche Unterschiede zu erkennen,
 optisch auch farblich wie ein Regenbogen, also kein Superschnäppchen
liegt im Rahmen dessen was man für den Preis von 99 EURO erwarten kann


First Light, nur so zur Dokumentation

Da steht es nun aufgebaut und hat sogar ein 25mm Plössel Okular verpasst bekommen
 (aber es sollte noch besser kommen)


zunächst stand der Mond grade noch sichtbar über den Dächern
(Süden ist genau über dem Haus rechts mit den vielen Schornsteinen)

dann mal einige Sterne...

Rigel



Sirius

...und einmal Saturn

Auch visuell konnte ich die Cassini-Teilung nicht eindeutig ausmachen,
 im 8" Dobson den ich als Referenz aufgebaut hatte war sie hingegen kein Problem.


Doch jetzt wolle ich endlich mal Deep Sky mit einer Nachführung ausprobieren,
 nur die Montage von Kamera und Okular erforderte einige Mühe, aber mit solidem Klebeband
kann man auch am Lidl 2" Okulare betreiben, das Gesichtsfeld geht zwar von 90° auf ~60° zurück,
 aber dafür passt die G2 mit der Konverterfassung auch ordentlich auf das Okular drauf.

 

Der erste Eindruck vom Gesichtsfeld, hmm schon ganz ordentlich


nochmal verbessert und voila!
Der Sternhaufen NGC1981 passt auch noch drauf.

Canon G2, 8 Sekunden bei ISO 200


der Kern von M42

Also ich muß sagen, für Frankfurter Verhältnisse ist dies kein schlechtes Ergebnis,
unter dunklem Himmel würde noch einiges mehr rauskommen.

Visuell war M42 unter diesen Bedingungen eher weniger spektakulär,
 gerade mal der helle Kern um das Trapez herum war direkt sichtbar,
 bei indirektem Sehen dann evtl. soviel wie oben auf dem Bild erkennbar ist.
Nein, für visuelles Deep Sky braucht man Öffnung, auch in der Großstadt!

 

Zum Schluß noch das beste Mondbild.
Hier kann der Refraktor punkten und liefert fast ebenso viel Kontrast wie der Dobson.
Visuell bleibt jedoch ein Hauch von Dunst und Verschmiertheit, evtl. bringt hier das Schwärzen des Tubus was.


 

Noch ein Nachtrag,
 der Sucher macht auf mich einen brauchbaren Eindruck,
scharf und das Fadenkreuz ist aus meiner Sicht eher fein gestrickt,
bei meinem 8x50 Winkelsucher ist dies wesentlich dicker



In Punkto Abschattung habe ich keine Mängel feststellen können,
es scheint als hätte man die früher vorhandene Blende am Okularauszug entfernt,

dafür reflektiert der Okularauszug ganz gut,
Schultafellack könnte hier helfen.

 

Zu den Okularen,
 Wunder sollte man durch einen Austausch nicht erwarten, jedoch verringen sich die Fehler wie Verzerrung, Randunschärfe und Farbränder, ebenso die Transmission, die durch Vergütung der Linsen besser wird. Dies könnte allerdings durch eine erhöhte Linsenzahl gerade bei den Weitwinkel Okulare wieder aufgezehrt werden. Der Mond hat mir ganz gut durch das 17mm Super-Plössel von Antares gefallen. Ganz entscheident ist das Gesichtsfeld welches bei dem 20mm Okular so um die 45° betragen dürfte, die Plössels haben hier 52°, wenn ich Verbesserungen machen sollte, würde ich das 4mm auf jedenfall durch ein 10mm Plössel oder Kellner Okular ersetzen und evtl. noch eine 1.5-2.0 fach Barlowlinse dazu nehmen. Wer mehr Geld investieren möchte, sollte zu einem Weitwinkel Okular greifen, allerdings sind 280 EURO für z.B. ein Pentax nicht gerade wenig, wer dabei bleibt behält so ein Okular allerdings für länger.

 

Hier ein Blick durch das 7.5mm Baader = 96 fache Vergrößerung. 

 

Mein Fazit:
Bisher das beste 'Kaufhaus' Teleskop was ich hatte!
 Die Montierung kann punkten, im Gegensatz zu diesen azimutalen billig Montierungen wie bei dem Bresser Stellar oder Venus, hier reicht ein leichtes Drehen und das Objekt steht wieder im Okular. Wie man sieht läßt sich auch bei geschickter Nachführung ein paar Sekunden Belichtungszeit rausholen. Auch der Okularauszug mit 1.25" Durchmesser ist elementar wichtig, da richtige Okulare verwendet werden können. Stärken sind Mond und Sternenfelder, für Planeten schon fast zu wenig Brennweite.
 Wer hingegen Deep Sky machen möchte ist mit einem Dobson ab 6" (300 EURO) besser bedient!

Ich persönlich werde zusätzlich die Kamera auf die Montierung setzen und bei vollem Tele per Hand nachführen und dabei durchs Teleskop gucken,  für den Preis eine super Sache!

 

Wer etwas mit Vergrößerung, Lichtstärke usw. unter Eingabe verschieder Teleskopdaten wie Brennweite und Öffnung spielen möchte, dem sei meine Excel Datei empfohlen, gibt es hier oder mal die Seite der Kennzahlen besuchen. 

 

Astronomische Bilder hauptsächlich mit dem 8" Skywatcher Dobson auf meiner pbase Gallerie, zu finden hier

 

Für Kommentare und Anregungen: 
e-mail: JoergC.Hartmann@t-online.de