BESCHNEIDUNG BEI FRAUEN
TÄGLICH WERDEN 6000 FRAUEN BESCHNITTEN

Durchschnittlich sind die Frauen beziehungsweise die Mädchen zwischen 4 und 8 Jahre alt, wenn sie die Beschneidung über sich ergehen lassen müssen, doch es ist auch üblich Säuglinge und erwachsene Frauen zu beschneiden. Der Umstand in welchem Alter Mädchen und Frauen beschnitten werden ist oftmals von den verschiedenen Stammeskulturen abhängig.

Beschneidung kann in drei verschiedenen Arten durchgeführt werden, die Beschneiderinnen sind zum größten Teil die Stammesältesten Frauen: Die "sanfteste" Variante wird Sunna genannt. Hier wird die Klitorisvorhaut eingestochen, eingeritzt oder entfernt, oder die Klitoris wird teilweise beziehungsweise komplett amputiert. Hierzu kann man den Vergleich zum männlichen Geschlecht ziehen, denn die Amputation der Klitoris entspricht der Amputation der Eichel beim Penis. Bei der Excesion wird die Klitoris teilweise oder komplett amputiert und mehr oder weniger große Teile der inneren Schamlippen. Die dritte Art der Beschneidung ist die grausamste und zugleich die am häufigsten verwendete - die Infibulation. Wird eine Frau infibuliert bedeutet das die komplette Entfernung der inneren und äußeren Schamlippen und der Klitoris. Die so verbliebene Wunde wird in den meisten Fällen mit Akaziendornen zusammengesteckt, in den übrigen Fällen wird sie zugenäht. Es wird lediglich eine kleine vaginale Öffnung gelassen, so daß Urin und Menstruationsblut austreten können. Diese Öffnung ist häufig nicht größer als ein Streichholzkopf. Eine gesonderte Rolle spielt die Defibulation. Denn im Laufe des Lebens einer beschnittenen Frau muß die Öffnung aus verschiedenen Gründen wieder "geöffnet" werden. So zum Beispiel bei der Geburt eines Kindes, vor dem Geschlechtsverkehr oder wenn Komplikationen aufgetreten sind. Nach diesem Eingriff werden die Frauen aber immer wieder reinfibuliert, also wieder "geschlossen".

Die Gründe einer Defibulation läßt die Vorstellung zu, daß sie zum regelmäßigen Geschehen wird, da ja dieser Eingriff nicht nur einmal im Leben einer Frau vorgenommen werden muß. Eine Beschneidung wird nie unter sterilen Voraussetzungen getätigt, geschweige denn mit "normalen" Hilfsmitteln. Messer, Scheren, Rasierklingen und Glasscherben sind die "Werkzeuge" die ausschließlich gebraucht werden. Folgen der Beschneidung sind sowohl aus physischer als auch psychischer Sicht imens. Infektionen, Vernarbungen, Inkontinenz (Blasenschwäche), chronische Schmerzen, Blutungen, Blutsturz, Probleme beim Urinieren und bei der Regel sind körperliche Zustände, mit denen die Frauen leben müssen, wenn sie an solchen Folgewirkungen nicht schon gestorben sind, denn viele der Mädchen überleben diesen Eingriff nicht- sie verbluten, oder sterben an den Schmerzen oder den Infektionen, und das teilweise auch Jahre später. Bei der Infibulation (der häufigsten Art der Beschneidung) sind die schwersten Nachwirkungen erkennbar. Die Frauen haben große Schwierigkeiten beim Urinieren und während der Menstruation. Die Geburt der Kinder ist erheblich erschwert, oftmals sterben Kind und/oder Mutter an den Infektionen, und vielfach kommt es zu Totgeburten, da die vaginale Öffnung zu klein ist. Doch nicht nur die körperlichen Konsequenzen erschweren das Leben dieser Frauen, sondern vor allem die psychische Belastung. Die Mädchen werden oftmals nicht vorgewarnt. Im Gegenteil, ihnen wird vermittelt, an etwas teil haben zu dürfen, was sie endgültig zum vollwertigen Mitglied der Gesellschaft macht. Welchen Preis sie dafür zahlen müssen wissen sie nicht. Sie vertrauen sich den Stammesältesten Frauen an, teilweise die eigene Oma oder Tante, und müssen mit Schrecken feststellen, das der Weg zur sozialen Integrität mit qualvollen Schmerzen verrechnet wird. Der Schock nach der Beschneidung ist enorm und hat oft Angstzustände, Traumata und Depressionen zur Folge. Verstärkt wird dieser Zustand dadurch, daß den Mädchen streng untersagt ist darüber zu reden. Sie sind völlig auf sich selbst gestellt und müssen das Geschehene alleine verarbeiten. Die Regel des Schweigens herrscht überall, auch in den Stämmen in denen es üblich ist, die Mädchen täglich zum Ort der Beschneidung zurückzubringen, um sie dort zu waschen. Während des Heilungsprozesses, der zwischen 3 und 6 Wochen andauert, werden die nun "jungen Frauen" morgens und abends dort hin gebracht. Dadurch leben die Mädchen unmittelbar nach der Beschneidung in ständiger Angst, da sie fürchten es könnte ihnen noch einmal so etwas schmerzhaftes widerfahren.

Andere Stämme lassen die Mädchen einfach an Ort und Stelle liegen. Ohne sie zu säubern, ohne sie zu versorgen, ohne sie zu betreuen. Sie werden einfach ihrem "Schicksal" überlassen, während das Dorf die Beschneidung feiert. Denn noch bevor die Beschneidung statt gefunden hat, liefen die Vorbereitungen. Ist die Beschneidung dann vollzogen, wird getanzt, gesungen, gekocht und gegessen. Von dem nahrhaften Essen bekommt das Mädchen selber nichts - sie kämpft um ihr Leben, allein gelassen in einem Zelt.

Wenn man nun all diese Sachverhalte kennt, kann man sich nicht vorstellen, daß ein solch grausames Ritual in der heutigen Zivilisation praktiziert wird. Folglich fällt es um so schwerer, die nachfolgenden Zahlen zu begreifen. Weltweit sind ca. 130 Millionen Frauen beschnitten. Jährlich kommen schätzungsweise 2 Millionen Frauen hinzu. Das heißt, tagtäglich werden ungefähr 6000 Mädchen und Frauen beschnitten.



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