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Fiesta, (No) Siesta und Kultur: Urlaub in Cancún, Mexico
Text © Christine Erne und Fotos © Marcus Erne September 1999; Trip im April 1999. Edited by Marcus Erne |
Ob Ausspannen und Abschalten, Kultur-, Bade- oder Aktivurlaub - der sich seit den 70er Jahren aus dem Dschungel der Yucatanhalbinsel erhebende Touristenort Cancún hat alles zu bieten, was das Urlauberherz begehrt. Nicht zuletzt das Blue Curaçao gefärbte Meer.
Der Urlaub beginnt schon in der Luft: Der erfahrene Cancún-Reisende hat kurze Hose und Trägershirt griffbereit, um sich entweder noch im Flugzeug oder auf dem Flughafen den Karibiktemperaturen anzupassen. Per Bus, Taxi oder Hotelshuttle gelangt man zur Hotelzone, in der sich zahlreiche Hotels der mittleren bis oberen Preisklasse am Küstenstreifen entlangreihen. Ausspannen läßt es sich am hoteleigenen Swimming Pool bzw. unter einem schattenspendenden Strohdach (Palapa) am Strand; aber auch für sportliche Aktivitäten ist gesorgt: Wasser-, Jetski, Katamarane oder Kajaks können fast überall ausgeliehen werden. Sogar Angeltouren sind im Angebot. Nicht zu vergessen natürlich Tauch- und Schnorcheltouren.
Cancún teilt sich in Festland (Innenstadt) und Halbinsel (Hotelzone), die wie eine Sieben geformt ist und so schmal, daß man das Wasser zu beiden Seiten sehen kann: auf der einen Seite Lagunen, auf der anderen das Karibische Meer. Auf der Halbinsel befinden sich die modernen Shopping Malls im amerikanischen Stil (Kukulcan Plaza, Forum Plaza, Plaza Caracol). Reiseandenken (handbemalte Holz- und Keramikgegenstände, indianischer Schmuck und vieles mehr) können auf dem Markt in der Innenstadt besorgt werden. Selbst wenn man nichts kaufen will, lohnt es sich, über den Platz zu bummeln und das bunte Gewirr von Geschäften und Ständen zu bewundern. Ältester und größter Kunstmarkt ist der Ki Huic. Auch die Lebensmittelmärkte sind einen Besuch wert, vor allem die Fischstände, deren Köstlichkeiten an Tischen mitten im Marktgeschehen verzehrt werden können. Ein Verdauungspaziergang durch die malerische Fußgängerzone der Innenstadt rundet den Einkaufsbummel ab.
Für die kulinarischen Genüsse sorgen die vielen Restaurants in der Innenstadt (sehr zu empfehlen: El Meson del Vecindario) oder in der Hotelzone (Maria Bonita bietet nicht nur ausgezeichnete Küche, sondern auch Kellner und Kellnerinnen in traditionellen Kostümen sowie Live-Musik - die Band läßt sich auch gerne an den Tisch winken). Wer es vegetarisch oder einfach nur gesund liebt, sollte sich 100 % Natural nicht entgehen lassen. Typisch amerikanisches "Fastfood" wird z.B. im Hard Rock Café oder im Planet Hollywood serviert.
Das Nachtleben in der Hotelzone ist ganz auf den amerikanischen Geschmack ausgerichtet. In jeder der unzähligen Bars gibt es Live-Musik oder zumindest ein Animationsprogramm (vor allem während der sogenannten "Spring Break", Mitte März bis Anfang April). Der kulturell Interessierte sollte sich hiervon jedoch nicht abschrecken lassen, denn Cancún kann als idealer Ausgangspunkt für Strandausflüge und Exkursionen zu Maya-Ruinen genutzt werden.
Während unseres einwöchigen Aufenthaltes "entdecken" wir die paradiesischen Strände Playa del Carmens, die Trauminsel nicht nur für Taucher Isla Mujeres und die beiden Ruinenstädte Tulum und Chichen Itza.
Playa del Carmen
Während Cancún mit seinen großen Hotelanlagen, Shopping Malls, Animations-programmen in den Bars und am Strand eher den amerikanischen Tourismus anzieht, kann das 68 km südlich von Cancún gelegene kleine Fischerdorf Playa del Carmen wohl mehr als europäische Touristenhochburg betrachtet werden. Hier gibt es neben luxuriösen Hotels auch gemütliche Pensionen, die den gleichen Komfort, allerdings auch ähnlich luxuriöse Preise bieten. Es gibt aber einige sehr schöne Hotels, die nicht direkt am Strand liegen und daher auch nicht so teuer sind, sowie einige Campingplätze. Hartgesottene Romantiker können sich bei Las Ruinas für 40 Pesos eine Hängematte mit direktem Blick aufs Meer unter dem Schutz eines Strohdaches mieten und sich von leichtem Wind und Meeresrauschen in den Schlaf wiegen lassen.
Unser Tagesausflug führt uns zunächst in die kleine Fußgängerzone der Innenstadt, in der es neben Andenkenläden mit indianischen handgearbeiteten Kunstgegenständen aus Keramik oder Holz, Stickereien und Silberschmuck auch etliche gemütliche Straßencafes gibt, die mexikanische und internationale Gerichte anbieten.
Am Strand können wir zwischen Animationsprogramm mit Live-Musik und ruhiger Strandbar wählen. Wir entscheiden uns für letzteres und entspannen unter Strohschirmen bei Kaffee und frisch gepreßtem Fruchtsaft und ein paar Musikfetzen, die aus der Nachbarbar herüberklingen. Für weniger Ruhebedürftige gibt es die Möglichkeit, sich Boote, Jetskis oder Surfbretter auszuleihen. Wasserski, Schnorcheln und Tauchen sind ebenfalls im Programmangebot. Fähren zur Insel Cozumel verkehren täglich zwischen 5.00 und 21.00 Uhr im halbstündigen Rhythmus.
Isla Mujeres
Wir fahren mit einem Katamaran von Cancún zur Isla Mujeres (Fraueninsel), die ihren Namen Francisco Hernandez Cordoba und seinem Gefolge verdankt, die 1517 auf der Insel strandeten und einer Legende zufolge dort Maya-Göttinnen darstellende Monumente vorfanden. (Eine andere Legende besagt, daß nur Frauen auf der Insel waren, da die Männer zum Fischen ausgefahren waren).
Schnorchel-Zubehör und Flossen für die geplante Schnorcheltour können vor dem Ablegen am Strand ausgeliehen werden. Während der Fahrt verteilt die Mannschaft großzügig gekühlte Getränke (Tequila mit Limonade verdünnt, Bier und Cola) und unterhält die Passagiere mit Geschichten und Gesang: Fiesta, no siesta!
Bei ungewöhnlich starker Strömung schnorcheln wir dann unter Aufsicht entlang der Korallenriffe des Playa Norte. Der Blick durch die Taucherbrille eröffnet zum Greifen nahes, farbenfrohes Fischgetümmel und außerdem eine hier versenkte Marienstatue. Einer der Touristenführer taucht nach einem Seestern, dessen kräftiges Gelb wir dicht unter der Wasseroberfläche bestaunen. Ein Vorgeschmack auf das, was sich dem Taucher hier bietet.
Anschließend lassen wir uns auf der Insel absetzen, wo wir ein Golfwägelchen für eine Inselrundfahrt ausleihen. Von der Innenstadt fahren wir zum Leuchttum auf dem südlichen Zipfel der Insel - von der angrenzenden Maya-Ruine sind leider nur noch Spuren zu erkennen (Restaurationsarbeiten sind allerdings im Gange). Auf dem Weg dorthin an der Steilküste entlang bewundern wir die farbenprächtigen Gebäude. Selbst die kleinsten, weniger gut erhaltenen Hütten sind durch kräftigen Anstrich verschönert. Das alles bietet sich vor dem Hintergrund des türkis-blauen Karibischen Meeres.
Wir geben den Golfwagen wieder ab und machen uns zu Fuß auf den Weg zum nördlichen Zipfel der Insel, vorbei am Friedhof ohne Namen mit seinen hundert Jahre alten, üppig dekorierten Grabsteinen. Ein Zwischenstopp hier ist auf jeden Fall empfehlenswert. Der Sonnenuntergang am Playa Norte, bei einer Margarita von der Strandbar unter Palmen beobachtet, schließt den Nachmittag ab. Nachdem wir ein Zimmer (mit Klimaanlage) in einem sehr einfachen Hotel mitten in der Stadt direkt gegenüber dem Hafen gemietet und uns erfrischt haben, tauchen wir ins Nachtleben ein. Wir landen auf der Dachterrasse eines italienischen Restaurants - wie schon auf dem Katamaran darf auch hier die Live-Musik nicht fehlen.
Am nächsten Morgen fahren wir mit einem Taxi in südliche Richtung zum Playa Paraiso (nicht weit von der Schildkrötenfarm Tortuga Marina), der seinen Namen nicht zu Unrecht trägt. Ein Strandspaziergang führt uns zunächst zu einem im Bassin gehaltenen Katzenhai, dann zur Strandbar Blacky's. Hier wird auf riesigen Grills frischgefangener Fisch (Barrakuda) gebraten, der uns unter Palmen serviert wird. So gestärkt fahren wir mit einem Taxi zum Hafen und dann mit der Fähre zurück nach Cancún.
Tulum
Von Cancún fahren wir auf dem Highway 307 nach Tulum. Kurz vor Tulum folgen wir einem handbeschriebenen Wegweiser, der uns auf einer unbefestigten Straße nach Tankah führt. Hier gibt es eine Süßwassequelle (Cenote), in der wir ein erfrischendes Bad nehmen. Schnorchel und Taucherbrille sind unbedingt zu empfehlen. Wer Glück hat, sichtet eine der 2 oder 3 hier ansässigen Seekühe (Manatees). Wir sind in dieser Hinsicht erfolglos, doch der Blick durch die Taucherbrille lohnt sich allemal. Zum Trocknen setzen wir uns in die Casa Cenote auf der anderen Seite des Weges mit Blick aufs Meer, wie üblich von Live-Musik begleitet. Ein Stück weiter den Weg hinunter gibt es ein Hotel mit 5 Zimmern, das Tan-kah Inn.
Ca. 2 km südlich von Tankah (130 km südlich von Cancún) liegt Tulum (= Stadt der Morgendämmerung), nicht nur die größte, sondern auch die einzige mit Mauern befestigte Maya-Stadt an der karibischen Küste. Eine "Bimmelbahn" transportiert uns in die Vergangenheit - ein Erlebnis, das wir uns mit unzähligen anderen Touristen teilen müssen. Die Ruinen mögen nicht so gut erhalten sein wie die in Chichen Itza, doch die malerische Lage und der Ausblick auf das Karibische Meer vom "Tempel des Windes" sind atemberaubend. Am besten erhalten sind die hauptsächlich in Schwarz, Braun, Blau und Grün gehaltenen Fresken, die die inneren und äußeren Wände des "Freskentempels" zieren. Die in Tulum verehrten Gottheiten, Sonne und Klapperschlange, die das Konzept der Fruchtbarkeit, Landwirtschaft und Religion der Mayas zum Ausdruck bringen, bilden das durchgängige Motiv der Fresken und künstlerischen Dekorationen der Tempel.
Etwa 7km südlich liegen die Cabañas Tulum, die Übernachtungsmöglichkeiten verschiedener Preisklassen und dementsprechend unterschiedlichen Niveaus bieten. In dem dazugehörigen Restaurant wollen wir einen schnellen Imbiß einnehmen, müssen uns aber in Geduld üben - "schnell" geht es hier nicht. Dafür entschädigt jedoch der Ausblick auf das Meer und die Cabañas. Die Bar ist einigermaßen voll, aber dem Massentourismus der Ruinen sind wir entkommen.
Chichen Itza
Die Bustour mit dem Chichen Itza Express kostet 134 US Dollar für zwei Personen und beinhaltet das Einsammeln der Fahrgäste am jeweiligen Hotel, Frühstück bestehend aus belegtem Croissant, Obst, frischem Orangensaft und Kaffee oder Tee im komfortablen, klimatisierten Reisebus, Mittagessen im Hotel, Führung durch die Ruinen sowie Drinks auf der Rückfahrt. Der Preis ist durchaus angemessen.
Die Fahrt führt durch Valladolid, zweitgrößte Stadt im Staat Yucatan mit Gebäuden im Kolonialstil. Sehenswert sind die Kathedrale im Zentrum und die San Bernardino Kirche mit Kloster aus dem 16. Jahrhundert. Leider können wir nicht aussteigen.
Nächster Zwischenstopp findet am Markt - und Umschlagplatz einer Mayakommune statt. Es empfiehlt sich nicht, hier etwas zu kaufen, da die Preise viel zu hoch sind. Für die gleichen Schmuck- und Keramikgegenstände zahlt man auf dem Markt in Cancún noch nicht einmal die Hälfte der hier verlangten Preise (das gilt auch dann, wenn man sich aufs Handeln einläßt).
Schließlich erreichen wir unser Ziel. Wir werden einem sehr engagierten Maya-Touristenführer anvertraut, der uns unter der erbarmungslosen Sonne seine Kultur nahebringt. Chichen Itza ist eine der meistbesuchten archäologischen Fund-stätten auf der Yucatanhalbinsel. Dominiert wird die Ausgrabungsstätte von der "Kukulcán-Pyramide" (El Castillo). Am 21. März sowie am 23. September kann hier ein von den Mayas kreiierter "Spezialeffekt" beobachtet werden, wenn nämlich der Schatten einer sich abwärts (März) bzw. aufwärts (September) bewegenden Schlange auf die untere Balustrade der Treppen geworfen wird.
Der Tempel im Inneren des Castillo datiert noch weiter zurück als der äußere Bau der Pyramide. Dieses Heiligtum ist nur für kurze Zeit am Vormittag und dann wieder am Nachmittag zur Besichtigung freigegeben. Wer unter Platzangst leidet, sollte den Aufstieg auf der engen, sich windenden Treppe, die zu einer kleinen, stickigen Kammer führt, meiden.
Nach der Führung lösen wir unseren Gutschein für ein Mittagessen im Mayaland, dem den Ruinen am nächsten gelegenen Hotel, ein. Das Essen ist ausgezeichnet und stärkt uns für eine Pyramidenbesteigung. Danach erreichen wir gerade noch rechtzeitig unseren Bus. Für das nächste Mal planen wir auf jeden Fall eine Übernachtung mit ein, zumal die architektonischen Besonderheiten der Stätte abends mit einer Lichtshow untermalt werden.
Besucherzahl seit September 1999. Vistors since September 1999.