Kurzinformationen ueber die Geschichte von Wales.
[Vorgeschicht]-[Fruehgeschichte]- [Geschichte]-[Gegenwart]
VORGESCHICHTE:
Archaeologische Funde belegen, dass schon vor der letzten, der Devensian Eiszeit Hominide in Wales lebten, als die
heutigen britischen Inseln noch mit dem europaeischen Festland verbunden waren. Steinwerkzeuge aus
der Zeit zwischen ca.38000 bis ca.18000 v.Ch. wurden in mehreren Hoehlen an
der heutigen suedwaliesischen (und damals eisfreien) Kueste gefunden. Archaeologisch gehoeren diese Funde in das
fruehe Paleolithikum/die Altsteinzeit (siehe LINKS: Gazettier of Welsh Caves, Fissures &
Rockshelters). Von besonderer Bedeutung ist ein menschlicher Fund (das Skelett eines jungen Mannes)
aus dem "Goat's Hole" von Paviland auf der Gower Halbinsel. Die Knochen waren mit rotem Ocker
ueberzogen und wurden auf die Zeit um 24350+/-550 v.Ch. (Radio Carbon) datiert.
Das Mesolithikum in Wales ist durch vielfaeltige Funde von Kleinstwerkzeugen bestaetigt. Grob
gerechnet faellt diese Periode in die Zeit um etwa 6000 v.Ch. Vorkommen wurden besonders
in kuestennahen Ausgrabungsorten (u.a. Pembroke & Aberystwyth) gefunden. Heute sind aber auch
schon einige Lagerstellen aus dem Landesinneren bekannt (z.B. Craig y Llyn, Frainslake & Radnor).
Ein Uebergang zum Fruehneolithikum ist durch das Auftreten von geschliffene Axtkoepfen und
konkaven Pfeilspitzen belegt.
Das in dieser Webseite behandelte Neolithikum/die Jungsteinzeit ist dann, wie ueberall in Europa, durch die megalithische
Grabkultur gekennzeichnet. In Wales liegen die Daten so um 3500 v.Ch. bis nach 2000 v.Ch. Dann
schaelte sich die Glockenbecherkultur heraus, die bis etwa 1500 v.Ch. dauerte und sich in der fruehen
Phase mit dem Neolithikum ueberschnitt. In der spaeten Phase ging sie dann allmaehlich in die
Bronzezeit ueber.
Letztere dauerte bis etwa 800 v.Ch. In ethnischer Hinsicht war die Bevoelkerung Keltisch,
wie zu der Zeit auf der ganzen britischen Insel. Die bronzezeitliche Kultur in Wales (wie auch die in
Schottland) wurde jedoch von der Kultur um Stonehenge im heutigen Suedengland ueberschattet.
Wales war ein Berghochland, dass durch den grossen Severnfluss von den oestlichen Niederungen des
Landes abgeschnitten war. Diese geographische Lage unterscheidet Wales, das im Westen zu
zweidrittel vom Meer umgeben ist, auch heute noch von den anderen britischen Regionen. Warum
die bronzezeitliche Kultur um Stonehenge so erfolgreich war ist noch umstritten, verstaendlich
ist jedoch, dass die Berghochlaender der Peripherie (Wales & Schottland) kulturel isoliert blieben.
[ZURUECK]
FRUEHGESCHICHTE:
Das aenderte sich auch nicht in der sich anschliessenden Eisenzeit. Im Gegenteil, mit der
Verschlechterung des Klimas wurde die bestehende Bevoelkerung in die Taeler und Kuestenregionen
zurueckgedraengt. Berg/Trutzburgen, durch mehrere Erdwaelle geschuetzte Areale in denen Vieh und Bauern
zuflucht fanden, markieren die Periode als konflicktreich. Wie auch in Gallien war der zweiraederige,
von Ponies gezogene Kriegswagen in Wales bekannt (z.B. aus Llyn Cerrig Bach, Anglesey). Als Caesar
43 n.Ch. Britannien eroberte, liess er erst einmal am Severn eine Grenze installieren. Auf der anderen
Seite des suedlichen Flussabschnittes lebte der Grenzstamm der Siluren die, wie Ceasar bald feststellen musste, ein sehr
kriegerisches Volk waren. Hinter ihnen und noerdlich von ihnen gab es noch eine Reihe anderer,
selbstaendiger Staemme (Demetae, Dobunni, Cornovii & Ordovices). Erst 74 n.Ch. gelang es den
Roemern die Siluren zu besiegen, 20 Jahre nachdem die nordwaliesischen Staemme schon klein
beigegeben hatten. Als Teil des roemischen Britanniens war Wales fast 300 Jahre lang eine
Kolonie. Mit dem Abzug der Roemer erlangten die waliesischen Staemme ihre Unabhaegigkeit zurueck
die, von Kleininvasionen irischer und skandinavischer Voelkerwanderer abgesehen, bis zum Beginn der
bevorstehenden Neuzeit nach 1066 n.Ch anhielt. In den Niederungen des ehemaligen oestlichen
und suedlichen Britanniens hatten sich Volksstaemme aus dem sich entwickelnden Nordseeimperium
der Skandinavier angesiedelt. Ingmar Jansson beschreibt sehr einleuchtend in seinem Artikel
"The Vikings in Great Britain and Ireland" (anlaesslich der Ausstellung in London 'The World of
the Vikings' im Jahre 1973), dass sich unter daenischer Fuehrung Voelkerstaemme um die Nordsee
herum zu einem Imperium zusammenschlossen. Zu ihnen gehoerten Norweger (Norse), Daenen, Bewohner der heutigen deutschen
& hollaendischen Nordseekueste (Saxons) sowie sogenannte saechsische und anglische Kolonisten &
Siedler (Angelsachsen) im Osten und Sueden des ehemaligen Britanniens (der heutige Name England fuer diese Region,
leitet sich wahrscheinlich von 'Angleland' ab, dem ehemaligen Kolonialgebiet der Angeln aus Daenemark). Wales wurde von dieser
Entwicklung nur in sofern betroffen, als Daenen ueber den Bristolkanal, d.h. der Severn-Flussmuendung, nach
Osten vorzudringen versuchten. Saxonischer Widerstand zwang sie aber sich ueber die Kuestenregionen
von Suedwales zurueckzuziehen. Dabei wurden einige kuestennahe, waliesischen Kloester in Mitleidenschaft
gezogen. Zum Ende des 8.Jahrhunderts hatten sich die Nachkommen der Anglo-Sachsen unter dem von Karl dem Grossen
anerkannten Koenig Offa vereinigt. Der erbaute eine unmissverstaendliche Demarkation zwischen seinem
Volk und den Waliesern, den Offa's Dyke, ein bis zu 16 Metern hoher Erdwall mit vorgelegenem Graben, der sich entlang der
gesamten Grenze beider Laender hinzog. Damit war die Teilung von Wales & England auch sichtbar festgelegt.
[ZURUECK]
GESCHICHTE:
Dem allen wurde aber ein Ende gesetzt, als 1066 der Normanne skandinavischen Ursprungs, Wilhelm
der Eroberer, das damalige Koenigreich England/Angleland (der britannische Teil des Skandinavischen Imperiums)
als Erbe beanspruchte. Als er dieses Ziel erreicht
hatte, behauptete er seinen Anspruch auf das gesamte, ehemalig roemische Britannien.
Damit begann die abermalige Eroberung von Wales, diesmal unter normannischer Herrschaft. Fast 400 Jahre lang
wehrten sich die waliesischen Staemme verzweifelt unter ihren Kleinkoenigen und Prinzen. 1282, unter Edward I, konnte sich die Anglo-Normannische
Monarchie endlich durchsetzen aber nur mit dem Versprechen den Waliesern einen eigenen Prinzregenten zuzugestehen.
Selbstverstaendlich nahm man in Wales an, dass dieser ein Walieser sein wuerde. Aber Edward hatte andere Plaene. Er
veranlasste, dass die Niederkunft seiner hochschwangeren Gemahlin in Wales stattfinden wuerde und, wie es das Schicksal wollte, kam ein in Wales geborener Prinz zur Welt, der 1301 entsprechend gekuehrt wurde.
Aber der Widerstand wurde von den verbleibenden wirklichen waliesischen Prinzen fortgesetzt. In Wales wurden sie schon damals als Freiheitskaempfer gefeiert, in England als Terroristen verdammt.
Daran hat sich bis heute nichts geaendert.
1536 wurde Wales dann
von dem damals in England regierenden, aus Wales stammenden Koenigshaus Tudor (Henry VII
& Henry VIII), mit dem englischen Koenigreich in Sued&Mittelbritannien vereinigt (nicht anektiert,
wenn auch ueber diesen Punkt gestritten wird).
Als es spaeterhin den anglo-normannischen Nachfahren nicht gelang sich mit Waffengewalt Schottlands zu bemaechtigen,
griff man wieder zu einer Finte: man bot dem schottischen Koenigshaus eine gemeinsame Monarchie an. Dieses wurde akzeptiert und
im Jahr 1603 wurden die Monarchien von Schottland, England und Wales vereint zum neuen Koenigreich
Grossbritannien (1. Act of Union). Der erste Koenig dieses neuen Staates war der damalig amtierende, schottische
Koenig James I. Allerdings wurde dieses Arrangement nicht wiederholt (siehe Maria Stuart). Der neue Staat wollte aber nicht so recht zusammenwachsen. Die Englaender wollten
sich nicht von ihren politischen und wirtschaftlichen Privilegien trennen und so kam es 1707 zum
zweiten 'Act of Union'. Trotz allem guten Willens wurde aber nie voellige Klarheit geschaffen. England
behielt sich weiterhin gewisse wirtschafts-politische Privilegien vor (z.B. Bank of England)
was zur weiteren ethnischen Zersplitterung des Landes fuehrte (es gibt auch eine Bank of Scotland
und neuesten auch eine Bank of Wales - und nicht zu vergessen der moderne Sport). Dies alles endete im 18./19. Jahrhundert in Verbitterung in
Wales & Schottland und der ethnische Widerstand wuchs. Verwirrung um die staatliche Gemeinschaft
und Verhaertung ethnischer Zugehoerigkeit griffen um sich.
[ZURUECK]
GEGENWART:
Heutzutage lehnen es die meisten Englaender immer noch ab sich als 'British' zu sehen und bestehen auf ihrer
ethnischen Bezeichnung als ihre wahre Staatszugehoerigkeit. Die Walieser und Schotten, die es ihnen
gleichtun werden aber als 'Nationalisten' verschrien. Nur unter gewaltigem, aeusserem Druck
(z.B. Krieg) wird die britische Zusammengehoerigkeit kurzweilig anerkannt. 1999 wurden dann neue
Verwaltungsbereiche geschaffen (etwa wie Bundeslaender), die Schottland einen halb-autonomen, parlamentarischen Status zuerkennen und Wales einen
halb-autonomen Verwaltungsstatus einraeumen. Die Verwirrung und ethnische Zersplitterung geht also weiter
und niemand weiss so recht wo er hingehoert, ausser zu seiner ethnischen Volksgruppe. Dieser Zustand hat
natuerlich auch aufs Ausland uebergegriffen, sodass man auch dort wenig ueber die Existenz des
vereinigten Staates 'Grossbritannien' weiss (oftmals mit dem ehemaligen Imperium verwechselt),
und noch weniger ueber die ethnischen Hintergruende der Regionen des Landes.
Um diesem politisch hochgeladenen Durcheinander aus dem Wege zu gehen bezeichnet man im Ausland kurzerhand ganz Grossbritannien als 'England'. Dieses,
wiederum vertieft die Uneinigkeit in der britischen Bevoelkerung.
Um die Situation fuer deutsches Verstaendnis zu erklaeren, ist es notwendig auf deutsche Vergleichskriterien
zurueckzugreifen.
Die Bezeichnung 'Vereinigtes Koenigreich von Grossbritannien & Nordirland' dagegen besagt zwar sehr deutlich um was es sich handelt,
aber in der allgemeinen Verwirrung sieht niemand richtig hin. Es ist ein Ueberrest der Plaene des 17. Jahrhunderts,
als man hoffte Irland ebenfalls mit in den Staat einzubinden. Aber die Geschichte hat gezeigt, dass dieses nicht gelang. Was geschaffen
wurde war nur eine das Durcheinander noch vergroessernde Bezeichnung. Nordirland gehoert also nicht zu Grossbritannien selbst (ein separates
Staatsgebilde), sonder nur zum Vereinigten Koenigreich (siehe oben). Sollte sich Nordirland jemals aus dieser Verbindung herausloesen, waere
die britische Bevoelkerung endlich bei einem geeinten Grossbritannien angelangt, in dem die Bewohner England's, Schottland's und Wales' ueber ihre ethnischen
Abgrenzungen hinaus gleichgestellte Briten sein koennten.
N.B. Es gibt schon seit 300 Jahren keine Koenigin (bzw.Koenig) von England mehr. Seit spaetestens 1707 (aber eigentliche schon seit 1603) gibt es nur noch eine
Keonigin/Koenig von Grossbritannien (d.h. ohne Irland & ohne das Empire). Keine englische Koenigin sondern nur eine britische Koenigin.
[ZURUECK]
click hier fuer eines anderen Version.
Und eine weitere.

Zurueck
zu Archaeologie in Wales