Nicht einmal Sterne leben ewig - und je größer der Stern, um so spektakulärer ist sein Untergang. Ist ein Stern mindestens achtmal so groß wie unsere Sonne, kann er in einer Detonation enden, die so mächtig ist, dass sie zeitweise jeden anderen Stern in der Galaxie überstrahlt. So eine Explosion, die Supernova genannt wird, ist jedoch sehr selten: Seit es geschichtliche Aufzeichnungen darüber gibt, haben in der Milchstraße lediglich sechs davon stattgefunden. In galaktischen Zeitbegriffen gemessen, haben diese Katastrophen jedoch das Material geschaffen, aus dem neuen Generationen von Sternen, Planeten und das Leben selbst entstanden sind.

(Bild oben) - Der Himmelsbereich um die Supernova 1987A - vor und nach der Explosion
| Supernovä | ||||||
| Name | Explosionsdatum | Entdecker | Ort (Sternbild) | Erdentfernung (Lichtjahre) | ||
| Schleier-Supernova | um 18000 v. Chr. | unbekannt | Cygnus | 1600 | ||
| Vela-Supernova | um 9000 v. Chr. | unbekannt | Vela | 6000 | ||
| Krebs-Supernova | 1054 n. Chr. | Chin. Astronomen | Taurus | 6300 | ||
| Tychonische Supernova | 1572 | Tycho Brahe | Cassiopeia | 10000 | ||
| Keplersche Supernova | 1604 | Johannes Kepler | Ophiuchus | 20000 | ||
| SN1987A | 1987 | Ian Shelton | Grosse Magellansche Wolke | 179000 | ||
| SN1997AP | 1997 | Supernova Cosmology Project | Coma Berenices | 9 Milliarden | ||

(Bild oben) - Die Lichtechos der Supernova
1987A
| Tod eines Sterns |
Die von den Astronomen als
Supernova bezeichnete riesige Explosion steht für die
Zerstörung eines Sterns, dessen Energie und Lebenszeit zu Ende
geht. Sterne schöpfen ihre Energie aus Wasserstoff, dem
häufigsten Element im Universum. Durch nukleare Reaktionen im
Sterninneren werden Wasserstoffatome miteinander verschmolzen,
sodass Helium entsteht. Dieser Prozess erzeugt enorme Hitze und
einen nach außen gerichteten Druck ausströmender Strahlung, der
den Stern davor bewahrt, unter seinem eigenen, kolossalen Gewicht
zusammenbrechen.
Sterne, die groß genug sind, um zur Supernova zu werden - also
mindestens die achtfache Masse unserer Sonne besitzen - haben ein
kurzes Leben. Die Temperaturen in ihrem Inneren sind sehr hoch
und sie verbrennen ihre Wasserstoffvorräte sehr rasch. Ist der
Wasserstoff zu Helium geworden - vielleicht schon nach 10
Millionen Jahren - bleibt dem Stern nicht mehr viel Zeit. Eine
weitere Kernfusionsreaktion verwandelt den Heliumkern in
Kohlenstoff, der genügend Energie besitzt, um dem Stern weitere
500000 Jahre zu schenken. Ist das Helium aufgebraucht dauert es
nur Jahrhunderte bis Kohlenstoff in Neon verwandelt wird. Ein
Jahr später ist aus Neon Sauerstoff geworden und nach weiteren
sechs Monaten ist der Sauerstoff zu Silizium verbrannt. Die
letzte Reaktion, bei der Silizium in Eisen verwandelt wird,
erfolgt in lediglich einem Tag. Jetzt sind keine weiteren
atomaren Reaktionen mehr möglich, denn das Eisen ist stabil. Es
fehlt die innere Energie, um der Schwerkraft entgegenzuwirken und
der Stern bricht innerhalb von ein paar Sekunden zusammen.
Durch den Kollaps verdichtet sich der Kern immer stärker, bis
die Atome so dicht zusammengepresst sind, dass mit Ausnahme der
subatomaren Partikel, der Neutronen, nichts zurückbleibt und der
Kern nicht weiter kollabieren kann. Das Material prallt nun mit
Geschwindigkeiten von bis zu 240 Millionen km/h zurück. Eine
verheerende Schockwelle sprengt den abgestorbenen Stern in einer
enormen Eruption auseinander, die eine Zeit lang das Licht einer
gesamten Galaxie überstrahlen kann. Die Energien sind stark
genug, um die Barriere des Kernzustands von Eisen zu durchbrechen
- eine Supernova ist der einzige Ort im Universum, an dem
Elemente entstehen können, die schwerer sind als Eisen. Nur der
Kern des Sterns bleibt übrig. Dieser Neutronenstern kann 20
Prozent der masse des ursprünglichen Sterns enthalten.
Inzwischen strömen Gas, Trümmer und Strahlung der Supernova
nach außen, kollidieren heftig mit interstellarem Gas und
erzeugen Schockwellen, die häufig zur Bildung neuer Sterne
führen. So bewirkt der Tod eines Sterns die Geburt neuer Sterne
und lässt neue Elemente entstehen, die wie Samen im
interstellaren Raum ausgestreut werden.

(bild oben) Der Tarantel Nebel in der
Großen Magellanschen Wolke und die Supernova 1987A
Völlige Zerstörung
Wenige Minuten nachdem sich ein Stern in einer Supernova-Explosion selbst zerstört hat, wird ein Planet, der so weit entfernt ist wie der Abstand von Jupiter zur Sonne beträgt, durch eine Wolke aus rasenden Trümmern, glühendem Gas und Strahlung vernichtet. Die Strahlung der Supernova könnte Leben in einer Entfernung von Lichtjahren bedrohen - bei solchen Explosionen entstehen jedoch auch lebensnotwendige Elemente.

)bild(bild oben) Eine Supernova hinter dem
Staubstreifen der Galaxie Centaurus A
Perspektiven - Was wäre wenn....
....in der Nähe der Erde eine Supernova Explodieren würde ?
Manche Astronomen spekulieren,
dass Supernovä für Massenvernichtungen von Leben verantwortlich
sein könnten, auf die fossile Überreste auf unserem Planeten
hinweisen.Sogar eine Supernova in zehn oder mehr Lichtjahren
Entfernung würde sich auf der Erde verheerend auswirken.
"Ionisierende Strahlung würde die Ozonschicht auf
Jahrzehnte völlig zerstören", so der Schweizer Forscher
Juan Collar, "während die Sonnenstrahlung unvermindert
bliebe".
"Durch die Supernova beschleunigte kosmische Strahlen
würden die Atmosphäre radioaktiv verseuchen", ergänzt
Ralph Wijers von der University of Cambridge, England. Andere
meinen, dass die während einer Supernova abgegebenen enormen
Mengen an Neutrinos eine ernsthafte Bedrohung für das Leben
darstellen. "Die Anzahl der Neutrinos einer Supernova des
Typs 2 ist so riesig - sie trägt 99 Prozent der Energie der
Explosion -, dass große Mengen vom menschlichen Körper
absorbiert werden könnten, falls sich die Supernova nahe genug
ereignet hat", erklärt Nial Tanvir, ebenfalls von der
University of Cambridge.
Eine Supernova in der Nähe unseres Sonnensystems bewirkt eine
spektakuläre Erleuchtung des Himmels. 1987 kam es in den etwa
200000 Lichtjahren entfernten Magellanschen Wolken zu einer
Explosion. "Hätte dies in unserer Galaxie stattgefunden, so
wäre es das hellste Objekt am Nachthimmel gewesen - oder auch am
Tageshimmel!", so Collar. Manche Forscher sind jedoch
zuversichtlich, dass wir keine schlaflosen Nächte haben müssen.
"Die Möglichkeit, dass eine Supernova - Explosion nahe
genug stattfindet, um das Leben nennenswert zu schädigen ist
eine in mehreren Milliarden Jahren", so Arnon Dar vom
Techion, dem israelischen Institut für Technologie."sie
sind jedenfalls keine Erklärung für die massive Ausrottung von
Leben in den vergangenen 500 Millionen Jahren."

(bild oben) Expandierende Hülle von Tychos
Supernova