Alfred N. Bruckner's Muenchner Geschichten - 2 - Ein Muenchner im Himmel
Muenchner Geschichten 1999 - 2000

"Ein Muenchner im Himmel"

by

Alfred N. "Joe" Bruckner

A B N C - NEWS & COMMENTARIES








Wer kennt sie nicht ..... die heitere Erzaehlung von Ludwig Thoma, die der unvergessliche Adolf Gondrell so nett in Szene gesetzt hat?


"Ein Muenchner im Himmel"


Es ist die Geschichte von Alois Hingerl, Dienstmann Nummer 192 am Muenchner Hauptbahnhof, der seine Aufgabe mit solcher Hast und Eile erledigte, dass er darueber radeputz das Zeitliche segnete.

"Oben" angekommen, wurde er zum "Engel Aloisius" und es sollte seine neue Aufgabe sein - wie es sich geziemt - zu "frohlocken".

Er setzte sich, wie es ihm befohlen ward, auf ein Wolke, schlug die Harfe und begann ..... "Hosianna" singend ..... zu "frohlocken".

Das war aber nun gar nicht seine Sache!

Es gab nur "Manna" - und nicht einmal Bier! Singen tat er noch nie nicht und ueberhaupt, ..... in der Gesellschaft dieser "Durchgeistigten" fuehlte er sich gar nicht "daheim".

Lange dauerte es nicht, bis Aloisius' "Frohlocken" in zuenftiges Muenchner Granteln umschlug und er seinem Aerger lauthaus Luft verschaffte.

Das drang schliesslich sogar an Petrus' Ohr und auch der Liebe Gott erwachte von seinem Mittagsschlaf. Man liess Aloisius rufen.

Bei Petrus angekommen, kam dieser bei Aloisius aber gerade an den Richtigen und dieser legte zuenftig los, was ihm "da heroben" denn gar nicht passte.

Nach Petrus' Ruecksprache mit dem Lieben Gott kam man schliesslich ueberein, dass man mit Aloisius "da heroben" wohl nichts rechtes anzufangen wisse und teilte ihm dann eine neue Verwendung zu:

Damit die liebe Seele endlich ihre Ruhe faende, sollte Aloisius kuenftig als "Goettlicher Bote" in Dienst gestellt werden. Auf diese Weise kaeme er wohl oefters nach Muenchen .....


Und so geschah es denn auch: Aloisius erhielt gleich seinen ersten Auftrag - die Uebermittlung eines Briefes .....

an die Bayerische Staatsregierung .....

und so flog er unverzueglich von dannen.

Wie er so ueber Muenchen hereinschwebte - im Approach auf die Staatskanzlei beinahe das Muenchner Kindl vom Rathausturm rammend - da wurde ihm gleich warm um's Herz und er gleitete ueber das Hofbraeuhaus, landete, fand seinen Stammplatz leer ..... und traf Kathi, die Kellnerin, und bestellte sich eine Mass ..... und noch eine Mass ..... und noch eine ..... und da sitzt er heut' noch.

Seither wartet die Bayerische Regierung vergebens auf die Goettlichen Ratschlaege.

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Alfred N. "Joe" Bruckner

Correspondent
Travel Writer - Photographer
Tourist Guide


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Bei "Aloisius" im Muenchner Hofbraeuhaus


Mitten in der Stadt steht es seit 1589 - das weltberuehmte Hofbraeuhaus.

Auf halbem Weg vom Marienplatz zum Isartor biegt man Im Tal links ab und landet bald Am Platzl, wo es - gegenueber - bis vor nicht allzu langer Zeit noch eine der heute leider wenig gewordenen Alt-Muenchner Traditionsgaststaetten gab: das "Platzl".

Man kann auch von der Maximilianstrasse in westlicher Richtung abbiegen und kommt dann an der Hofbraeu-Muehle vorbei, die seit Jahrhunderten schon in dem gleichen Haus beheimatet ist, und fuer die ich - in einem meiner vielen Aushilfsjobs in Muenchen - Mehl zu Baeckereien in der Stadt und ins Oberland zustellte.

Auch an das Hofbraeuhaus habe ich schon geliefert - an die Brauerei, die oestlich von Muenchen in der Naehe des Container-Bahnhofes auf der "gruenen Wiese" einen modernen Betrieb errichtete:

Weizenmalz aus Frankreich, aus dem die Muenchner dann ihr bayerisches Weissbier brauen, das ich dann bei anderer Gelegenheit wieder als Ladung bei Liefertouren durch Bayern und Umgebung an Board hatte.



Will man , Neuigkeiten und Hintergruende erfahren, ist ein Platz wie das Hofbraeuhaus eine ideale Fundgrube.

Denn man trifft Leute aus allen Staenden und Gesellschaftsschichten ..... und natuerlich immer wieder auch "Fremde", von denen Karl Valentin sagt, dass "Fremde" nur in der "Fremde" oder als "Fremde unter Fremden" "Fremde"seien.



Nun, mit "Fremden" tut man sich in dieser Region noerdlich des Alpenhauptkammes wohl nicht so leicht, denn es gibt sie - die "Fremden" - zeitweise und oertlich in Massen, beispielsweise als Touristen aus Nah und Fern - und gerade Ludwigs Maerchenschloesser sind nach wie vor Magnete, insbesondere fuer Gaeste aus dem "Dollar"-Raum oder aus Japan.

Pinoys - meine philippinischen Landsleute - trittf man leider nur selten, denn fuer sie ist Europa seit der sogenannten "Asien-Krise" und nach enormem Wechselkursanstieg des US-Dollar und damit auch der europaeischen Waehrungen sehr teuer geworden. Allenfalls als Gattinen von "Einheimischen" oder als Schiffsleute, meist an Board von Poetten, die im "Zweitregister" eingetragen sind oder unter "Billig-Flagge" die Ozeane durchkreuzen ...... oder unter den "Auslaendern, die uns nuetzen" - dazu spaeter mehr - trifft man hin und wieder Filipinos, meist an ihrem Laecheln zu erkennen.


Apropos - "Auslaender, die uns nuetzen"

Bayerns Innenminister Guenter Beckstein, den ich persoenlich ob seiner recht direkten Art der Sprache und dabei (auch mal unangenehme) Dinge beim Namen zu nennen, ohne sie in der bei Politikern sonst so beliebten "Umschreibungs"-Gefasel zu zerreden, sehr schaetze, hat einmal bei unterschieden in

Auslaender, die uns "nuetzen", und

Auslaender, die uns "nur ausnuetzen".

Nun, unter ersteren sind jene gemeint, die man einst als sogenannte "Gastarbeiter" ins Land geholt hat, andere, die man heute dringend braucht, um den HighTech-Standort Deutschland als solchen erhalten zu koennen - naemlich IT- und sonstige Computer-Spezialisten, und natuerlich die lieben "Fremden" - Touristen, die Geld in den weiss-blauen Freistaat bringen und damit Arbeitsplaetze erhalten - auch die der "nuetzlichen"Auslaender, die diejenigen Taetigkeiten und Jobs verrichten, die die "Einheimischen" nicht (mehr) tun (wollen).

Mit letzteren meinte Innenminister Beckstein einen Teil derjenigen "Gaeste", die mitunter gerade mal nur ihr Leben retten konnten, als sie ihre Heimat verliessen oder ihr den Ruecken zukehren mussten.

Dass darunter nicht wenige sind, die nicht nur alle Bindungen abbrechen mussten, sondern die skrupellosen Schleppern und Schleuserbanden ins Netz gingen, sich die gesamte Verwandschaft in einer hoffnungslos rueckstaendigen und von Gott vergessenen Region in Global Village Hals ueber Kopf in Schulden stuerzte, um einem die Chance auf ein "besseres Leben" zu ermoeglichen, ist auch eine andere Geschichte.

Und auch die, dass - da ist Central Europe sicher keine "Insel der Seligen" - Effizienz in der Bekaempfung solch wohl organisierter und bis in "hoechste Kreise" verbandelte organisierte Krimininalitaet oft unter enormen finanziellen Engpaessen und dadurch bedingter Personalknappheit leidet.




Zurueck ins Hofbraeuhaus!


Da gibt's zahlreiche Stammtische im Hofbraeuhaus .....
wie den des "Aloisius"!

Stammgaeste haben das Privileg, ihren Masskrug mit einem Liter Fassungsvermoegen, der ueblichen Trinkeinheit fuer den edlen bayerischen Gerstensaft, der - so versichert man es zumindestens - aus bayerischem Hopfen und Malz gebraut wird, wennglich die Importe fuer (billigeren) Hopfen staendig steigen ..... - Stammgaeste duerfen diese oft sehr alten und wertvollen Kruege, manche rech und edel verziert und mit Zinndeckel versehen, damit sich keine Fliege im Gebraeu ersaeuft, in Regalen abzuschliessen. Wer weiss, was sonst auf dem Heimweg damit passieren koennte, wenn die Standfestigkeit nachlaesst und die Welt herum sich manchmal dreht oder doppelt zu sehen ist.


Oft sass ich zusammen mit dem "Engel Aloisius" an seinem Stammtisch, denn uns verbindet eine gewisse Seelenverwandschaft - ihn hat man wieder fortgeschickt und mich haben sie nicht nur einmal von der "Liste" wieder gecancelt und "herunten" belassen. So tauschten wir Meinungen aus, stritten uns hin und wieder auch heftigst, aber haben uns dann bei der einen oder anderen Mass immer wieder vertragen.





"Moegen haetten wir schon wollen, aber duerfen haben wir uns nicht getraut."
Karl Valentin



Zum Andenken an den weit ueber die bayerischen Landesgrenzen hinaus bekannt gewordenen Muenchner Schauspieler, Komiker und Humoristen wurde vor ueber drei Jahrzehnten im rechten Turm des Isartores eine Gedenkstaette errichtet:


Das Valentin-Musaeum


Hier koennen interessierte "Aufsteiger" neben zahlreichen anderen Exponaten auch den beruehmten Nagel betrachten, an den er 1902 seinen Beruf haengte und Volkssaenger wurde.

99-jaehrige, in Begleitung ihrer Eltern, haben freien Eintritt. Die anderen bezahlen zweihundertneunundneunzig Deutsche Pfennige - solange es die noch gibt. Wieviel's in "Euro" sein wird? Es ist noch nicht bekannt und auch noch eine Weile hin, bis man sich an neue Scheine und Muenzen gewoehnen muss.


1911 lernte Karl Valentin seine Partnerin Liesl Karlstadt kennen, die bis zu seinem Tode, am Rosenmontag 1948, nie richtig aus seinem Schatten treten konnte.

Kuerzlich wurde die Sammlung erweitert und auch Liesl Karlstadt erfuhr so die ihr gebuehrende Ehrung.

Liesl Karlstadt war noch bis 1961 in vielen Rollen auf der Buehne und in Filmen zu bewundern, die das Bayersiche Fernsehen gelegentlich wieder ausstrahlt.

Im Turmstueberl ist ein Cafe eingerichtet, in dem frische Weisswuerste serviert werden - von denen man sagt, sie seien vor ueber zweihundert Jahren eigentlich aus Versehen und wegen des Missgeschicks eines Metzgerlehrlings "kreiert" worden; Weeisswuerste sollen das Zwoelf-Uhr-Laeuten nicht mehr hoeren. Dazu gibt's frische Brez'n und ein "echt" bayerisches Weissbier (aus franzoesischem Weizenmalz).



Gleich um die Ecke, in der Westenriederstrasse, findet der Stadtbummler das

Zentrum fuer Aussergewoehnliche Museen,

in dem zahlreiche seltene Exponate und alte Raritaeten ausgestellt sind.

In vielen Sonderausstellungen - wie Schutzengel, Nachttoepfe, Faschingsorden, Wolpertinger und Elwettriche, und so weiter - kann man Kuriositaeten bewundern.


Eine Filiale dieses Aussergewoehnlichen Museums ist in Tegernsee, etwa sechzig Kilometer suedoestlich von Muenchen.

Dorthin fuhr die "Tegernseer Bahn" mit Regelzuegen "unter Dampf". Leider gehoert dies der Vergangenheit an, seit man "modernisiert" und (lange Zeit sehr stoerungsanfaellige) High-Tech-Zuege auf die Schienen gesetzt hat, die dann wieder aus dem Verkehr gezogen werden mussten, um sie einer gruendlichen Ueberholung zu unterziehen. Na ja, eines Tages sind sie wieder auf Schiene - dann hoffentlich sogar "puenktlich".



"Ein Wagen von der Linie Acht"


ist Titel und Schilderung einer Fahrt mit der Tram (Strassenbahn) auf einer Linie, die es heute auch nicht mehr gibt, seit mit der U-Bahn viele Strecken ueberfluessig wurden.

Weiss Ferdl,

ein anderer sehr bekannter Muenchner Volkssaenger und Schauspieler hat das Lied geschrieben und es ist auf Schallplatten zu hoeren.

Auch den Volkssaengern wird in zahlreichen Exponaten gedacht, die im Valentin-Musaeum ausgestellt ist.


Das Valentin-Musaeum liegt am S-Bahnhof "Isartor" und so auf meinem Weg zu einem meiner Einsatz-Stellen, als ich Anfang 2000 in Muenchen etliche Aushilfsjobs hatte.

1993 hatte ich - damals noch fuer die separat operierenden Deutschen Bahnen - an einem Projekt "Fahrgast-Erfassung" mitgearbeitet und dabei auf Strecken der Deutschen Bundesbahn in den "Alten Bundeslaendern" etwa 60,000 Kilometer zurueckgelegt.

Deutschland habe ich - im wahrsten Sinne des Wortes - "erfahren", denn hinzu kamen auf dem Gebiet der "Ehemaligen Sogenannten......" nochmals weitere 40,000 Kilometer auf Reichsbahn.

Es hat grossen Spass gemacht und ich habe sehr viel erlebt und die Eisenbahn gruendlich kennengelernt.

So war es naheliegend, auch dem

MVV - Muenchner Verkehrs- und Tarifverbund

oder, wie ueber Verspaetungen veraergerte Fahrgaeste sagen, M V V - "Muenchner Verdruss Verbund" - fuer mich (persoenlich) aber

M V V - "Mit Viel Vernuegen" -

ein wenig hinter die Kulissen zu schauen und das Ohr am Puls des Fahrgastes zu haben.

Leider war mir die Zeit zu kurz geworden, denn ich musste ja wieder in die Philippines zurueckkehren.

Dennoch, ein wenig hat's gereicht .....
fuer "MVV Geschichten" (Index)


Aber ich bin bald wieder in Muenchen .....



Schau'n Sie sich das an!