Alfred N. Bruckner's Muenchner Geschichten - 9 - Aus Muenchens Hinterhoefen
Muenchner Geschichten 1999 - 2000


Aus Muenchens Hinterhoefen:
M u e l l g e s c h i c h t e n


by Alfred N. "Joe" Bruckner

A B N C - NEWS & COMMENTARIES







"Bio-Tonne" - "Nur fuer Papier" - "Abfall zur Verwertung" - "Wertstoffe" - "Problem-Abfaelle" - "Sperrmuell" ..... etc. etc. etc.


Wer blickt da noch durch ??


"Am Ende kommt eh alles zusammen", meinen manche Skeptikter.

Und sie haben nicht ganz unrecht!


Doch der Reihe nach .....




Wie ich beim "Muell" landete



Wann es genau war, weiss ich nicht mehr. Aber es war etwa in der Zeit, als der Muenchner Flughafen von Riem ins Erdinger Moos uebersiedelte, da war viel vom "Gruenen Punkt" die Rede; und vom "Gelben Sack": Muelltrennung und Verminderung.

Im Zuge einer Recherche zu diesem Thema habe ich mich damals auf Muelldeponien in den Landkreisen Freising und Erding umgesehen, um zu erfahren, was da so alles abgeladen wurde.


Mit "Muell" hatte ich danach nicht mehr zu tun, als Eimer fuer Eimer - sauber getrennt - zu verschiedenen Abfallbehaeltern zu tragen oder gruene, braune und weisse Flaschen, Papier und Dosen zu Containern zu bringen und vor der Uebersiedlung meines Haushalts in die Philippines nicht mehr benoetigte Altgeraete gegen satte Gebuehren in Deponien entsorgen zu koennen.


In meiner Wahlheimat Philippines war Muell-Entsorgung frueher und auf dem Lande, ja selbst in einigen Stadtteilen, kein Thema - soweit er brennbar war. Was nicht unter dem Reistopf in Flammen aufging, wurde im Garten verbrannt, manches vergraben. Das war, mehr oder weniger, ohne Probleme, ausser dass Rauchschwaden bei unguenstiger Windrichtung durch's Haus zogen - fast so wie in Muenchens Flughafen, der, was die "Verraeucherung" in den Terminals betrifft, sicher und immer noch, einen nsamen Spitzenplatz einnimmt, da dies fuer die meisten Flughaefen in Global Village heutzutage kein Thema mehr ist!


Mehr und mehr kam in Plastik verpackte Ware in den Handel - im umgekehrten Verhaeltnis, als die sogenannten Industrie-Laender Anstrengungen unternahmen, ihre Plastikmengen zu reduzieren.

Nicht nur, dass Plastik praktisch nicht brennt, sondern quasi schmilzt, es stinkt auch gewaltig. Und in der heimischen Kueche wurde verstaerkt auf Fluessiggas umgestellt.


Wohin also mit den rapide ansteigenden Muellmengen, bevor "wilde" Deponien ueberhand nehmen oder im Wasser landen?

In Cebu City mit seinen ueber vierhunderttausend Waehlern in achzig Barangays (Stadtteilen) hatte man rechtzeig reagiert und sich Gedanken gemacht, wie man den staendig mehr werdenden Mengen an Muell begegnen und die wachsenden Muellberge reduzieren koenne.


Verbrennen oder weiter deponieren?

Das war die Frage.


Unter anderem dank (finanzieller) Unterstuetzung aus Partnerstaedten, konnte die Muellabfuhr ausgebaut und verbessert werden.

Eine Verbrennungsanlage wurde gebaut und war praktisch betriebsfertig - es fehlte nur noch die (behoerdliche) Genehmigung.


Doch dann passierte es:

Seit langem geforderte, gesetzliche Massnahmen waren endlich in den parlamentarischen Gremien, um in die Tat umgesetzt werden zu koennen.

Die Anlage entsprach danach leider nicht mehr den nun hoeheren Anforderungen. Grenzwerte fuer Schadstoffe und Luftverschmutzung waeren ueberschritten worden.

Nichts war's mit Verheizen - unser Muell musste weiter auf Deponien verbracht werden, die laengst ihre Kapazitaeten erschoepft haten. Neue Lagerstaetten waren ausfindig zu machen.




Nun, in diesem Zusammenhang war es mir hoechst willkommen, dass ich Gelegenheit hatte, mich in Muenchen und Umgebung in Sachen "Muell" und seiner Beseitigung naeher umsehen zu koennen und den Muenchnern "hinter die Kulissen" (und in die Hinterhoefe) sehen zu duerfen, als ich im Rahmen meiner Aushilfstaetigkeiten in verschiedenen Receycling-Unternehmen zum Einsatz kam.

Dass ich dabei auch Muenchen noch gruendlich "erfahren" konnte und so nebenbei Einblick in "Traffic Management" (oder Nicht-Management) gewann, ist von unschaetzbarem Wert!

Denn ich habe nicht nur viel gesehen, sondern auch Amuesantes erlebt und eine Menge netter Menschen kennen gelernt. Nun, ich war immerhin - kuerzer oder laenger - in insgesamt fuenf (nicht staedtischen) Betrieben und habe dabei die unterschiedlichsten Presswagen gefahren.


Einer der wesentlichen Unterschiede im Arbeitsalltag eines "privaten" oder staedtischen Muellkutschers ist, dass kommunale Muellmaenner weniger "Stress" haben und mitunter sogar besser bezahlt werden.

Zum Beispiel:

Ein oder zwei "staedtische" Muellmaenner gehen voraus und ziehen "staedtische" Muelltonnen aus den Hinterhoefen und stellen sie am Strassenrand bereit. Als Presswagenfahrer faehrt man durch durch die Strassen oder Gassen, die Lademannschaft entleert die Tonnen in die Presse, waehrend man aus der Zeitung das Neueste lesen kann. Die "Nachhut" bringt die leeren Behaelter wieder an die angestammten Plaetze.

Bis zu durchschnittlich fuenf Mann ist die Crew eines "staedtischen" Fahrzeugs - meist Drei-Achser mit einer Nutzlast von mehr oder weniger zehn Tonnen bei einem Gesamtgewicht um circa fuenfundzwanzig Tonnen.

Bei den "Privaten" sind's gerade einmal nur maximal zwei Mann: der Fahrer und sein Beifahrer. Keine "Bereitstellung" - kein "Aufraeumen" ..... help yourself! "Frontlader" fahren solo.




"Am Ende kommt's wieder zusammen"
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Man sagt ueber die Deutschen, dass sie alles grunedlicher und perfekter machen......

Richtig, auch beim Muell scheint dies zuzutreffen - sie sind Weltmeister im exakten Trennen und Entsorgen.

Vermeiden von Muell ging sogar schon so weit, dass Kapazitaeten in Verbrennungsanlagen nicht mehr ausgelastet werden konnten und Muell teils ueber hunderte von Kilometern herangekarrt zu werden hat.


Nicht unbedingt "weltmeisterlich" geht's zu - mancherorts, wie ich waehrend meiner Ausfluege im "Muelltourismus" fand - beim Einsammeln, Verladen und Abtransport des Muells.

Da werden nicht selten verschiedene "Sorten" kurzerhand zusammengemischt, wenn - fuer die "Optik" - aus einem Hinterhof an einem Tag "Abfall tur Verwertung" eingesammelt wird und am naechsten Tag der "Restmuell". Beim Nachbarn bzw. anderntags ist's umgekehrt.

Viele Touren werden - hintereinander - von mehreren Unternehmern gefahren, was nicht nur zu mehr Verkehr, sondern auch zu erhoehtem Platzbedarf fuer Container fuehrt.

Beispiel:

Restmuell von Supermaerkten - Gemuese, zeitlich abgelaufene Milchpackungen, leere Obstkisten, Verpackungskartons - landete beim "Gewerbemuell"; Spritzen und Krankenhausabfaelle, Hausmuell aus Wohnanlagen, Dosen und Speisereste von Restaurants, Filmreste eines Kopierwerks, Abfall aus Werkstaetten, etc., etc. in einer einzigen Fuhre - bunt gemischt und gepresst - im Heizkraftwerk.

Nicht zuletzt ist die Deklarierung auch eine Frage des (scharfen) Wettbewerbs und somit der "Abrechnung" - sowohl bei der Entsorgung, als auch bei der Bereitstellung der Behaelter.

Manche Touren werden tatsaechlich "rein" - nur Papier oder nur Dosen und Plastik - gefahren und enden tatsaechlich in der "Recycling"-Halle.

Andererseits war viel "Brauchbares" nach Vermischung mit "Restmuell" in der boardeigenen Presse ohnehin nicht mehr auszusortieren und landete eben als "Gewerbemuell" - weil dieser "billiger" ist - im Ofen.



"Muellkutscher"
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Tagestouren waren so von etwas siebzhig bis zweihundert Kilometer; Ladungsgewichte - je nach Art von Muell - durchschnittlich zwischen sechs und fuenfzehn Tonnen.

Dass man dabei gelegentlich im dichten Stadtverkehr oder in engen Gassen und verparkten Strassen die Presswagen um etliches "ueberladen" durch die Gegend kutschierte, merkte man erst auf der Waage vor Entleerung.


Oft haette ich mir gewuenscht, auch so einen Block dabei zu haben, den jene "Spaziergaenger" in kommunalem Auftrag bei sich tragen, die - meist bei Schoenwetter, ab und zu sogar auch bei (wenig) Regen - manch geparktem Fahrzeug die Windschutzscheibe mit einem "Knoellchen" dekorieren.

Leider - wie ich waehrend etlicher Fahrten in Stadtrandgebieten, aber auch in engen Gassen der Altstadt erleben musste - scheint sich das Einsatzgebiet dieser charmanten Damen und Herren meist nur auf "bequeme" Routen zu beschraenken.

So manche "Falschparker", die eigentlich abgeschleppt werden muessten, bleiben oftmals seitens der "Parkueberwachung" nur deshalb unbehelligt, um (sich) "Aerger" zu ersparen. Zweitspurparken scheint in Muenchen ohnehin grosszuegig "toleriert" zu werden.

Dopch gerade diese freundlichen Zeitgenossen, aber besonders "Schnittpunktparker", machen nicht nur einem Muellkutscher - zumindestens einem "Privaten" - das Leben besonders schwer, wenn man mit dem ueber zehn Meter langen und zweieinhalb Meter breiten Presswagen nicht mehr um die Kurve kommt, hunderte Kilo schwere Muellcontainer ueber Gehsteige oder im Slalom um geparkte Vehikel herum rangieren muss, oder aus diesem Grund auch mal eine Nachbarstrasse fuer eine laengere Weile "blockiert" werden muss und dann wuetende Reaktionen eines etliche Minuten laenger wartenden (eiligen) Verkehrsteilnehmers die Folge sind.

Meinen Wortschatz konnte ich nicht unwesentlich um viele saftige (nicht druckreife) Ausdruecke erweitern!


Mit "Trinkgeldern" war's nicht so weit her - in Muenchen nur selten!

Hatte ich jedoch auf "Restmuell"-Touren Beifahrer mit "guten" Freunden, tat dies der Taschengeldkasse gut...... weil's eh wurst ist und man ohnehin vorbeifaehrt, kommt's auf ein paar Kubikmeter "extra" nicht an - solange Platz ist.



"So vermeiden Sie Muell und sparen Geld"
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verraet eine der vielen Broschueren mit praktischen Tipps der
Stadt Muenchen.





Alfred N. "Joe" Bruckner

Correspondent
Travwl Writer - Photographer
Tourist Guide


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