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O p e r - einmal anders by Alfred N. "Joe" Bruckner A B N C - NEWS & COMMENTARIES
Als in Muenchen im jahre 1657 in der damaligen "Neuen Oper" am Salvatorplatz die erste Auffuehrung stattfand, war dies noch das Privileg der Regenten und der Aristokratie. Ein Jahrhundert spaeter wurde an der Residenz ein Opernhaus errichtet, das jedoch zunaechst ebenfalls nur dem Hofstaat vorbehalten blieb, bevor es 1795 der Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht wurde. Dieses - heute als "Altes Residenz-Theater" und nach seinem Architekten "Cuvilies-Theater" bekannt - wurde nach 1945 in einen anderen Fluegel der Residenz "umquartiert". An seiner Stelle wurde das "Neue Residenz-Theater" gebaut - hauptsaechlich fuer Schauspiel-Auffuehrungen. Schon zur Jahrhundertwende um 1800 war's zu eng. Die Muenchner waren und sind begeisterte Opernliebhaber - es wurde bereits wieder ein Neubau geplant. 1811 war's soweit! Man eroeffnete das nach Plaenen des Architekten Carl von Fischer neben dem Residenztheater das heute noch an diesem stehende Opernhaus, bekannt als Nationaltheater Muenchen, Bayerische Staatsoper Es gilt mit seinen 2,101 Zuschauerplaetzen als das drittgroesste Opernhaus der Welt und hat sich mit hochklassigen Auffuehrungen in die Weltspitze gespielt. Ensembles unzaehliger begabter Talente und grosse Stars haben, zusammen mit dem excellenten Staatsopern-Orchester unter der Stabfuehrung hochkaraetiger Dirigenten, den Ruf des Hauses rund um den Erdball gesungen. Eigentlich wurde das Haus ja dreimal gebaut, denn schon 1818 brannte es ab und man begann - diesmal mit Fischers Widersacher Carl von Klenze, der sich als Architekt bei der Erweiterung des "Koenigsbaues" der Residenz Verdienste erworben hat - wieder von vorne. 1825 konnte man die Wieder-Eroeffnung feiern und die Oper ueberstand alle Stuerme der Zeit ..... bis Bombentreffer am Ende des Zweiten Weltkriegs den Innenraum vollstaendig zerstoerten. Da nach Zusammenbruch des Dritten Reichs die Prioritaeten anders und Geldmittel kaum aufzubringen waren, dauerte es eine geraume Weile, bis man mit dem Wiederaufbau beginnen konnte. Der war 1963 abgeschlossen und das Haus konnte sich in der urspruenglichen Pracht und Herrlichkeit der Oeffentlichkeit praesentieren. Dabei hat man den drei "Vaetern" der Muenchner Oper - Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und Richard Strauss - in der Eingangshalle einen gebuehrenden Ehrenplatz zugedacht. Eine "Ahnengalerie" mit Bildern von Direktoren, Dirigenten und Saengern ist auf Gaengen und Fluren zu sehen. Waehrend Strauss und Wagner - letzterer kraefig "gesponsort" durch Koenig Ludwig II - viele Auffuehrungen ihrer Werke in Muenchen selbst erleben durften, war Mozarts Bewerbung in Ermangelung einer "freien Stelle" abgewiesen worden. Sein "Idomeneo" wurde 1781 in Muenchen uraufgefuehrt. Ein Stab von neunhundert Mitarbeitern sorgt dafuer, dass auf der Buehne Auffuehrungen von Weltruf ermoeglicht werden. Fast alle Ausruestungsgegenstaende werden in eigenen Werkstaetten hergestellt, die infolge Platzmangels in verschiedenen Haeusern Muenchens untergebracht sind. Auch das Lager fuer die Kulissen ist im zwanzig Kilometer oestlich Muenchens gelegenen Vorort Poing beheimatet, das bei Fuehrungen - die selbstverstaendlich auch im Nationaltheater selbst stattfinden - besichtigt werden kann. Und es bedarf schon exakter Planung und ausgekluegelter Logistik, um alles jederzeit am richtigen Platz zu haben ..... Abbauen nach der Vorstellung und Vorbereitungen, morgens letzte Handgriffe beim Aufbauen fuer Proben ..... und nachmittags die Buehne wieder fuer den Abend einrichten. O p e r n f e s t s p i e l e haben in Muenchen bereits eine ueber 125-jaehrige Tradition ..... und fanden unter Richard Wagner auf dem "Huegel" in Bayreuth im dortigen, nach seinen Plaenen errichteten Festspielhaus einen Gegenpart. An Karten zu kommen, ist oftmals reine Glueckssache, wenn man nicht lange genug im voraus disponieren kann. Waehrend man frueher - auch ausserhalb der Festpielzeit - tagelang am Vorverkauf anstand, um dann doch ohne Karte nach Hause zu gehen, waren diejenigen schon besser dran, die ihren Bestellwunsch von weit ausserhalb per Post mitteilen konnten. Zum Glueck gibt's heute Internet! Nur ein "Klick" und nicht nur Informationen sind einfach abrufbar, auch erfahren sie, ob fuer Vorstellungen noch Karten vorhanden sind, die sie gleich per E-Mail bestellen koennen. |
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![]() Alfred N. "Joe" Bruckner Correspondent Travel Writer - Photographer Tourist Guide A B N C - NEWS & COMMENTARIES Mal ein anderer Blickwinkel: Bei all der Praezision auf und hinter der Buehne ..... jemanden hat man dabei - wie ich erlebt habe - etwas aus dem Auge verloren. Nein, nicht auf der Buehne oder im Orchestergraben, auch nicht im Zuschauerhaus - gerade daran ist sicher nichts auszusetzen, im Gegenteil: Durch die Verwendung von Holz als Baumaterial fuer Raenge, Logen, Wand- und Deckenverkleidung, Fuessboeden - auch im Orchestergraben, der nicht anhebbar ist und bis unter die Buehnenvorderkante reicht - wird eine excellente Akkustik erreicht ..... bis hinauf zu den "billigen" Plaetzen! Uebrigens, in Richard Wagners Bayreuther Festspielhaus wurde dies noch konsequenter beruecksichtigt - da sind sogar die Sitze aus Holz und, im Gegensatz zu Muenchen, nicht gepolstert. Um wieder auf den "Zuschauer" zurueckzukommen, meine ich dabei den "zahlenden". Denn nicht wenige unter ihnen tragen "doppelt" zur Finanzierung des Unternehmens "Staatsoper" bei: einmal, wenn sie eine Karte kaufen oder ein Abo erwerben (duerfen), auf das sie oft jahrelang warteten ..... zum anderen landet so mancher Steuergroschen im Subventionstopf fuer staatliche Buehnen. Dem Ruf des Hauses gerecht werdend, moechte man natuerlich "Super" sein. Kuenstlergagen, Reisespesen und Kosten fuer Ausstattung reichen gar manchmal bis zur Grenze der Unbezahlbarkeit. Also, es muss gespart werden, denn auch die Betriebs- und Personalkosten klettern rasant nach oben! Waehrend ein Blick "hinter die Kulissen" die Vermutung aufkommen lassen kann, hier werde bestimmt nicht "gekleckert", nimmt - mal aus der Sicht eines Muenchner Opernfans betrachtet - die Sparsamkeit an der Schnittstelle zum (zahlenden) Zuschauer manchmal fast grotesk anmutende Formen an, wenn es das Management bis heute nicht geschafft zu haben scheint, servicefreundliche(re) Bedingungen zu gewaehrleisten - beispielsweise beim Haupteingang an der "Wetterseite": Mehrere Monate im Jahr ist Winter in Muenchen. Es ist kalt, es schneit, manchmal pfeift der Wind um's Eck und bis hinein in die Eingangshalle ..... in der man von frierenden und einigen muerrisch dreinblickenden Kartenkontrolleuren "empfangen" wird, denen ein Laecheln schon vor dem Ansatz eingefroren und ein paar freundliche Worte wie "Guten Abend" oder so in den Stimmbaendern steckengeblieben zu sein scheinen, waehrend vor Kaelte bibbernde Besucher in den Warteschlangen im zugigen Eingangsbereich in Maenteln und Taschen kramen, aus denen dann mit klammen Fingern die Eintrittskarten oder Abos gefischt werden. Auch auf ein "Auf Wiedersehen!" nach der Vorstellung muede aussehender und wie Statuen in der Landschaft abgestellt wirkender Figuren wartet man vergebens, denen das entgegenkommende Aufhalten der schweren, hohen Glastueren zwischen Parkett-Garderoben und den Fluren zum Ausgang, oder zwischen den Innenraeumen und der Eingangshalle, die auf dem Wege zum Ausgang zu durchschreiten sind, als nette Geste der Aufmerksamkeit zu muehsam erscheint. Es muss gespart werden! Also werden frei werdende Planstellen bei den "Logenschliessern" und "Garderobieren" nicht mehr besetzt, sondern es wird dieser Personalbedarf bei einem Unternehmer "auf dem freien Markt" bedarfsgerecht "gedeckt", der fuer solche Gelegenheiten Mitarbeiter unter Vertrag hat. Das hat zur Folge, dass sehr viele Kraefte nur mehr "Aushilfen" sind, die diesen Job - bis zur (steuerlichen) "Hoechsthinzuverdienstgrenze" - oftmals neben ihrem Hauptberuf oder, um karge Renten aufzubessern, als Pensionisten tun. Entsprechend haeufig sind denn auch die Personalwechsel und nicht jeder ist (gerne) im Dienstleistungsbereich "zu Hause" und fuer eine relativ geringe Bezahlung (ohne Ueberstunden- oder Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschlaege) - nicht an den Unternehmer, sondern dieser an seine Leute - bleibt die Motivation nicht selten "daheim". Ich war dabei! |
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Es war 1959, an einem feuchtkalten Novembertag, als ich das erste Mal ein Opernhaus betreten habe. Unsere Schule in der oberoesterreichischen Bezirksstadt Steyr hatte einen einwoechigen Aufenthalt in der Bundeshauptstadt organisiergt. Und natuerlich war unter anderem auch ein Beitrag zu kultureller Weiterbildung im Programm. Eines Vormittags gab es eine Einfuehrung in zwei Vorstellungen, zu denen wir abends eingeladen waren: Schillers "Raeuber" im Burgtheater und "Die Fledermaus" in der Volksoper. Sehr grosses Interesse hatte ich damals an den Dramen und so hoffte ich, bei den "Raeubern" zu sein. Nichts war's damit - ich landete in der "Oper": Sechste Reihe im Parkett, ein excellenter Platz in der Mitte - es hat lange gedauert, bis mein Taschengeld eines Tages reichte, um mir solch eine Karte leisten zu koennen. Und es war ein Erlebnis, an das ich mich zeitlebens gerne erinnere - "Die Fledermaus" mit der herrlichen Musik von Johann Strauss Sohn ..... "live" statt auf dem Umweg ueber das Radio! Meine Begeisterung fuer Oper und Operette wurde damals in Wien geweckt und wenn immer es moeglich war - wo ich mich in "Global Village" auch befand - kaufte ich mir Karten. Dabei denke ich noch gerne, um nur zwei Beispiele zu nennen, an meinen ersten Wagner - "Rheingold" mit Herbert von Karajan bei den ersten Salzburger Osterfestspielen - und Verdis "Nabucco" in der Sporthalle von West Palm Beach, wo tags zuvor noch die Wrestler zugange waren. Insgeheim habe ich - als das Taschengeld noch knapp war - oft die beneidet, die jeden Abend am Einlass standen und so "freien Einritt" hatten. Na ja, ab und zu kam ich an Generalprobenkarten oder fand den einen oder anderen "Bypass", den ich an dieser Stelle jedoch sicher nicht verraten werde! So war es geradezu ein Geschenk des Himmels, als ich - so etwa um Weihnachten 1999 - in einem meiner Aushilfsjobs waehrend meines Besuches in Muenchen zu Einsaetzen im Nationaltheater eingeteilt war - in dem Haus, in dem ich dreieinhalb Jahrzehnte zuvor endlos scheinende Stunden an der Vorverkaufskasse in der Warteschlange verbrachte, um meine ersten Stehplatzkarten zu "erstehen". Seither habe ich mich ueber die Raenge bis ins Parkett "durchgesessen". Nebenbei bemerkt: Kennt man eine Inszenierung, kann man sich auf den beleuchteten "Partiturplaetzen" bequem dem vollen Hoergenuss hingeben und mitlesen. Und, wenn's der eine oder andere Regisseur oder Buehnenbildner gar zu toll treibt und ganz 'was B'sonderes oder Ausgefallenes auf die Buehe zaubert, oder wenn ein Stueck "modernisiert" und Handlungen veraendert werden ..... braucht man sich wenigstens nicht zu aergern. Die "Fledermaus" am Dritten Januar 2000 konnte ich leider nicht sehen - ich war draussen vor der Tuere II im Parkett links eingeteilt. Aber in der Woche vor meinem Rueckflug nach Visayas war ich "drin" - mit einer Karte ..... Helmut Lohner, den ich viele Jahre zuvor als "Jedermann" in Salzburg bewunderte, war der Gerichtsdiener "Frosch". Und auch ein in Muenchen sehr bekanntes "Duo" - Rudolf Moshammer, der in der Maximilianstrasse gegenueber der Oper ein exclusives Modegeschaeft besitzt, und seine Yorksherterrierdame "Daisy" - kam als Parodie in der Rolle des Advokaten "Dr. Blind", gesungen von Kevin Conners, auf die Buehne. Ein weiterer Gag an diesem Abend des Letzten Tages im Februar war, dass der Countertenor Christopher Robson - in der Muenchner Erstauffuehrung Haendels "Ariodante" als "Polinesso" zu sehen - in der Rolle des "Prinz Orlofsky" nach der Pause und am Ende jeweils den aktuellen Spielstand des Fussball-Ereignis Real Madrid gegen FC Bayern verkuendete. Die Muenchner hatten sich mit ihrem 2 : 4 ein beruhigendes Ergebnis fuer das Heimspiel erkickt. Ein Tag aus dem Leben eines "Logenschliessers" -------------------------------------------------------------------------------- Es ist Montag, der letzte Tag im Januar. Strahlender Sonnenschein, waehrend der Fruehstuckskaffee aus dem Hause Dallmayer - dort wo Einkaufen zum Erlebnis wird und wo es nichts an Koestlichkeiten aus Global Village gibt, was nicht zu haben waere ..... ausser den suessesten Mangoes der Welt, aus Guadalupe in Cebu ..... also waehrend der, weil bei Dallmayer stets frische und so besonders herrlich wohlschmeckende Kaffee in die Kanne troepfelt und die Kipferl schon verfuehrerisch aus dem Backrohr duften. Dazu gibt es Zwetschgen-Marmelade von Staudt in Wien - die mit dem Jamaica-Rum - und Sonthofener Honig von Dallmayr..... Wenn ich zurueck in Cebu bin, gibt's morgens wieder Reis mit Fisch und frische Mangoes, den Kaffee bringe ich aus Muenchen mit ..... von Dallmayr, denn damit kann ich meine Gaeste verwoehnen. Im Radio laeuft "Bayern 4 Klassik", ein Programm des Bayerischen Rundfunks, um das ich die Muenchner beneide! Ein Blick auf die Strasse zeigt, dass es (wieder) nicht geschneit hat. Macht mir gar nichts, denn ich bin ganz froh darueber, wenn's nicht so kalt ist. Von meiner Wohnung in Schwabing ist es nicht weit bis zum Englischen Garten - also, etwas frueher aus dem Haus gegangen, um einen Morgenspaziergang durch den Park bis zum Haus der Kunst zu geniessen und auf dem Weg ein paar "Bekannten" zu treffen. Das letzte Stueck des Weges bis zur Schack-Galerie, wo ich heute um halbzehn zum "Aufsichtsdienst" eingeteilt bin, fahre ich im Bus. "Im Lichte des Helios" ist der Titel einer Hellas-Ausstellung in Photographien zwischen 1850 und 1900 aus der Sammlung Siegbert. Und mir wird das Vergnuegen zuteil, mich einen ganzen Tag lang mit den Exponaten beschaeftigen zu duerfen, bevor ich zum Abenddienst in die Oper aufbreche. Bis Dienstantritt um halbsechs ist noch ausreichend Zeit, in der Opern-Kantine einen Kaffee zu trinken und dazu ein Stueck Kuchen aus deren eigenen Herstellung zu essen. "Einen angenehmen Tag wuenscht Ihren Gaesten ..... Kantine ..... Bayerisches Staatsschauspiel, Bayerische Staatsoper" steht auf dem Papier, in dem das Taefelchen Schokolade eingewickelt ist, das zum Kaffee gereicht wird. Soviel Aufmerksamkeit wird einem nicht ueberall zuteil! Viertelsechs.. Im Aufenthaltsraum der "Logenschliesser" in der obersten Etage wird's zunehmend eng; nach und nach brechen die etwa zweieinhalb Dutzend Kolleginnen und Kollegen in das Erdgeschoss auf. Ein paar geniessen ein paar letzte Zuege aus einer Zigarette, andere schluerfen noch eine Tasse Kaffee, bevor's "zur Sache" geht. Inzwischen sind auch die "Garderobendamen" eingetroffen. Halbsechs ..... Der Teamleader des Unternehmens, das der Oper Personal zur Verfuegung stellt, meldet die Vollzaehligkeit der angeforderten Mannschaft an den Einsatzleiter der Oper. Dabei nimmt er die Schluessel fuer das Zuschauerhaus in Empfang und ruft dann zur Diensteinteilung auf: "Dritter Rang links" ist heute mein Einsatzort und ich uebernehme den Schluessel fuer die beiden von mir zu betreuenden Eingangstueren zum Zuschauerraum. Exakt zehn Minuten spaeter..... Der "Feldwebel" (Einsatzleiter der Oper) hat seinen "Auftritt". Aber waehrend auf der Buehne der Star des Abends mit Applaus begruesst wird, wird's mucksmaeuschenstill ..... dass sogar eine Stecknadel mit lautem Gepolter zu Boden donnerte. "....eeeeen.....aaaa....eeeeeeeennnn..." ist die Begruessung des Huenen. Wie ich herausfand, soll die Uebersetzung dieser, hauptsaechlich aus Vokalen zusammengesetzte Lautaeusserung so etwas wie "Guten Abend" heissen. Die Stimmausbildung, wie aus dem Tonfall geschlossen werden kann, war vermutlich in seiner langjaehrigen Militaerzeit, bevor er zur Oper wechselte. Dann ruft er die paar Damen und Herren auf, die ihm von einer ehedem noch vollzaehligen Mannschaft verblieben sind, und gibt in knappen Worten Einlass- und Pausenzeiten, den Preis der Programmhefte und sonst noch Wichtiges bekannt. Hat man das taeglich sich wiederholende Ritual ein paar Mal mitgemacht, hoert man heraus, was gesagt worden ist. Damit beginnt die Oper ..... Die fuer die Eingaenge vom Max-Josephs-Platz, vom Marstallplatz, aus der Tiefgarage bzw. von der Abendkasse abkommandierten Mitarbeiter beziehen Posten, bevor sie - genau eine Stunde vor Beginn der Vorstellung - um sieben die Tueren oeffnen und die Zuschauer das Haus betreten duerfen. Die uebrige Mannschaft holt sich die Programmhefte und begibt sich dann zu ihren zugewiesenen Tueren im Parkett, am Balkon, in den drei Raengen und auf der Galerie. Mozarts "Le nozze di Figaro" steht heute auf dem Programm ..... ein "Italiener", bei dem der Programmhefte-Verkauf besser laeuft. Meine Bilanz aus ein paar Tagen seit Weihnachten - Philharmonie, Herkulessaal, Oper - war nicht schlecht ..... fast siebzig Mark. Ein Junge - nicht gerade fuer die "Oper" gekleidet - faellt mir auf, wie er immer wieder einen scheuen Blick auf meinen Stapel Programmhefte wirft. Und es stellt sich heraus, dass er auf einem Abo zum ersten Mal in seinem Leben in die Oper kommt. Das Taschengeld reicht nicht ..... ich kenne das. Im ein Programmheft zu schenken, faellt mir daher nicht schwer und voller Dankbarkeit erzaehlt er mir spaeter in der Pause ueber "seine erste Oper". Sind die Tueren geschlossen und der Dirigent hebt den Taktstock zum Einsatz, beginnt der aeusserst angenehme Teil des Dienstes - im Dritten Rang hoechstens durch Spaetkommer "unterbrochen". Diese duerfen in der Proszeniumsloge Platz nehmen und auf eine Einlassmoeglichkeit zu ihren Plaetzen warten, oder sie begeben sich zur Parkett-Garderobe; dort ist ein Monitor. Tatsaechlich, waehrend der Overtuere kommen zwei junge Amerikaner - Musiker in einem Orchester und auf der Durchreise nach Wien zu ihrem Konzert ..... ganz aufgeloest, weil sie - ohne Deutschkenntnisse - nicht mit meinen Kollegen am Haupteingang und in der Galerie zurechtkamen und dabei viel Zeit verbummelten. Die wenigsten Aushilfen sprechen English. Im Gegensatz zum Herkulessaal oder der Philharmonie, wo immer wieder Kolleginnen oder Kollegen froh sind, dass sie sich "den Schmarr'n drinnen" nicht anhoeren "muessen" und gerne draussen bleiben, wenn sich jemand - so wie ich - findet, der "drinnen" geniessen will, stellt sich diese Frage in der Oper gar nicht erst. Da gibt es fuer "Personal" drinnen keinen Platz. Waehrend ich so durch die Tuere hoere, wie Figaro die Masse seines Zimmers ermittelt, erinnere ich mich an manche Muenchner Vorstellung mit dem unvergessenen Hermann Prey in dieser Rolle. Im Nu vergeht die Zeit und schon ist wieder Pause. Die Zuschauer vertreten sich draussen die Beine oder schlendern zu einem Imbiss. Manche latschen auch bis in die Eingangshalle, denn dort darf geraucht werden. Da es im Erdgeschoss-Imbiss einen Steinboden gibt, darf dort geraucht werden. Und so ziehen Rauchschwaden im Treppenhaus nach oben - sehr zum Verdruss mancher Besucher. Nette "Pausengespraeche" ergeben sich mit Zuschauern ..... ein Plauscherl, das zu Anfang wegen des Laeutens - der Aufforderung zum Einnehmen der Plaetze - unterbrochen werden musste, kann fortgesetzt werden ..... zwei Programmhefte gehen noch ueber den Tisch ..... dann laeutet es wieder. Nach der Pause geht's hinunter - in das Zimmer des "Feldwebel" - zur Abrechnung der verkauften und Rueckgabe der uebrigen Programmhefte. Dabei ist zu beachten, dass nicht weniger als zehn Hefte zurueckgebracht werden. Warum das so ist, habe ich nicht herausfinden koennen. War man dennoch so erfolgreich, sodass die zehn unterschritten wurde, muss man bei Kollegen eben "zukaufen". Wie schon bei der Ausgabe der Programme streng nach "Rang" verfahren wird, so diszipliniert muss auch die Rueckgabe erfolgen: Hefte im Zehnerpack - genau auf Stoss ..... der Rest, die Besetzungslisten und sonstigen Einlagen in richtiger Stueckzahl daneben ..... Scheine glatt gestrichen, Muenzen exakt in Linie zu fuenft und nur zwei Reihen uebereinander ..... Das war's. Zurueck an die Tuer II im Dritten Rang, wo inzwischen die Handlung weiter fortgeschritten ist, Figaro an der Liebe seiner Susanna zu zweifeln beginnt und die Kollegin an der Garderobe den Aermel fuer das Babyjaeckchen ihrer Tochter fast fertiggestrickt hat. Nach der Vorstellung gibt's ueblicherweise einen kleinen Stau an der Garderobe, der sich jedoch schnell aufloest. Noch ein Kontrollgang in die Toiletten und sonstige, dem Publikum zugaengliche Raeume ..... damit keiner versehentlich zum "Phantom der Oper" wird. "Nix wie weg .....!" scheint die Devise zu sein - der eine oder andere muss frueh wieder aus den Federn ..... und die "Nachhut" draengelt schon nervoes ..... 'runter ins Erdgeschoss und den Schluessel an den Teamleader in der Eingangshalle zurueckgeben. "Gute Nacht!" Hat der letzte Zuschauer das Haus verlassen und sind alle Schluessel eingesammelt, hat auch "Natascha" - der Name fiel mir ein, weil sie eine Ausstrahlung hat wie eine (sibirische) Eis-Prinzessin ..... nein, eine "Prinzessin aus Eis", der kaum ein Wort oder gar ein Laecheln ihren schoenen Lippen zu entlocken ist - hat ihren Auftritt in der Schluss-Szene. Sie sperrt das Haus zu. Baeckerei Wimmer, an der Ecke der Leopoldstrasse in der Naehe meiner Wohnung, hat bis ein Uhr nachts auf und es gibt jeden Abend "Pugliser" - frisches italienisches Weissbrot, das besonders gut schmeckt. Zu den Spaetnachrichten im Fernsehen ein Glaeschen Champagner ..... guenstig eingekauf in der "Ringeltaube" am Muenchner Flughafen. Gestern war ich beim "Blauen Reiter" im Lenbach-Haus, morgen am spaeten Vormittag bin ich im Kunstbau beim anderen Teil der Sonderausstellung "Das Gedaechtnis oeffnet seine Tore" und abends geht's zu Haendels "Ariodante" wieder in die Oper. Eine Premiere ist Ende Februar im Programm und es laufen bereits intensive Vorbereitungen. Titelbild und die Story in "Takt", der Opernzeitung, sowie ein Portraet des Tenors Marcelo Alvarez in der Titelrolle machen neugierig - "Faust - als Puppenspiel" und liefern Stoff fuer eine (weitere) Muenchner "Opern" Geschichte. Schau'n Sie sich das an! |
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