Spielfilm: Mr Viosloo, wie wird ein südafrikanischer Theatermimne zur "Mumie"? Arnold Vosloo: Ich habe Südafrika vor 10 Jehren verlassen, um einem Anti-Apartheit-Stück durch nordamerika zu touren. Dabei wurde "Alien"-Regisseur Ridley scott auf mich aufmerksam und gab mir eine kleine Rolle in seinem Columbus-Film "1492". Auch Al Pacino sah mich im Theater und bot mir in New York ein Engagement in Oscar Wildes "Salomé" an. Ich spielte Johannes den Täufer und Pacino den König Herodes. Hongkong-Regisseur John Woo sah das Stück und gab mir eine Rolle in "Hard Target". Dort fungierten Sam Raimi und Rob Tapert als Produzenten, und so kam ich schließlich zu "Darkman 2"...... Spielfilm:Beziehungen sind eben alles..... Arnold Vosloo:Ja, ich hatte Glück: Ein Engagement führte zum nächsten. Ich wäre nie mit dem Vorsatz nach Amerika gegangen, ein Hollywood-Schauspieler zu werden. Das hat sich einfach so rgeben- und jetzt bin ich mit einer hübschen Amerikanerin verheiratet und lebe in Santa Monica. Spielfilm:Die Rolle als mumie hat ihnen vermutlich "Hard Target"- Produzent James Jacks verschafft, der auch "Die Mumie" produzierte..... Arnold Vosloo:So ist es: James hat mich mit den richtigen Leuten zusammengebracht. Eigentlich wollten sie die Rolle mit einem großen Filmstar besetzen, man hatte wohl noch Robert de Niro als Frankenstein in Erinnerung. Regisseur Stephen Sommers aber hat für mich gekämpft und die studiobosse schließlich davon überzeugt, dass ich der Richtige für die Rolle bin. Spielfilm:Und der außerordentliche Erfolg des Films gibt ihm nachträglich Recht. Haben sie nicht Angst, künftig auf die Rolle des Bösewichts festgelegt zu werden? Arnold Vosloo:Sicherlich wird mir Hollywood jetzt viele ähnliche Rollen anbieten. Das ist vor ein paar Jahren Gary Oldman passiert, der jeden erdenklichen Bösewicht verkörpert hat. Genau das sollte man vermeiden, das ist doch langweilig. Ich möchte die Zuschauer lieben überraschen. Spielfilm:Wie sehen ihre Zukunftspläne aus? Arnold Vosloo:Nichts Konkretes. Ich lese Drehbücher. Das Gute daran ist, dass ich nun zwischen verschiedenen Angeboten wählen kann. Aber was? Ich glaube, dass die meisten Schauspieler zu viel arbeiten. Früher war es noch etwas besonderes, einen Steve McQueen im Kino zu sehen. Heute habeich oft das Gefühl, dass die großen Stars jede Woche mit etwas neuem herauskommen. Deshalb bewundere ich Tom Cruise, der seit drei Jahren keinen neuen Film mehr gemacht hat. Er wählt seine Projekte sehr sorgfältig aus und macht sich rar, und seiner Karriere hat das nicht geschadet. Natürlich könnte ich in den nächsten 3 Jahren jedenBösewicht verkörpern, der irgendwie in Reichweite kommt und damit eine Menge Geld verdienen. Auf der anderen Seite würde ich aber auch gerne in einen Ensemblefilm wie "Die üblichen Verdächtigen" mitwirken und zwischen meinen Filmprojekten weiterhin Theater spielen. So wie es auch Al Pacino macht. Spielfilm:Von Hamlet bis zur Mumie ist's ein weiter weg. Was macht ihnen mehr Spaß? Arnold Vosloo:Die Mumie keine Frage. sehen sie ich bin mit dem klassischen Theater aufgewachsen, meine Eltern waren beide Schauspieler: Sie sind fast überall südlich der Sahara aufgetreten, und ich war immer mit dabei. Das Theater hat mich geprägt, aber mit Rollen wie der Mumie hat man einfach mehr Spaß. Spielfilm:War es nicht auch belastend, gleich nach dem US-Start der "Mumie" mit berühmten Vorbildern wie Boris Karloff verglichen zu werden? Arnold Vosloo:Durchaus. Ich bewundere Karloffs Leistung in der "Mumie" aus dem Jahr 1932 und hatte gewisse Befürchtungen- ich wusste ja, dass unsere "Mumie" weniger ein Horrorfilm als ein humorvolles Action-Abernteruer im Stil von "Indiana Jones" werden würde. Ich rechenete also damit, dass die wahren Horror-Fans von unserem Film und meiner Darstellung enttäuscht sein würden. Wenn ich von Karloff etwas für meine Rolle übernommen habe, dann seine Ruhe und seine sparsamen Bewegungen. Spielfilm:Ist das die Zukunft des Horrorfilms: effektstrotzende Remakes von Klassikern im Stil von Action-Adventures? Arnold Vosloo:Vermutlich. Ich persöhnlich hätte mir den Film gruseliger gewünscht. Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch die Beweggründe der Produzenten: Ein richtiger Horrorfilm hätte eine striktere Altersfreigabe bekommen, das Studio hätte die Jüngeren im Publikum verloren und "Die Mumie" am Ende nur 50 Millionen Dollar eingespielt. Erstaunlicherweise sieht man in unserer Fassung ja keinen einzigen Tropfen Blut! Spielfilm:Und "Die Mumie 2" ist schon in Planung! Arnold Vosloo:Das Drehbuch ist in Arbeit. Wenn es gut wird, wäre ich gerne wieder mit dabei. Leider erreichen oder übertreffen nur sehr wenige Fortsetzungen das Original- manchmal aber passiert es, wie etwa bei "Der Pate 2". Ich hoffe, dass unsere Fortsetzung dann ein wenig gruseliger wird. Das schöne an diesem Stoff ist ja, dass man die Mumie zu jedder Zeit an jedem Ort zurückbringen kann. Wer weiß, vielleicht taucht sie ja plötzlich in einem Drive-In-Kino der 60er Jahre auf........ Spielfilm:Was ist dran an dem Gerücht, dass Hauptdarsteller Brendan Fraser bei den Dreharbeiten für die Galgenszene um ein Haar erdrosselt wurde? Arnold Vosloo:Ich stand direkt daneben. Sehen sie, wenn ein Schauspieler für eine Szene am Galgen "erhängt" werden soll, legt man ihm ein spezielles Geschirr um den Hals. Brendan ist aber sehr groß, und das Geschirr saß bei ihm offenbar etwas zu eng. Als sich die Falltür öffnete und er am Galgen baumelte, wurde sein Gesicht ganz rot, dann begann sein ganzer Körper wie wild zu zucken, und schließlich hing er nur noch schlaff am Seil. Die Crew ist völlig ausgerastet und schrie: "Mein Gott, ihr habt ihn umgebracht!" Nachdem sie Brendan vom Galgen heruntergeholt hatten, kam er glücklicherweise wieder zu Bewusstsein. Die Stunt-Koordinatoren nahmen den Vorfall erstaunlich gelassen. Einer meinte nur:"Willkommen im Club!" "Welcher Club?", fragte Brendan. "Das Gleiche ist uns auch schon mit Mel Gibson passiert." |