Hinduismus

In Pashupatinath treffen sich die Shiva-Jünger. Hier begegnet man allen Facetten des hinduistischen Glaubens.  

Mehr als 300 Steintreppen führen empor zum heiligen Hain von Pashupatinath, in dem Shiva in seiner Inkarnation als Pashupati, Herr der Tiere, seiner Gemahlin Parvati den Hof machte.   Um Pashupathinath und den Beginn der hinduistischen Tradition rankt sich auch eine, wie in Nepal üblich, anrührende Legende: Shiva kam mit seiner Gemahlin Parvati an den blühenden Hain am Ufer des Flusses Bagmati und vergnügte sich in Gestalt einer dreiäugigen Gazelle mit ihr. Die anderen Götter, voran Indra und Vishnu, waren von diesem Idyll so angetan, daß sie ihn als Herr der Tiere an seinem Gezellhorn festhielten. Dieses brach daraufhin ab, fiel zu Boden, und Shiva versprach, für immer in diesem Hain zu bleiben. Das Horn wurde in die Erde gerammt, und als Lingam, als Phallussymbol, verehrt. Allen seinen Anhängern, die zum Tempel kommen sollten versprach er, daß sie aus dem Kreis der irdischen Wiedergeburten erlöst werden.  Damit wurde das viertwichtigste Pilgerziel Nepals geschaffen und Shiva avancierte so zur nepalischen Staatsgottheit und Pashupatinath zum heiligsten Ort Nepals.

Inzwischen ist der Hinduismus zur bedeutenden Religion geworden, der etwa 650 Mio. Menschen (überwiegend in Indien) angehören. Der Hinduismus hat sich im Lauf von Jahrhunderten mit einer Vielzahl von Sekten aus der Religion Brahmanismus entwickelt. Er kennt keine in sich geschlossene dogmatische Lehre. Nur einige sehr allgemeine Grundlagen sind allen Sekten gemeinsam, vor allem die Lehre vom Karma und von der Wiedergeburt. Der endlosen Kette der Wiedergeburten, dem Samsara, zu entrinnen, ist Ziel der Erlösung. Da Wiedergeburt auch als Tier möglich ist, gilt die Schonung alles Lebendigen (Ahimsa) als höchstes Gebot. Daher der strenge Vegetarismus und die Rinderverehrung der Hindus. Das System der sozialen Gliederung in die vier Klassen der Brahmanen = Priester, der Kschatrijas = Krieger, der Waischjas = Bauern und der Schudras = Knechte, die jeweils wieder in zahlreiche Kasten zerfallen, wird nur von wenigen Sekten nicht anerkannt. Ohne Kastenzugehörigkeit sind nur die Paria. In der Kosmologie des Hinduismus wird die Welt als ewig aufgefaßt, sie befindet sich jedoch in einem ständigen Prozeß des Werdens und Vergehens. Jede Weltperiode umfaßt vier Weltzeitalter. In der Mitte des Universums befindet sich der Weltberg Meru, Sitz der Götter. Aus der Viehlzahl der Götter des Hinduismus ragt die Dreiheit Brahma, Schiva und Vischnu (auch als dreiköpfige Gestalt dargestellt) heraus. Die beiden Hauptrichtungen des Hinduismus sind Schivaismus und Vischnuismus, je nachdem, ob Schiva (Zerstörer der Welt) oder Vischnu (Erhalter der Welt) an die Spitze der Götter gestellt wird. Neben den großen Göttern stehen viele kleine Gottheiten, die oft nur lokale Bedeutung haben. Andere, so der Affengott Hanuman, und Naturerscheinungen wie Sonne, Mond oder Wind genießen weithin Verehrung. Die Verehrung von Bildern eines Gottes durch Gebet oder Opfergaben findet v. a. im Tempel statt. Mittler zwischen dem Gläubigen und dem Gott sind die Priester (Brahmanen). Nach ersten Ansätzen in den Texten des Veda beginnt die eigentliche Überlieferung des Hinduismus mit dem Epos Mahabharata, er ist jedoch erst in den 18 Puranas (etwa 6. Jh. n. Chr.) voll entwickelt.



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