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Wie ich die
Sonnenfinsternis am 11.8.1999 erlebt habe (Anmerkung:
so wie bei allen anderen Seiten auf meiner Homepage
stammt die Abbildung, die links jeweils oberhalb der URLs
zu sehen ist,
nicht von mir, sondern von den Profis. Hier ist es eine
Zeichnung die in
"Sky and Telescope" abgebildet war und die mir
besonders gut gefällt,
da sie meine persönlichen Eindrücke der Sofi'99 sehr
gut wiedergibt.)
Die Nachfolgende Karte zeigt den Verlauf der Zentallinie
sowie
die beiden - mit rosa Punkten gekennzeichneten -
Beobachtungsorte
Bernstein (nahe der Zentrallinie) und Horitschon (nahe
der der 2'-Linie):

Wie geplant, sind wir (Nick, Irene, Julia, Gabi, Gerda,
Andreas und
Michael) bereits am Vortag angereist, um den Staus zu
entgehen.
Die Fahrt über die Südautobahn war ein
"Erlebnis". So ein Unwetter
hab' ich beim Autofahren bisher selten erlebt. Trotzdem
sind aber
die drei Pkw und die etwas geschlauchten Insaßen um ca.
19h beim
Haslwirt in Bernstein/Unterhasl heil angekommen. Nach
einigen
Regengüssen war dann ab 22h ein toller Sternenhimmel zu
sehen.
Die Milchstraße hab' ich seit Jahren nicht mehr in
dieser Pracht erlebt.
Der nächste Tag begann aber wieder ganz schlecht: mit
Regen.
Das Satellitenbild (via Internet, Stand 5h) verhieß
nicht Gutes.
Die Hoffnung lag nun darin, daß die Wolken im Laufe des
Vormittages
aufreißen würden. Und so kam es auch: Richtung Süden
(Schlaining)
bildete sich ein Loch in der Wolkendecke, das langsam
größer wurde.
Ab 11h, kurz vor dem ersten Kontakt war das Loch dann so
groß,
daß auch bei unserem Quartier die Sonne zu sehen war.
Und so konnte der erste Kontakt unter besten Bedingungen
gesehen
werden. Im kleinen Fernrohr (Lumicon Super Finder,
Brennweite 300mm,
Okular 15mm, Vergößerung 20x) war mit dem
selbstgebastelten Filter
ab ca. 11h25'40", also etwa 10" später als
berechnet, eine kleine
Einbuchtung am Sonnenrand (Position ca. 11h, Bild
seitenverkehrt !)
zu erkennen. Die 10" sind eigentlich ein recht guter
Wert, weil die
Luft ziemlich unruhig war und so erst mit einer kurzen
Verzögerung
die Einbuchtung durch den Mond von den anderen
Luftschlieren
unterschieden werden konnte. In dem orangen Sonnenbild
waren auch
mehrere Sonnenflecken(gruppen) erkennbar.
Um ca. 11h30 habe ich dann auch eine Reihe von Aufnahmen
erstellt
(in der Hektik hatte ich zuerst vergessen einen Film
einzulegen ...).
Als Belichtungszeit habe ich 1/90, 1/60 und 1/30 Sek.
gewählt.
Auch hier kam ein selbstgebastelter Filter zum Einsatz.
Das Canon-Zoom
war auf 300mm eingestellt, die optimale Einstellung des
Fokus hatte ich
zuvor ermittelt und mit zwei weißen Lacktupfern
markiert.
Nachdem sich nun aber aus dem Südwesten eine sehr
kompakte
Wolkenfront näherte, wurde zum Aufbruch geblasen. Wir
verließen
fluchtartig Unterhasel und fuhren in Richtung Nord-Osten,
über
Unterkohlstätten, Weißenbach nach Piringsdorf mit dem
Ziel
Unterrabnitz, wo Andi, Julia und Michi Stellung bezogen
hatten.
Am Weg dorthin fand ein Wettrennen zwischen der
Wolkenfront
und uns statt. Je näher der Zeitpunkt der Totalität
kam,
umso geringer wurden die Chancen das wolkenfreie Gebiet
im
Nord-Osten rechtzeitig zu erreichen: die Wolkenfront
überholte
uns und der Blick auf die Sonne war komplett versperrt.
Vor Oberpullendorf standen am Straßenrand viele
Beobachter
(mit ihren Pkws und Fernrohren), Sonne war aber keine zu
Sehen.
Um 12h15, eine halbe Stunde vor Beginn der Totalität war
der
Himmel über uns total bedeckt und wir beschlossen, noch
weiter
nach Nord-Osten, Richtung Deutschkreuz zu fahren. Und es
wurde
sehr knapp, erst um 12h30 gelang es uns erstmals den
Schatten
der Wolkenfront zu überholen und wir blieben kurz vor
Horitschon
auf einem Feldweg rechts der Straße stehen.
Kaum war des kleine Fernrohr und der Foto-Apparat
ausgepackt
und aufgestellt, stand auch schon die Totalität
unmittelbar
bevor. Von der schmalen Sichel habe ich noch eine weitere
Belichtungsreihe erstellt. Die Sonne war nur durch einen
leichten Schleier bedeckt, rund um uns waren aber
Wolkenfelder.
Den Beginn der Totalität habe ich eigentlich anders
erwartet:
plötzlich und sprunghaft. Dabei verlief der Übergang
beim
zweiten Kontakt aber langsamer und gleitender. Die
Sonnensichel
wurde immer schmaler und man konnte schließlich die
Schutzbrille
abnehmen ohne geblendet zu werden. Je schmaler die Sichel
wurde,
umso deutlicher wurde die Korona sichtbar und so wurde
beim
zweiten Kontakt ein Diamantring sichtbar: der Diamant ca.
bei
der Position 10h und ein vollständiger (!) Ring aus der
Korona.
Die Totalität war dann umwerfend. Mit freiem Auge waren
an
mehreren Stellen am Sonnenrand (rosa)rote Flecken in der
strahlend weißen Korona zu erkennen. Die Korona war
nicht
so ausgedehnt, wie aufgrund der Fotos erwartet (d.h nicht
so breit die der Sonnendurchmesser), sondern schmäler
(ca. 1/4 des Sonnendurchmessers). Der Himmel war
dunkelblau
bis grau, aber nicht schwarz, da es auch nicht
vollständig
finster war. So konnte ich z.B. das Display des
Foto-Apparates
ohne zusätzliche Beleuchtung ablesen. Die Venus war
deutlich
sichtbar, Merkur und andere helle Sterne waren durch
Wolken
verdeckt. Der Himmel war am Horizont rundum gelb und
darüber
hellblau. Ich hatte nun ohne Filter eine Reihe von
Aufnahmen
durchgeführt, wobei die Belichtungszeit stufenweise von
1/90
Sek. bis 1/8 Sek. verlängert wurde. Die letzte Aufnahme
fand
mit einer Belichtungszeit von 2 Sek. statt. Ich
befürchte aber,
durch das Abnehmen des Filters den Fokus verstellt zu
haben,
so daß nun die Bilder unscharf sind (möglicherweise
habe ich
sogar die Kamera verrückt, ich glaube nicht während der
Totalität durch den Sucher geschaut zu haben ...).
Zumindest hat mich das Fotografieren nicht von der
Bobachtung
der Totalität abgelenkt, da ich die Kamera
"blind" betätigte:
abwechselnd den Auslöser und die Verstellung der
Belichtungszeit.
Der dritte Kontakt fand bereits nach ca. 2 Minuten
Totalität statt
(wir waren eben von der Zentrallinie sehr weit nach
Norden
gefahren) und verlief wieder sehr fließend. Aus der
Totalität
mit der ziemlich gleichförmig runden Korona bildete sich
langsam ein Diamantring, bei dem nach und nach der
Diamant
(bei Position 2h) heller und die Korona lichtschwächer
wurde.
Erst einige Augenblicke später wurde der Diamant so
hell,
daß die Schutzbrille wieder aufgesetzt werden mußte.
Meine Befürchtung, beim dritten Kontakt geblendet zu
werden,
war unbegründet. Nun wich auch die Anspannung und die
Freude,
die Totalität doch noch erlebt zu haben, war groß.
Rückblickend gesehen hatten wir ziemliches Glück: Andi,
Julia
und Michi waren nur wenige km entfernt, konnten aber
wegen
einer Wolke gerade die Totalität nicht sehen. Auch bei
uns
wurden die Wolken nun dichter und bis zum vierten Kontakt
war die Sonne durch die Wolken wieder komplett bedeckt.
Die Reise hat sich aber jedenfalls gelohnt, wir konnten
die wichtigsten Details einer Sonnenfinsternis mit
immerhin
2 Minuten Dauer miterleben. Wenn nun auch die Fotos
brauchbar
sein sollten, wäre das sozusagen der
"Zuckerguß".
Ein tolles Erlebnis war es aber auf jeden Fall.
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