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Der Verfasser...

Listinus Toplisten
Ich bitte um etwas Geduld...
Ein sehr persönlicher Reisebericht durch Argentinien, Brasilien, Bolivien, Paraguay und Peru von
Otto Dittmer

Nehmt euch etwas Zeit, kocht euch einen guten Kaffee, lehnt euch gemütlich im Sessel zurück und
genießt meinen kleinen Bericht.

Ich freue mich über jeden Eintrag in
mein Gästebuch
Die drei Reisenden und ein Hut...

Von rechts nach links: Heinz Manskirsch aus Hochheim / Hessen. Er ist kurz nach dieser Reise verstorben.
Norbert Wagner aus Buenos Aires. Mit ihm war ich auch in Ecuador.
Otto Dittmer . Ich wohne in Niedernhausen in Hessen und bin der Autor.


Argentinien
Brasilien
Bolivien
Paraguay
Peru
Information

 

Montag, der 27. Okt.1997


 

Trübes Wetter und die Vorfreude auf Südamerika machen uns den Abschied von Deutschland leichter. Roswitha, meine liebe Frau, bringt mich zum Flughafen Ffm, wo wir uns mit Heinz treffen. Zu unserer Überraschung hat Roswitha ein Fläschchen Sekt und Gläser mitgebracht, so daß wir auf eine gute Reise anstoßen können. Roswitha und ich fallen uns noch einmal in die Arme und dann...
 

...ab geht's. Die Maschine nach London hat 15 Minuten Verspätung. Um 17:25 Uhr fliegen wir endlich ab. Schon 17:50 Uhr landen wir sicher in London-Gatwick. Gatwick ist ein schöner, übersichtlicher Transferflughafen. Nachdem wir unsere Uhr eine Stunde zurückgestellt haben, sehen wir uns den Airport mal genauer an und Heinz probiert an einem öffentlichen Telefon seine Visa-Card aus. Er hat seine Lieben erreicht; es klappt also gut.
Der Abflug nach Buenos Aires verschiebt sich von 21:15 nach 21:35 Uhr. Wir fliegen mit einer Boing 747-400 der British Airways. Die Maschine ist mit 420 Mitreisenden voll ausgebucht. Der Service und die Verpflegung an Bord sind sehr gut. Wir vermissen nur an der Videowand eine Übersicht über den momentanen Stand der Flugroute.
 


 

Dienstag, der 28. Okt. 1997

Der Landeanflug auf Buenos Aires über Montevideo und dem Rio de la Plata vermittelt einen ersten Eindruck. Pünktlich um 7:45 Uhr landen wir sanft auf dem Airport von Buenos Aires, Ezeiza. Der Zeitunterschied: 4 Stunden minus. Nachdem uns Norbert um 8:30 Uhr abgeholt hat, fahren wir in seinem Auto auf der Pan Amerikana ca. 40 Minuten um die Stadt herum zu seinem Wohnort Olivos. Olivos ist ein schöner Vorort Buenos Aires. Norbert, der sich um uns bemüht wie eine Mutter, hat uns unsere Zimmer zugewiesen. Gleich darauf haben wir unseren ersten Rundgang durch Olivos gemacht und nachdem wir in einer kleinen Metzgerei 3 argentinische Steaks und Würstchen eingekauft haben, wird in Norberts Küche gegrillt. Noch nie hab ich ein so tolles, zartes Steak von solchen Ausmaßen gegessen. Nach einer kurzen Pause sind wir mit dem Auto, einem uralten Renault R12, durch Olivos und zum Rio de la Plata gefahren.
Nach diesem sehr schönen, aber auch anstrengenden Tag, sinken wir nach dem Abendessen müde ins Bett.
 


 

Mittwoch, der 29. Okt. 1997
 
 

Nachdem ich durch eindringliches Vogelgezwitscher geweckt wurde, sitzen wir gegen 7:00 Uhr zum Frühstück zusammen. Es gibt einen guten Kaffee und Norbert bringt sechs Marmeladensorten auf den Tisch. Die meisten hat er in Rumipal, seinem Sommersitz, selber eingemacht. Nach dem Frühstück kaufen wir dann noch etwas beim Metzger ein und fahren dann von der Maypu, der Hauptstraße in Olivos, mit dem Bus ins Zentrum. Die Fahrt dauert etwa 35 Minuten und kostet 0,7 Peso, das sind ca. DM 1.40. Nachdem Norbert und Heinz etwas auf dem Konsulat erledigt haben, (Mehrwertsteuer-Rückerstattung) unternehmen wir einen sehr interessanten Stadtrundgang. Bei Frühlingstemperaturen um etwa 25° geht es durch die Altstadt zur Plaza del Mayo, Plaza Congresso und über die breiteste Straße der Welt, der Av. 9 de Julio. Sie ist 125 m breit. Gegen 12:00 Uhr finden wir in der Altstadt ein sehr schönes, altehrwürdiges Restaurant in dem auch die Kellner, alt und ehrwürdig, mit gestärkten weißen Hemden und Stehbündchen gut zur Einrichtung passen. Es gibt Noquis (eine Art Kartoffelnudeln) mit Lammfleisch. Dazu ein sehr gutes Bier und hinterher ein Nußeis.
Danach sind wir zum Busbahnhof gegangen und haben die Tickets nach Bolivien gekauft. Preis: $ 75 pro Person. Anschließend sind wir mit dem Zug nach Olivos zurückgefahren. Heinz hat noch, obwohl sehr müde, das Faxgerät angeschlossen, welches er Norbert mitbrachte. Er hat es gleich ausprobiert und nach Hause gefaxt.
Abends überraschen uns Norberts Sohn Richard und seine Freundin Nancy mit einem selbst zubereiteten Abendessen. Es gibt Empanadas, Teigtaschen mit einer herzhaften Füllung. Sehr gut.
 
 


 

Donnerstag, der 30. Okt. 1997
 
 

Nachdem wir um 7:00 Uhr aufgestanden sind und in Ruhe gefrühstückt haben, fahren wir nun mit Norberts Auto nach Buenos Aires. Es ist sonnig und warm. Zuerst geht es nochmals kurz zum Konsulat. Anschließend fahren wir durch den Stadtteil Palermo zum Stadtteil Recoleta und besuchen den gleichnamigen Friedhof. Auf diesem Friedhof sieht man die monumentalen Mausoleen der besser gestellten Gesellschaft in eindrucksvoller Vielfalt. Hier liegt auch Eva Péron in der Familiengruft der Duartes unter schwarzem, glänzenden Marmor begraben.
Zurück zum Auto. Es steht in einer Tiefgarage unweit des Friedhofes und wir müssen feststellen, daß es nicht mehr anspringt. Anschieben nützt nichts, also bitten wir einen Taxifahrer um Hilfe. Norbert hat ein Überbrückungskabel und so können wir nach kurzer Zeit aus eigener Kraft die Garage verlassen. Dann geht die Fahrt weiter nach La Bocka. Es ist das alte Hafenviertel. Berühmt ist dieses Viertel wegen seiner originellen Häuser. Sie wurden aus Blech gebaut oder mit Blech verblendet und dann sehr bunt und dick mit Schiffslack bemalt. In diesem Stadtteil wohnen Künstler, Kunsthandwerker und keineswegs wohlhabende Bürger.
Wir schieben das Auto wieder an und fahren jetzt in das neue Hafengebiet. Am Ufer des Rio de la Plata finden wir ein gut besuchtes "Freilicht-Restaurant". Es besteht aus einem Asado (Grill) und einigen alten Tischen und Stühlen. Hier essen wir gegrilltes Fleisch und Würstchen mit Salat und trinken ein kühles Bier dazu. Mittlerweile ist der Himmel bedeckt. Ein letztes Mal wird der Wagen angeschoben und heim geht's. Heinz hat ein Fax von Daheim bekommen und Nancy hat zum Abendessen eine tolle Pizza gebacken.
Weil am nächsten Tag unsere Reise beginnt, müssen wir noch unser Gepäck fertig machen. Das heißt für mich: dezimieren. Ich nehme also nur vier T-Shirts, Unterhosen, Socken, eine Regenjacke, Waschzeug und Medikamente, sowie meine Kamera mit. Das alles geht in meinen kleinen 30Liter-Rucksack rein. Meinen Wanderstab schnalle ich oben auf. Eine Jeans, Weste und Sportschuhe habe ich an. Gute Nacht.
 


 

Freitag, der 31. Okt. 1997
 

Gegen 7:00 Uhr frühstücken wir wieder. Es regnet leicht. Heinz und Norbert lassen sich in der Apotheke noch eine Tetanus-Spritze verpassen. Im Laufschritt geht's zum Zug, den wir mit Mühe und Not erreichen. Wir fahren nach Buenos Aires und laufen dann zum Busbahnhof. Um etwa 11:40 Uhr fahren wir ab. Es ist ein großer, komfortabler Bus, der allerdings keine Toilette hat. Dafür kann man sich am Getränkeautomaten kostenlos bedienen. Es gibt süßen, heißen Kaffee oder Saft. Der Bus, nur schwach besetzt, fährt bis zum Stadtrand und nimmt noch einige Passagiere und auch Verpflegung auf. Wir sind jetzt 20 Reisende. Es könnten noch 30 hinzu kommen. Wir fahren auf der Pan-Amerikana über Rosario, Santiago del Estero, San Miguel de Tucumán nach San Salvador de Jujuy. Wir fahren durch die Pampa, weites Land, Rinder und Farmen. Wir essen gemütlich und lassen die Nacht kommen.
 


 

Samstag, der 01. Nov. 1997
 

Um 9:30 Uhr sind wir in Jujuy umgestiegen in einen etwas älteren und kleineren Bus. Dieser bringt uns zur bolivianischen Grenze. Die Fahrt geht über Tilgara, Huma Huaca, Tres Cruces und Abra Pampa bis La Quiaca. Die Landschaft wird immer wilder. Zum größten Teil unbefestigte Schotterwege lösen die asphaltierten Straßen ab. In der jetzt gebirgigen Landschaft sieht man sehr viele Säulenkakteen und hin und wieder vereinzelt die ersten Lamas. Auch das Wetter wechselt zwischen Sonnenschein, leichtem Gewitter und Nebel. Wir sind jetzt etwa 28 Stunden unterwegs. Zwischen den Orten La Quiaca und Villason liegt die argentinisch - bolivianische Grenze. Dort erleben wir die Auswirkungen des kurz zuvor niedergegangenen ersten Gusses der beginnenden Regenzeit. Der Grenzübergang gestaltet sich problemlos. Wir füllen einen Emigrationsschein aus und die freundlichen Beamten lassen uns passieren.
Der Ort Villason, in dem wir ein winziges, hübsches Hotel gefunden haben, liegt bereits in 3200 m Höhe. Wir drei haben gleich einen Mate de Coca getrunken, weil dieser Aufguß aus Cocablättern angeblich etwas vor der Höhenkrankheit schützt. Er schmeckt wie Roßhaarmatratze mit heißem Wasser. Unser Capitano hat einen Frisiersalon mit einer hübschen Friseuse entdeckt und fühlt sich reif für einen neuen Schnitt. Und sie hat es gut gemacht. Capitano wird Norbert übrigens von Heinz genannt, weil Norbert erstens diese Tour schon einmal gemacht hat und zweitens perfekt spanisch spricht. Das hilft uns natürlich ungemein.
Nach einem Gang über den Indiomarkt rufen uns unsere Betten im Hotel. Es sind fast so richtig schöne Betten, jedenfalls was anderes als Bussitze.
 
 
 

Sonntag, der 02. Nov. 1997
 

Wir haben gut geschlafen und laufen nach dem Frühstück zum Busbahnhof. Um 8:40 Uhr fährt unser Bus nach Potosi ab. Die Reise dauert etwa 8 Stunden und kostet 30 Bolivar (6 $). Bei strahlendem Sonnenschein geht die Fahrt auf unbefestigten Schotterstraßen über schwindelerregende Pässe und wir werden anständig durchgeschüttelt. Als wir eine Furt durchqueren, holen wir uns am vorderen, rechten Reifen einen Plattfuß. Es dauert etwa eine Stunde, bis der Fahrer und ein Begleiter den Reifen gewechselt haben. Kurz darauf, im nächsten Ort, essen wir zu Mittag. Es gibt eine Art Wiener Schnitzel, Reis, Salat und als Vorspeise heiße Maiskörner. Dazu trinken wir Bier. Für alle Drei zusammen zahlen wir 15 Bolivar (ca. 5 $). Um 14:00 Uhr geht's weiter. Die Berge werden höher, die senkrecht abfallenden Schluchten tiefer. Unzählige kleine Kreuze säumen die "Straße". Zeugnisse immer wieder vorkommender Abstürze. Man wundert sich nicht. An den Terminals sieht man immer wieder Busse mit total abgefahrenen Reifen. Auch sonst machen diese Busse einen eher erbärmlichen Eindruck und werden auch noch total überladen. Dafür fehlt in kaum einem dieser Busse eine Videoanlage und es wird auf jeder längeren Fahrt ein Brutalo-Film der üblen Sorte vorgeführt. Die mitreisenden Indios, ansonsten eher ruhig, stoisch, sind begeistert. Wir aber kommen um 18:00 Uhr heil in Potosi an. Unserem ausgezeichneten Fahrer 1000 Dank.
Potosi ist eine Bergarbeiterstadt mit 132000 Einwohnern und liegt 4067 m hoch. Überragt wird die Stadt vom Cerro Rico (Reicher Berg). Dieser Berg, aus dem früher Silber gewonnen wurde, begründete den ursprünglichen Reichtum der Stadt. Heute wird in Potosi nur noch Zinn abgebaut. Potosi ist zusammen mit Lhasa die höchstgelegene Großstadt der Welt. Wir finden in einer kleinen Residenca ein äußerst einfaches, aber sauberes 3-Bett-Zimmer. In einem urigen "Restaurant" essen wir im Obergeschoß zu Abend. Es gibt Pollos und Papafrites (Hähnchen mit Pommes), dazu Bier. Wir zahlen 20 Bolivar für alles zusammen. Um 22:00 Uhr sinken wir müde ins Bett.
 


 

Montag, der 03. Nov. 1997
 
 

Es ist sehr frisch, als wir um 7:00 Uhr aufstehen. Die Dusche funktioniert nicht, also ist kalte Katzenwäsche angesagt. Von 8:30 - 9:30 Uhr frühstücken wir in einer kleinen Bar in der Nachbarschaft. (Brötchen, Butter, Marmelade und Coca de Mate). Heute wollen wir mal ein Fax nach Hause schicken. Unsere Lieben sollen doch auch ein wenig teilhaben an unserer Reise. Nach längeren Suchen finden wir das Telegrafenamt und Heinz schickt seiner Familie das Fax. Sie sind dann so nett, es an meine Familie weiterzuleiten. Norbert schickt das gleiche Fax nach Buones Aires zu Richard und Nancy. Ein DIN A 4 - Fax nach Deutschland kostet 15 Bolivar.
Nach einem Spaziergang durch Potosi haben wir in unserer Frühstücksbar zu Mittag gegessen. Heute Pizza und Eis, dazu Bier. Ein starkes Gewitter zieht uns ins Hotel zu einer einstündigen Siesta. Nachmittags haben wir dann einen sehr interessanten und ausgedehnten Stadtrundgang unternommen, bis es wieder regnete.
Norbert und Heinz sind an diesem Abend alleine essen gegangen und müssen im Restaurant 2 Stunden auf ihr Essen warten. Ich habe starke Kopfschmerzen und gehe früher zu Bett.
 


 

Dienstag, der 04. Nov. 1997
 
 

Die letzte Nacht haben wir nicht besonders gut geschlafen und mich hat eine schon überwunden geglaubte Erkältung wieder eingeholt. Wir frühstücken wieder in der kleinen Bar. Anschließend besuchen wir die Casa de la Moneda, eine alte Münzprägeanstalt aus dem Jahr 1572. Es ist ein festungsarter Bau mit hübschen Innenhöfen und Bogengängen. Unter anderem sind 3 große, hölzerne Prägemaschinen mit ineinandergreifenden Zahnrädern zu sehen, die aus Spanien herbeigebracht wurden. Die Führung dauert etwa 2 Stunden. Es ist Mittag und wir essen diesmal in einem Restaurant über den Dächern von Potosi mit einem Superblick auf den Silberberg Cerro Rico.
Schon um 12:50 Uhr geht unser Bus nach Cucre. In größter Eile holen wir unser Gepäck aus dem Hotel und nehmen uns ein Taxi zum Busterminal. Mit einem kleineren, schöneren Bus fahren wir etwa 4 Stunden auf diesmal asphaltierten Straßen nach Cucre. Unterbrochen wurde die Straße durch eine durch Hagelschlag eingestürzte Brücke. Hier geht die Fahrt durch unwegsames Gelände, bis die Straße wiedergefunden wird.
In Cucre übernachten wir im Zentrum, im Hotel Schacas. Es ist eines der üblichen, kleinen Hotels mit Patio. Norbert kennt es schon von einer früheren Reise.
Sucre ist eine Stadt mit einer besonderen Atmosphäre und wirkt städtischer als Potosi, obwohl es nur knapp 100 000 Einwohner beherbergt. Auch das Klima ist in dieser "nur" 2790 m hoch gelegenen Stadt angenehmer. Auffallend die vielen Bauwerke im Kolonialen Baustil.
 


 

Mittwoch, der 05. Nov. 1997
 
 

Nach einem guten Frühstück mit Wurst (außerhalb gekauft), machen wir uns auf den Weg zum Kloster La Recoletta. Das Kloster liegt oberhalb Cucres, so daß wir einen herrlichen Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge haben. Es stammt aus dem Jahr 1600 und beherbergt in einen der drei Innenhöfe eine 1400 Jahre alte Zeder.
Zentrum Cucres ist, wie in allen lateinamerikanischen Städten die Hauptplaza; in diesem Fall die Plaza 25 de Mayo. Auf einem Sockel in der Mitte des Platzes steht das Denkmal des General Sucre. Die Grünanlage wird unablässig durch Indiofrauen in roten Kitteln mit Reisigbesen gereinigt. Ein Platz, auf dem man viel sieht und sich gerne sehen läßt.
In einem kleinen Restaurant nehmen wir ein Tagesmenü zu uns:
Vorspeise: Blumenkohl in Teig / dann: sehr gute Suppe mit Kartoffeln, Nudeln / dann: paniertes Hühnchen, Kartoffeln, Reis und Salat / Nachtisch: Schokopudding.
Das ganze Menü kostet 8 Bolivar. Dazu ein großes Bier 3 Bolivar und noch ein Pisco Soure (Limonenschnaps) 7 Bolivar. Macht zusammen 18 Bolivar. Das sind umgerechnet ca. DM 5.40.
Gegenüber unserem Hotel befindet sich ein Super-Mercador, ein teilweise überdachter, großer Indiomarkt auf zwei Ebenen. Auf diesem Markt gibt es herrliche, frisch gepresste Fruchtsäfte aus allen nur erdenklichen Früchten. Wir haben schon unseren "Stammstand". Die Indiofrau, sie ist begeistert von ihrer exotischen Kundschaft und würde gerne mit nach Alemania kommen, preßt uns sechs große Gläser Ananas. Jetzt weiß ich, wie Ananas schmecken muß.
Wir schaffen es am Abend gerade noch ins Arco zum Abendessen; schon kommt der obligatorische Regen. Diesmal mit Gewitter und teilweise Hagel.
 


 

Donnerstag, der 06. Nov. 1997
 
 
 

Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir uns bei schönem Wetter nochmals auf die Plaza de Mayo gesetzt um das bunte Treiben auf uns wirken zu lassen. Danach besuchen wir noch die Kirche San Francisco, eine Kirche aus dem Jahre 1500 im Renaissancestil. Das Mittagessen nehmen wir nochmals im Arco zu uns. Nachdem wir dann unser Gepäck aus dem Hotel geholt haben, geht es mit einem Kleinbus, der total überladen ist und teilweise die steile Strecke nur im ersten Gang schafft, zum Flughafen. Unsere Boing 727, in der wir im vorderen Drittel einen Platz gefunden haben, fliegt pünktlich um 17:00 Uhr ab. Trotz Turbulenz-Warnung vom Piloten haben wir einen ruhigen Flug durch Wolken und Nebel. Kurz vor La Paz reißt die Wolkendecke auf und gibt den Blick frei auf die schneebedeckten Gipfel der Königskordilleren, sowie La Paz tief unten im Tal (aus unserer Perspektive). Nach 45 Minuten landen wir sicher auf dem höchstgelegenen Zivilflughafen der Welt, auf dem Hochplateau von La Paz. Ein Minibus bringt uns hinunter in die Stadt. La Paz weist mit 1000 m den größten Höhenunterschied einer Siedlung überhaupt auf, zwischen knapp 3100 m und 4100 m. Überragt wird La Paz vom mächtigen Illimani (6462 m hoch). Norbert, der auch La Paz schon kennengelernt hat, erklärt sich bereit, uns ein Hotelzimmer zu suchen. Nach etwa 90 Minuten angestrengter Suche hat Norbert eines gefunden. Wir schnappen unser Gepäck und auf geht's. Keuch, keuch...
Das Hotel ist etwas teurer und liegt nicht ganz zentral, aber wir können im Haus zu Abend essen. Ein sehr gutes, reichhaltiges Abendessen, natürlich mit Bier. Danach sind wir noch in die Stadt hinunter gegangen um einen ersten Eindruck zu gewinnen.
 


 

Freitag, der 07. Nov. 1997
 
 

Zum Frühstück gibt es heute Leberwurst und Mate de Coca. Danach haben wir unsere Wäsche an der Rezeption abgegeben. Es wird uns zugesagt, die Wäsche bis zum nächsten Tag fertig zu haben. Na gut. Wir bummeln in die Stadt hinunter und suchen zuerst einmal wieder ein Telegrafenamt. Wir geben wieder ein Fax auf in Richtung Heimat mit der Bitte um Rückantwort in das Hotel innerhalb zwei Tage. In einer Bank wechseln wir einige Dollar in Bolivars um. Bis 17:00 Uhr sind wir bergauf, bergab durch die Straßen gelaufen und haben sie auf uns wirken lassen. In der Mittagszeit essen wir je zwei Saltena (wie Empanadas, ähnlich wie Maultaschen). Warm und sehr würzig. Übrigens sind hier fast alle Straßen beidseitig mit Straßenhändlern besetzt. Die Indiofrauen mit ihren typischen Kleidern und Kopfbedeckungen dominieren natürlich. Auch hier gibt es eine Kirche San Francisco am gleichnamigen Platz. 1744 erstand die heutige Form der Kirche mit einer von Indios gestalteten, reich verzierten, typischen Fassade. Hier überrascht uns der nachmittägliche Guß, dessen Ende wir in der Kirche abwarten. Durch die lauten Straßen der Einmillionen-Stadt kämpfen wir uns bergauf zum Hotel. Norbert nimmt noch ein Mittel gegen seinen aufkommenden Durchfall und dann - ab ins Bett.
 


Inka-Gold
Samstag, der 08. Nov. 1997
 
 

Norbert geht es besser. Wir haben im Hotel gefrühstückt. Es ist wieder ein schöner Tag und wir gehen in die Stadt hinunter. In der Post schreiben Heinz und Norbert jede Menge Karten, die auch gleich verschickt werden. Wir besuchen den sehr eindrucksvollen Indiomarkt und den Hexenmarkt. Auf diesem Markt gibt es gegen alles, ob Liebesschmerz oder Zipperlein, das geeignete Mittel. Hier kaufen, wie überall, nicht etwa Touristen, sondern vornehmlich Indios und andere Einheimische. An den Wänden sieht man Gefäße mit getrockneten Vögeln und Lama-Embrios. Dazwischen Konfetti und Siberpapierstreifen. Es kommt halt auf die richtige Mischung an.
Wir wühlen uns durch Menschenmassen, vorbei an Marktständen, Lastträgern, von denen man meint, sie brechen unter ihrer Last augenblicklich zusammen, über aufgerissene Straßen mit palavernden Indios und ihren Schafen. Norbert holt in einer anderen Straße noch eine Brille ab, die er am Vortag bestellt hat. Im Restaurant Lido essen wir zu Mittag, bevor wir mit einem Stadtbus zum Valle de la Luna (Tal des Mondes) fahren. Es sind die bizarre Felsformationen unmittelbar oberhalb der Stadt. Als wir ankommen, regnet es stark. Ich mache einige Fotos, Heinz videotet. Dann fahren wir wieder in die Stadt und gehen ins Hotel. Weil unsere Wäsche noch nicht da ist, müssen wir leider etwas Dampf machen. Ein Mitarbeiter des Hotels muß, weil Samstag ist, den Wäschereibesitzer privat erreichen, um an unsere Wäsche zu kommen. Es klappt. Eine kurze Siesta haben wir uns jetzt redlich verdient.
Nachmittags sind wir ein letztes Mal in diese faszinierende und laute Stadt gegangen. Wir lasse sie noch einmal auf uns wirken, geht es doch morgen früh weiter Richtung Peru. Auf dem Heimweg ins Hotel kaufen wir noch 3 halbe Hähnchen und eine Flasche chilenischen Rotwein, den wir schon kennengelernt haben. Im Hotel angekommen, mußten wir feststellen, daß kein Anwortfax aus Deutschland vorliegt. Wir sind alle ein wenig enttäuscht. Nun ja, was soll's?
Am Abend bleiben wir im Hotel und lassen es uns bei Hähnchen und Wein gut gehen.
 


 

Sonntag, der 09. Nov. 1997
Nach dem Frühstück im Hotel lassen wir uns von einem Taxi zum Cementario (Friedhof) bringen. Hier fahren die Busse nach Peru ab. Wir steigen in einen größeren Indiobus und belegen die vorderen, rechten drei Plätze, die wir vorher gebucht haben. Noch sind wir die einzigen im Bus. Eine Indiofrau kommt mit einem abgedeckten Backblech in den Bus und bietet Kuchen zum Verkauf. Heinz, der eine Fototasche, gefüllt mit seinen Medikamenten, Ersatzbrille usw. im Gepäcknetz deponiert hat, muß später feststellen, daß die Tasche gestohlen wurde. Schnell füllt sich jetzt der Bus mit Indios und man ist immer wieder erstaunt, wieviel Menschen da rein passen. Um 9:30 Uhr geht es los. Der Fahrer hat sich mit seiner halben Großfamilie ums Lenkrad versammelt. Während der Fahrt lösen sich die männlichen Familienmitglieder im fliegenden Wechsel beim Fahren ab. Die Fahrt ist unterhaltsam und angenehm. Ab und zu hält der Bus. Landarbeiter steigen zu, andere aus. Auf den vorbeiziehenden Feldern arbeiten Indios. Bauern pflügen mit vorsintflutlichen Holzpflügen hinter Rindern ihr Feld. Nach ca. 90 Minuten auf asphaltierter Straße lassen wir uns auf freier Strecke bei Tiahuanaco absetzen. Tiahuanacu ist eine wichtige, präkolumbianische Kultstätte auf dem Altiplano (Hochebene der Anden). Es war ein Wallfahrtsort, keine Stadt. Um diese Ruinenfelder ranken sich viele Vermutungen. Man glaubt, daß die meisten Bauten aus der Blütezeit der Tiahuanacu-Kultur zwischen 400 und 1200 n. Chr. stammen. Nach dem Untergang der Kultur dienten die nutzlosen Bauten als Steinbruch. Wir besuchen noch ein kleines, dem Ruinenfeld angeschlossenes Museum. Sehr interessant. Um einen Bus nach Desaguadero (die bolivianisch- peruanische Grenze) zu erreichen, laufen wir relativ lange nach Tiahuanaco, dem gleichnamigen Ort bei den Ausgrabungen. Wir durchqueren den Ort mit seinem sonntäglichen Indiomarkt und kommen nach einigen tausend Metern zu unserer Haltestelle. Der Bus ist jetzt gerammelt voll und läßt kaum Platz zum Atmen. Man muß seine Platzangst unterdrücken.
Die Grenzformalitäten mit neuem Emigrationsschein sind nach etwa einer halben Stunde abgeschlossen und wir befinden uns in Peru. Nach kurzer Zeit finden wir einen Bus, der uns nach Puno bringt, wo wir um 17:45 Uhr ankommen. Norbert findet für uns, während wir uns um unser Gepäck kümmern, wieder ein kleines und preiswertes Hotel. Nachdem wir auch noch eine sehr schöne italienische Pizzeria gefunden haben, geht es uns rundum gut.
 


 

Montag, der 10. Nov. 1997

Puno liegt in 3830 m Höhe und hat etwa 40 000 Einwohner. Das Schönste an der Stadt ist seine Lage am Westufer des Titicacasees. Auffallend sind die vielen Fahrrad-Rikschas, mit denen sich die Einheimischen durch die Gegend kutschieren lassen. Wir machen allerdings nach dem Frühstück im Hotel unsere ersten Erkundungsgänge auf Schusters Rappen. Zuerst wechseln wir einige Dollars auf der Straße. Hier gibt es übrigens den Soles. Auch ist es hier etwas teurer als in Bolivien. Wir laufen durch einen hochinteressanten, bäuerlichen Indiomarkt Richtung Hafen. Der Markt bietet alles, was die Landwirtschaft hergibt. Neben etlichen Kartoffelsorten, wobei die kleinsten nicht größer als dicke Bohnen sind, liegt schwarzer Mais. Zwischen lebenden Meerschweinchen, sie gelten gegrillt als Delikatesse, liegt schlafend ein Indiobaby. Nebenan, auf einer Kiste, sehr dekorativ ein Schweinskopf. Es ist alles ein wenig unsauberer als in Bolivien und auch der Begriff Umweltschutz ist hier noch völlig unbekannt.
Es wird alles in die Landschaft geworfen, Plastiktüten, Coladosen und Abfälle aller Art. Mitten im Unrat laufen schwarzgepfleckte Schweine herum und wühlen nach etwas Freßbaren. Im Hafen bietet sich uns ein farbenprächtiges Bild. Viele kleinere Motorboote und Barkassen liegen im Wasser wie auf einer grünen Wiese. Der gesamte Hafen ist mit einer zentimeterdicken Schicht Gänsefutter bedeckt. Wir fahren mit zwei Fahrrad-Rikschas zurück und suchen uns ein Restaurant, in dem wir dann Hammel essen. Ein gutes Bier dazu gibt uns die nötige Bettschwere für eine Siesta im Hotel. Anschließend haben wir in einem Büro der Inka-Tours für den folgenden Morgen eine Bootstour zu den Uros, einem Indiostamm auf dem Titicacasee, und zu der Insel Taquile gebucht. Puno hat kaum Sehenswürdigkeiten zu bieten. Recht hübsch ist die Kathedrale aus dem Jahre 1754. Den Abend verbringen wir in unserem "Stammlokal", der Pizzeria. Wir trinken einen Pisco Sour. Mir schmeckt heute ein Omeletto de Queso (Käse) und ein Bier.
 


 

Dienstag, der 11. Nov. 1997
Schilfboot auf dem Titicacasee
Das Wetter ist wieder mal toll. Nach einem kurzen Frühstück werden wir von einem Kleinbus zum Hafen gefahren. Wir sind 10 Personen und steigen in eine ältere Barkasse, die uns zu den Uros bringen soll. Bevor wir ablegen, steigt ein kleiner Indiojunge zu und beginnt ein eigenartig melancholisches Lied zu singen. Man könnte es eher als Sprechgesang bezeichnen. Der Indiojunge hat seinen Obolus erhalten und verläßt unser Schiff. Jetzt steigt der "Kapitän" zu und setzt sich ans Ruder. Es ist ein junger Mann in der Tracht der Taquilenos. Er trägt eine selbstgewebte Hose, eine schmucke Weste und eine rot/weiße Zipfelmütze. Ein Fremdenführer ist ebenfalls an Bord und erzählt viel über den Titicacasee. Doch davon später mehr. Nach einer kurzen Fahrt, vorbei an Schilffeldern, erreichen wir eine größere, schwimmende Insel der Uro-Indianer. Die Insel besteht aus einer dicken, schwankenden Schicht Schilf. Die Hütten und die Boote werden ebenfalls aus Schilf gebaut und müssen ständig erneuert werden. Wir werden schon erwartet und merken schnell, daß diese Indios nur vom Tourismus leben. Die Frauen haben ihre Handarbeiten vor sich ausgebreitet und wollen natürlich verkaufen, während Kinder sich dekorativ in Pose stellen, um etwas zu ergattern. Norbert und ich staksen über den schwankenden Schilfboden in Richtung eines Schilfbootes und lassen uns stilgerecht einmal um die Insel fahren. Bei dieser Gelegenheit probieren wir Schilfstengel. Der mittlere Teil ist eßbar und soll sehr nahrhaft sein.
Er schmeckt allerdings nach nichts.
Unser Schiff legt wieder ab und wir fahren zur Insel Taquile. Der See ist ruhig. Hin und wieder sehen wir einen Fischer im Segelboot.
Der Titicacasee liegt 3812 m hoch und ist der höchste schiffbare See der Erde. Er ist mit 8300 qkm 13 mal so groß wie der Bodensee und hat eine Länge von 194 km, ist 65 km breit und knapp 300 m tief. Quer über dem See verläuft die Grenze zwischen Peru und Bolivien, wobei der peruanische Teil etwas größer ist.
Nach 25 km erreichen wir die Insel Taquile und fahren in einem winzigen Hafen ein. Sofort beginnen wir den steilen Aufstieg. Die Stufen, wenn vorhanden, sind sehr hoch und ungleichmäßig. Heinz und ich lassen uns viel Zeit und trotzdem fällt uns das Steigen in der dünnen Luft sehr schwer. Oben angekommen empfängt uns Norbert, unser Sportler. Wir sind jetzt wieder auf 4000 m Höhe. Kein gewaltiger Höhenunterschied, aber die knapp 200 m haben es in sich. Von hier oben hat man einen sehr schönen Blick über die terrassenförmig angelegte Insel und den Titicacasee. Auffallend farbenfroh die Kleidung der hier lebenden Indiofrauen. Sie tragen rote Wamse, schwarze, weite Röcke und haben den Kopf mit farbigen Tüchern bedeckt. Sie spinnen pausenlos. dafür stricken lustigerweise die Männer mit ihren langen Zipfelmützen unentwegt. In einem kleinen Gasthaus, natürlich aus Lehmziegel gebaut, essen wir eine Kleinigkeit und trinken dazu unser obligatorisches Bier. Wir machen einen kleinen Rundgang und genießen die herrliche Aussicht. Noch gibt es hier kein Hotel, kein elektrisches Licht, keine Wasserleitung, keine Polizeistation. Aber wie lange noch?
Nach unserem Abstieg sehen wir, daß unser Schiffchen durch andere Boote in den hintersten Winkel des Minihafens gedrängt worden ist. Diese Ecke ist so flach, daß wir auf Grund liegen, nachdem alle zugestiegen sind. Also alle wieder raus. Mit der Hilfe anderer Bootsführer stakst und schiebt unser "Kapitän" das Boot mühevoll aus dem Hafen. Für die Rückfahrt haben wir übrigens einen anderen Schiffsführer. Es kommt Wind auf, der Himmel verdunkelt sich, hin und wieder blitzt es und die Wellen werden höher. Wir haben Glück, bekommen nur ein wenig Regen ab.
Ein junges, deutsches Mädel, alleinreisend, hat auf der Rückfahrt plötzlich Durchfall mit Magenkrämpfen bekommen. Sie ist kalkweiß und hat kalten Schweiß auf der Stirn. Was tun? Die Fahrt dauert noch mindestens eine Stunde. Zwei junge Französinnen fassen sich ein Herz und halten unsere Kranke achtern über die Bordwand, damit sie sich erleichtern kann. Wir Männer drehen uns natürlich alle um (in die andere Richtung). Kurz darauf übergibt sich an der gegenüberliegenden Bordwand eine mitfahrende Indiofrau ganz dezent. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir nach 3 Stunden Rückfahrt Puno und machen an der Mole fest. Der kleine Bus bringt uns wieder in die Hotels.
Abends bringen wir unserer kranken Deutschen noch eine große Cola und ein Medikament zur Regeneration ins Hotel und verabschieden uns; am nächsten Morgen geht es weiter.
 


 

Mittwoch, der 12. Nov. 1997

Um 8:00 Uhr fährt unsere Schmalspurbahn nach Cusco ab. Norbert hat vorher schon die Tickets gekauft. Der Zug, ein ca. 50 Jahre altes Modell aus Bulgarien, verkehrt nur dreimal in der Woche. Wir fahren 1. Klasse, zumindest nennt es sich so. Zuerst müssen wir das Gepäck einiger Touris, die sich zu sehr ausgebreitet haben, entfernen. Kaum haben wir es uns bequem gemacht, fährt der Zug auf ein Nebengleis und hält an um einen entgegenkommenden Zug vorbei zu lassen. An der nächsten Station steigen sehr viele Indios mit Kind und Kegel zu. Mittendrin die beiden Französinnen vom Vortag. Später erzählen sie, sie hätten den Zug in Puno verpaßt und sind mit einem Taxi hinterher gefahren. Wir sollen sie noch öfter sehen. Unser Zug schaukelt seitwärts wie eine Schiffschaukel. UM 9:35 fahren wir in Juliaca ein. Unser Waggon wird abgehängt und auf ein Gleis über eine Grube vor einer großen Werkhalle gefahren. Jetzt erfahren wir, wieso der Waggon so geschaukelt hat. Es ist eine Spiralfeder gebrochen. Mit einem gewaltigem Wagenheber wird der Waggon millimeterweise angehoben. Die gebrochene Feder mit einer schon verrosteten Bruchstelle wird ausgewechselt. In der Zwischenzeit haben wir Muße, uns die alte Werkhalle anzusehen. Wir kommen uns vor, wie im letzten Jahrhundert. In der dunklen Halle ohne Beleuchtung stehen eine Reihe uralter Maschinen; alle werden über einer an der Decke laufenden Welle zentral angetrieben. In der dunkelsten Ecke vermutet man mehr als man sieht: eine große Esse mit einem riesigen Blasebalg. Nach zwei Stunden fahren wir mit Polizeischutz weiter mitten durch Juliaca. Mitten durch Indiomärkte und ohne Schranken. Unser Zug bahnt sich pfeifend seinen Weg. Im Zug befindet sich ein Küchenabteil. Hin und wieder kommt also im rasanten Tempo ein Kellner seitwärts durch die Waggons geschossen. Dabei jongliert er sein Tablett mit vollen Suppentellern usw. mit artistischem Händling durch den Zug. Jedesmal, wenn er von einem zum anderen Waggon über den offenen Zwischenraum springt, ,johlen alle Mitreisenden begeistert. Um 14:45 Uhr kommt der Zug an einem kleinen Ort erneut zum Stehen. Jetzt warten wir eine Stunde, bis eine stärkere Maschine kommt, die uns über die Berge nach Cusco ziehen kann.
Die Indios steigen aus, drei Männer machen Musik, Die Frauen packen ihr Schultertuch aus und verkaufen z.B. Gebratenes. Andere säugen ihre Babys der Reihe nach an der Brust oder breiten ihren weiten Rock aus, gehen in die Hocke und lassen es laufen. Dabei schauen sie einen mit ihrem stoischem Gesichtsausdruck an, als sei es das natürlichste der Welt. Auch wir steigen aus, machen Fotos, filmen und genießen das bunte Treiben.
Mit dem stärkeren Zugwagen geht es endlich weiter. Wir fahren am schneebedeckten Chimbaraco vorbei und erreichen mit 4319 m den höchsten Punkt. Um 18:50 Uhr hält der Zug wieder an, das Licht geht aus; es ist dunkel. Angeblich ein Defekt an der Maschine. Man verteilt brennende Kerzen, die man auf Bierflaschen gesteckt hat. Aber schon nach 10 Minuten geht es weiter und endlich, um 21:30 Uhr erreichen wir Cusco.
Wir vertrauen uns am Bahnhof einer Schlepperin an, die uns im Taxi zu einem Hotel in der Stadt fährt.
Cusco liegt in etwa 3400 m Höhe und hat etwa 185 000 Einwohner. Die Plaza de Armas, ein großer, annähernd quadratischer Platz mit einer hübschen Anlage und einem Brunnen in der Mitte kann man als Zentrum bezeichnen. Zur Inkazeit war der Platz von Tempeln, Palästen und Regierungsgebäuden umgeben. Er war tief mit Sand bedeckt, den Besucher mitgebracht hatten als Zeichen der Verbundenheit der Provinzen mit der damaligen Hauptstadt. Heute wird die Plaza de Armas von den Kolonialkirchen beherrscht. Unter den Arkaden finden sich zahlreiche Restaurants, einige Geschäfte und unser Hotel. Abends herrscht eine unvergleichliche Stimmung. Indios und Touristen wimmeln herum, dazwischen machen Schuhputzer und fliegende Händler ihre Geschäfte.
Die Kathedrale mit den zwei Türmen, die etwas an eine Festung erinnert, wurde auf den Grundmauern eines alten Inkapalastes erbaut. Im linken der beiden über 30 m hohen Türme hängt die berühmte und größte Glocke Südamerikas, die "Maria Angola", die angeblich 40 km weit zu hören ist. Ist die Kathedrale schon prunkvoll eingerichtet, so wird sie doch durch die Kirche La Compania noch übertroffen. In dieser Kirche werden wir später noch einen Gottesdienst erleben.
Kathedrale von Cusco

 

Donnerstag, der 13. Nov. 1997
 
 

Im einfachen Hotel gibt es leider kein Frühstück. Im gleichen Haus , im 1. Stock befindet sich aber eine Art Frühstücksbar, welche wir heute ausprobieren. Wir sitzen in einem Holzerker über den Arkaden, wie wir ihn auf dieser Reise schon oft gesehen haben und blicken auf die Plaza de Armas. Die Bedienung, ein junger Mann, bringt nach längerer Zeit unser Frühstück. Die abgeknapperten, verkrusteten und auch noch übergeschwappten Kaffeetassen haben uns dann überzeugt, morgen anderswo zu frühstücken oder es ganz sein zu lassen. Das schönste an diesem Raum ist wahrlich der Ausblick.Erwähnen möchte ich nebenbei; Heinz hat wieder ein Fax aufgegeben. Ich habe ehrlich gesagt keine Hoffnung mehr auf Antwort, welche Ursache es auch haben mag, daß hier nichts ankommt.
Wir machen jetzt jedenfalls einen Stadtrundgang und kommen zur Kirche und Kloster Santo Domingo. Auf dem Gelände wurden 1950 durch ein Erdbeben die Reste des Sonnenheiligtums Qoricancha freigelegt. Hochinteressant. Im Garten standen im Jahr 1533 noch goldene und silberne Maisstauden, im Vorhof des Sonnentempels, dessen Seitenkapellen Mond, Sternen und dem Gott des Donners geweiht waren, goldene Hirtenfiguren mit ebenfalls goldenen Lamas. Teile des Mondtempels sind erhalten, der Rest wurde zum Kirchenbau benutzt. Durch einen Gang kommen wir zum Kern des Sonnentempels, der ganz mit Gold ausgelegt und von einer dicken Mauer umgeben war. Als Teil davon können wir eine etwas geneigte, runde Mauer sehen. Gut erhalten sind die schrägen Mauern mit den typischen, trapezförmigen Nischen, in denen die Idole aufgestellt waren. Anschließend geht's zurück ins Hotel. Wir ruhen uns etwas aus und besprechen dabei unsere für morgen geplante Reise zum Machu Picchu. Zum Mittagessen finden wir ein äusserst einfaches Ein-Mann-Restaurant. Wir entscheiden uns für das Tagesmenü:
1 Pisco Sour / 1 Saft / 1 Suppe / Hünerklein mit Reis und etwas Salat. Kosten: 5 Soles (etwa 2 $).
Nachmittags lassen wir die Stadt auf uns wirken und Norbert bucht unsere Reise für den kommenden Tag. Heinz und ich müssen immer wieder feststellen, wie angenehm es ist, von Norberts Sprachkenntissen zu profitieren. Es wäre sicher auch ohne Spanisch gegangen, aber was wäre uns alles entgangen?! Also, wir danken dir Norbert. Abends essen wir ein Schnitzel Milanese mit Papafrites. Dazu trinken wir wieder ein schönes, großes, kühles Cerveza (Bier).
Wir gehen früh schlafen.

Freitag, der 14. Nov. 1997



 
 
 
 

Wir haben uns um 5:00 Uhr wecken lassen und zusätzlich noch einen Wecker gestellt. Nur haben wir leider vergessen, unsere Uhren zurückzustellen. So kam es, daß unser Wecker um 4:00 Uhr rappelte und wir aufgestanden sind. Mit einem Taxi sind wir zum Bahnhof gebracht worden. Als wir dort die Menschenmassen sehen, die alle mit in Richtung Machu Picchu fahren wollen (der Zug fährt noch tiefer in den Urwald), haben wir kurzfristig in einen Pullmann-Waggon umgebucht, um der Hölle zu entgehen. Wir fahren wiederum mit einer Schmalspurbahn, die sich interessanterweise durch stetiges Vorwärts- und Rückwärtsfahren  den Berg hochbewegt. Es bietet sich ein immer schöner werdender  Blick auf Cusco mit seinen roten Dächern. Wir erreichen zuerst die die Hochebene des Antatales, bis es ächsens und quietschend durch ein steiles Canyon in das enge Urubambatal geht. Und los geht die wilde Fahrt, teilweise direkt am Rio Urubamba durch den Urwald. Eine sehr abwechslungsreiche Landschaft mit vielen hohen, schneebedeckten Bergen. Nach 3,5 Stunden erreichen wir die Bahnstation "Ruinas". Mit Kleinbussen werden wir auf einer Serpentine in 35 Minuten in schwindelerregende Höhen, zum Machu Picchu gebracht. Man hat einen grandiosen Blick auf die grünen, zuckerhutförmigen Berge rundherum. Hier sieht man natürlich sehr, sehr viele Touristen aus aller Welt. Über Machu Picchu gibt es wenig Genaues zu sagen. War es eine Sommerresidenz der Inkaherrscher, Fluchtburg, Festung gegen wilde Amazonasstämme oder alles zusammen? Es ist bekannt, daß sich viele Mitglieder des Königshauses nach der Zerstörung des Inkareiches durch die Spanier unter Mitnahme reicher Schätze aus Cusco in entfernte Berggegenden absetzten. Von dort wurden Überraschungsangriffe auf die Spanier durchgeführt, bis der letzte Inka Tupac Amaru 1572 hingerichtet wurde. Manche Wissenschaftler halten Machu Picchu für ein Heiligtum (Ort für Menschenopfer) aus der Präinkazeit. Die Mehrzahl ist der Meinung, daß Machu Picchu in der klassischen Zeit der Inka um die Mitte des 15. Jh. entstand. Erst 1911 wurde der Ort durch Hiram Bingham und einem Indiobubeb entdeckt. Bingham suchte eigentlich die Stadt Vilcapampa, wußte aber nicht, ob er sie gefunden hatte. Deshalb gab er dem Ort den Namen Machu Picchu, zu deutsch alte Bergspitze. Leider ist es mir nicht vergönnt, an der Führung am Machu Picchu teilzunehmen. Kurz hinter dem Eingang erwischt es mich mit Macht. Mein Kreislauf spielt verrückt, so daß ich mich setzen muß. Norbert und Heinz müssen allein gehen. Was soll's? Immerhin habe ich, nach dem ich mich erholt habe, immer noch die tolle Aussicht. Mittlerweile ist es sehr heiß geworden und ich genieße bei einer großen Cola die Vorführung zweier tanzender Indiomädchen. Von hier aus kann man sehr gut den Huayna Picchu sehen. Dieser dem Machu Picchu vorgelagerte Berg, der sehr an den Zuckerhut in Rio erinner, hat im September leider einen Brand erlebt, der alles Grün vernichtete. Norbert hat ihn bereits einmal bestiegen. Dieses Mal muß er leider darauf verzichten. Nach etwa zwei Stunden kommen Heinz und Norbert zurück. Sie sind beeindruckt. Nachdem wir noch einige Aufnahmen gemacht haben, fahren wir mit dem Minibus wieder abwärts zur Bahnstation. Während der Serpentinenfahrt springt ein Indiojunge quer durch's Gebüsch talwärts. Jede Kurve erreicht er vor unserem Bus, ruft etwas wie "Willkommen" und läuft eine Weile vor uns her, bevor wieder im Gebüsch verschwindet. Im Tal erwartet ihn nicht nur von Heinz, der ihn am liebsten adoptiert hätte, ein dickes Trinkgeld.
Am Bahnhof erwarten uns Souvenier-Verkäufer mit präparierten Riesenschmetterlingen, Vogelspinnen, Lama-Artikel usw. Am späten Abend, wir hören im Zug peruanische Musik, schaukeln wir wieder quietschend und ächsend nach Cusco herunter. Es ist dunkel, wir haben von oben einen phantastischen Blick auf die Plaza de Armas. Die Kathedrale und die Kirche sind beleuchtet. Rechts und links des Zuges sieht man die Lehmhütten der Indios mit teilweise offenen Feuern. Die Indios sitzen davor... Ein unvergeßliches Erlebnis.
Am Bahnhof angekommen, empfängt uns der Trubel des Cuscoer Marktes. Dieser Markt ist wirklich unvergleichlich. Es gibt wirklich alles, von lebenden Fröschen bis zur Plastikseifenschale. Im Hotel, Heinz schreibt gerade wieder ein Fax, haut's mich dann vollends um. Ich schaffe es gerade noch zur Toilette, dann versagen meine Beine ihren Dienst und ich muß mich übergeben. Ein echter Kreislaufzusammenbruch, na Klasse. Meine Kameraden bringen mir aus einer Farmacia eine Elektrolyse und Tabletten gegen Übelkeit mit. Die Elektrolyse, einen ganzen Liter, soll ich bis zum nächsten Tag getrunken haben. Ne, also wirklich, bei dem Geschmack. Die Hälfte schaff' ich...!

Samstag, der 15. Nov. 1997

Heute morgen geht es mir wieder ausgezeichnet. Gott sei Dank. Es geht uns allen gut, denn wir haben in einer Seitengasse ein einfaches, aber ordentliches Café gefunden, in dem wir frühstücken. Es wird von Studenten bedient und ist offensichtlich ein Globi-Treff. Heute lassen wir es gemütlich angehen. Unweit vom Hotel lassen wir in einer Ein-Frau-Wäscherei unsere Wäsche waschen. Dann buchen wir unseren Flug für Montag nach Arequipa.
Wir gehen durch die Stadt und versuchen auch hier, wie überall, möglichst wenig aufzufallen. Grundsätzlich ist jeder, auch der Rucksacktourist, für die Indios ein reicher Mensch. Kommt er aus Europa, ist er reich. Wer sonst kann sich einen so weiten Flug leisten? Man muß also auf sein Hab und Gut aufpassen, wie ein Schließhund, um einer in den Augen der Indios gerechten "Umverteilung" entgegen zu wirken. Vor allem im Gedränge der Märkte, Bahnhöfe, usw. muß man höllisch aufpassen. Schnell ist einem die Hosentasche aufgeschlitzt. Meine teure Kamera trage ich zumeist in einem unauffälligen Jutebeutel.
In der C. Hatunrumiyoc, ein Quechuawort (Indiowort), das großer Stein bedeutet, sehen wir den berühmten 12eckigen Stein. Er befindet sich in der Mauer des ehemaligen Palastes des Inka Roca. Die Inkas haben es verstanden, Steine mit einfachsten Mitteln so exakt zu bearbeiten, daß sie fugenlos zusammenpaßten. Keiner dieser Steine ist Quadratisch. Auf dem Weg durch diese Gasse kommt uns eine Indiofrau mit zwei prächtig geschmückten Lamas entgegen. Ein tolles Bild.
 

Sonntag, der 16. Nov. 1997

Das Wetter ist angenehm. Die Sonne scheint. Zuerst frühstücken wir in unserem Studenten-Café. Dann gehen wir in die bereits erwähnte Kirche La Compania, in der gerade ein Gottesdienst stattfindet. Die kahlen Steinwände im Inneren stehen im krassen Gegensatz zu zu den herrlich vergoldeten Altären. Ein Gemälde in der Nähe des Eingangs zeigt die Hochzeit eines spanischen Konquistadors mit einer Inkaprinzessin, einer damals häufigen Verbindung. Besonders Heinz ist von der Atmosphäre des Gottesdienstes angetan.
Da wir uns vorgenommen haben, den sonntäglichen Bauernmarkt in Chinchero zu besuchen, setzen wir uns in den nächsten Bus dorthin. Wir erreichen den kleinen Ort in 3760 m Höhe nach etwa einer Stunde. Ursprünglich ein Tauschmarkt, wechseln heute natürlich Geldscheine ihren Besitzer. Hier sieht man noch echten Bauernmarkt ohne viel Touristen. Die Indios sitzen auf dem Boden und bieten ihre Waren feil. Neben Stoffen und bunten Bändern handeln die Indios hauptsächlich mit Obst und Gemüse. Auch Cocablätter werden in großen Mengen und ganz legal verkauft. Ab und zu sieht man einen Indio mit dicker Backe die kleinen Blätter kauen. Es ist nicht nur ein Rauschmittel und hilft das oft armselige Leben zu ertragen, sondern hat viele Vitamine und unterdrückt Hungergefühle. Bei einer zahnlosen, ich nehme an, alten Indiofrau habe ich mir eine kleine Tüte davon gekauft. Ich hab es auch gekaut, doch keinerlei Wirkung verspürt. Man sagt, erst der längere Gebrauch in größeren Mengen macht dafür empfänglich. Wir sahen allerdings auch Indios mit dicken Backen wie betrunken am Boden in ihrem eigenen Unrat liegen. Um Cocain herzustellen, braucht man für ein Kilo neben Chemikalien mehrere Zentner Kokablätter. Also-, Coca de Mate liegt uns schon eher.
Mit dem Bus fahrenwir weiter Richtung Urubamba. Mit einem prächtigen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Urubamba fällt die Straße erst allmählich, dann in steilen Serpentinen hinab in den Hauptort des gleichnamigen Tales. Wir sind ca. 60 km gefahren. Es ist nur noch 2880 m hoch. Hier steigen wir in einen Bus nach Pisac, wo es ebenfalls einen Markt gibt. Dieser Markt ist allerdings etwas touristischer und verfügt über richtige Stände mit blauen Plastikplanen überspannt. In der Mitte des Marktes spendet ein riesiger Pisonay-Baum Schatten. Wir sitzen am Rande des Marktes vor einer kleinen Bar, trinken ein schönes, kühles Bier und beobachten das Gewimmel auf dem Markt. Die Trachten sind hier sehr bunt und die Frauen und Mädchen tragen buntbestickte, flache, schüsselartige Gebilde auf dem Kopf. Sehr fotogen. Norbert und Heinz lassen es sich nicht nehmen, daß ein oder andre Souvenier für ihre Lieben daheim einzukaufen. Pisac hat interessante Ruinen, deren Besuch wir uns aber heute verkneifen, weil er mit einem mühsamen Aufstieg verbunden währe. ( Wir erzählen es einfach niemandem).
 

Montag, der 17. Nov. 1997

Mit einem Taxi fahren wir nach dem Frühstück zum Flughafen. Eine Boing der Aero Peru bringt uns in 35 Minuten nach Arequipa. Arequipa wird auch die Weiße Stadt (Ciudad Blanca) genannt, weil sie aus dem hellen Vulkangestein "Sillar" gebaut wurde. Dieses Gestein ließ sich besonders gut zu Ornamenten verarbeiten. Arequipa hat ca. 355 000 Einwohner und liegt auf der humanen Höhe von 2360 m. Bei der Landung fällt uns der 5822 m hohe Vulkan Misti auf, der die Stadt nicht nur optisch beherrscht. Daneben der langgestreckte und immer schneebedeckte Chachani mit 6057 m Höhe. Der mit 5669 m kleinere Pichu Pichu liegt rechts neben dem Misti.
Wir finden schnell ein kleines Hotel in der Nähe des Centrums, in dem wir auch zu Mittag essen. Danach unternehmen wir eine kleine Stadtbesichtigung. Auch hier wieder: der Hauptplatz, die Plaza de Armas, die hier sehr schön an drei Seiten von Arkaden umsäumt wird, in der Mitte gepflegte Anlagen mit einem Brunnen und Palmen aufweist. Harmonisch ergänzt wird dieses Bild vom Schneebedeckten Chachani.Übrigenz, hab' ich es schon gesagt? Norbert und ich sind ganz heiß auf Eis. Und als wir wie zufällig einen Eissalon sehen, hält uns nichts mehr. Wir schlagen so richtig zu. Heinz verhält sich kameradschaftlich solidarisch und so werden eiskalt ganze Berge vertilgt.
Da wir nur 75 km Luftlinie vom Pazifik entfernt sind, soll hier während des ganzen Jahres ein mildes und sonniges Klima herrschen. Im Moment ist es auch so, doch kann sich die Situation blitzschnell ändern. Eine Brücke z.B., die den Rio Chili überspannt und die wir überqueren um einen deutschen Club zu besuchen, wird später nach heftigen Regenfällen einstürzen. Vier Menschen müssen dabei sterben. Schuld an diesem Wetter-Extrem ist "El Nino". Also -, wir haben sehr viel Glück gehabt.
Bevor wir am Abend in unserem Hotel Latino ein Bier trinken, daß Heinz uns spendiert hat, kaufen wir noch die Busfahrkarten für den 19.11. nach Puno.
Ja, ja, langsam geht es heimwärts. Leider!
 

Dienstag, der 18. Nov. 1997

Heute haben wir uns das Santa Catalina Kloster vorgenommen. Wir haben gut gefrühstückt, das Wetter ist wieder mal toll und wir fühlen uns alle topfit. Also, nichts wie los.
Das Kloster, daß wir zu Fuß erreichen, wurde 1579 errichtet. Das heißt, es wurde einfach ein großer Teil der Stadt abgeteilt und ummauert. Hinter den hohen Tuffmauern lebten 450 Nonnen und 200 Dienstmädchen. Wie sie dort lebten, blieb der Öffentlichkeit fast 400 Jahre verborgen. Erst 1970 wurde Das Kloster nach einer Renovierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Wir befinden uns im Kloster und haben den Eindruck, die Zeit ist stehengeblieben. Die Gebäude sind im maurischen Stil gebaut worden und schaffen mit ihrem kräftigen Orange oder auch Blau einen herrlichen Kontrast zum weißen Tuffstein. Wir sehen zuerst die Besucherzellen, wobei zwischen Besucher und Nonne nur ein Guckloch den Kontakt ermöglichte. Über einen kleinen Hof kommen wir zum Kloster der Novizinnen, etwas abgeteilt vom Hauptkloster. Danach sehen wir den sehr eindrucksvollen Orangenkreuzgang, ein in intensivem Blau gehaltener Innenhof mit einem Orangenbaum in der Mitte. Hier befindet sich auch ein Aufbahrungsraum für tote Nonnen mit entsprechenden "Aufbahrungskarren". Wir kommen an einer Krankenstation und einem heute noch aktiven Klosterteil vorbei. In 42 orang / braunen Häuschen lebten die Nonnen äusserst spartanisch. Alle hatten eine offene, kleine Feuerstelle. Natürlich gab es auch eine Hauptküche. Die, im Laufe der Jahrhunderte, rußgeschwärzten Wände und noch vorhandenen Gerätschaften vermitteln uns einen lebhaften Eindruck.
Die Nonnen hatten ein interessanten Waschplatz, der aus einer steinernen Rinne und seitlich angestellten, großen Tonschüsseln besteht. Ob die Nonnen in diesen Schüsseln wohl selber ein Bad genommen haben? Man stelle sich das vor! Nein, es gibt natürlich noch ein separates Badehaus. In einer kleinen Cafeteria trinken trinken wir eine Cola und kommen dann zum Refektorium, dem Speisesaal der Nonnen, und weiter in den ockerfarbenen Innenhof des Hauptklosters. Wir gehen an kleinen Beichtzellen vorbei eine Treppe hinauf und haben einen herrlichen Blick auf Teile des Klosters mit einer langnadeligen Aurokarie (einer großwüchsigen Baumart) und dem Chachani dahinter. Den Abschluß bildet ein Gang duch den Chor mit schönem, geschnitzten Holzgestühl. Doch genug Kultur für heute. Nach einer mittäglichen  Pause gehen wir nochmals durch die Stadt und kaufen einige Lebensmittel zum Frühstück und als Verpflegung für unsere weitere Reise ein.
 


 

Mittwoch, der 19. Nov. 1997

Heute geht's weiter. Nach unserem Frühstück nehmen wir ein Taxi zum Busterminal. Wir fahren mit einem Indiobus nach Puno. Die Fahrt führt uns über staubige Schotterpisten, durch karges Bergland und an einem großen Salzsee vorbei Richtung Juliaca. Die Landschaft ist wieder unvergleichlich. Unser Busfahrer findet Gefallen an einem kleinen Wettrennen mit einem konkurierenden Bus. Wir weden alle etwas ruhiger im Bus, bis sich diese Situation an einer unübersichtlichen Kurve an einem Berggipfel von selbst erledigt. Ein Stau, und wir auf der Überholspur. Es stehen etwa 5 - 6 Fahrzeuge, darunter uralte Schwertransporter mit Metalladung usw. Damit sich der Stau auflösen kann, müssen wir, immer hart am Abgrund, zurücksetzen.Was soll's? Immer tief durchatmen.
Hohe Staubwolken künden schon von Fern das Nahen eines Fahrzeuges. Mitten auf der Strecke, kein Baum, kein Strauch, steigt ei Indio ein und verkauft aus einem Styropor-Block Eis. Wir verzichten. Irgendwann, nach einigen Kilometern, steigt er wieder aus. Kein Baum, kein Strauch...!
Es geht abwärts. Wir fahren nach Juliaca ein und sehen, nach einer kurzen Pause, schon bald unseren Freund, den Titicacasee wieder. Um 17:30 Uhr erreichen wir Puno.
Die Wiedersehensfreude ist groß. Wir fühlen uns wie zu Hause, nehmen zwei Fahrrad-Rikschas und lassen uns zu unserem Hotel bringen. Ich habe bei der Rikscha-Fahrt bei jedem kleinen Hubbel das Bedürfnis, auszusteigen und zu schieben. Und ich tue es auch. Im Hotel haben wir unser altes 3-Bett-Zimmer. Na also.
Abends gehen wir in "unsere" Pizzeria. Heinz ißt Lassagne, Norbert und ich ein Omelett, dazu natürlich ein schönes Bier.
Wir fühlen uns fast daheim...
 


 

Donnerstag, der 20. Nov. 1997

Wir sitzen im Frühstücksraum und harren der Dinge, die da kommen werden. Ein junger Mann mit Inka-Pudelmütze bis über die Ohren und gestrickten Fäustlingen stellt uns mürrisch und wortlos unser Frühstück hin. Ich bin "begeistert".
Gestern hatten wir bereits die Busfahrkarten nach La Paz gekauft, so daß wir uns gleich nach dem Frühstück in den Bus setzen können. Die Fahrt geht lange Zeit am Westufer des Titicacasees entlang. In den Mittagsstunden erreichen wir die Grenze zwischen Peru und Bolivien. Wir verlassen den Bus, holen uns unsere Stempel und überqueren die Grenze zu Fuß. Auf der bolivianischen Seite nimmt uns der Bus wieder auf und weiter geht's. In Copacabana am Titicacasee machen wir Rast. Ein kleines Restaurant kommt uns zu Mittag gerade recht. Es geht bald weiter und wir haben leider keine Gelegenheit mehr, uns diesen berühmten Wallfahrtsort näher anzusehen. Entgegen unserer ursprünglichen Buchung müssen wir nach dem Mittagessen den Bus wechseln. Also, Gepäck rüber in den anderen Bus und weiter geht es.
Der jetzt folgende Abschnitt gehört zu den landschaftlich schönsten der ganzen Anden. Wir fahren einen Paß hinauf, dann einen Hochgrat mit prächtigen Blick beidseitig auf den Titicacasee, im Angesicht die Cordillera Real mit links dem Illampu (6421 m ). In der Ferne sehen wir den Huayna Potosi und ganz rechts den Illimani mit 6462 m Höhe. Es ist eine sehr schöne Stimmung. In einigen Kehren fahren wir hinunter nach Tiquina. Hier befindet sich mit 800 m die schmalste Stelle des Sees. Unser Bus wird separat mit einem alten Holznachen übergesetzt. Beängstigend, wie schief und wackelig er die Überfahrt schafft. Wir fahren mit kleinen Motorbooten hinterher. Auf der anderen Seite haben wir wieder einen schönen Blick auf den See und die Königskordillere.
Nach nunmehr etwa 300 km erreichen wir gegen Abend LaPaz. Wir lassen uns am Bahnhof absetzen, denn dort kennen wir vom ersten Besuch ein einfaches Hotel. Diese Mal haben wir Glück und bekommen ein Zimmer. Wir laufen noch einmal durch La Paz und gehen dann zu Bett.
 


 

Freitag, der 21. Nov. 1997

Heute verkneifen wir uns das Frühstück, da wir bereits um 5:00 Uhr am Flughafen sein müssen. Wir fahren mit einem Taxi hin. Auf dem Flughafen verkürzen wir uns die Wartezeit mit einem Kaffee, den uns Norbert spendiert. Nachdem wir uns eingecheckt haben,zahlen wir noch die Flughafengebühr. Wir fliegen auch diesmal mit einer Boing, allerdings mit der LAB (LLOYD AERO BOLIVIANO). Ein ordentliches, sauberes Flugzeug. Um 7:00 Uhr fliegen wir zur Zwischenlandung nach Santa Cruz (de la Sierra). Beim Aussteigen schlägt uns tropische Schwüle entgegen. Santa Cruz liegt nur noch 437 m hoch. Die Stadt wird als Drogenhauptstadt Boliviens bezeichnet. Sie hat heute ca. 600 000 Einwohner und die meisten Drogenbosse haben hier ihre Villa. Schon um 9:30 Uhr fliegen wir weiter nach Asunción, der Hauptstadt Paraguays.
Unter uns liegen riesige Urwaldgebiete, dazwischen schlängeln sich die Nebenflüsse des Rio Paraguay. Ein toller Anblick. Vor Asunción verdichtet sich die Wolkendecke und es regnet. Bei der Landung um 12:50 Uhr sieht man durch Wolkenfetzen riesige Wasserflächen. Wie wir später hören, gab es seit zwei Tagen sintflutartige Regenfälle und entsprechende Überschwemmungen. Nachdem Norbert sich nach den Taxipreisen erkundigt hat (die Taxifahrt kostet etwa das 17fache vom Busfahrschein), stellen wir uns an eine Bushaltestelle. Durch die starken Regenfälle gibt es aber Ausfälle und Verspätungen, so daß uns der Bus erst nach zwei Stunden in die Stadt bringen kann. Wer konnte das ahnen? Weil es immer noch stark regnet, setzen wir uns in eine kleine Pizzeria. Wir trinken ein Bier, essen eine Pizza und Norbert, der in Asunción schon übernachtet hat, macht sich auf den Weg, um ein Hotel in der Nähe aufzusuchen. Nach einer halben Stunde kommt er zurück. Etwas deprimiert, weil sich in dem Hotel einiges geändert hat.Der jetzige Inhaber, ein junger Koreaner, hat das Hotel total verkommen lassen. Es ist schade, denn es liegt sehr schön in einem kleinen Garten mit Palmen und Pool. Und das alles nur 10 Minuten vom Stadtkern entfernt. Jetzt hängt ein Schild am Haus: "de venta", also zu verkaufen. Wir lassen uns jedoch nicht abschrecken und nehmen trotz allem ein Zimmer. Sogar eine Klimaanlage haben wir, dafür funktioniert die Dusche nicht, in deren Wanne Kakerlaken Wettrennen veranstalten. Zum Kämmen muß man an die "Rezeption", weil nur dort ein halbblinder Spiegel hängt.
Der Regen hat nachgelassen und wir gehen in die Stadt. Unsere Wäsche geben wir auf der anderen Straßenseite in einem Waschsalon ab. Der erste Eindruck von Acunción ist deprimierend. Auch relativ neue Häuser haben, durch die hohe Luftfeuchtigkeit bedingt, schwarz gefleckte, versporte Hauswände. Es wirkt alles etwas verkommen. Doch davon morgen mehr. Heute essen wir noch ein großes, italienisches Eis; Heinz gibt noch ein Fax auf und dann,- unser schönes Hotel ruft.
 


 

Samstag, der 22. Nov. 1997

Nach einer leidlich gut verbrachten Nacht machen wir uns auf, um Asunción zu erkunden. Die Stadt beherbergt etwa 620 000 registrierte Einwohner, doch sind es mit steigender Tendenz über eine Million, etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Wir gehen zum Rio Paraguay hinunter und sehen die "viviendas temporarias", wie in Paraguay die Elendsviertel genannt werden. Es ist wirklich ein unbeschreibliches Elend. Die Hütten, wenn man sie so nennen will, sind zum größten Teil aus Pappe gebaut. Manche haben Wellblechdächer, andere nur eine Plastikplane darüber. Selbst die wenigen Treppen, die in dieses Viertel hinunterführen, werden von Obdachlosen genutzt.
Nur wenige Meter entfernt steht das Regierungsgebäude in seiner ganzen Pracht. Es ist dem Louvre in Paris nachempfunden. Mehr Kontrast kann nicht sein. Wir setzen uns in den Bus N° 44 und fahren in den Vorort Trinidad. Hier befindet sich der Botanische Garten mit einigen Tiergehegen. Ehemals stand hier die Sommerresidenz der Diktatorenfamilie Lopez. Gleich nebenan besuchen wir das Museo de Historia Natural. Es ist in schlechtem Zustand, bietet aber eine Riesensammlung an Insekten und volkstümlichen Gebrauchsgegenständen. Früher befand sich hier auch ein Indianerreservat. Leider sind sie sie ausgesiedelt worden, so daß wir sie nicht besuchen können. Die Maká - Indianer, spärlich bekleidet und mit bunten Federn auf dem Kopf sieht man hin und wieder in der Stadt. Sie verkaufen Handarbeiten und selbstgefertigten Schmuck. Anders als die Hochlandindios in Peru und Bolivien haben sie eher schöne, ebenmäßige Gesichtszüge. Auch sind sie größer.
Zurück im Zentrum gehen wir zur Plaza de los Héroes und besichtigen den kuppelgekrönten Panteón de los Héreos. Es war ursprünglich die Kapelle der Stadtheiligen "Santa Maria de la Acunción". Heute ist es eine Kriegsgräberstätte mit den Denkmälern für Francisco Solano López, unbekannten Soldaten undeinigen anderen praguayischen Diktatoren und Kriegshelden. Das düstere Innere dieses Monuments ist angenehm kühl. Wir genießen das, zumal es heute sehr warm geworden ist. Vom Regen der vergangenen Tage ist ausser ein paar Pfützen nichts mehr zu sehen.
Wir kommen zur Plaza Uruguay, ein Baumbestandener Platz mit zwei großen Verkaufspavillions. Taxifahrer halten auf den Bänken ihre Siesta. An diesem Platz steht auch ein alter Bahnhof aus dem letzten Jahrhundert. Es ist der älteste Bahnhof des Kontinents. Leider ist das  eigentlich sehr schöne Gebäude sehr vergammelt. Die Luftfeuchte gibt ihm den Rest. Am Bahnhof und in dessen Umgebung sieht man auch bei Tag viele Prostituierte.
Am Nachmittag, auf dem Heimweg zum Hotel, fällt uns unsere Wäscherei ein. Wir haben übersehen, daß heute Samstag ist. Die Wäscherei ist geschlossen und wir wollen am Sonntag weiter. Norbert telefoniert mit der Ihaberin und es klappt. Sie fährt noch ihre Filialen ab und händigt uns bei der Gelegenheit die Wäsche aus. Glück gehabt.
Abends, wir haben in der Stadt gegessen, bekommen wir im Hotel sogar ein neues Zimmer. Alles funktioniert. Na dann - gute Nacht.
 


 

Sonntag, der 23. Nov. 1997

Wir fahren um 8:30 Uhr vom Busbahnhof ab und es dauert lange, bis wir die Stadt verlassen haben. Immer wieder hält der Bus aus unerfindlichen Gründen oder es steigt jemand zu. Auf der meist schnurgeraden, asphaltierten Straße fahren wir durch viele kleine Urwaldorte, von denen unbefestigte Lehmwege in der typischen tief rotbraunen Farbe sich im Urwald verlieren. Häufig sieht man hier zweirädrige, hochachsige Karren, die von Rindern gezogen werden. Auffallend auch hölzerne Zuckerrohrpressen, die man hin und wieder am Wegrand sieht. Der Busfahrer schlürft ununterbrochen Mate -Tee aus seine Kalebasse mit seiner Bombilla. Diese Kalebassen gibt es auch in Argentinien und Uruguay, also in den La-Plata-Staaten. Sie sind teilweise sehr aufwendig versilbert oder mit Leder überzogen. Auch die Bombillas, eine Art Strohhalm mit Sieb, sind oftmals aus Silber. Wie Mate aufgebrüht und getrunken wird, verrate ich später.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Ciudad del Este, die letzte Stadt in Paraguay vor der Grenze. Wir steigen in einen Stadtbus um, der uns über den Rio Paraná nach Foz do Iguacu bringt. Hier herrscht sogenannter kleiner Grenzverkehr. Eine Zollbeamtin geht zwar durch den Bus, beachtet aber unsere Pässe kaum. Jetzt sind wir also in Brasilien. Nach unserer Ankunft in Foz do Iguacu lernen wir Edgar kennen. Edgar ist ein älterer, deutschstämmiger Brasilianer. Er verdient sein Geld durch Touristenvermittlung. Also spricht er uns an und es lohnt sich. Er empfielt uns ein Hotel in der Nähe des Busbahnhofes und begleitet uns dorthin. Es ist unbestritten das beste Hotel auf unserer Reise und weil der Preis stimmt, greifen wir zu. Edgar läßt es sich nicht nehmen, uns noch einige Restaurants zu zeigen, in denen man gut und preiswert essen kann. Wir werden Edgar noch öfter sehen. Nach einem Erkundungsgang am Nachmittag haben wir uns entschlossen, am Abend eine Churrascaria aufzusuchen, die uns Edgar empfohlen hat. Wir sitzen auf einem überdachten Freiplatz an der Straße. Am Salatbuffet haben wir die Auswahl zwischen etlichen Sortzen Salat, Papafrites usw., aber auch Obst und Dessert stehen bereit. Wir bedienen uns hier und bestellen am Tisch ein Bier. Kaum sitzen wir, flitzt die Bedienung mit langen Spießen heran und bietet Gegrilltes an. Wir können unter 10 Sorten Fleisch wählen. Es schmeckt ausgezeichnet und man darf soviel essen wie man möchte. Wenn man bedenkt, daß es noch keine 5 $ kostet. Ein Wahnsinn. Ein Wahnsinn auch der Regen, der mittlerweile wie aus Kübeln herunterkommt. Wir sitzen trocken und essen so lange, bis der Regen nachläßt und wir in unser schönes Hotel zurückkehren können.
 


 

Montag, der 24.Nov. 1997

Heute genießen wir mal ein Frühstücksbüffet im Hotel. Auch wenn es sehr klein ist - welch ein Luxus.
Wir freuen uns auf die Iguazú - Wasserfälle und machen uns bald auf den Weg. Es fährt etwa jede Stunde ein Stadtbus zu den Cataratas, also den Wasserfällen. Wir haben ihn gerade verpaßt. Wir warten also. Dann bringt uns der Bus in ca. 30 Minuten zu diesem gewaltigen Schauspiel. Die Lehmgelben Fluten desRio Iguazú, einem Nebenfluß des Rio Paraná, stürzen über zwei mächtige Basaltstufen ca. 70 m in die Tiefe. Auf einer Breite von 4 km donnern 275 Einzelfälle in die sichelförmige, 1 km lange Hauptschlucht. Die Wasserfälle führen jetzt, also zur Regenzeit, in jeder Sekunde 1750 m³ Wasser. Schmale Wege und Treppen führen an den Fällen vorbei. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm. Feiner Gischtnebel hüllt uns ein. Die Sonne kommt heute nicht so richtig durch, dafür sehen wir viele Kleinbären, die sehr zutraulich sind und gerne gefüttert werden möchten. Leider haben wir nichts dabei.
Wir haben sehr viel gefilmt und fotografiert und sind echt begeistert..., grandios!


 


 

Dienstag, der 23. Nov. 1997

Die Sonne scheint und das Wasserkraftwerk Itaipú ist heute unser Ziel. Mit einem Stadtbus fahren wir ca. 20 km hinaus. Das Kraftwerk ist ein Gemeinschaftsprojekt von Paraguay und Brasilien. Es ist das größte Wasserkraftwerk der Welt. Eine spanisch kommentierte Videoshow schenken wir uns, statt dessen machen wir mit einem speziellen Bus eine kostenlose Rundfahrt.
Itaipú ist ein Kraft werk der Superlative. Der riesige Stausee hinter dem Damm bedeckt eine Fläche von 1500 km². Er ist stellenweise über 200 m tief. In seinen Fluten verschwanden die Wasserfälle von Guairá, angeblich die wasserreichsten Fälle der Erde.



Hier einige Daten von Itaipú:
Itaipú besitzt ein Leistungsvermögen von 12.600.000 kw und kann pro Jahr ca. 75 Milliarden kwh produzieren, was weltweit gesehen den ersten Platz bedeutet.
Für Bau und Montage wurden 1.200.000 Zeichnungen und Materiallisten für die Ausarbeitung und Revision des Projektes verbraucht.
Übereinander gelegt bilden diese Dokumente einen Stapel, der einem Gebäude von ca. 50 Stockwerken gleichkommt.
Das Ausbaggerungsvolumen von Itaipú ist das 8,5fache vom Eurotunnel. Es betrug insgesamt 60.100.000 m³, ausreichend um eine Lastwagenschlange von 128.000 km zu bilden oder dreimal die Erde zu umkreisen. Das verbrauchte Betonvolumen ist das 15fache vom Eurotunnel. Insgesamt 12.800.000m³, ausreichend um 210 Stadions von der Größe des Marcana-Stadions in Rio de Janeiro zu bauen.

Beeindruckt von diesem technischen Meisterwerk lassen wir uns in die Stadt zurückfahren; denn wir wollen uns noch Ciudad del Este ansehen. Zu Fuß überqueren wir die Brücke, die den Rio Paraná überspannt. Sie ist gleichzeitig die Landesgrenze zwischen Paraguay und Brasilien. Bei der Ankunft haben wir die Brücke bereits überquert und wissen, daß hier kein Ausweiß verlangt wird. Der Zoll kommt mit den Massen nicht mehr mit, winkt die meisten durch oder kümmert sich um garnichts. Es ist ein unglaubliches Gewusel. Menschenmassen schieben sich und ihre hochbeladenen Räder oder Karren nach Foz do Iguazú. Wir kämpfen uns durch mitten auf der Brücke pausierende Käufer. Sie sitzen auf großen Sanyo-Kartons und umklammern ihre Zigarettenstangen. Auch Autos stehen mehr...
Ciudad del Este würde ich als Schmuggelstadt bezeichnen. Hier wird viel Geld gemacht mit allem, was sich kaufen und verkaufen läßt. Ciudad del Este wurde erst 1957, damals als Puerto Strössner, gegründet und ist seitdem die schnellstwachsende Stadt des Landes. Mittlerweile wohnen knapp 90 000 Menschen hier. Sie arbeiteten beim Bau der eben erwähnten Brücke, der "Puente de la Amistad", also der Brücke der Freundschaft oder später auf der Baustelle des Wasserkraftwerkes Itaipú. Heute lebt man fast ausschließlich vom Schmuggel, entweder als Käufer, der die Ware ins benachbarte Brasilien bringt oder als Verkäufer. Jedes Gebäude im Centrum beherbergt mindestens ein Geschäft, ansonsten wird auf den Straßen verkauft, sei es an Ständen oder aus dem Bauchladen. Wir werden ununterbrochen angesprochen. Die Tische der Händler biegen sich unter der Ware.Man kauft Parfüms, Spirituosen, Zauberwerke der fernöstlichen Elektronikindustie, alles was Strom braucht, blinkt und Geräusche macht, KLeidung und Genußmittel, all das sind begehrte Waren. Wir sehen, daß kaum etwas billiger als in Europa ist, aber alles ist billiger als in Argentinien, Brasilien und Uruguay. In den Eingängen der Kaufhäuser sitzen schwerbewaffnete Sicherheitsbeamte auf einem echten Hochsitz. Die Kriminalität ist hoch.
Heinz kauft einen Elektro - Bartschneider und Norbert ein Paar Sportschuhe und nachdem wir etwas gegessen und getrunken haben, lassen wir uns über die Brücke nach Foz do Iguazú zurückschieben.
Es ist gerade Zeit, einen Kaffee zu trinken und wir finden tatsächlich ein schönes, sauberes Café. Und es gibt einen sehr guten Kaffee und ein hervorragendes Stück Kuchen. Zurück im Hotel halten wir eine späte Siesta. Der Abschluß dieses schönen Tages ist ein Besuch in einer anderen schönen Churascaria. Hier treffen wir Edgar, immer auf der Suche nach neuen "Opfern". Wir essen auch hier sehr gut und sind so richtig rundum zufrieden.
 


 

Mittwoch, der 26. Nov. 1997

Heut` nehmen wir unser Gepäck mit; es geht weiter. Aber zuerst fahren wir mit dem Bus nach Puerto Iguazú und buchen unsere Weiterfahrt nach Buenos Aires. Bei dieser Gelegenheit deponieren wir unser Gepäck bei einer Aufbewahrung am Busbahnhof. Ein weiterer Bus bringt uns dann zu den Iguazú - Wasserfällen im argentinischen Nationalpark. Mir gefällt diese argentinische Seite der Fälle noch besser als die brasilianische Seite. Die Landschaft ist urig, wild und hat mehr tropische Komponenten, mehr Palmen, Lianen. An den Fällen führt ein oberer und ein unterer Weg entlang. Wir gehen beide Wege und sind begeistert. Farbenfrohe Schmetterlinge setzen sich auf unsere Haut und trinken den salzigen Schweiß. Norbert hat sogar ein besonders hartnäckiges Exemplar auf der Nase. Auch hier wieder: schwül und warm, wie im Regenwald. kleine Geckos huschen über den Boden und irgendwo sehe ich einen Tucan im Geäst. Dazu das Getöse der dampfenden Wasserfälle. Traumhaft.
In einem kleinen Restaurant am Eingang trinken wir etwas. Mittlerweile ist es Nachmittag geworden und wir gehen langsam zur Bushaltestelle. Wir warten noch etwas, dann bringt uns der Bus zum Terminal zurück. Nachdem wir unser Gepäck geholt haben, müssen wir auch hier noch warten, bis endlich unser Bus einfährt.
Dieser Bus ist also wirklich der Beste unserer ganzen Reise. Es ist ein Doppelstock-Bus mit Toilette und Getränkeautomat. Wir sitzen natürlich oben und ziemlich weit vorne, so daß wir Landschaft und Straße vor uns haben. Noch bei Tageslicht fahren wir ab und genießen die Landschaft von oben, den Nordosten Argentiniens. Eine Weile fahren wir durch Waldgebiet, bis wir Sumpfgebiete erreichen und anschließend riesige Weideflächen hinter uns lassen. Ab und zu sieht man einen Gaucho mit einer Herde Rinder in der Ferne. Dazwischen staksen allgegenwärtige Reiher. Die Nacht bricht herrein und wir machen es uns bequem.
 


 

Donnerstag, der 27. Nov. 1997

Nachts haben wir einige Pausen gemacht; die Fahrt verlief ruhig. Wir befinden uns jetzt im Zweistromland Mesopomien zwischen dem Rio Uruguay und dem Rio Paraná. Die Provinz heißt Corrintes. Corrintes ist die wasserreichste Provinz Argentiniens. Rechter Hand, im Westen, liegen die Sümpfe von Iberá; hier gibt es noch bis zu 8 m lange Anakonda-Schlangen, kleine Krokodile, Brüllaffen usw. Es ist eine unberührte Wildnis, die teilweise mit Booten erkundet werden kann. Alleine diese Gegend währe schon eine Reise wert. Nun ja.
Langsam nähern wir uns dem Großraum Buenos Aires. Die ersten nördlichen Stadtgebiete tauchen auf. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir den Busbahnhof von Buenos Aires. Wenn man bedenkt, daß diese Tour von über 18 Stunden nur 30 $ gekostet hat. Unglaublich. Der Bahnhof an der Av. Maipu ist nicht weit. Bald bringt uns der Zug nach Olivos; jetzt noch 15 Minuten zu Fuß und wir sind wieder "zu Hause".
Richard ist noch nicht zu Hause und Nancy hat so früh noch nicht mit uns gerechnet. Trotzdem - es gibt eine herzliche Begrüßung. Nancy schnappt sich gleich unsere Wäsche und macht eine Maschine. Wir duschen mal wieder richtig schön und ziehen uns um, bevor wir unser Gepäck sortieren und umräumen.
In den letzten Tagen haben wir übrigens unsere alte Liebe zu Cola - Cognac wiederentdeckt. Nur leider war Cocnac schwer zu bekommen. Aus diesem Grund freuen wir uns besonders über mehrere große Gläser Cola -Cocnac mit Eis. Sehr erfrischend.
 


 

Freitag, der 28. Nov. 1997

Die mir schon vertrauten Vögel vor meinem Fenster wecken mich wieder mit lautem Gezwitscher. Ich dusche schnell, während ich unten schon Heinz und Norbert höre. Sie machen schon das Frühstück. Wir frühstücken ausgiebig und gut. Heute ist nicht viel angesagt. Norbert hat einiges, Post usw. zu erledigen. Bei seinem riesigen Bekanntenkreis fällt da einiges an. Heinz programmiert den Anrufbeantworter noch einmal neu. Dann gehen beide zur Post und faxen mir eine Probe. Es klappt endlich ohne zu klingeln. Danach fahren wir zum Einkaufen in den Supermarkt. Ich kaufe ein großes Päckchen Mate - Tee, damit auch meine Familie ihn mal probieren kann.
 


 

Samstag, der 29. Nov. 1997

Heute, am Samstag fahren wir noch einmal in die Stadt. Wir nehmen den Zug. Es ist erstaunlich wenig Verkehr für einen Samstag. Wir laufen durch die Stadt und ich lasse sie nochmals auf mich wirken. Die vielen Bäume, die uns bei der Ankunft mit blauen Blüten grüßten, sind, während wir im Ausland waren, zum größten Teil verblüht. Ich suche noch ein bestimmtes Souvenir, finde es aber nicht. Gegen Mittag trübt sich der Himmel ein und es beginnt zu regnen. Wir sind in der Nähe des Bahnhofs und nutzen ein uriges Restaurant in selbigen, um Mittag zu essen. Es gibt, wie bei der Ankunft, wieder Noquis mit Lammfleisch. Hier kommt mal ein Bettler in das Lokal, wird aber vom Personal unverzüglich ins Freie befördert. Also, ich muß sagen, sehr aufdringliche Bettler in anderen für uns exotischen Ländern, wie zB. in Ägypten, haben wir in Südamerika nicht angetroffen. Nach dem Essen fahren wir nach Olivos zurück.
Hier zeigt mir Richard, wie man Mate zubereitet. Zuerst wird also die Kalebasse über die Hälfte mit Tee gefüllt und dann, mit der Hand abgedeckt, auf den Kopf gestellt und etwas geschüttelt. Das hat den Sinn, feine Partikel an die Oberfläche zu bringen, damit das Sieb an der Bombilla (sprich Bombija) sich nicht zusetzt. Die Bombille wird in die Kalebasse gesteckt. Jetzt wird ein wenig heißes oder kaltes Wasser an der Bombilla eingefüllt. Nach Geschmack mit Zucker süßen. Den so zubereiteten Mate kann man stundenlang genießen. Es wird immer etwas Wasser nachgegossen. Bei Gesellschaft läßt man ihn kreisen. Empfindliche Naturen wischen das Mundstück der Bombilla zwischendurch mit einer Serviette ab.
 


 

Sonntag, der 30. Nov. 1997

Heute ist es soweit. Ich muß nach Hause. Es ist ein Gefühl von Trauer und auch Freude. Trauer, weil ich diesen interessanten Kontinent verlassen muß, meine tolle Reise zu Ende ist; Freude, weil ich bald meine Lieben daheim wiedersehe. Fünf Wochen sind doch relativ kurz. Aber noch bin ich hier. Am Vormittag gehen wir in Olivos einkaufen, weil Mittags ein Abschieds - Asado für mich stattfinden soll. Wir gehen zu einem Metzger, der für jeden einzelnen Kunden extra seine schwere Vergitterung öffnet. Die Gefahr, hier überfallen zu werden, ist doch groß. Norbert kauft Steaks und Würstchen. Anschließend holt er aus einem Gemüseladen noch etwas für den Salat.
Während Richard grillt und es immer besser riecht, bereitet Nancy den Salat vor und Norbert kümmert sich um die Getränke. Bald sitzen wir am Tisch und ich genieße ein letztes Mal argentinisches Rindfleisch. Phantastisch!
Nachmittags heißt es dann von Nancy und Richard Abschied nehmen. Sie geben mir noch argentinische Kekse mit auf den Weg, dann wird es Zeit. Wir steigen in Norberts Auto und ab geht's. In Buenos Aires haben wir dann einen langen Stau. Die Ursache ist ein sonntäglicher Altauto - Markt. Interessant: Leute, die verkaufen wollen, stellen als Signal eine Plastikflasche auf ihr Autodach. Nachdem wir diesen Stau überwunden haben, gibt Norberts Auto beim Beschleunigen Geräusche von sich, als wollte er noch vor Erreichen des Flughafens seinen Geist aufgeben. Kurz gesagt: er hält durch. Im Getümmel des Flughafens verabschiede ich mich nun auch von Norbert und Heinz, bevor ich mich gerade noch rechtzeitig einchecke. Meine Maschine, wiederum eine Boing 747 - 400 der British Airways, macht einen vernünftigen Eindruck und pünktlich um 19:10 heben wir vollbesetzt ab Richtung London.
 


 

Montag, der 01. Dez. 1997

Nach einer unruhigen Nacht mit Turbulenzen erreiche ich ziemlich pünktlich, gegen 11:00 Uhr London - Gatwick. Anschluß habe ich erst um 14:45 Uhr statt 13:45 Uhr. Ich nutze die Zeit zum Lesen und avisiere mich schon mal telefonisch bei meiner Frau, der Roswitha. Schön, ihre Stimme wieder zu hören. Durch große Scheiben kuckt mich ein unfreundlich , kalter Dezembertag an. Nach dem kurzen Flug bis Frankfurt und meinem Auschecken schließe ich Roswitha und meinen Sohn Tim in die Arme.
Die Heimat hat mich wieder.

 
 


 

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otto dittmer / jahrgang 1944 / schauwerbegestalter und grafiker
hobbys: malen, computern,  fotografieren und reisen, ua. nach
ägypten, rußland, china, ecuador, schweden, odenwald usw.

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