|
Im Stiftland sprudeln die Heilquellen
Oberpfälzische Nachbarn des böhmischen Bäderdreiecks
Die letzten noch bis heute andauernden Wirkungen ehemaliger vulkanischer
Tätigkeit in Nordostbayern sind die Mineralquellen in Pechbrunn, Wiesau, Kondrau,
Erbendorf und Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth. Seit 1916 ist zum Beispiel
die Silvana-Heilquelle in Pechbrunn staatlich anerkannt. Das Heilwasser mit Magnesium,
Calcium und Hydrogencarbonat soll schon den Bauern im späten Mittelalter bekannt
gewesen sein. Man schrieb ihm eine heilende Wirkung für Mensch und Tier zu.
Seit über 400 Jahren werden die Quellen des König-Otto-Bads bei Wiesau zu
Heil- und Kurzwecken genutzt. Das Bad, das immer im Schatten der benachbarten böhmischen
Badeorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad stand, verfügt über eine der
stärksten Stahlquellen in Europa. Die vier radioaktiven Eisensäuerlinge mit
einem bedeutenden Lithiumgehalt hatten schon einen guten Ruf, als das böhmische
Bäderdreieck noch kaum bekannt war. Der Badebetrieb des König-Otto-Bades
blieb jedoch stets in einem bescheidenen Rahmen, da es die jeweiligen Verantwortlichen
nicht verstanden, daraus Kapital zu schlagen. Mit Glück und Geschäftstüchtigkeit
wäre vielleicht auch ein Welt-bad daraus geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg
kam der Badebetrieb ganz zum Erliegen. Jetzt wird das Mineralwasser in Flaschen abgefüllt
und nach ganz Bayern ver-sandt. Den Namen erhielt das Bad von König Otto von Griechenland,
einem Sohn des Bayernkönigs Ludwig I., der dort 1836 zur Kur weilte.
Die bekanntesten Mineral- und Heilwasserquellen des Stiftlandes befinden sich zwi-schen
Waldsassen und Kondrau. Der schon seit altersher bekannte Säuerling, der bis 1803
Eigentum des Klosters Waldsassen war, ist weitbekannt unter dem Namen "Kondrauer
Mineral- und Heilbrunnen". Heutzutage transportieren mehrere Dutzend Lastzüge
das begehrte Mineralwasser in alle Gegenden Bayerns und Deutschlands.
Noch bekannter als all die hier genannten Quellen des Stiftlandes könnte jedoch
eine andere werden. Schon vor Jahren sorgte sie für Schlagzeilen in der bayerischen
Presse. "Deutschlands stärkste Radonquelle" - "Mondänes Projekt
Sibyllenbad" - "Millionen-pleite und Bauruine Sibyllenbad" - so lauteten
damals die Schlagzeilen in den Zeitun-gen. Ursache dafür war die Baueinstellung
des auf 120 Millionen veranschlagten Projek-tes Sibyllenbad, das 1972 wegen der ungesicherten
Finanzierung abgebrochen werden mußte. Acht Jahre dauerte es, bis mit der Gründung
des "Zweckverbandes Sibyllenbad", dem neben dem Bezirk Oberpfalz auch die
Städte Waldsassen, Mitterteich und Tir-schenreuth sowie der Markt Neualbenreuth
angehören, ein tragfähiges Fundament für den weiteren Badeausbau geschaffen
werden konnte.
Mit der Eröffnung des medizinischen Badehauses in Maiersreuth im Jahr 1989 wurde
ein neuer Anfang gemacht, der aber nur ein Teil des späteren Kurbades sein soll.
Mitt-lerweile ist unweit davon eine beeindruckende Kuranlage entstanden in dem ein
reger Badebetrieb herrscht.
Im Gebiet um Neualbenreuth sind übrigens schon seit jeher zahlreiche Säuerlinge
be-kannt. Als Johann Wolfgang von Goethe hier war, erwähnte er den "Albenreuther
Säu-erling" lobend. Auch der Markgraf Joachim Friedrich zu Brandenburg hat
sich vom "Albenreuther Säuerling" ein Faß Mineralwasser zur Nachkur
nach Halle schicken lassen. Nachgewiesen ist auch, daß im Sommer 1593 vier adelige
Herren in Albenreuth eine Sauerbrunnenkur machten. Albenreuth war also schon vor Jahrhunderten
Kurort, als es das benachbarte böhmische Bäderdreieck mit den Weltbädern
Franzensbad, Ma-rienbad und Karlsbad noch lange nicht gab. Der "Albenreuther Säuerling"
entspringt nördlich von Neualbenreuth beim Eisenbühl am Rehberg, in der Nähe
des abgerissenen Dorfes Boden. Der Eisenbühl ist übrigens der einzige "echte"
Vulkan dieser Gegend. Seine Ausbruchsmassen hat er kilometerweit nach Norden und Osten
gesandt und bilde-te so einen mehrere Quadratkilometer großen, fruchtbaren Landstrich.
Übrigens kom-men in diesem Gebiet auch immer wieder kleinere Erdbeben vor. Das
letzte mal ge-schah dies in den 70er Jahren. Chronisten haben uns aber auch Erdstöße
aus vergange-nen Jahrhunderten überliefert. Hier einige Ausschnitte aus den Aufzeichnungen:
Vom 18.10 bis 31.12.1908 wurden 1384 Erdstöße gezählt. 1897 gab es
vom 24.10 bis 29.11. oft laut donnernde Beben. 1820 und 1822 spürte man Beben
besonders stark auf felsigen Gründen. 1770 bebte es von Oktober bis 9.November
oft so stark, daß die Leute aus Angst davonliefen. 1635 bebte es Ende August
drei Tage lang. Und auch das Egerer Urgichtenbuch überliefert uns aus dem Jahr
1544 ein "greuweliches erdtbidenn"
Den erloschenen Vulkan Eisenbühl erreicht man vom Neualbenreuther Grenzübergang
aus, der nur für Fußgänger und Radfahrer offen ist. Er ist wenige Meter
hinter dem Grenzübergang auf der linken Seite des Weges nach Altalbenreuth (Mýtina).
Text © Walter J.Pilsak
Auszug aus dem Online-Buch:
>Unterwegs zu Naturschönheiten
in der Oberpfalz< auf:
www.openvox.de
[Home]
[Naturschönheiten] |