Rezept-Index

podiceps cristatus
Die Haubentaucher
Zoelestine Grothues


Die mittelalterliche Küche ist schmackhaft! Gewöhnungsbedürftig,
aber schmackhaft.


Wenn wir uns heute mit dem Mittelalter beschäftigen und auf Mittelaltermärkte gehen, haben wir immer das Problem, dass man nicht 100% "A"(A wie authentisch) sein kann.

In allen Bereichen muss man Quellenlage, Geldbeutel und Beschaffungssituation berücksichtigen. Das gilt natürlich auch für das Kochen mittelalterlicher Gerichte.

Man kann nicht "Rüschentucken" und "Zweistellige", Bauern und Hochadel in einen Topf schmeißen.
Von den überlieferten Quellen, die uns noch zur Verfügung stehen, ausgehend könnte man eigentlich nicht mit gutem Gewissen auf einem Mittelaltermarkt mittelalterlich Kochen.
Die uns überlieferten Rezepte sind fast alle höfisch oder sehrgut Bürgerlich und Altagskost ist eigentlich nicht erwähnt. Trotzdem macht es Spaß, nach einem langen Tag im Lager, seinen Gaumen mit den Köstlichkeiten des Mittelalters zu verwöhnen.

Wenn Ihr hier schon zu den von uns erprobten Rezepten abtauchen wollt lasst Euch nicht aufhalten, aber es gibt noch einige interessante Informationen, die wir uns in den letzten Jahren

- erarbeitet haben
- anhören mussten
- herausgefunden haben



Codex Vindobonensis S.N.2644, fol. 80r; Österr. Nationalbibliothek

Küchengeheimnisse des Mittelalters

Zuerst möchte ich die Standard-Regel für mittelalterliche Küche zitieren, die uns einmal einer unserer "A-Päpste " für mittelalterliche Küche zu bedenken gegeben hat:

" Entscheidend ist das WANN und WO!"
Was aus Süddeutschland überliefert wurde, mochten die Fischköppe vielleicht gar nicht...
...in Italien gab es andere Zutaten und Gerichte als in Polen...
... wenn ein spätmittelalterlicher Bischof am Karfreitag exotisch gefärbte Fisch serviert bekam, heißt das nicht, dass der Germane in Ostwestfalen seinen Brei nicht in langweiligem Grau aß...


Es wundert sich heute niemand darüber, dass es verschiedene regionale Spezialitäten gibt: Thüringer Rostbratwürste, Bayrische Haxen, norddeutscher Labskaus, niedersächsischer Pinkel mit Kohl, westfälisches Töttgen, fränkische Klöße, schwäbische Spätzle, und und und ...
Aber wenn man einen durchschnittlichen Mittelaltermarkt-Besucher oder einen Teilnehmer bei einem Ritterschmaus vor dem Essen (nach dem Essen leider häufig auch) fragt, was mittelalterliche Küche eigentlich bedeutet, erhält man meistens eine recht einfache Aussage:

"FLEISCH", "Da haben die die Knochen um sich geschmissen", "Du hast ja nicht gerülpset und gefurzet, hat es Dir denn nicht geschmecket?", "Jeden Abend gab es gegrillte Sau", "...", "...", "...",

Selbst bei so genannten Insidern und sogar bei Professoren, die Vorträge zum Thema halten, gibt es unausrottbare Vorurteile, die nicht stimmen: "Man hat extrem viel Gewürze verwendet, um den Verwesungsgeschmack der nicht so lange haltbaren Zutaten zu überdecken", "...", "...", "...",

Podiceps Cristatus hat bestimmt bezüglich mittelalterlicher Küche das Rad nicht neu erfunden. Und wir wissen ausschließlich, was wir aus Quellen und von leidenschaftlichen Mittelalterköchen gelernt haben, aber die
Saison 2001 war unser erste Lagertour, auf der ich wirklich göttlich gegessen habe und seitdem kochen wir uns mit wachsender Begeisterung durch alle Quellen, die wir beschaffen können.


zuletzt aktualisiert: 11.02.2005

  
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