History of the Company Ditmar
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"Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)"
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Von  der Person des Gründers und der Firma "DITMAR" kann die Weiterführung des Unternehmens unter wechselnden Bezeichnungen bis in die Gegenwart nachgewiesen werden.

By  the person of the founder and the company "DITMAR" the continuation of the enterprise under changing designations into the present can be proven.


Karl Rudolf Ditmar was born on 3. May 1818 in Prenzlau near Stettin (Brandenburg).

 

1839 he came to Vienna. On a business trip to Paris he is to have become acquainted with the still quite disputed, anyhow hardly functional Feder (Moderareur) Lampe at that time. This to improve became already soon his main objective.


1839 kam er nach Wien. Auf einer Geschäftsreise nach Paris soll er damals die noch recht umstrittene, jedenfalls kaum funktionsfähige Feder-(Moderareur-)Lampe kennengelernt haben. Diese zu verbessern wurde schon bald sein Hauptanliegen.

On 5 August 1840 Ditmar created a trading company for oil lamps, cups and painted sheet metal goods. A further step was the establishment of a workshop to the repair of lights, the next attempt to manufacture these in own production.

Together with his brother Friedrich, who came to Vienna in the meantime, Rudolf resumed the company 1841 as "Gebrüder Ditmar" (brothers Ditmar). A "national license was issued for the production of painted sheet metal and zinc composition goods", with which the legal basis for the first lamp factory of Vienna (and Austria) was created.


Am 5. August 1840 gründete Ditmar ein Handelsgeschäft für Öllampen, Tassen und lackierte Blechwaren. Ein weiterer Schritt war die Errichtung einer Werkstätte zur Reparatur von Beleuchtungskörpern, ein nächster der Versuch, diese in eigener Produktion herzustellen.
Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich, den er inzwischen nach Wien eingeladen hatte, führte Rudolf die Firma 1841 als "Gebrüder Ditmar" weiter. Dafür wurde eine "Landesbefugnis zur Erzeugung von lackierten Blech- und Zinkkompositionswaren" ausgestellt, womit die gesetzliche Grundlage für die erste Lampenfabrik Wiens (und Österreich) geschaffen war.
 

The enterprise was originally in the suburb “Erdberg”, probably to the today's Erdberger Lände, where only few buildings ("at the Danube") exist at that time. it moved to 1844 into the main street (Erdberg 396, today it corresponds Vienna 3rd district, Erdberger Street 29)


Der Betrieb befand sich ursprünglich in der Vorstadt Erdberg, wahrscheinlich an der heutigen Erdberger Lände, wo damals nur wenige Gebäude („An der Donau“) existieren. 1844 übersiedelte er in die Hauptstraße (Erdberg 396, entspricht heute Wien 3, Erdbergerstraße 29)

1852 erwarben die Brüder ein unweit davon gelegenes Haus in der Vorstadt Landstraße (108, nach späterer Adresse: Erdbergstraße 23). Das Gebäude war ein repräsentatives dreigeschossiges Bauwerk das im Jahre 1839 errichtet wurde. Seit 1853 wurde dass Gebäude wiederholt durch Zubauten vergrößert, und diente den Firmengründern als Fabrik, Wohn und Geschäftssitz.

1852 acquired the brothers not far a house in the suburb Landstraße (108, after later address, Erdbergstraße 23). The building was a representative three floored building in the year 1839 was established. Since 1853 became that building repeated by annexes increased, and as factory, lives and registered place of business served the firm founders. 

Inzwischen war den Brüdern  die Entwicklung der „Wiener Moderateurlampe“ gelungen, eine sowohl preiswerte als auch wegen der regulierbaren Ölzufuhr verlässlich einsetzbare Federlampe. Der internationale Erfolg ermöglichte die weitere Expansion der nach Friedrich Ditmars Tod als „Lampen und Metallwarenfabrik R. Ditmar“ weitergeführten Unternehmens. Rudolf Ditmar erwies sich auch im Alleingang als Pionier auf dem Gebiet des Beleuchtungswesens.

In the meantime the development  of the "Viennese Moderateurlampe" had succeeded to the brothers, one both inexpensive and feather/spring lamp reliably applicable because of the adjustable oil supply. International success made the further expansion possible of the enterprise resumed after Friedrich Ditmars death as the "lamps and metal goods factory R. Ditmar". Rudolf Ditmar proved also in the single-handed attempt as a pioneer in the area of the lighting nature.

1860 und 1861 kaufte er weitere Häuser (Landstraße 109 und 110) dazu. In diesem Zeitraum eroberten die Petroleumlampen der Marke Ditmar den Weltmarkt, wobei planmäßig durchgeführte Verbesserungen des „Wiener Brenners“ dazu beitrugen, dass diese ausserdem preisgünstigen Beleuchtungskörper Jahrzehnte hindurch nahezu konkurrenzlos blieben. Dadurch war genug Kapital vorhanden, um den Besitz abermals zu vergrößern. Zunächst erwarb Ditmar die Häuser Erdbergstraße 26 und 28, später das an der Erdbergstraße 27 anschließende Areal Wassergasse 10 und 12 sowie das Gebäude Erdberger Lände 22. Auch der im Zuge der Stadterweiterung errichtete Neubau Wien 1,  Walfischgasse 12 wurde angekauft und als Wohn- und Geschäftshaus eingerichtet. Nun hatte Ditmar eine zweite Niederlassung in der Inneren Stadt. Die erste bestand

He bought further houses (Landstrasse 109 and 110) to 1860 and 1861 in addition. In this period the petroleum lamps of the mark Ditmar conquered the world market, whereby according to plan accomplished improvements of the "Viennese of burner" contributed to the fact that these in addition low-priced light remained almost competitionless decades through. Thus enough capital was present, in order to increase the possession again. First Ditmar acquired the houses Erdbergstraße 26 and 28, later the area Wassergasse 10 and 12 and as well as the building Erdberger Lände 22 followed by the building Erdbergstraße 27. Also the new building Vienna 1st district, Walfischgasse 12 established in the course  of the urban extension.  Purchased and furnished for living and firm. Now Ditmar had a second address in the city center.The first branch existed since 1844 and was in the stock exchange building NR. 939. (now Weihburggasse 4)

seit 1844 und befand sich im Börsengebäude Nr. 939. (jetzt Weihburggasse 4)


Anfang der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts hatte sich die Position des Unternehmens so weit gefestigt, dass er sich zum Einstieg in die Politik entschloss. Zu der Zeit beschäftigte Ditmar bereits etwa 400 Arbeiter, die etwa zweihundert Hilfsmaschinen firmeneigener Konstruktion bedienten. Die politische Kariere begann im Bezirksauschuss, setzet sich gleichzeitig als stellvertretender Bezirksvorstand fort, und wurde 1863 in den Gemeinderat für Wien-Landstraße gewählt. Diese Funktion hatte er bis 1866 inne.

Für eine Schlüsselposition im Wirtschaftssystem der Stadt und des Landes, erkannte er bald dass geschäftlicher Erfolg alleine nicht ausreichte, sondern vor allem auch gesellschaftliches Prestige. Es erfolgten die Ernennungen zum Kommerzialrat, Kaiserlichen Rat, Hoflieferant und Mitglied der Ausstellungskommission für die Wiener Weltausstellung. Die genannten Titel und zwei Ordensverleihungen nützten dem Ansehen des Fabrikanten in den tonangebenden Wiener Kreisen. Ditmar erhielt 1863 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Orden, und wurde 1873, im Jahr der Wiener Weltausstellung, mit dem Orden der eisernen Krone (Ritter dritter Klasse) ausgezeichnet.

Schließlich gelang es ihm, durch die Übernahme zahlreicher Funktionen die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung der Monarchie entscheidend mitzubestimmen. Er wurde Gesellschafter der Firma „Centraldepot für Petroleumproduktion von Hochstetter u. Co.“, Mitinhaber der „Floridsdorfer Mineralölfabrik“ und Präsident der „Eisen- und Blechverarbeitungsgesellschaft Union“, die zu den wichtigsten Unternehmen des Landes und zudem zu den Hauptlieferanten Ditmars gehörte. Außerdem wurde er Kurator des Handelsministeriums, Abgeordneter der Handels- und Gewerbekammer, für einige Jahre auch niederösterreichischer Landtagsabgeordneter und vom niederösterreichischen Landesausschuss bestelltes Mitglied der Donauregulierungskommission. Weiters saß er im Verwaltungsrat der „Wiener Eisenbahngesellschaft“, des „Oestlichen Sparvereins“, des „Aktienvereins für Hotel- und Badeanstalten“, der „Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft“ und der „k.k. privilegierten Aktiengesellschaft der Innerberger Hauptgewerkschaft“.

Ditmar besaß seit 1879 eine Produktionsstätte in Warschau, eine weitere folgte in Mailand, außerdem gehörte ihm seit 1890 eine auf die Herstellung von Lampenständern spezialisierte Kunsttonwarenfabrik in Znaim (Tschechien). Von den zahlreichen damals errichteten Niederlassungen existierten die Filialen in Prag, Budapest, Berlin, München, Lemberg, Graz, Mailand, Rom, Triest, Paris, Lyon und Bombay noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts.


Geschäftsanzeige mit Firmenzeichen und Logo, Internationale Ausstellungs-Zeitung. Beilage zur
„Neuen Freien Presse“, 1873,
Historisches Museum der Stadt Wien,
Sammlung Pemmer

PROFITMAXIMIERUNG

In den folgenden Jahren machte der Ausbau der Firma weitere Fortschritte. Sie belieferte Nordafrika, den Fernen Osten und Nord- und Südamerika sowohl auf direktem Weg als auch über europäische Niederlassungen und Handelsvertretungen.

Weil alle für die Fertigstellung des Endprodukts notwendigen Arbeitsgänge im eigenen Betrieb durchgeführt wurden, konnte das Unternehmen solide Ausführung, ein stabiles Preis-Leistungsverhältnis und Pünktlichkeit bei der Zustellung gewährleisten. Schließlich benützte Ditmar den guten Klang seines Namens zum weltweiten Handel mit Industrieartikeln, die nicht zu seinem Produktionsgebiet gehörten. Dieses von der Lampenerzeugung unabhängige Exportgeschäft brachte den Zusatznutzen, über die neuen Kontakte potentielle Abnehmer von Beleuchtungskörpern zu finden, kam also letztlich der eigenen Firma zugute.

Ihren Aufschwung und die hohen Gewinne verdankte die „Lampen- und Metallwarenfabrik R. Ditmar“ aber nicht zuletzt den schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen.
Um bei Krankheiten, Unfällen und „in momentanen Verlegenheiten und Bedrängungen“ auszuhelfen, standen seit 1890 10.000 Gulden zur Verfügung. Dieser aus Anlass des damals gefeierten Firmenjubiläums und in Anerkennung der Verdienste der Mitarbeiter gestiftete Unterstützungsfonds war als freiwillige Leistung Ditmars zu verstehen, der damit die finanzielle Sicherstellung in
Ausnahmesituationen garantierte. Die Situation am Arbeitsplatz blieb unverändert, ebenso wenig wurde eine Anhebung der Löhne in Betracht gezogen, dessen ungeachtet aber ein hoher Arbeitseinsatz erwartet. Schließlich solidarisierten sich die Arbeiter mit den Kollegen der Wiener Lampenfabrik „Gebrüder Brünner“, von der später mehrmals die Rede sein wird.


Gustav und Ferdinand Brünner,
Biographisches Lexikon der Wiener Weltausstellung 1873.
Der Streik bei Brünner begann am 1. März 1894, bei Ditmar vier Tage später. Der „Arbeiter-Zeitung“ zufolge reagierten die Firmenchefs unterschiedlich. Während Brünner Kooperationsbereitschaft signalisierte, in Wirklichkeit aber hinhaltend taktierte, vertrat Ditmar den Standpunkt der Unternehmerseite in einer Form, die keinerlei Missverständnisse aufkommen Ließ: „Zuerst erwähnte er, daß ‚fremde Hetzer‘ sich unter seinen Arbeitern eingeschlichen haben. Diese hätten unter ihnen absolut nichts zu thun. Die Forderung nach dem neunstündigen Arbeitstag wolle er später einmal erörtern. Die Mehrentlohnung der Überstunden sei ein Unding. Es habe Zeiten gegeben, wo die Arbeiter baten, Überstunden machen zu dürfen, und er als humaner Mensch konnte dieser Bitte nicht widerstehen. Für die Arbeiter sei es eine Wohlthat, wenn sie mehr verdienen können, und es sei daher nicht recht klar, warum er für diese Wohlthat auch noch mehr bezahlen solle. Was die Lohnerhöhung anbelangt, so könne er nur betonen, daß er schon jetzt gezwungen sei, die Fabrik auf einige Monate zu sperren, er könne aber unmöglich arbeiten lassen, wenn eine derartige Erhöhung der Löhne begehrt werde.

 Man möge doch die ausländische Konkurrenz bedenken. Und in dieser Tonart ging es weiter. Selbstverständlich habe er, Ditmar, bezahlt, „was er nur konnte“, und im übrigen stehe es jedem dennoch Unzufriedenen frei, seine Beschwerden selbst vorzubringen. Deshalb sei es auch nicht einzusehen, warum sogenannte Vertrauensmänner aufgestellt werden sollten.

Der gemeinsame Streik erregte beträchtliches Aufsehen, denn es waren daran rund tausendeinhundert Wiener und Wienerinnen — siebenhundert davon bei Ditmar beschäftigt, die anderen bei Brünner — beteiligt. Allem Anschein nach wurde die Arbeit Anfang April wieder aufgenommen. Inzwischen hatten beide Firmeninhaber in Verhandlungen eingewilligt, zu deren Ergebnis allerdings keine Angaben vorliegen.

Während der letzten Lebensjahre besaß Ditmar in Heiligenstadt ein Grundstück. In das auf diesem Areal errichteten Gartenhaus (Wollergasse 2) zog er sich zurück wenn ihm die Geschäfte zu beschwerlich wurden. Bei der Führung des Betriebes unterstützten ihn in dieser Zeit sein Sohn Gerhard und der Schwiegersohn Hans Rint. Der Firmengründer starb am 22.märz 1895. Er wurde am Heilgenstädter Friedhof beigesetzt.

MIT VEREINTEN KRÄFTEN

Für den Fortbestand des Unternehmens als Familienbetrieb war vorgesorgt worden, als neuer Leiter garantierte Gerhard Ditmar für Kontinuität. Nach der Errichtung einer Niederlage in Kalkutta (1896) konzentrierte er sich hauptsächlich auf den internationalen Handel. Er lieferte Glaswaren, Porzellan und Emailgeschirr, später auch Papier und Textilien. Da er für eine weitere Expansion auf dem Weltmarkt einen geeigneten Partner benötigte, trat er mit der bereits erwähnten Firma „Gebrüder Brünner“ in Kontakt. Diese zweite große Lampenfabrik Wiens mit einem noch 1873 deutlich geringeren Umsatz als Ditmar war 1857 von den Brüdern Gustav und Ferdinand Brünner gegründet worden (Abb. 4), die damit den Grund stein für ein von ihren Nachfolgern noch weiter ausgebautes Exportgeschäft gelegt hatten. Inzwischen stand Brünner mit Russland, Frankreich, England, Griechenland, Rumänien, der Türkei, Nord- und Südafrika, Persien, Indien und Ostasien in Verbindung hatte sich also in einer Ditmar durchaus vergleichbaren Weise auf dem Weltmarkt behaupten können. Da beide Unternehmer die gleiche Verkaufsstrategie verfolgten und in gleichem Ausmaß an der Erschließung weiterer Absatzgebiete interessiert waren, benötigten sie größere Produktionsstätten und entschlossen sich deshalb zu einer Zweckgemeinschaft, die die Möglichkeit bot, ausreichend zu investieren. Die Firmen fusionierten in Form einer Aktiengesellschaft, allerdings unter Ausschluss der inzwischen zu einer eigenen Aktiengesellschaft umgewandelten Warschauer Fabrik. Die neue A.G. wurde am 21. Mai 1907 mit einem Kapital von 7 Millionen Kronen gegründet, Alexander Brünner übernahm die Funktion des Generaldirektors und Vizepräsidenten des Verwaltungsrats, Gerhard Ditmar wurde zum Präsidenten des Verwaltungsrates ernannt.

Die Partner bezeichneten sich auf Geschäftsanzeigen zumeist als „R. Ditmar, Gebrüder Brünner, A.-G.“. Ihre Produktion beinhaltete nicht nur Beleuchtungsgerät, die bereits vor 1907 von Ditmar erzeugten Petroleum-Heiz- und Kochöfen blieben weiterhin auf dem Programm, das später auch auf Gas-Kocher und Gas-Bügeleisen ausgedehnt wurde. (Abb. 5) Dementsprechend lautete der offizielle Name „Lampen- und Metallwaren-Fabriken R. Ditmar, Gebrüder Brünner, A.-G.“ und wurde während der Zeit der Monarchie mit „k.k. privilegierte“ eingeleitet.

Damals gehörten dem Gemeinschaftsunternehmen Produktionsstätten in Wien und Mailand. Außerdem standen mehrere Wiener Niederlagen zur Verfügung und die meisten der von Ditmar errichteten ausländischen Filialen. Eine weitere Niederlage (Shanghai) hatte Brünner mitgebracht. In Wien-Favoriten, wo sich Brünner bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt hatte befand sich die Zentrale. Die Fabrik war im Eckhaus Eugenstraße 6o untergebracht, der Sitz der Verwaltung und das Lager hatten die Adresse Eugenstraße 5735. Der in Wien-Landstraße gelegene Familien- und Firmenbesitz Ditmars umfasste zum Zeitpunkt der Fusion Erdbergstraße 21, 23, 25 bis 28, Wassergasse 3, 10 und 12, außerdem Erdberger Lände 2236. Der frühere Firmensitz Erdbergstraße 23 wurde bis 1909 als Filiale weitergeführt und 1910 durch einen Neubau ersetzt, die Niederlage in der Weihburggasse existierte bis 1911. Übrigens haben sich die beiden Hauptgebäude des Betriebes Ditmar, nämlich das Haus auf der Lände und die im Jahre 1900 errichtete Fabrik in der Wassergasse 3, auf einem Teil jenes Areals befunden, das heute der „Henkel Austria GesmbH“ gehört.

Auf Dauer genügte keine der bestehenden Anlagen den Ansprüchen der Firmeninhaber. Der Ankauf eines Grundstückes in Wien-Simmering, Erste Haidequerstraße, ermöglichte die Errichtung eines Industriegebäudes modernen Typs, das 1914 fertiggestellt und im selben Jahr in Betrieb genommen wurde. In Verbindung mit dem Werk in Favoriten verfügte Ditmar-Brünner jetzt über genügend Kapazität, um auf die Fabriken im 3. Bezirk verzichten zu können. Sie wurden kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges aufgelassen.

KRISE UND NEUBEGINN

Die Ereignisse der nächsten Jahre brachten den vereinigten Betrieb an den Rand des Ruins.

Das Exportgeschäft brach zusammen, die Verbindungen zu den Agenturen rissen ab, die meisten Niederlagen gingen verloren. Gegen Kriegsende sahen sich die Familien Ditmar und Brünner zum Verkauf ihrer Aktien gezwungen, die teils von der Länderbank, teils von privater Seite erworben wurden. Damit hatte Ditmar Brünner aufgehört, als Familienunternehmen zu existieren. Der Wegfall des Außenhandels gefährdete den Weiterbestand der Firma. Auf die Bedürfnisse einer eben so finanzschwachen wie zahlenmäßig geringen Käuferschicht reagierte sie mit Billigprodukten, die in den Geschäftsanzeigen des Jahres 1919 als „Massenartikel in Grau- und Kleinguß, Druck-, Stanz-, Preß- und Zieharbeiten“ beschrieben wurden. Außerdem führte Ditmar-Brünner „Beleuchtungskörper aller Art für elektrisches Licht, Gas, Petroleum, Karbid und alle sonstigen Brennstoffe“ im Sortiment, also ein in erster Linie für den internationalen Markt bestimmtes Angebot. Dafür mussten die technischen Anlagen modernisiert werden, denn hier herrschte drin gender Nachholbedarf. Vor allem war es notwendig, in die bereits zu Lebzeiten Rudolf Ditmars aufgenommene Erzeugung von elektrischem Beleuchturigsgerät mehr Kapital zu investieren als das bisher, unter den weit günstigeren Bedingungen der Vorkriegszeit, der Fall gewesen war. Nach dem Ausbau des Gebäudekomplexes Wien 11, Erste Haidequerstraße zur Haupt-lndustrieanlage übersiedelten dorthin auch die Zentrale und die Lagerverwaltung. Von den beiden Gebäuden in Wien-Favoriten wurde das kleinere bereits 1919 aufgegeben, später auch das große Eckhaus.

               

POLARISIERUNG

Während der Zeit der Nachkriegsinflation produzierte die Metallverarbeitende Industrie Österreichs hauptsächlich für den Export und profitierte davon, preisgünstiger anzubieten als ausländische Mitbewerber. Um diese Position auch nach der Währungsstabilisierung beizubehalten, wurden die Produktionskosten, insbesondere die Personalkosten, gesenkt. Diese Maßnahme führte zu einer rapiden Verschlechterung der Lage der Arbeitnehmer. Dem großen Septemberstreik des Jahres 1924 und seinem von sozialdemokratischer Seite als Erfolg gewertetem Ergebnis gingen mehrere Einzelaktionen voraus, darunter auch ein von den bei Ditmar Brünner beschäftigten Werkzeugschlossern veranstalteter Teilstreik. Darauf hatte die Firmenleitung mit dem probaten, damals häufig angewendeten Mittel reagiert, allen Arbeitern und Arbeiterinnen den Zutritt zum Ort ihrer Dienstverrichtung zu verbieten und ihnen für die Dauer der Aussperrung die Lohnzahlung zu verweigern.

Wie den 1925 gedruckten Inseraten zu entnehmen ist, war es Ditmar-Brünner bis dahin gelungen, einige der früheren Verbindungen zu reaktivieren, denn der Betrieb verfügte damals über Filialen in Budapest, Lemberg und Prag, außerdem über jeweils ein Verkaufsbüro in Rimske Toplice (Slowenien) und Mailand. Das Angebot entsprach in etwa dem von 1919, war aber durch die Übernahme von in an deren Unternehmen hergestellten Waren aus Messing und Bronze erweitert worden. Zur gleichen Zeit, also Mitte der zwanziger Jahre, ließ sich in Wien die Tendenz erkennen, beim Ausbau der kommunalen Beleuchtungsanlagen die Elektrifizierung gegenüber der Versorgung mit Gas zu bevorzugen. Die für die elektrische Straßenbeleuchtung benötigten Armaturen wurden bei Ditmar-Brünner hergestellt, wo man inzwischen in der Lage war, auf jede Nachfrage nach technisch ausgereiften elektrischen Beleuchtungskörpern entsprechend zu reagieren.

Für Gebiete ohne Strom- und Gasanschluss erzeugte die Firma seit 1927 Starklichtlampen, die im In- und Ausland unter der Marke „Maxim“ propagiert wurden. Dabei handelte es sich um Luftdruck-Glühlichtlampen für flüssige Brennstoffe. Die im selben Jahr unter der Marke „Demon“ herausgebrachten Petroleum-Koch- und Heizgeräte hatten den Vorteil einer speziellen Methode, die Gasflamme ruhig und sauber zu halten, waren in dieser Zeit der beginnenden Hochkonjunktur auch international erfolgreich und trugen wesentlich dazu bei, die Profitrate zu steigern.

Begünstigt vom Konjunkturaufschwung, vermehrte Ditmar-Brünner das Personal, trotzdem blieb sowohl damals als auch später die Anzahl der Betriebsangehörigen deutlich unter dem vor 1926, dem Jahr mit der bisher höchsten Arbeitslosigkeit, erreichten Stand. In der Lohnpolitik bildete die Firma keine Ausnahme von der Regel und stimmte mit anderen Unternehmen auch darin überein, die in der Nachkriegszeit übliche lndexbindung der Löhne und Gehälter nach der Währungsreform in modifizierter Form beizubehalten. Ebenso war es weit verbreitet, mit jeder Arbeitsgruppe separate Verträge abzuschließen, einige Personen aber davon aus- zunehmen und mit ihnen individuelle Regelungen zu vereinbaren. Gegen diese Vorgangsweise konnten sich die Gewerkschaften nicht durchsetzen. Dadurch hatte die Arbeitgeberseite den Vorteil, dass innerhalb der Belegschaft unterschiedliche Interessen bestanden und nur selten gemeinsame Lohnforderungen gestellt wurden. Bei Ditmar-Brünner erhielten besonders Privilegierte seit 1926 einen Stunden lohn von 1 Schilling 40, die übrigen „Professionisten“ mindestens 86 Groschen, der Durchschnittslohn betrug 1 Schilling 21. Hilfsarbeiter verdienten entsprechend weniger, aber immer noch mehr als ihre Kolleginnen. Im Jänner 1927 verlangten die Betriebsangehörigen eine generelle Lohnerhöhung um 15 Prozent und erhielten Monate später das Angebot einer wöchentlichen Zulage von insgesamt 500 Schilling, die auf etwa vierhundert von den insgesamt rund achthundert Beschäftigten aufgeteilt werden sollten.43 Als Antwort folgte der einstimmige Beschluss zur sofortigen Arbeitsniederlegung. Danach wurde von Mitte August an vierzehn Wochen lang gestreikt und trotz massiver Einschüchterungsversuche Solidarität bewahrt. Das bewies in einer Zeit nahezu unverändert hoher Arbeitslosigkeit beachtlichen Mut, zeigte aber auch das Ausmaß der Verbitterung, die innerhalb der mehrheitlich sozialdemokratisch eingestellten Arbeiterschaft über die bekannten Ereignisse des Jahres 1927 herrschte. Der Arbeitskampf endete nach der Zusage, den Stundensatz für Akkord- und Lohnarbeit anzuheben und in Hinkunft nach den Mindestlohnsätzen der Starkstromindustrie zu bezahlen. Die daraufhin ausgehandelten Gruppenverträge widersprachen abermals dem Prinzip der Gleichbehandlung, führten zu weiteren Verhandlungen und sogar zu „wilden“ Teilstreiks. Dass diese gewerkschaftlich nicht organisierten Ausstände kein geeignetes Mittel waren, um Forderungen in ihrem vollen Umfang durchzusetzen, stand von vornherein fest. Deshalb werteten es die Streikenden bereits als Teilerfolg, wenn überhaupt Zugeständnisse gemacht wurden. Beispielsweise kehrten rund hundertfünfzig Frauen, die aus Protest gegen ihre Unterbezahlung am 16. Oktober 1929 die Arbeit nieder gelegt hatten, bereits am nächsten Tag an ihre Werkbänke zurück, nachdem ihnen in Aussicht gestellt worden war ihren Stundenlohn um 10 Prozent und damit auf 77 Groschen zu erhöhen. Sich auf derartige Kompromisse einzulassen, setzte vor aus, dass die Sicherheit des Arbeitsplatzes Vorrang hatte. Monate zuvor war es nämlich zu zahlreichen Entlassungen gekommen, denn die während des Winters 1928/29 durchgeführte Schließung der Fabrik im 10. Bezirk hatte den befürchteten Personalabbau zur Folge gehabt. Er stand am Beginn eines Jahres, in dem sich, nicht zuletzt als Folge der in vielen österreichischen Unternehmen durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen, die allgemeine Arbeitslosigkeit bereits wieder der Rekordmarke von 1926 näherte. Dass diese in der nächsten Zeit bei weitem über troffen werden sollte, verunsicherte die Arbeiterschaft, machte sie zunehmend konfliktscheu und stärkte dadurch die Position der Führungsebene. Auch damit stellte Ditmar-Brünner keinen Einzelfall dar, sondern hatte eine Entwicklung genommen, die insgesamt typisch war für die wirtschaftliche und soziale Situation des Landes.

Der politische Druck verstärkte sich, nachdem die 1932 gebildete Regierung Doll fuß die Einführung der Zensur, die Aufhebung des Streikrechts, das Verbot der Freien Gewerkschaften und aller nicht systemkonformen Parteien verfügt hatte45. Seitdem musste jeder, der verdächtigt wurde, kommunistische oder sozialdemokratische Druckschriften zu lesen oder zu verbreiten, nicht nur mit fristloser Entlassung rechnen, sondern auch damit, in polizeilichen Gewahrsam genommen zu werden. Zu entsprechenden Maßnahmen kam es bei Ditmar-Brünner im Jänner/ Februar 1936. Um sich des „Hochverrats“ verdächtiger Personen zu entledigen und allfällige Sympathisanten einzuschüchtern, erstattete die Firmenleitung damals mehrere Anzeigen „wegen illegaler Tätigkeit“ wobei es sicher kein Zufall war, dass zur gleichen Zeit in Wien der große Sozialisten-Prozess stattfand4 Jedenfalls wurde in der Simmeringer Fabrik das erwünschte Resultat erreicht, die vom „autoritären Kurs“ des Regimes erzwungene „Ruhe im Betrieb“ zu gewährleisten.

Die Bilanz des nächsten Jahres ergab zwar keine Dividende und einen vergleichsweise bescheidenen Betriebsgewinn, zu den positiven Ergebnissen zählten aber die weitgehende Auslastung der Betriebsanlagen und die damit verbundene Vollbeschäftigung. Zu dieser Zeit umfasste das Produktionsprogramm auch komplette Gasschutzgeräte Schmalfilmaufnahme- und Projektionsapparate sowie nach eigenem Verfahren hergestellte elektrolytische Kondensatoren für Radioapparate Der Aktienanteil der Länderbank an Ditmar-Brünner hatte bereits in den frühen dreißiger Jahren den Besitzer gewechselt und gehörte seitdem der Credit Anstalt.

 

       
               
               
Dieser Beitrag ist mit freundlicher Genehmigung des Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8) , möglich geworden.
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Hier finden Sie Auszüge aus dem Heft 1 der Wiener Geschichtsblätter.
56. Jahrgang 2001

Der Bericht stammt von:
Frau Dr. Susanne Walther

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