Rattenbabys
© Steffen Fitz 1999-2008
Ratten-Nachwuchs
???
Ratten-Fans
streiten oft darüber, ob nicht generell von eigenem Nachwuchs
abzuraten ist. Es gibt in der Tat vieles, was dagegen spricht
oder zumindest zu Problemen führen kann. Daher rechne ich
mich selbst auch eher zu den Kritikern der privaten Vermehrung.
Trotzdem habe ich eins meiner Mädels im Januar 1999 decken
lassen, hauptsächlich weil ich genügend geeignete Interessenten
für kleine Ratten hatte und in den wenigen Tierheimen hier
in der Gegend bislang eher selten Ratten "einsitzen",
die ein Zuhause suchen. Vor diesem Hintergrund hielt (und halte
ich es nach wie vor ausnahmsweise) für vertretbar, einen
Wurf Baby-Ratten zu "produzieren". Leider lief am Ende
trotzdem nicht alles wie geplant mit der Unterbringung. Ich möchte
daher an dieser Stelle meine guten und schlechten Erfahrungen
in die Diskussion einbringen.
Im Januar
1999 traf ich in der Mensa einen ehemaligen Mitbewohner aus einer
früheren Studenten-WG, der mir erzählte, dass er jetzt
auch eine Ratte - ein Männchen - habe. Da bereits seit Monaten
mehrere Schulkameraden des Sohnes meiner Freundin wiederholt Interesse
an jungen Ratten bekundet hatten, holte ich den Bock kurzerhand
für ein paar Tage zu mir und ließ ihn die ganze Zeit
über mit meiner Momo in einem Extra-Käfig wohnen und
auch zusammen auslaufen. Momo war die liebste und schmusesüchtigste
Ratte, die ich bis jetzt hatte, und ich hoffte darauf, dass sie
diese Eigenschaften ihren Kleinen mitgeben würde...
Am Ende
des zweiten Tages war Momo wohl endlich in der richtigen Stimmung,
und von da an ging es für einige Stunden richtig rund <gg>.
Jagen, poppen, jagen, poppen... Für Wassja - so hieß
der Papa - war das allerdings über weite Strecken eine echte
Strapaze. Er war einfach zu dick für so ein wendiges Rattenweibchen
- alle paar Meter musste er verschnaufen; klettern oder springen
ging gleich gar nicht. Aber Momo wurde zusehends gnädiger
und wartete immer öfter auf das überforderte Männchen...,
so dass die beiden am Ende trotzdem eine beeindruckende Zahl "gültiger"
Versuche hingelegt hatten <gg>. Am nächsten Tag durfte
Wassja nach Hause und Momo wieder zu Zwillingsschwester Ronja
und Freundin Tilly in denselben Käfig.
Am 09.Februar
'99 war es dann soweit. Momo hatte schon seit ein paar Tagen jeden
Papierschnipsel oder ähnliches, was sie beim Auslauf gefunden
hatte, in den Käfig geschleppt und aus der Einstreu und diesen
Materialien einen großen Nesthügel gebaut. Sie war
sehr rund und etwas schwerfällig, und ihre Zitzen waren deutlich
angeschwollen. Als ich dann gegen abend von der Arbeit kam, hörte
ich es schon piepsen - Momo saß neben dem Nesthügel
und hatte schon zwei Babys trockengeleckt und stopfte sie gerade
in das Nest. Übrigens waren es die Babys, die da schon so
laut piepsen konnten! Nach ca. einer Stunde war Momo wohl fertig
und kroch mit ins Nest.
Am nächsten
Tag, während Momo kurz im Zimmer herumschnüffelte -
immer wieder auf der Suche nach neuem Nistmaterial - schob ich
das Nest etwas auseinander und zählte die Babys - 12 Stück.
Zwei lagen etwas abseits und bewegten sich im Gegensatz zu den
anderen fast gar nicht. Am Abend, als ich wieder nachsah, waren
sie tot, und ich nahm sie aus dem Nest. Es blieben aber die einzigen,
die es nicht schafften...
Fast
zwei Wochen lang verteidigte Momo ihr Nest sehr aggressiv, besonders
gegenüber Ronja und Tilly. Wenn ich selbst am Nest war, um
zu sehen, ob alles in Ordnung sei, war sie zwar sehr aufgeregt,
aber seltsamerweise nie verängstigt oder aggressiv. Sie muss
unglaublich viel Vertrauen zu mir gehabt haben. Trotzdem - seid
bitte sehr vorsichtig mit Rattenmüttern in dieser Phase und
lasst das Nest so weit wie möglich in Ruhe. Ich nehme übrigens
auch an, dass Momo die beiden toten Babys selbst bald "aussortiert"
hätte; spätestens beim "Umziehen" - sie hat
die Kleinen nämlich alle drei bis vier Tage in eine andere
Ecke gebracht und das Nest komplett neu aufgebaut.... Lustig dabei
ist, dass von den 10 Babys genau die Hälfte so gefärbt
war wie Papa Wassja; die anderen 5 waren schwarz-weiß wie
Mama Momo.
Nach
etwas mehr als vier Wochen sollten die meisten der Kleinen ein
neues zu Hause bekommen - das war ja von Anfang an so geplant.
Ein paar der künftigen "Ratten-Eltern" - alle aus
dem Bekanntenkreis des Sohnes meiner Freundin, also Kinder bis
maximal 15 Jahre alt - kamen die ganze vierte Woche über
schon fast täglich zu Besuch, um sich mit den Rattis anzufreunden,
die sie sich ausgesucht hatten. Sie borgten sich unsere Ratten-Bücher aus, guckten sich bei meinen
selbstgebauten Ratten-Wohnungen Ideen ab... Sie wirkten
jedenfalls sehr begeistert und als "Ratten-Eltern" geeignet.
Probleme
gab es erst, als die Ratten nach knapp 5 Wochen mit zu ihnen nach
Hause sollten. Plötzlich stellte sich heraus, dass die meisten
doch noch nicht mit ihren Eltern gesprochen hatten, obwohl sie
auf meine Fragen hin ständig behauptet hatten, es ginge alles
klar... Jedenfalls sollten schließlich statt der zwei Mädels,
die ich mir selbst ausgesucht hatte, drei Mädels und zwei
Bubis bei mir bleiben. Zum Glück hatte sich Wassjas "Ratten-Papa"
auf meinen Rat hin inzwischen zu der Ansicht durchgerungen, dass
ein zweites Rättlein wohl doch nicht schlecht wäre.
Nicht nur, dass Papa Wassja der soziale Kontakt zu anderen Ratten
guttun würde; auch seiner Fitness käme das bestimmt
zugute...
Am Ende
nahm er alle beiden "übriggebliebenen" Bubis; und
nachdem er mir Wassja nochmal für ein paar Tage vorbeigebracht
hatte, damit der sich unter meiner Aufsicht an seine Söhne
gewöhnen konnte, waren die zwei auch endlich gut untergebracht.
Und nur eine Ratte mehr als geplant machte bei mir dann doch nicht
so viel aus; erst recht nicht wenn sie so lieb ist wie Schröder....
Es sind also am Ende doch nur drei Mädels aus diesem Wurf
bei mir geblieben.
Alles
in allem ist es ein enormer Spaß, einen eigenen Wurf Ratten
großzuziehen. Die Bilder von dem wuseligen Haufen sprechen
wohl für sich... Ein großer Vorteil ist zudem, dass
die Kleinen von ihren ersten Schritten an menschlichen Kontakt
haben und von ihrer Mutter gezeigt kriegen, dass Menschen nichts
sind, vor dem man Angst haben muss, sondern hervorragende Spielplätze;
und dass Menschenhände hervorragende Gegner sind, um sich
verspielt im Kämpfen zu üben... Sie waren fast alle
von vornherein viel zahmer, als manche meiner Ratten aus dem Zoohandel
überhaupt je wurde.
Bis auf
den letzten Punkt - die Unterbringung der "überzähligen"
Jungen - gab es ja im Grunde auch keine Probleme. Und selbst dieses
Problem hätte sich in diesem Fall vermutlich auch umgehen
oder früher lösen lassen, wenn ich gegenüber den
Kindern darauf bestanden hätte, selbst mit deren Eltern zu
reden. Naja - falls es ein nächstes Mal geben sollte, werde
ich daran denken.... Die Verantwortung auch für eventuell
übriggebliebene, nicht "losgewordene" Jungratten
sollte jedenfalls jedem bewusst sein, bevor er sich zu einem Wurf
entschließt. Und wenn man nicht wie ich in diesem Fall gleich
eine ganze "Mannschaft" von wirklich geeigneten Interessenten
zu versorgen hat, sollte man ohnehin zunächst in den Tierheimen
der näheren Umgebung nachfragen, ob nicht dort irgendeine
arme Pelznase ein wenig freudvolles Dasein fristet und ein neues
Zuhause sucht....
Und einen
weiteren Hinweis möchte ich jedem geben, der eingedenk aller
genannten Gegen-Argumente trotzdem einmal Rattenbabys haben will:
Lasst nie eine Ratte Mutter werden, die schon älter als maximal
10-12 Monate ist. Momo war zwar eine rührende Mutter, aber
vermutlich doch schon zu alt für den Stress. Sie starb ca.
vier Wochen, nachdem die meisten Jungen weg waren (siehe Die Ratten-Ladies).
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