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Auch Tiere können trauern
Dr. Yair Schiftan

Eine Frau rief mich an traurig und verzweifelt weil eine ihrer vier Katzen tödlich verunfallt ist. Auch die anderen Katzen zeigen durch ihr Verhalten an, dass sie ihnen fehlt. Können Katzen wirklich Trauer empfinden?

Ja! Katzen, Hunde und viele andere Tierarten können Trauer empfinden und wenn man es «ablesen» kann, auch andere Emotionen. Im obgenannten Fall zeigt sich dies durch folgendes Verhalten: Die Katzen versammeln sich und «warten» unruhig auf die Kameradin. Ein Kater, der Spielgefährte des verunfallten Tieres, findet sein Plätzchen nicht und frisst nicht. Ganz allgemein ist eine Unlust zu fressen festzustellen.

Von «trauernden» Hunden wird berichtet, dass sie nach dem Tod ihres Besitzers lange Zeit schlecht fressen, nicht spielen wollen und depressive Züge aufweisen. Auf der anderen Seite sind wir Menschen ebenfalls «ganz Tier» und zeigen beim Verlust eines Tieres Trauererscheinungen, die ernst zu nehmen sind. Es reicht nicht zu sagen, «es war ja nur ein Tier».

Persönlich erlebte ich vor einiger Zeit eine Doppeltrauer, die gut ausgegangen ist, aber sehr aufschlussreich war: Meine Mutter wohnte längere Zeit mit ihrer Hündin bei mir. Gleichzeitig erhielt ich einen jungen Hund den Idefix der vier Monate alt war. Die Hündin erzog den Kleinen, und sie tobten und spielten viel zusammen. Eine Tages achtete ich mich nicht, und die Hündin ist durch eine Zaunöffnung weggelaufen. Tage der Verzweiflung, Unsicherheit, heimliche Tränen, schlaflose Nächte, Appetitlosigkeit waren bei meiner Mutter und eine offensichtliche schlechte Laune und Appetitlosigkeit bei Idefix die Folge. Als wir endlich nach fünf langen Tagen die weggelaufene Hündin in einem Tierheim entdeckten, gabs wieder Tränen diesmal der Freude und viel Schwanzwedeln. Die Welt war wieder in Ordnung.

Ich glaube, die Tiere erlauben uns Menschen, unsere Gefühle echter, weniger verstellt, ohne Tabus auszudrücken. Wir dürfen streicheln, knuddeln, in Baby-Sprache reden aber auch traurig sein.

Als Entgegenkommen sollten wir unsere Tiere auch entsprechend behandeln, sie annehmen als empfindende Geschöpfe, die häufig eine andere Sprache wie Schwanzwedeln oder Schnurren «reden», aber ein Teil von uns sind!

Fragen, Bemerkungen an den Autoren Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG

Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten»
 

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