Warum gehen Schiffe
unter?
Damit Regisseure
wie James Cameron Schmachtfetzen à la Titanic drehen können,
um ihrem Konto noch einige Millionen gutschreiben zu können und wir,
das niedere Volk, uns für drei Stunden im Kino unsere Hämorrhoiden
plattsitzen dürfen.
Doch das ist nur
die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit liegt irgendwo da draußen,
wie Mulder stets zu sagen pflegt.
Heute, im Zeitalter
von Strukturvertrieben, in der jeder alten Omi Schiffsbeteiligungen mit
dem Zwecke der Einkommensteuerreduzierung angedreht werden, haben Schiffsunglücke
eine ganz andere Bedeutung. Man denke nur an die Pallas, die zuerst aufgelaufen
ist und nun schwerverletzt vor sich hinölt.
Doch zurück
zur Omi - für sie bedeutet ein solches Unglück nur, daß
ihr demnächst eine neue Schiffsbeteiligung aufgeschwatzt werden kann:
"Guten Tag, mein Name ist Kaiser von der SS - Schiffe für Senioren.
Sicher zahlen Sie wie wir alle zuviel Einkommensteuer."
Gekonntes, auf unzähligen
Verkaufsseminaren erlerntes süffisantes Lachen: "Hahaha. Genau aus
diesem Grund spreche ich Sie heute an, um gemeinsam mit Ihnen Ihre Steuerlast
um über 50 % zu senken, und um Herrn Waigel, äh, dem Neuen ein
Schnippchen zu schlagen.“
und schon ist der
Fuß in der Tür, die Omi hechelt zum Herd, macht zwei Tassen
Krönung light - schließlich muß sie an ihr Herz denken
- und serviert mit ihren Gicht-Fingerchen zwei Stücke Apfelkuchen
von der Schwiegertochter liebevoll in Handarbeit gebacken. Dann wird eine
halbe Stunde über die neusten Schicksalsschläge in der Stadtklinik,
die letzte Folge von Fliege und über die Qualität der Tips des
'ARD Ratgeber Gesundheit' palavert. Und so nebenbei legt unser freundlicher
Herr Kaiser von nebenan den Vertrag über eine neue Schiffsbeeiligung
auf die handgestickte Tischdecke des Eßtisches. Während unsere
Omi nun in ihrem Apfelkuchen herumstochert und durch ihre zitterigen Bewegungen
mehr am Mund vorbeiführt als in ihn hinein, rutscht ihre Hand zu dem
gekonnt plazierten Stift und schwuppdiwupp ist der Vertrag unterschrieben.
Spätestens
in ein paar Wochen, wenn der Sohn mit der Schwiegertochter und seinen zwei
nervigen Kindern ("Müssen wir schon wieder zur Omi? Die riecht immer
so seltsam und außerdem hat sie keinen Kabelanschluß") zu Besuch
kommt, gibt es das große Geschrei: "Ach Mutti, hättest du uns
doch was gesagt."
Aber damit hat das
Schicksal schon längst seinen Lauf genommen.
Das Geld ist vom
Konto unserer lieben Omi zu einem renommierten deutschen Bankinstitut abgeflossen,
von dort über die Schweiz und Luxemburg hin zu einer maroden koreanischen
Werft, die eben für den Schiffsbau auf unterstem Sicherheitslevel
bekannt und verantwortlich ist. Daß auf diesem Dschungelpfad durch
die Finanzwelt natürlich unzählige Provisionen hängengeblieben
sind, verwundert wohl keinen.
Nach einigen Monaten
ist aus dem Inhalt des Sparstrumpfs unserer Omi ein respektabler Tanker
geworden, der mit philippinischer Besatzung - "I nix fahn Schiff aber könn
Auto fahn" - unter panamesischer Flagge fährt. Da Funksprüche
weltweit natürlich in englisch durchgegeben werden, ist wohl selbstverständlich,
daß unsere Fidschis damit so ihre lieben Probleme haben dürften,
was dann schließlich zu einer ausölenden Pallas in deutschen
Gewässern führt.
Aber seien wir doch
mal ehrlich, das Unglück der Pallas kommt doch ganz gelegen, es sichert
uns unsere Ölsardinen, die jetzt nicht mehr personalintensiv in der
Fischfabrik eingeölt und konserviert werden müssen, sondern direkt
frisch aus dem Meer in die Dose kommen - Aufkleber drauf "F(r)isch aus
deutschen Landen".
Und was passiert
mit unseren Fidschis? Genauso wie die ölverschmierten Möwen und
Seehunde kann man sie am Badestrand der Nordsee aufsammeln und als Sondermüll
entsorgen. Natürlich werden sich darüber wieder einige Skins
aufregen: "Jetzt werden diese Schlitzaugen schon beim Sterben besser behandelt
als wir Deutschen".
Vielleicht gelingt
es auch dem einen oder anderen dieser on-board-Hüttchenspieler, sich
durch das Öl an unsere Küsten durchzukämpfen, um in unseren
Fußgängerzonen geschmuggelte Zigaretten an unsere obige geliebte
Omi zu verkaufen.
Und so schließt
sich der Kreis wieder und ihre Schiffsbeteiligung hat sich nicht nur für
ihre Steuerbeteiligung gelohnt, sondern auch für ihre geteerte Lunge