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Tuning eines Scooter Motors, speziell Lambretta.


Werkzeuge
Während der Umfang eines Motortunings selbstverständlich beträchtlich ist, hängen die Resultate völlig von der Fähigkeit, vom Wissen und vom Durchsetzungsvermögen der Person ab, die eine solche Arbeit durchführt. Jedoch ist es möglich, Extra - Leistungsfähigkeit von Ihrer Lambretta mit entsprechendem Know - How zu erhalten. Ausrüstung, sind abgesehen von den normalen Werkzeugen, eine Bohrmaschine, Handbücher, verschiedene Feilen, ein hölzerner Stab von 1/4 Zoll Durchmesser, die Polierspindeln in unterschiedlichen Längen. Die Enden dieser Spindeln können gekerbt werden, um sie mit Streifen des Schmirgelpapieres zu umwickeln. Mit der Bohrmaschine können diese zum Polieren verwendet werden, was die Handarbeit beträchtlich verringert. Einige Blätter Schmirgelpapier in verschiedenen Rauhigkeiten sind auch erforderlich. Anmerkung - ich fand, daß der hölzerne Stab leicht bricht, also benutzte ich einen alten Zylinderbolzen mit abgeschnittenen Gewinden, an einem Ende gekerbt. Sauberkeit ist ein sehr wichtiger Faktor, wenn der Motor zusammengebaut wird. Alle Bestandteile sollten im Treibstoff gänzlich gewaschen werden und, wenn möglich, mit komprimierter Luft abgeblasen werden, um alle Partikel des Metallstaubes zu entfernen, die sich in irgendeiner unzugänglichen Ecke angesammelt haben. Wenn solche Partikel in Kontakt mit den internen Motorteilen der Maschine kommen, können nicht wiedergutzumachende Beschädigung daraus resultieren.


1. Einlasskanal.

Die Kanäle sollten mit den vorhin erwähnten Polierspindeln bearbeitet werden um das Benzin - Luft Gemisch ohne übermäßiges Hindernis passieren zu lassen. Wir sprechen gegenwärtig den Einlasskanal an. Der durch das entfernen von 1/8 Zoll der Kanalwand erweitert wird. Beachten Sie bitte dass der Kanal nur nach links und rechts ( horizontal ) erweitert werden darf. Achten Sie darauf, den Kanal nicht übermässig zu vergrössern da ansonsten die Gefahr besteht, dass der Kolben in den Einlass kippt. Erweitern Sie den Einlasskanal niemals nach oben oder unten da Sie dadurch die Steuerzeiten verändern und der Zylinder evtl. weniger Leistung als vor der Bearbeitung bringt. ( Sollten Sie ein Profi sein können Sie natürlich alle Steuerzeiten neu berechnen und Ihren Zylinder Race tunen ) Die gleichen Gesetze gelten beim Auslasskanal.

2. Überströmkanäle.

Die Überströmkanäle bringen das Benzin - Luft Gemisch vom Kurbelkasten in den Zylinder ( Der Weg ist folgender: Einlasskanal - Kurbelkasten - Überströmkanäle - Zylinder / Brennraum ) Der Winkel des Überstromkanals ( der sich am nächsten am Einlasskanal befindet) spielt selbstverständlich eine wichtige Rolle, weil er die Gase auf die richtige Position im Zylinder verweist. Deshalb wird wenn der Originalzylinder beibehalten wird, der Überstromkanal nicht erweitert, wir beschränken uns auf das Polieren und brechen von Kanten. Allgemein sollten alle scharfen Kanten die den Gasfluss behindern bzw. die Gassäule brechen mit Schmirgelpapier abgerundet werden ( zB. im Zylinder, alle Kanäle, Kolben ). Achten Sie aber darauf nicht zuviel Material zu entfernen da sich sonst evtl. die Steuerzeiten wieder verändern. Die Überströmkanäle lassen sich evtl. auf die Öffnungen des Zylinderhemdes anpassen, falls diese nicht übereinstimmen. Zylinder auf eine Motorhälfte stecken und den Überstand des Überstromkanals markieren, dann mit Feile oder Bohrmaschine entfernen. Es kann auch vorkommen das Sie am Zylinderhemd Material entfernen müssen falls die Überströmkanäle grösser sind als die Öffnungen im Zylinder.

3. Auslasskanal.

Die Maße des Auslasskanals sind bereits ausreichend, um mit dem Fluß der Abgase fertig zu werden und folglich ist die einzige Aufmerksamkeit, dem Vermeiden jeder möglichen Gußrauheit zu schenken. Wir können uns auf ein polieren beschränken, ausser sie haben wirklich grosses Wissen in Bezug auf Steuerzeiten. Dann können Sie sich vielleicht an eine Vergrösserung heranwagen. Eine Auslasskanaldichtung kann aus einem 1/16-Zoll - Kupferblatt gebaut werden. Diese ermöglicht dann den reibungslosen Übergang der Auspuffgase vom Auslasskanal zum Auspuff / Krümmer.

4. Kolben.

Montieren Sie die Kurbelwelle mit Kolben nur in einer Motorhälfte. Schieben Sie nun den Zylinder über den Kolben ( am besten ohne Kolbenringe ), so wie Sie Ihn normal montieren würden. Nun sehen Sie genau um wieviel das Kolbenhemd beim Zylinderhemd übersteht. Markieren Sie denn Überstand mit Filzstift oder ähnlichem und entfernen Sie Ihn mit einer Feile. Natürlich kann es auch sein das dass Zylinderhemd übersteht. Sie können auf die gleiche Weise wie oben beschrieben verfahren. Achten Sie immer darauf alle Grate zu entfernen.

5. Zylinderkopf.

Die Brennraumkomprimierung ist, selbstverständlich am wichtigsten und obgleich zufriedenstellende Resultate durch den Ausbau der Hauptdichtung erreicht werden können, ist es auch zulässig, 0,025 Zoll Material von der Dichtungsfläche des Zylinderkopfes zu entfernen. Wenn die Dichtung entfernt und der Kopf bearbeitet wird, ist es wichtig, den Abstand zwischen dem Zylinderkopf und dem äusseren Rand des Kolbens, d.h. nicht die Kolbenmitte, zu überprüfen. Der Abstand kann festgestellt werden, indem man eine kleine Menge Plasticine zwischen dem Zylinderkopf und dem Kolben einbringt. Denn Kolben einmal durchdrehen. Danach kann die Dicke des Plasticins gemessen werden. ( Funktioniert auch mit einem Stück Lötdraht ). Der Abstand zwischen den zwei erwähnten Bestandteilen sollte nicht weniger als 0,040 Zoll ( ca. 1,5 mm ) betragen.Dichtungen müssen wenn notwendig hinzugefügt werden, um den geforderten Abstand zu gewährleisten. Der Zylinderkopf kann auf einer Glasplatte, auf der mit zweiseitigem Klebeband ein Schmirgelpapier befestigt ist, bearbeitet werden. Vermutlich ist es besser am Zylinderkopf mehr Material abzunehmen und die originale Zylinderkopfdichtung beizubehalten, dadurch wird ein optimaler Abschluss von Zylinder und Kopf gewährleistet.

6. Kurbelwelle.

Eine Primärkomprimierung kann erreicht werden, indem sie die Hohlräume der Kurbelwelle und Ausgleichsbohrungen mit Aluminiummagnesium oder -Korken füllen. Da es einfacher, vom Gesichtspunkt des Eigentümers ist, Korken zu benutzen ( ein Flaschenkorken ist gut verwendbar ), gehen wir auf diese Methode ein. Kleben Sie den zurechtgschnittenen Korken mit Epoxidharz in die Kurbelwellenöffnungen. Vorher fettfrei machen. Beseitigen Sie die Überstände. Diese Massnahme ist allerdings nicht zu empfehlen, da der Korken sicher nach einer gewissen Zeit bricht. Die Leistungszunahme ist sicherlich auch nicht so gross. Die Methode sei der Vollständigkeit halber aber erwähnt.

7. Kurbelkasten.

Auch hier können wir uns darauf beschränken den Kurbelkasten zu polieren, bzw. den reibungslosen Fluss der Gase sicherzustellen.

8. Zündzeitpunkt.

Leistungsgesteigerte Motoren benötigen grundsätzlich ein paar Grad mehr Vozündung als Originale. Sie sollten dabei allerdings sehr vorsichtig vorgehen und sich an den Optimalwert für Ihren Motor heranzutasten. Da hilft manchmal nur Zündungsgrundplatte verstellen und jede Einstellung durch Ihr subjektives Gefühl erfahren. Bei zu viel Vorzündung dreht der Motor nicht mehr voll aus. Die korrekte Einstellung für den Unterbrecher, ist unterbrechen der Kontakte bei ca. 0,4 - 0.5 mm. Dieses kann mit einer Lehre, bei montiertem Polrad eingestellt werden. Bei einer Elektronikzündung ( kontaktlos ) entfällt diese Arbeit. Die Zündgrundplatte kann mit Hilfe einer Gradscheibe ( evtl. selbst bauen ), auf 22 Grad Vorzündung eingestellt werden.

9. Vergaser.

Grössere Vergaserdurchmesser bringen erfahrungsgemäss guten Leistungszuwachs. Je grösser der Durchmesser desto höhere Drehzahlen können erreicht werden. Allerdings sollte immer ein Optimum zwischen Vergasergrösse und anderen Messwerten wie Hubraum, gewünschter Höchstdrehzahl, Verbrauch, Zylindertuning, verwendeter Auspuff gefunden werden. Für einen 200 ccm Standardzylinder der mit dem in diesem Artikel beschriebenen Tuningmassnahmen bearbeitet wurde, ist ein Vergaser mit 24 mm Durchmesser optimal. Der Standardvergaser ist mit angepasster Bedüsung aber auch zu gebrauchen. Die Bedüsung sollte auch " erfahren " werden. Grundsätzlich, immer mit einer grossen Düse beginnen und nach unten an den Optimalwert herantasten. Ist die Düse zu gross, stottert der Motor in hohen Drehzahlen bzw. dreht nicht aus. Eine zu kleine Düse macht sich bemerkbar, wenn das Gas ganz aufgemacht wird und der Roller nur wiederwillig beschleunigt. Wird der Choke bei Vollgas gezogen und der Roller beschleunigt, dann ist die Düse auch zu klein gewählt. Bei grösseren Vergasern ist bis 2/3 Gas die Leerlaufdüse für die Gemischaufbereitung verantwortlich. Nach einer gewissen Fahrzeit ( ca. 5 Km ) mit der besten Düse können Sie die Zündkerze kontrollieren. Ist die Zündkerze verrusst, dann haben Sie den Vergaser zu fett eingestellt. Die Zündkerze sollte bei optimal eingestelltem Vergaser und Zündung hellbraun sein.

10. Zahnräder.

Es sollte immer darauf geachtet werden ein möglichst grosses Primärzahnrad zu verwenden, um die Kupplung zu entlasten. Die für Ihren Motor optimale Übersetzung lässt sich aus Tabellen ablesen, die zB. im Lambretta Katalog des " Scooter Center Köln " abgedruckt sind ( Adresse unter Links ). Sollten Sie Ihren Motor nur mit den hier beschriebenen Massnahmen überarbeiten, können Sie bestimmt auf eine längere Übersetzung verzichten und das Original beibehalten.


Abschliessend sollte bemerkt werden, dass dieses Tuning auf jeden Zweitaktmotor angewendet werden kann, der Leistungszuwachs sich aber im Rahmen halten wird. Hauptsächlich geht es hier um eine Optimierung der Gasannnahme - Gaswechsels, und um eine Verbesserung der Zuverlässigkeit, was sich in einem zeitgemässerem Fahrverhalten speziell bei alten Rollern zeigt. Natürlich sind diese Massnahmen auch Grundlage für ein weiterführendes Tuning zB. mit Rennzylindern, Rennauspuffanlagen usw. Hier macht sich ein sauberes Feintuning sehr wohl bemerkbar und eure Tuningkomponenten geben Ihre volle Leistung.
Falls sich jemand mehr Informationen zum Zweitakttuning wünscht dem sind die Bücher " Zweitakt - Motoren Tuning " Teil 1 und Teil 2 von Christian Rieck empfohlen.


Scooter "Zweitakt - Motoren - Tuning / Teil 1"
Autor: Christian Rieck, ISBN NR.: 3924043256  

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Scooter "Zweitakt - Motoren - Tuning / Teil 2"
Autor: Christian Rieck, ISBN NR.: 3924043248  

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