12.06.1999.....dieses
Datum werden wir so schnell nicht vergessen!

Der entscheidende Moment noch
einmal zum miterleben:

Download: Radioreportage des
Elferschiessens im WAV-Format; 8,14 min (1,19 MB)
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Jubel in Berlin:
Die Mannschaft kurz nach dem Spiel

Christoph Dabrowski mit dem Pokal

Andree Wiedener und Andi Herzog
mit dem "Pott"

Und beim Empfang in Bremen:
Pokalheld Frank Rost

Trainer Thomas Schaaf

Dieter Eilts, Andree Wiedener und
Frank Rost vor den ca. 30.000 begeisterten
Zuschauern vor dem Rathaus

Originalberichte vom 14.6.1999:
Berlin/Bremen - Die
Niederlage des Lieblingsgegners genoß der neue
deutsche Pokalsieger Werder Bremen fast mehr als
den eigenen Triumph. "Immer nur Bayern,
Bayern, Bayern, ich kann es nicht mehr hören. Es
tat so gut, den Bayern kontra geben zu können",
sprudelte es aus "Pokalheld" Frank Rost
heraus. Mehr als eine Stunde war seit dem
entscheidenden Fehlschuß von Lothar Matthäus
vom Elfmeterpunkt vergangen, und noch immer
blitzten die Augen des 25jährigen so kämpferisch
wie noch nie in seiner Karriere.
Und selbst als sich die Hanseaten
weit nach Mitternacht zum Dinner in einem
Berliner Nobelhotel zurückgezogen hatten, spukte
das bajuwarische Feindbild noch in den Köpfen
der Sieger herum. "Der Effenberg war beim
Elfmeter ja so unglaublich lässig, ein Anfängerfehler.
So kann ein Käfer eben auch gegen einen Ferrari
gewinnen", dozierte Manager Willi Lemke genüßlich,
und selbst Andreas Herzog, einst zwölf Monate
lang beim Rekordmeister unter Vertrag, kannte
keinerlei Mitleid mit den Ex-Kollegen: "Die
Bayern haben eh' genug Titel gewonnen."
Stimmung war nicht zu trüben
Selbst ein übereifriger
Sicherheitsbeamter, der den Eltern von Pokalheld
Rost den Eintritt verwehrte, konnte die
ausgelassene Stimmung kurzzeitig trüben. Nur
Herzog konnte sich an den fröhlich-beschwingten
grün-weißen Tänzen quer durch alle Säle nicht
beteiligen: "Mein Pferdekuß ist verdammt
schmerzhaft."
Am Sonntag bereiteten mehr als 30.000
Fans den Werder-Pokalhelden vor dem Rathaus der
Hansestadt einen triumphalen Empfang. Rund 16
Stunden nach dem 5:4-Erfolg im Elfmeterschießen
genossen die Bremer sichtlich das Bad in der
Menge. Gegen 14 Uhr erschienen Spieler und
Trainer auf dem Balkon des Rathauses, um in den
allgemeinen Freudentaumel einzutauchen. Fahnen
und Trikots färbten den Domshof, die "gute
Stube" Bremens, in grün-weiß - aus
tausenden Kehlen ertönte es: "Steht auf,
wenn Ihr Bremer seid."
Bürgermeister im Siegestaumel
Auch Bremens Bürgermeister
Henning Scherf war nach dem ersten Titel für
Werder seit dem Pokalsieg 1994 schier aus dem Häuschen:
"Das war eines der größten Fußball-Feste,
die ich je erlebt habe. Der Sieg für Werder war
natürlich die Krone", so der SPD-Politiker,
der sich zur Feier des Tages grün-weiße Farbe
ins Gesicht gemalt hatte.
Immer wieder wurden die Spieler,
die sich zwischenzeitlich in das Goldene Buch der
Stadt eingetragen hatten, zurück auf den Balkon
gerufen. "Das wird noch hart, ich habe in
der letzten Nacht nur eine Stunde geschlafen",
scherzte Keeper Rost, der mit seiner Parade beim
Elfmeterschuß von Lothar Matthäus den Triumph
perfekt gemacht hatte.
Eilts dachte ans Karriereende
Nur einer war ein wenig
nachdenklich. Werder-Kapitän Dieter Eilts machte
sich Gedanken über die Zukunft. "Das ist
nicht der schlechteste Moment, um aufzuhören.
Ich werde mir in den nächsten Tagen Gedanken über
meine Zukunft machen." Trotz des Pokalsieges
zeigte er sich von der vom Abstiegskampf geprägten
Saison gezeichnet: "Ich möchte nicht, daß
es irgendwann heißt, der Eilts bringt es nicht
mehr. Da höre ich lieber vorher auf."
Was die gerade beendete Saison
angeht, konnten die Norddeutschen in Berlin eine
eigentlich völlig verkorkste Saison vergessen
lassen. Drei Trainer binnen sieben Monaten,
wochenlanger Abstiegskampf, Rücktritt des Präsidiums
- beim Schlußpfiff von Schiedsrichter Jürgen
Aust (Köln) war alles vergessen.
Ende einen langen Durststrecke
Dabei hatte besonders die ungewöhnlich
innige und von beiderseitigen Tränen begleitete
Umarmung von Mannschaftskapitän Eilts und dem
scheidenden Präsidenten Dr. Franz Böhmert, der
aber als Vorsitzender des neuen Aufsichtsrats
gehandelt wird, immense Symbolkraft. Der erste
Titel für die Grün-Weißen vier Jahre nach dem
Ende der Bremer Rehhagel-Epoche war das Ende
einer langen Durststrecke und soll die Initialzündung
zu einer Rückkehr in die Bundesligaspitze sein.
Den Weg dorthin weisen wird Thomas
Schaaf, obwohl die Weiterverpflichtung des
derzeitigen Interimscoach erst in den nächsten
Tagen nach der Zusammenstellung des designierten
Aufsichtsrates offiziell werden wird.
Lemke denkt an Abschied
Nur einer dachte im Olympiastadion
trotz oder gerade wegen des frischen Pokalruhms
an Abschied: Manager Willi Lemke will sich erst
nach der Außerordentlichen Mitgliederversammlung
am 30. Juni und der Verpflichtung eines
Sportdirektors entscheiden, ob er für sich beim
gerade 100 Jahre alt gewordenen Traditionsklub
noch eine Zukunft sieht. Die Bremer SPD buhlt
ebenso um die Dienste ihres einstigen Landesgeschäftsführers
wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB), falls ihm
die Ausrichtung der WM-Endrunde 2006 übertragen
werden sollte. Wenn überhaupt, will sich Lemke
nur langfristig an Werder binden: "Ich rede
ausschließlich über einen Vierjahresvertrag."
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