Extremes Wetter als Folge anthropogenen Klimawandels?




Heinrich Röck
Extremes Wetter als Folge anthropogenen Klimawandels?
Abstract:
The man-made greenhouse-effect of CO2 is not measurable. By applying certain hypothesis it can be modelled and calculated, what is and must be open to doubt. Higher frequencies and greater intensities of weather-extremes are considered to be caused by human-induced climate change based on the man-made hypothetical CO2-greenhouse effect. The statistics of extreme weather events do not substantiate this notion. Climate-activists interpret extreme weather-events in an alarmist unserious manner. Climate-change has been and will be going on forever. The period of our instrumental observation of weather and climate is short (30 to 200 years) in comparison to the long-term (50 to 5.000 years) variability of many natural phenomena. Probably the man-made greenhouse-effect is overestimated and natural climate variability as well as aerosols are played down.

Zusammenfassung:
Der anthropogene Treibhauseffekt des CO2 ist nicht messbar; er ist mit Anwendung bestimmter Hypothesen modellier- und berechenbar, woran man zweifeln soll und darf. Angebliche Häufungen und größere Intensitäten extremer Wetterereignisse werden auf den infolge des hypothetischen CO2-Treibhauseffekts bereits eingetretenen, von der Menschheit verursachten Klimawandel zurückgeführt. Die Statistiken extremer Wetterereignisse bieten dafür keine schlüssigen Anhaltspunkte; Umweltaktivisten interpretieren einzelne Extremereignisse in unseriöser, Furcht erregender Weise. Das Klima unserer unsicheren Welt war und ist immer im Wandel. Die Zeitdauer unserer nicht flächendeckenden instrumentellen Beobachtungen von Wetter und Klima ist zu kurz (30 - 200 Jahre) im Vergleich zur langfristigen (50 bis 5.000 Jahre) Variabilität vieler natürlicher Phänomene. Wahrscheinlich werden der anthropogene Treibhauseffekt überschätzt und die natürliche Klimavariabilität sowie die Aerosolwirkungen unterschätzt.

1. Elbe-Hochwasser 2002, Klimawandel
Die Regenfluten im Einzugsgebiet der Elbe im August 2002 und das folgende Hochwasser waren ein Extremereignis im Ablauf des Wetters. Sauer (1) berichtete über dieses Elbe-Hochwasser - ein altes Phänomen - und zitierte den Leipziger Meteorologen Mudelsee, der davor warnt, in diesem Unglück einen Beleg für einen von Menschen gemachten Klimawandel zu sehen. Die Natur produziere von sich aus von Zeit zu Zeit Katastrophen. Statistische Analysen zeigen, dass in den letzten 150 Jahren die Häufigkeit von Sommer-Hochwassern an Elbe und Oder nicht zugenommen hat; Hochwasser im Winter sind sogar seltener geworden. Langfristige und gelassene Betrachtung ist notwendig, siehe (70).

„Bis heute unübertroffen ist das Elbe-Hochwasser Ende Juli 1342. Diese Jahrtausendflut soll beispielsweise in Meißen in der Franziskanerkirche die Altäre überstiegen haben, wäre also um einiges höher gewesen als die jüngste Überschwemmung, die Meißens historische Altstadt schwer getroffen hat. Einzigartig war allerdings die regionale Ausdehnung der Unwetterkatastrophe von 1342, die etwa daran ablesbar ist, dass auch an Main, Donau und Rhein Brücken zerstört wurden. Viele Städte und Dörfer wurden von den anschwellenden Wassermassen, wie jüngst wieder erlebt, schlagartig getroffen. Auslöser war eine Großwetterlage, wie sie ähnlich in den Julimonaten 1897, 1927, 1997 und nunmehr im August 2002 aufgetreten ist. Die katastrophalen Auswirkungen des Hochwassers von 1342 lassen sich nicht nur an manchen impressionistischen Berichten spätmittelalterlicher Chronisten ablesen, die stets mit kritischer Vorsicht zu betrachten sind, sondern sie finden ihre Bestätigung in Untersuchungen der Landschaftsökologie. Die starken Niederschläge im Juli 1342 haben zu beträchtlichen Bodenerosionen geführt, die sich in den Schwemmfächern zahlreicher Flüsse und Bäche niedergeschlagen haben. Um das ganze Ausmaß der damaligen Katastrophe zu erfassen, muss man sich vergegenwärtigen, dass es das moderne Problem der Bodenversiegelung, das die Wirkung der Niederschläge noch steigert, vor dem 19. Jahrhundert praktisch nicht gegeben hat." Leserbrief Dr. Bünz (2). Dieses Jahrtausendhochwasser erwähnt Glaser (68): „Nach dem außergewöhnlichen Hochwasser, das bis zu 14 m tiefe Schluchten gerissen hatte und die ganze Landschaftsoberfläche veränderte, brach, nachdem die gesamte Ernte zerstört war, eine Hungersnot aus."

Die maximalen Pegel, maximalen Wassermengen pro Sekunde, maximalen Niederschläge pro Tag, Einengung der Abflüsse durch Bebauung, Verdichtung der Böden, die Wasserstände in den Talsperren, alle diese und noch andere Faktoren sind bei der Beurteilung von Flutrisiken zu berücksichtigen, wie es Becker und Grünewald (3) am Beispiel der letzten Überschwemmung von Dresden durch die Elbe aufzeigen: 2002 waren es max. 4.680 m3/s und max. 9,4 m in Dresden; 1845 sollen es max. 5.700 m3/s und max. 8,8 m gewesen sein. Der Beitrag (3) in Science wird illustriert durch das Photo eines von den Fluten umtosten, einsturzgefährdeten Wohnhauses in einem Erzgebirgsort. Im Einzugsgebiet der Weißeritz fielen 312 mm Regen in 24 h und 406 mm in 72 h, was die physikalisch maximal möglichen Niederschläge knapp unterschreitet. Die Weißeritz suchte sich dann im Bereich des Dresdener Hauptbahnhofs ihre alte Überflutungsfläche und bahnte sich einen Weg in und durch die Stadt. Die zivilisatorische Einengung des Abflusses führte zur Durchströmung des Bahnhofportals beim Hochwasser 2002.

Die Hochwasserschäden in der Schweiz werden erst seit 1972 systematisch und von Amts wegen erfasst. Die Unwetterstatistik 1972 bis 1996 zeigt, dass Unwetter nicht häufiger auftreten als früher, doch hat die Erstellung von Bauten in altersher bekannten Gefahrenzonen in den letzten Jahren zu einem sprunghaften Anstieg der Schadenkosten geführt, wie Röthlisberger (4) feststellt. Über die genannten 25 Jahre ermittelt er Schadenkosten von 30 Franken pro Schweizer und Jahr. In der Schweiz sind keine Häufungen von Katastrophen infolge einer Klimaerwärmung nachweisbar; Vischer (5). Röthlisberger (4) erwähnt einen extremen Murgang im Val Varuna bei Poschiavo im Jahr 1672, der sich 1834, 1839, 1842, 1845, 1855, 1928 und 1987 wiederholte. War die Häufung in 1834 bis 1845 die Folge eines Klimawandels? Ursache des ersten historisch belegten Murgangs des Varuna-Bachs 1672 soll angeblich eine Frau gewesen sein, die dann auch prompt bei einem Hexenprozess für diese „Untat" verurteilt wurde.

Eine schweizerische Untersuchung (in (4) beschrieben auf Basis von (67)) von 122 Hochwassern aus den vergangenen fünf Jahrhunderten stellt deutlich gewisse zeitliche Konzentrationen und Schwerpunkte im Unwettergeschehen der Schweiz fest. Vergleicht man die Hochwasserhäufungen mit den jeweiligen Klimaphasen, so erkennt man allerdings keine klaren Zusammenhänge und auch keine Periodizität. Häufungen von Hochwassern können in allen Klimaphasen vorkommen, sowohl in kalt-kühlem, verschlechtertem Klima, als auch in Perioden kontinentalen Klimas und in Wärmephasen. Das Unwettergeschehen hält sich also an keine starren Regeln, ein empirisches Indiz, dass eine Klimaerwärmung nicht unbedingt auch eine Häufung schwerster Unwetter mit sich bringen muss, wie heute gerne extrapoliert wird (3), (17).

Pfister (67) schrieb für die Schweiz eine Wetternachhersage über 500 Jahre, über die beobachteten Klimavariationen und Naturkatastrophen. Glaser (68) berichtete über 1.000 Jahre der Klimageschichte Mitteleuropas: Wetter, Klima, Katastrophen. Glaser (68) fasste zusammen (S. 209): „Die Veränderlichkeit ist das Wesensmerkmal des mitteleuropäischen Klimas. Es gibt keinen als normal zu bezeichnenden Zeitabschnitt, in dem nicht auch die unterschiedlichen Extreme aufgetreten wären. In den letzten 1.000 Jahren sind das Wärmeoptimum des Mittelalters, die kleine Eiszeit und das moderne Wärmeoptimum erkennbar, letzteres mit vor allem im Winter und nachts erhöhten Temperaturen. In allen Phasen gab es in einzelnen Jahren immer wieder Extreme, die man ohne Kenntnis der Klimaentwicklung der letzten tausend Jahre vorschnell als neuartig einstufen würde. Es existiert eine deutlich höhere natürliche Variabilität im Auftreten von Klimakatastrophen als die aktualistische Betrachtung erkennen lässt (S. 208)."

Kasten 1:
Auszug (gekürzt) aus dem Buch von Stehr und von Storch (66) Kap. 4.1 Ideengeschichte der Klimaänderungen, S. 61 bis 67.
Zu Beginn der Verwissenschaftlichung der Klimaforschung, also gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, waren Themen der Klimaveränderung zunächst weitgehend vernachlässigt. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Fragestellung der Klimavariabilität in historischer Zeit - vor allem aufgrund der Beobachtungen und Analysen von Eduard Brückner - zu einer wichtigen Forschungsaufgabe. Allerdings rückte sie bald wieder in den Hintergrund. Erst in unseren Tagen ist die Problematik möglicher Klimaveränderungen und ihrer Ursachen wieder zu einem der zentralen Objekt der Klimaforschung geworden.

Wir sind heute mit der Tatsache konfrontiert, dass die intensive und kontroverse Diskussion über eine von Menschen verursachte, globale Klimaveränderung nicht nur unter Wissenschaftlern, sondern auch in der Öffentlichkeit stattfindet. In diesem Zusammenhang ist der Begriff „Treibhauseffekt" heute Allgemeingut. Unter Wissenschaftlern zeigt man sich sehr beunruhigt, appelliert zum Teil direkt an die Öffentlichkeit und warnt vor einer bevorstehenden Klimakatastrophe. Man gewinnt den Eindruck, als handele es sich hier um eine völlig neue Auseinandersetzung. Tatsächlich ist dies nicht der Fall.

Eine ähnliche Diskussion unter Wissenschaftlern fand vor hundert Jahren statt, als einer Anzahl von Klimatologen klar wurde, dass sich unser Klima nicht nur in geologischer Zeit, sondern auch in Zeiträumen von Jahrhunderten und Jahrzehnten verändert. .....

Einige Wissenschaftler der damaligen Zeit appellierten, wie auch heute, direkt an die Öffentlichkeit und verlangten Maßnahmen, die man heute als Klimapolitik oder Klimaschutz bezeichnen würde. Weitere Klimaveränderungen mit negativen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen sollten verhindert werden. Andere Wissenschaftler waren dagegen überzeugt, es handele sich um natürliche Schwankungen des Klimas, die möglicherweise mit irgendwelchen kosmischen Prozessen in Verbindung stünden und an die sich die Gesellschaft „anpassen" müsste.

Eduard Brückner (1863 - 1927) war langjähriger Lehrstuhlinhaber für Geographie an der Universität Wien. .....

1890 veröffentlichte Brückner sein Hauptwerk „Klimaschwankungen seit 1700". Aus den Schwankungen des Wasserspiegels des größten abflusslosen Sees der Welt, dem Kaspischen Meer, schloss er, dass die beobachteten Veränderungen eine klimatische, 35jährige quasi-periodische Ursache haben müssen. Maxima des Wasserspiegels sind danach Ergebnis kühler und feuchter Witterung, während die Minima durch eine trockene und warme Witterung verursacht werden. In einem weiteren Schritt analysierte Brückner den Zusammenhang von Regenfall und den damit in Verbindung stehenden Wasserständen auf der globalen Skala. Er fand, dass die säkularen Schwankungen in allen Regionen der Welt stattfinden. Brückner betonte, dass die Ursache der von ihm konstatierten Quasiperiodizität unklar sei.

Brückner interessierte sich sehr für die ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Folgen der Klimaschwankungen. Er befasst sich mit Fragen des Einflusses der Klimaveränderungen auf Wanderungsbewegungen, Ernteerträge und Handelsbilanzen sowie auf die Gesundheit und die Veränderungen im internationalen politischen Machtgefüge. .....

Brückner publizierte seine Forschungsergebnisse in mündlicher und schriftlicher Form. Er wandte sich in Vorträgen und Zeitungsaufsätzen sowohl an die Öffentlichkeit als auch an Berufsgruppen, die von den Klimaschwankungen besonders betroffen waren, wie zum Beispiel die Bauernschaft. Seine Überlegungen wurden in der zeitgenössischen Presse diskutiert. .....

In mancher Hinsicht war die Situation Ende des vergangenen Jahrhunderts mit der heutigen vergleichbar: Den Naturwissenschaftlern wurde zunehmend deutlich, dass das Klima nicht konstant ist, sondern sich in Zeiträumen von Jahrhunderten und Jahrzehnten signifikant verändert. Gleichzeitig wurde man sich darüber klar, dass sich das Klima sowohl systematisch als Reaktion auf menschliches Verhalten als auch zeitlich begrenzt aufgrund natürlicher Prozesse verändern kann. Die Ursachen für die natürliche Klimavariabilität waren unbekannt. Spekulative Hypothesen machten etwa eine unterschiedliche Sonneneinstrahlung oder andere „kosmische" Prozesse verantwortlich. In einer der gegenwärtigen Situation durchaus vergleichbaren Reaktion machte eine Anzahl von Wissenschaftlern den Fehler, relativ langsame natürliche Klimaveränderungen als Indikatoren für systematische Schwankungen zu deuten. Beispielsweise interpretierten einige Wissenschaftler die von Brückner beschriebenen Schwankungen als Folgen von Entwaldungen und anderen Modifikationen der Landoberfläche.

Angesichts der Tatsache, dass die Klimaverhältnisse einen erheblichen Einfluss auf bestimmte Wirtschaftszweige und gesellschaftliche Institutionen haben, sahen sich die Wissenschaftler damals wie heute vor die Frage gestellt, ob sie die Öffentlichkeit nur informieren oder vielmehr vor den anstehenden Klimaschwankungen warnen sollten. .....
Brückner fühlte sich ethisch verpflichtet, sich direkt an die Öffentlichkeit zu wenden. Im Gegensatz zu besonders umweltbewussten, „aktivistisch" orientierten Wissenschaftlern der Gegenwart verlangte Brückner allerdings keine bestimmten politischen Maßnahmen zum Klimaschutz. .....

Die Verfechter der These von anthropogenen Klimaveränderungen im vergangenen Jahrhundert hatten in der Tat einen gewissen Einfluss auf die öffentliche Verwaltung und die Politik. In einer Reihe von Staaten wurden von Regierungen und Parlamenten Untersuchungskommissionen gegründet, um sich mit der Problematik des Klimawandels auseinanderzusetzen. .....

Das wachsende populärwissenschaftliche Genre der Klimaforschung bzw. die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Klimaproblem sind nicht neu. Heute wie vor 100 Jahren hatten die in diesen Diskussionen engagierten Wissenschaftler deutlich verschiedene Selbstverständnisse. Auch macht man nicht erst heute auf die mit den Daten verbundenen Unsicherheiten und Ungewissheiten in der Prognose von Klimaschwankungen aufmerksam. Heute meinen viele Beobachter, dass die globale Perspektive einen neuartigen Ansatz darstelle. Dies ist unzutreffend. Wie unser Fall demonstriert, prognostizierten Wissenschaftler schon Ende des 19. Jahrhunderts globale Umweltveränderungen. Für Brückner stand fest, dass unser Klima ein globales System ist und global wirksamen Schwankungen ausgesetzt ist.


Das Phänomen des El Nino / La Nina widersteht bis jetzt (Mai 2003) den Prognosetechniken der Klimamodellierer: Weder sie noch ihre Computer sahen La Nina vom April/Mai 2003 voraus; Kerr (6a). Ein Zusammenhang des Phänomens mit den bekannten Klimadaten scheint nicht zu bestehen; seine Variabilität beruht wohl auf einer uns unbekannten inneren Dynamik. Und im Juli 2003 war La Nina schon wieder gestorben, peinlich, peinlich (Kerr 6b), eine unglaubliche Wende. Für den Rest des Jahres nimmt man neutrale Verhältnisse an.

2. Politik, Bilder, Kanzlerworte

Extreme Wetterereignisse liefern eindrucksvolle Bilder: Das Auge des tropischen Wirbelsturms aus Satellitensicht. Windgepeitschte Palmen. Die zugehörige Überschwemmung in Mocambique mit verzweifelten Menschen auf Hausdächern. Die überspülten Hochwasserdämme an Elbe und Oder. Die Politiker in Gummistiefeln am Deichbruch. Die sengende Sonne über bleichen Gerippen in der verdorrten Steppe im Sahel. Die zu Skeletten abgemagerten Kinder mit großen traurigen Augen. Die Waldbrände auf der iberischen Halbinsel. Die flüchtenden Bewohner des Campingplatzes. Die Schneisen der vom Wintersturm Wiebke umgelegten Bäume. Muren und Lawinen in den Bergen. Das Bahnhofsportal mit dem herausdrängenden Wildbach. In den Fluten treibende Autos. - Das sind schlimme und beeindruckende Bilder, die eine unheimliche Macht über uns ausüben, die unsere Vorstellungen von der Welt und ihren Phänomenen prägen. Wir verwechseln unser Bild von der Wirklichkeit mit der Wirklichkeit selbst, vgl. Urban (7).

Politik wird mit Bildern gemacht. Die Bildfolgen von solchen natürlichen Katastrophen werden von Medien und der etablierten Klimapolitik missbraucht, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Forscher, Priester, Ökoaktivisten, Umweltminister behaupten: Die Zunahme der Stürme, Lawinen, Starkregen, Hitzewellen und Trockenheiten beweise, dass eine Veränderung des Klimas bereits eingetreten sei und laufend stärker werde. Wer anders als die Menschen der Industrieländer und der von ihnen verursachte zusätzliche Treibhauseffekt des CO2 könnte daran schuld sein. Damit folgen die Klimapolitiker absichtsvoll den bewährten Grundsätzen für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit: Linear vereinfachen, ständig wiederholen, gefühlsmäßig steigern. Nicht die Fakten prägen unsere Vorstellung von der Welt, sondern die Bilder, die wir uns von den Phänomenen machen (Epiktet, Urban (7)).

Die medial induzierte Bilderwelt in unseren Köpfen kann unser kritisches Nachdenken blockieren. Extremereignisse des Wetters bieten in der Klimadebatte die Möglichkeit zur hochgradigen Emotionalisierung, vgl. (8). So werden wir empfänglich gemacht für Schreckensszenarien eines globalen Klimawandels mit regionalem Würgegriff (9).

„Der Klimawandel ist keine prognostische Vermutung, er ist bittere Realität", das sagte Bundeskanzler Schröder nach dem Elbe-Hochwasser, August 2002. Der Kanzler folgte den Rezepten von Klima-Aktivisten, wie sie in einer Studie der KFA Jülich (siehe (10), (11), (8)) und von Schneider (dto.), Graßl (dto.) und Latif (12) empfohlen bzw. angewandt werden. Dabei kann man eine oder zwei Katastrophen schon brauchen (13). Nach Schönwiese (zitiert in (14)) ist das ungewöhnliche Wetter, das das Elbhochwasser auslöste, nicht unbedingt mit der anthropogenen Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gekoppelt. Doch er meint, einige Fehlinterpretationen in Kauf nehmen zu können, wenn die Überschwemmung eine größere öffentliche Aufmerksamkeit für die potenziellen Gefahren der globalen Erwärmung bewirkt. So äußerte sich auch Tickel (13) in einem Editorial für Science am 2.8.2002:" Communicating the fact of climate change is a complex process involving political leadership, science, public pressure and even perhaps a useful catastrophe or two to illuminate the issues." Die gute Absicht (Rettung des Klimas) soll also rechtfertigen, dass nicht nur objektiv berichtet wird, sondern dass die Kommunikation einen politisch korrekten Drall, einen spin bekommt.

Pielke (15) analysierte die heutigen vielfältigen Verflechtungen von Politik, Umweltaktivisten und Wissenschaft: Letztendlich wird die Wissenschaft immer stärker politisiert. Ihre Ergebnisse dienen - mit passender Interpretation - den Zielen der Politiker (siehe (15)), darunter die Erringung und Erhaltung der Macht.

Das wurde zuletzt deutlich in der Diskussion der Planung der Klimaforschung der Regierung der USA (D. Malakoff, Science 301 (2003) 575): Die Administration sagt: Die Wissenschaftler sollen nicht Empfehlungen für die Politik geben sondern darlegen was wir gesichert wissen. Die Kritiker sagen: Die Regierung bauscht die Unsicherheiten im Klimawissen auf, besonders im Hinblick auf die natürliche Variabilität; das sei der Code für „die Erwärmung ist natürlich und nicht anthropogen". Zur gleichen Planung (1,7 Mrd. Dollar pro Jahr) berichtet G. Brumfield (Nature 424 (2003) 475), dass viele Wissenschaftler es als einen fundamentalen Fehler betrachten, wenn das Budget keine Mechanismen  zur Sicherstellung des Einflusses der Ergebnisse auf die Politik aufweise. Das noch in die Wissenschaft gesetzte Vertrauen wird von Politikern, Aktivisten und Mitarbeitern der Versicherungsindustrie verwendet für die Durchsetzung ihrer strategischen Absichten bzw. Marketingziele. Die Wissenschaft wird instrumentalisiert für die Ziele der Politik; sie zieht sich den Unwillen der Politik zu, wenn sie politisch unbrauchbare Ergebnisse abliefert. Hans Schuh (16) formulierte: „Politiker wählen ungeniert wissenschaftliche Berater so aus, dass garantiert das gewünschte Ergebnis herauskommt. Da verlottert Wissenschaft zum pluralistischen Steinbruch, aus dem sich jeder herausbricht, was ihm gerade beliebt."

Einen Rückblick auf die Klimadiskussion vor 100 Jahren bringen Stehr und von Storch (66), der auszugsweise im Kasten 1 dargestellt ist. Ruß war vermutlich schon damals klimawirksam.

3. Statistik und Prognose von Extremwetter
„Wenn der Klimawandel die Variabilitäten von Niederschlag und Temperaturen verringern würde, dann würde eine mittlere globale Erwärmung an der Oberfläche als Konsequenz eines erhöhten Treibhauseffekt nicht vielen Leuten Furcht einjagen (would not intimidate many people). Die Änderungen der Variabilität sind wichtiger als die Verschiebungen der Mittelwerte. Die Änderungen der Häufigkeitsverteilung von Wetterparametern als Funktion der Änderung des Mittelwerts müssen beobachtet bzw. modelliert werden." Dies ist ein im ersten Satz wörtliches Zitat (S. 1994) aus dem Übersichtsartikel von Grassl (17) „Stand und Verbesserungen gekoppelter Zirkulationsmodelle". Die Meteorologen des IPCC haben 1990 und 1995 die langfristigen statistischen Wetterdaten der „instrumentellen Periode" (leider nur 100 Jahre) durchgesehen mit dem Ergebnis, dass kein Trend einer größeren Häufigkeit und Heftigkeit von extremem Wetter erkennbar ist. Bengtson (18) hat dies im Jahr 2001 bestätigt. Kurzfristige (unter 30 Jahren) Betrachtungen führen in die Irre; die Vergangenheit zeigte seit 1900 keine Auffälligkeiten, vgl. Bild 1. Eine neuere Studie von Vinnikow und Robock (19) kommt für die letzten 100 Jahre zum gleichen Ergebnis.

Noren et al. (20) untersuchten die Sturmhäufigkeit über dem Nordosten der USA während der letzten 15.000 Jahre mit Hilfe von Binnensee-Sedimenten. Sie fanden einen Zyklus von etwa 3.000 Jahren. Zur Zeit sei der Trend dieses Zyklus positiv; derzeitige Zunahmen der Sturmhäufigkeit seien kein zuverlässiger Indikator für einen anthropogenen Klimawechsel. Moy et al. (21) fanden an einem See-Sediment-Bohrkern (Laguana Pallcacocha, Ecuador) heraus, dass die ENSO-Vorkommnisse seit 12.000 Jahren zunahmen bis vor etwa 1.200 Jahren, und dass 2.000-jährige Perioden relativ hoher und niedriger ENSO-Aktivitäten diesem Langfristtrend überlagert sind.

Kasten 2
Extreme Wetterereignisse: Beobachtete Veränderungen (in der 2. Hälfte des 20. Jhdts.) gemäß Darstellung im Summary for Policymakers in IPCC 2001, TAR, S. 4, 5, 15:

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die Häufigkeit von Starkregen in den mittleren und hohen Breiten der Nordhemisphäre um 2 bis 4 % zugenommen (66 bis 90 % Wahrscheinlichkeit). Während des 20. Jahrhunderts gab es global relativ kleine Zunahmen der Landflächen mit schweren Dürren oder schweren Überschwemmungen.

In Teilen von Asien und Afrika haben Häufigkeit und Intensität von Dürren zugenommen. Globale Änderungen der Häufigkeit und Intensität von Stürmen (in und außerhalb der Tropen) werden von interdekadischen bis multidekadischen Variationen bestimmt. Über das 20. Jahrhundert sind keine signifikanten Trends erkennbar.

Keine systematischen Änderungen der Häufigkeiten von Tornados, Gewittertagen oder Hagelvorkommnissen sind erkennbar für die wenigen untersuchten Gebiete.

IPCC meinte 1995, dass es unsicher sei, ob sich in Zukunft die Extremereignisse nach Intensität und Häufigkeit ändern werden. IPCC 1995, Bd. 2, S. 35 widersprach der Meinung einiger Mitarbeiter der Versicherungsindustrie, die einen Trend zu erhöhter Frequenz und Intensität extremer Wetterereignisse wahrgenommen haben wollten: In der langfristigen meteorologischen Analyse ist ein solcher Trend nicht erkennbar. Die Aussagen von IPCC 2001 zu Extremereignissen sind in Kasten 2 wiedergegeben. U.a. keine Zunahme der Zahl oder der Intensität von Stürmen, Taifuns, Hurricans, Tornados. Kasten 3 schildert Katastrophen im Chiemgau 1611 bis 1648 (siehe S.17). Pfister ((67), S. 245) kommentiert die extremen spätsommerlichen Überschwemmungen im Alpenraum, die unter natürlichen Bedingungen ausgeprägte langfristige Schwankungen aufweisen. Fest steht, dass sie primär durch natürliche Klimavariationen bedingt sind und nicht in erkennbarer Weise mit anthropogenen Einflüssen in Zusammenhang stehen. - An anderer Stelle weist Pfister (67) (S. 211) auf den Rückgang der kalten Anomalien 1976 bis 1993 hin. Stünden nur Ergebnisse der letzten 300 Jahre zur Verfügung, würde man kaum zögern, diesen Schwund der kalten Anomalien dem anthropogenen Treibhauseffekt zuzuschreiben. Es ist aber nicht zu übersehen, dass sich ein analoger Rückgang auch im 17. Jhdt. nachweisen lässt, in einer Periode eines rein natürlichen Klimas.

Als Beispiel einer Kurzfrist-Studie der Klimavariabilität während des 20. Jahrhunderts (der instrumentellen Periode, die nach Pfister (67) zu fast zwei Drittel auch eine Zeit des „Klimafriedens" ist) sei die Arbeit von Easterling et al. (46) genannt: sie bestätigt eine globale Erwärmung von etwa 0,5 °C, Änderungen zu einem intensiveren hydrologischen Kreislauf und die Zunahme von extremen Niederschlägen in den USA und Australien, immer über die Zeitspanne des 20. Jahrhunderts und im Vergleich zum ersten Drittel dieses Jahrhunderts, als das Klima „friedlich" war. Mit den weichen Aussagen des IPCC kann ein aktiver Klimapolitiker oder ein NGO-Aktivist nichts bewirken; wissenschaftlich sind sie richtig, politisch-marketingmäßig sind sie unbrauchbar. Wenn schon der kurzfristige meteorologische Rückblick auf das 20. Jahrhundert keinen brauchbaren, handfesten Trend liefert, dann muss man die auf Hypothesen und ungesicherten Vorgaben beruhende Klimamodellierung bemühen, um die zukünftigen Extrema dem sich ängstigenden, furchtbereiten Volk darzubieten. Das würde doch der überzeugende Beweis für die kommende anthropogene Klimakatastrophe sein, den die Katastrophenpropheten suchen. 1995 war man noch nicht so weit, mit den damaligen Klimamodellen vertretbare prognostische Aussagen zu machen.

Sechs Jahre später glauben Palmer und Raisinen (22) sowie Milly, Wetherald, Dünne und Delworth (23) weiter zu sein (Modellierung Monsun Südasien). Schnur (24) kommentiert diese Arbeiten: „Zwei neue Studien liefern Hinweise, die unser Vertrauen in die Vorhersage von extremen Regenfällen und Überflutungen vermehren". Unterstützt wird diese Aussage vom Aufmacher des Schnur'schen Kommentars, nämlich dem Photo einer überschwemmten Straße mit Ruderbooten unter Verkehrsampeln (Oregon City 1996). Ein solches Bild wird unsere Entscheidungsträger auf einen Blick eher überzeugen als die trockene wissenschaftliche Erörterung. Schnur (24) weist die Politiker darauf hin, dass die Klimamodelle mit der heute üblichen groben Auflösung von 200 x 200 km für die Vorhersagen von Wetterextremen ungeeignet sind; brauchbarer seien Auflösungen von einigen 10 km. Die Computer und ihr Betrieb für diese Rechnungen werden erheblich teurer sein als bisher. Im Spätsommer 2002 erhielt das Hamburger Klimarechenzentrum einen neuen 34 Mio. € teuren Superrechner, „nur" 100 x 100 km Auflösung, vgl. Cesin (25).

Das indische Monsun-Modell aus den 90er Jahren hat nach anfänglichen Vorhersage-Erfolgen in den letzten vier Jahren versagt, was den indischen Landwirtschaftsminister zu dem Bonmot veranlasste: „All die Supercomputer und Satelliten sind kein Ersatz für den Regengott", vgl. Bagia (26). - Abgesehen von der Frage der Auflösung stellt sich generell die Frage nach der Zuverlässigkeit der heute üblichen Klimamodellierung und nach der Richtigkeit der Modellierung des anthropogenen Treibhauseffekts.

4. Klima, Modellierung, Wolken, Wasser
Klima ist der 30-jährige Durchschnitt des täglich komplexen hochvariablen Wetters, Klima ist ein statistisches Konstrukt. Klima war, ist und wird immer im Wandel sein, auch ohne menschliches Zutun (64) (67) (68).

Also: Die Klimawechsel sind Realität. Viele kurz-, mittel- und langfristige Einflüsse sind am Werk. Wir messen heute die schlussendliche, summierte Wirkung dieser Einflüsse als Temperatur, Wind, Niederschlag u.v.a.m... Und wegen der geringen Zeitdauer unserer Beobachtungen interpretieren wir zu schnell eine 10- oder 20jährige Entwicklung als einen sich fortsetzenden Trend (gar mit modellierter anthropogener Ursache), obwohl es eine Schwingung (mit einer oder mehreren natürlichen unbekannten Ursachen) ist. Ein Beispiel dafür schildern Bryden et al (28). Im Frühjahr 2003 berichteten die deutschen Medien über einen von Rahmstorf beschriebenen Klimazyklus von 1.470 Jahren Periodendauer, der 23 Mal in den paläoklimatischen Daten erkennbar sei.

„Der Geograph Brückner (1895) ging als einer der ersten von der Annahme aus, dass sich das Klima verändert. Es gelang ihm, Zusammenhänge zwischen Klimavariationen, Gletscherschwankungen und der Konjunktur aufzuzeigen, die heute noch von Bedeutung sind. Aber als die Anomalien und Naturkatastrophen im frühen 20. Jahrhundert zurückgingen und eine Periode des ewigen Klimafriedens angebrochen zu sein schien, da wurden seine Überlegungen vergessen." Das ist ein wörtliches Zitat aus Pfisters Buch, S. 14 (67). Klima ist eine Angelegenheit, die geduldig und über lange Zeit beobachtet werden muss, nicht nur über zwei/drei Wahlperioden, auch nicht nur über ein/zwei Menschenleben.

Es ist anmaßend und unmöglich, einen gedachten idealen globalen Zustand des Klimas für immer und ewig erhalten und schützen zu wollen. Klimaschutz ist eine Leerformel der Politik. Wie will man etwas schützen, das in seinem Wirken nur partiell verstanden und kaum vorhersehbar ist? Damit ist es auch sehr offen, ob fragwürdiger Klimaschutz heute Hochwasserschutz für Übermorgen sein kann. Nur bei von Menschen verursachten Änderungen können wir sinnvoll eingreifen. Natürliche Änderungen müssen wir hinnehmen und uns anpassen.

Der Konsens von 90 oder 99% der Wissenschaftler ist kein Beweis für die Richtigkeit ihrer Hypothesen, ihrer Modelle und der darauf aufbauenden Prognosen. Was man nicht messen kann oder will, das kann man modellieren. Die Modellierung basiert auf Hypothesen, über deren Anwendbarkeit man diskutieren muss (Verifizierung, Falsifikation). Demokratische Politik basiert auf dem parlamentarischen Konsens. Hingegen ist Wissenschaft die kritische Methode der Suche nach Fehlern im etablierten Stand der Kenntnisse; das hat noch nie im Konsens funktioniert. Die konsensuale Meinung der vatikanischen Autoritäten war vor bald 400 Jahren nicht geneigt, die Beobachtungen von Galileo Galilei als richtig wahrzunehmen. (Damals existierten Modelle, die das geozentrische System stützten).

Die Klimamodellierung hat eine wesentliche Schwäche bei der Berücksichtigung der Wolken. Diese haben mit der Konzentration des Treibhausgases Wasser in der Atmosphäre (Wasserdampf), mit Stürmen, Regen, Hagel, Schnee, Überschwemmung zu tun. Und im Fall fehlender Wolken gibt es Hitzewellen, Dürre, Wassermangel. H. Volz (priv. Mitlg.) weist auf Fig. 7.2, S. 430 des Band 1 des IPCC 2001 hin. Dieses Bild (hier Nr. 2) belegt eine der wesentlichen Unsicherheiten bei der Modellierung der physikalischen Prozesse in der Atmosphäre: die Änderung des Strahlungshaushalts durch die Veränderung der Bewölkung bei Verdoppelung der CO2-Konzentration für neun renommierte Modelle. Volz schreibt: Die Modelle kommen trotz einheitlicher Vorgabe zu völlig unterschiedlichen und sich widersprechenden Ergebnissen: Sowohl abkühlende Wirkung als auch erwärmende Wirkung sind modelliert, noch nicht einmal beim Vorzeichen ist man sich einig. Die Veränderung des cloud radiative forcing reicht von -1,2 bis +1,8 W/m2 für die Verdoppelung der CO2-Konzentration der Luft. Zum Vergleich: Das modellierte CO2-radiative forcing für die Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre (2 x CO2) beträgt nach IPCC 3,7 W/m2. (Es wurde Ende der neunziger Jahre um 15 % nach unten korrigiert).

Die Vielzahl der zu modellierenden klimatologischen Prozesse wird heute physikalisch nicht hinreichend verstanden. Das wirkt sich insbesondere bei Wolken deutlich aus. Volz meint, dass unsere heutigen Klimamodelle für Langfristprognosen ungeeignet sind und dass die damit prognostizierten globalen Tendenzen einer anthropogenen Temperaturerhöhung wesentlich zu hoch sind (29). Malberg (30) weist darauf hin, dass die einseitige Ausrichtung der Klimadiskussion auf den CO2-Effekt ebenso fraglich ist wie die angebliche Dominanz des menschlichen Einflusses bei der Erwärmung seit 1850: Die Sonnenaktivität sei die Ursache dieser Erwärmung.

Modellierungen des europäischen Klimas von Christensen (31) zeigen, dass bei weiterem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und entsprechendem Anstieg der globalen Temperatur die Sommer heisser und trockener werden, dass aber Sommerniederschläge über weiten Teilen Europas heftiger werden. Das wäre erklärbar mit der stärkeren Aufnahme von Wasser durch die wärmere Atmosphäre infolge des höheren Dampfdrucks des Wassers: Clausius-Clapeyron-Gleichung für das Gleichgewicht flüssig-gasförmig; bei 20 °C bringt 1 °C Temperaturerhöhung 6,4 % mehr Dampfdruck, bei 30 °C 5,9%. Es entspricht der landläufigen Erwartung, dass in einem wärmeren Klima die Luft trockener und die Verdampfung von Wasser zunehmen wird. Paradoxerweise zeigen terrestrische Beobachtungen mit Verdampfungspfannen seit 50 Jahren das Gegenteil, vgl. Ohmura und Wild (32) sowie Roderick und Farquhar (33). Das ist ein kompliziertes, komplexes Gewebe von Argumenten und Gegenargumenten, bisher ohne Auflösung der Widersprüchlichkeiten.

Man sollte nie vergessen, dass Wasser das wirksamste Treibhausgas zum „Einfangen" der terrestrischen Strahlung ist, dass der Wasserdampf der Atmosphäre aber auch 10 bis 20 % der einfallenden solaren Strahlung absorbiert, vgl. Bernath (34) und Callegari (35), und dass der Latentenergietransport durch H2O wesentlich zur Kühlung der Oberfläche unseres Planeten beiträgt.

5. Klima, Modellierung, Treibhauseffekt CO2
„In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts bemerkten die Klimamodellierer die politische Schubkraft des anthropogenen CO2- Treibhauseffekts. Sie bauten in ihre damals noch rudimentären Atmosphärenmodelle eine CO2-Wirkung ein und siehe da, es kamen beim Verdoppeln des CO2-Anteils (2 x CO2) Erhöhungen der globalen Temperatur von 0,7 bis 9,6 °C heraus. Inzwischen trimmt man die Computersimulationen, koppelt die Atmosphärenmodelle mit Ozeanmodellen, mit Modellen des Kohlenstoff-Kreislaufs und den SO2-Emissionen/Sulfataerosolen, was vielfältige Steuerungsmöglichkeiten ermöglicht und die „Ausreißer" einfängt." So schilderte Gerlich (36) 1995 seine provokante Sicht der Klimadebatte und schloss: „Der CO2-Treibhauseffekt der Erdatmosphäre ist eine reine Fiktion von Leuten, die gerne große Computer benutzen, ohne physikalische Grundlagen."

Der springende Punkt in der gegenwärtigen Klimadiskussion ist, ob und in welchem Ausmaß die seit 100 Jahren beobachtete Erhöhung der globalen Temperatur auf natürliche oder menschliche Ursachen zurückzuführen ist. Neben der veränderten Nutzung der Landoberfläche der Erde, den Methan-, FCKW-, Distickstoffoxid-Emissionen, dem troposphärischen Ozon und den Aerosolen wird vor allem der zusätzliche von Menschen gemachte Treibhauseffekt des Kohlendioxids als Ursache diskutiert. Er ist nicht messbar; er wird modelliert mit Hilfe der im Labor gemessenen infrarot-spektrographischen Daten (HITRAN-Datenbank) und der Theorie des Strahlungstransfers in der Atmosphäre, vgl. Raschke et al. in (37), (38), (39), (40).

IPCC behauptete 1994 (41), dass der Treibhauseffekt des CO2 physikalisch real und gut verstanden sei: die Verdoppelung der CO2-Konzentration führe zu einer 10 bis 20 %igen Erhöhung des gesamten Treibhauseffekts des CO2. IPCC 2001 formulierte (Bd. 1, S. 22): The greenhouse effect is a natural feature of the planet, and its fundamental physics is well understood. Rahmstorf (42) interpretierte IPCC im September 2002: „Die Wirkung von CO2 ist physikalisch verstanden durch zahlreiche Messungen in Labor und Atmosphäre belegt und durch die Klimageschichte bestätigt".

Das Letztere ist ein notwendiges aber kein hinreichendes, bestätigendes Kriterium. Das Erstere (Messungen) steht im Widerspruch zur klaren Aussage von Raschke und Hollmann (39): „Der Treibhauseffekt selbst kann nur berechnet werden" (auf Basis „richtiger" Hypothesen und möglichst exakter Eingabedaten für solche Rechnungen). Niels Bohr meinte: „Physik ist die Fähigkeit, klar und deutlich zu sagen, was wir über die Natur wissen und nicht wissen". Vor allem das Letztere ist wichtig im Hinblick auf die umweltpolitischen Konsequenzen.

Zweifel am IPCC-Modell wurden u.a. von Hug (27), (43), Barrett und Hug (44), Dietze (45) und Volz (29) geäußert. Solche Zweifel machen eine um den Faktor 4 geringere anthropogene Erwärmung wahrscheinlich als sie von IPCC bis zum Jahr 2100 prognostiziert wird. Oder anders gesagt: Das radiative forcing für 2 x CO2 beträgt nur rund 1 W/m2. So plausibel eine Wirkung des CO2 prima vista erscheinen mag, so unsicher ist die hypothetische Modellierung des anthropogenen Effekts. Die mit dem IPCC-Modell berechnete Wirkung auf das Klima, die Klimasensitivität, könnte um den Faktor vier zu groß sein, u.a. aus Gründen der Vorsorge und auch der Ideologie.

Einige Befürworter und Zweifler des IPCC-Verständnisses des CO2-Treibhauseffekts trafen sich beim Sonderkolloquium der Dechema in Frankfurt am 11.10.2001, worüber Wiesner und Zellner (47) berichteten, sowie Gärtner (48) und Hauthal (49). Auch hier (47) wird die Kraft der Bilder verwendet: Rußwolken ausstoßende kubanische Industriekamine weisen auf die düsteren Gefahren des Treibhauseffekts hin; des Treibhauseffekts von Ruß? Ruß hat tatsächlich als Aerosol eine von IPCC vermutlich unterschätzte erwärmende Wirkung. Man vergleiche hierzu Menon et al. (50) sowie Chameides und Bergin (51) sowie Novakow, Ramanathan, Hansen et al. (52), die einen substantiellen Beitrag des anthropogenen Rußes aus der Nutzung fossiler Energien zur globalen Erwärmung vermuten auf Basis seiner modellierten Wirkungen, in der Größenordnung von 1/3 bis 1/2 des derzeitigen anthropogenen modellierten CO2-forcing.

Stadlbauer (53) befragte im April 2002 in einem Interview Befürworter und Zweifler der IPCC-Theorie des anthropogenen Treibhauseffekts (Raschke, Dietze, Hug, Barrett, Courtney). Graßl stellte in einem SZ-Interview am 21.10.2002 apodiktisch fest, dass es unter Wissenschaftlern keinen Streit über die Größe des von Menschen verursachten Treibhauseffekts gibt; das ist eine für Klimapolitiker brauchbare Aussage: Am anthropogenen Klimawandel gibt es keinen Zweifel.

Die Theorien, Berechnungen und Simulationen zur CO2-Wirkung im Klimasystem und generell zur Klimaproblematik müssen wegen der daran angeknüpften ökonomischen, weltpolitischen Konsequenzen (vgl. Röck (10) (11)) immer wieder kritisch hinterfragt werden. Die Eingabedaten müssen präzise und eindeutig sein (Spektren). Der simulierte Prozess sollte physikalisch klar verstanden und mathematisch ohne Rückgriff auf nicht gerechtfertigte Näherungen beschreibbar sein (Strahlungstransfer). Die Rechenergebnisse müssen mit hinreichenden Kriterien verifizierbar oder falsifizierbar sein. Diesen drei Forderungen (nach Volz, priv. Mitlg.) sollte man ohne ideologisch-politischen Eifer nachgehen; wir brauchen gesicherte Erkenntnisse (vgl. (10)).

Auch Raschke (37) rät zur Vorsicht: „Die heute beobachtete globale Erwärmung wird bereits von einem großen Teil unserer Gesellschaft als Ergebnis des zusätzlichen Treibhauseffekts betrachtet. Die vollständige Rechtfertigung dieser Annahme ist noch nicht möglich wegen unserer lückenhaften Kenntnisse über die beteiligten Prozesse und wegen unserer ungenügenden Fähigkeiten der Modellierung". Und wenn der Betrag des anthropogenen Treibhauseffekt des CO2 nur 1/4 des von IPCC modellierten ausmachen würde, dann wäre das fast ein „Freispruch für das CO2", wie ihn Thüne (54) wünscht. Siehe auch Malberg (30), der die Sonne als Ursache des Temperaturanstiegs seit 150 Jahren betrachtet.

Die Aerosolforscher haben im Mai 2003 erneut auf die von ihrem Forschungsgegenstand verursachten Ungewissheiten hingewiesen, Charlson, Heintzenberg et al. (55). Vogelmann et al. (69) beobachteten über der Japansee episodische infrared radiative forcings von 2 bis 9 W/m2. Die Größe und Unsicherheit des Aerosol-forcings wird bis heute in den Klimastudien ungenügend berücksichtigt.

Folgerungen über die Ursachen der oberflächennahen Erwärmung seit 150 Jahren und über die Klimasensitivität könnten deswegen fehlerhaft sein. Die natürliche Klimavariabilität könnte erheblich größer sein als sie in den derzeitigen Klimamodellen dargestellt wird. Der Fehler könnte sein, dass die natürliche Variabilität aus zu kurzen Beobachtungsperioden (z.B. von 1890 bis 1960, der Zeit eines vermeintlichen ewigen Klimafriedens (Pfister (67), siehe Kap. 4, S. 14) abgeleitet wird. Ein anderer, heute wahrscheinlich unterschätzter Faktor im Klimageschehen ist der Einfluss der Änderung der Landnutzung auf die Änderung der mittleren Oberflächentemperatur. Kalnay und Cai (56) ermittelten für die USA im 20. Jhdt. diese Wirkung mit 0,27 °C pro 100 Jahre, was doppelt so viel sei wie frühere Schätzungen. Die beiden Autoren korrigierten diese Zahl inzwischen auf 0,35 °C.

R. Pielke sen. et al. publizierten eine Studie, die aufzeigt, dass die Wirkungen der anthropogenen Landoberflächenveränderungen mindestens gleichbedeutend, wenn nicht bedeutender als die Wirkung des anthropogenen CO2 sind. (http://www.gsfc.gov/topstory/ 200209261andcover.html).

6. Fakten, Angst, Furcht, Politik, Ministerworte
Blättert man vom Artikel von Schnur (24) (siehe S. 10, Kap. 3) in der gleichen Ausgabe von Nature vierzehn Seiten weiter, so stößt man auf einen Beitrag von Doran et al. (57) über die starke gemessene Abkühlung des antarktischen Klimas seit 34 Jahren. Sie entspricht insgesamt und im jahreszeitlichen Verlauf nicht den aus Klimamodellen abgeleiteten Erwartungen einer Erwärmung. Lediglich die antarktische Halbinsel hat sich erwärmt, sogar schneller und stärker als von den Modellen berechnet. Das ist wohl einer der Gründe für das Aufbrechen des Larsen-B-Eisschelfs. Die durchschnittliche Abkühlung der Antarktis von zuletzt 1 °C pro Dekade wurde im betreffenden Heft von Nature nicht diskutiert, nicht mit Bildern unterlegt, also politisch totgeschwiegen. Es gab kein Bild eines Whiteouts (obwohl doch so einfach) mit der Schlagzeile „Am Südpol wird's immer kälter". Mir erscheint dies als selektive Wahrnehmung durch den vom Glauben an den Mythos der anthropogenen CO2-basierten Klimakatastrophe für Fakten blind gewordenen Teil der Menschheit. Die von Doran et al. (57) verwendete Methodik der Interpolation von Messwerten wurde von Turner et al. kritisiert (58); Doran et al. verteidigten ihre Methode als richtig (59).

Kasten 3
Extreme Wetterereignisse in der guten, alten Zeit. Auszug aus dem Büchlein von Ludwig Sailer „Trostberg, Stadt und Land im Spiegel der Geschichte", S. 55. Verlag Alois Erdl, Trostberg (1949) :

Pest, Musterung und Katastrophenjahre
Während Herzog Maximilian im Jahre 1611 ein Heer von 30.000 Mann am Inn und um Burghausen sammelte, brach auch in Trostberg die Pest aus, die viele Opfer forderte. Sie wurden jenseits der Alz auf dem Pestfriedhof beerdigt. Dennoch hatten die Reiter und Schützen aus der Umgebung am 17.10.1611 im Markte Trostberg zur Musterung zusammenzukommen. Am 18. Oktober mussten sie nach Burghausen und am 22. Oktober 1611 wurde die Stadt Tittmoning erstürmt. Nun folgten böse Katastrophenjahre, die der Übersicht halber im Zusammenhang gebracht sein sollen.
  • 1611 war ein so kalter Winter, dass der Chiemsee noch im März zugefroren war. Es fiel auch sehr viel Schnee.
  • 1614 fielen schwere Hagelschläge, die alles verwüsteten, so dass die Bauern nicht einmal „Haberbrot" zu essen hatten.
  • 1615 war ein so heißer Sommer, dass das Vieh vor Hitze umfiel.
  • 1622 setzte eine Inflation ein und entwertete das Geld. Eine große Teuerung begann. In diesem Jahre fing man an, kupferne Münzen zu schlagen. Es war nichts mehr zu bekommen.
  • 1626 war das Getreide durch Hagelschlag „schwer verderbt, auch den ganzen Sommer niemals warm gewesen und das wenige Draitt vor Reng und Wötter net eingebracht". Die armen Leute haben die „Gfeldblumen und harbolen und Bücheln gemalen und solches Brodt daraus" gemacht.
  • 1636 war ein so heißer Sommer, dass die Brunnen austrockneten. Die Hitze dauerte von März bis Juli, die Wälder und Moore brannten. Als der Regen am 2. August kam, war um Prien und Trostberg ein solcher Hagelschlag, dass es „Steine warf in der groß eines zweijährigen kindeshaubt". Das Vieh wurde auf dem Feld erschlagen. Der Chiemsee trat über die Ufer.
  • 1637 brausten schwere Windstürme über den Chiemgau hinweg.
  • 1641 fielen so schwere Regengüsse, dass ganze Häuser weggeschwemmt wurden.
  • 1642 war ein solches Hagelwetter, dass im Landgericht Trostberg alle Früchte zerschlagen wurden.
  • 1647 Am 12.07. ein ungeheures, siebenstündiges Gewitter; das Getreide wurde vernichtet. Hierauf regnete es sechs Wochen lang Tag und Nacht ohne Aufhören, so das viele glaubten, der jüngste Tag sei nahe
  • 1648 Vom 11.6. bis 29.9. regnete es stets. Der Inn war immer gewaltig angeschwollen und erschwerte so den Schweden den Übergang.
Diese Vorgänge sind Aufzeichnungen der Äbtissin von Frauenchiemsee, Magdalena Haidenbucher, entnommen, und dürfen daher als glaubwürdig angesehen werden mit Ergänzungen 1636, 47, 48 aus dem Werk (1850) von Ernest Geiß über ihre Tagebücher. Vgl. hierzu Pfister (67) und Glaser (68).


Umweltminister Trittin stellte fest, dass die extremen Wetterereignisse in Mitteleuropa zwischen dem 9. und 14. August 2002 die konsequente Quittung der Natur für die seit hundert Jahren betriebene Industrialisierung sei. Er meint damit die immer hemmungslosere Ausbeutung der Ressourcen unseres Planeten durch die Minderheit der Menschen der Industrieländer zum Nachteil der Umwelt und der großen Mehrheit der Menschen in den Entwicklungsländern. Solche liberale, globale, kapitalistische Wirtschaftspolitik werde in eine Klimakatastrophe führen, für welche prognostische Vermutung (Kap. 1 und 2) das Elbehochwasser als Beweis dienen möge. Das ist Angstmache, ideologisch folgerichtig, aber wissenschaftlich falsch. Politisch-ideologisch glaubt Schürch (61) „hinter angeblicher Umweltpolitik den großen sozialistischen Traum zu erkennen: ein internationales Abkommen (Kyoto-Protokoll) zur Kriminalisierung des wirtschaftlichen Erfolgs."

Die Folgen der Industrialisierung sind vielfältige - gute und böse. Seit 1850 wuchs die Weltbevölkerung enorm an, allein seit 1928 bis heute von 2 auf 6 Milliarden. Ist das gut? Ist das böse? Die steigende Lebenserwartung (best performance life expectancy) der Frauen in den Industrieländern ist eine wissenschaftlich belegte Quittung für die positiven Folgen der Industrialisierung (Oeppen, Vaupel (60)): Seit 160 Jahren stieg sie von 45 auf 85 Jahre, konstant um 3 Monate pro Jahr. Das ist eine großartige, nachhaltige Leistung der Menschheit! Vgl. Bild 3. Eine Quittung für anderthalbe Jahrhunderte Bemühungen um menschliche Wohlfahrt in den Industrieländern! Und dies trotz aller tatsächlichen (Kriege, Bevölkerungszunahme, Drogen, Aids) und vermeintlichen (Waldsterben, Chlorchemie, Dioxin, BSE, Atomtechnik) Katastrophen. Wir werden älter und immer älter, und wir alle sollten uns freuen über die geschenkte Zeit.

In der Öffentlichkeit ist jedoch fast nur die Finanzierung des Renten- und Gesundheitsystems das Thema. Kaum einer freut sich über unser längeres, gesünderes Leben, alle stöhnen über die derzeit unlösbare Finanzproblematik, obwohl das alles doch viel klarer vorhersehbar war und ist als das Klima. In Medien und Talkshows hört man die Feststellung „viele Menschen haben Existenzangst", oder die Frage „wieviel Angst müssen wir haben?". Und konkret: „Haben Sie Angst vor einer Klimaänderung?" Oder die symptomatische Medienschlagzeile „Bleibt die Katastrophe aus?"

Umweltpolitik wird bedauerlicherweise oft mit der Angst vor Katastrophen gemacht. Angst und Furcht sind unserem Bewusstsein aus Jahrtausenden Menschheitsgeschichte eingeprägte Leben erhaltende Gefühle, die im Übermaß lebensbedrohend sind. Angst ist das diffuse Gefühl der allgemeinen Bedrohung unseres Lebens in dieser unsicheren Welt; Furcht ist das Gefühl gegenüber einer identifizierbaren Gefährdung. Wer von Angst besessen ist, der entwickelt eine Süchtigkeit, eine Gier nach Furcht, in der ihm viele Dinge von Medien, Kirchen und Politik als Furchtobjekt verkauft werden können (vgl. Kirsch (62)), u.a. auch die von Menschen gemachte Klimakatastrophe. Die Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen in Deutschland vermitteln offensichtlich das positive furchtmindernde Gefühl, einer identifizierten Gefährdung entgegenzutreten. Doch sind sowohl die Gefährdung als auch die Wirksamkeit der Maßnahmen unsicher und bezweifelbar.

In Bezug auf die vertretungsweise Dingfestmachung (Proxy) des anthropogenen Klimawandels durch das Auftreten von Extremereignissen muss die Klimawissenschaft - bleibt sie seriös - die Politiker enttäuschen. Der Rückblick in die Vergangenheit (67, 68, 70) zeigt, dass extremes Wetter sich in Mitteleuropa in jeder Klimaphase der letzten tausend Jahre ereignete. Sowohl im warmen mittelalterlichen Optimum, als auch in der kalten kleinen Eiszeit traten jeweils enorme Starkregen mit fürchterlichen Hochwassern, als auch heiße Dürreperioden mit verheerenden Trockenheiten auf. Aus solcher Beobachtung der Vergangenheit ist eine Änderung der Häufigkeitsverteilung von Wetterparametern in einem wärmeren Klima nicht ableitbar, wie von Grassl (17) gewünscht (Kap. 3, Seite 8). Bleibt also die Modellierung mit ihren großen Schwächen und unendlichen Problemen, wie in Kap. 4 und 5 geschildert. Das Modellieren regionaler Klimata (10 x 10 km) scheint mit besonderen Schwierigkeiten verbunden zu sein; die Ergebnisse werden trotzdem von Ministern, Politikern und Aktivisten gerne verwendet wegen der modellierten katastrophalen Zukünfte. Wir müssen uns bemühen, den anthropogenen CO2-Effekt nicht über Zweifel beladene Proxies oder Modellierungen, sondern durch direkte einwandfreie Messungen zu belegen.

Dahrendorf (63) sagt: „Wir leben in einer Welt der Ungewissheit. Niemand weiß genau, was wahr und was gut ist. Darum müssen wir immer neue und bessere Antworten suchen. Das geht aber nur, wenn Versuch und Irrtum erlaubt, ja, ermutigt werden, also in einer offenen Gesellschaft (Popper), die wenn nötig verteidigt und jederzeit weiter entwickelt werden muss." Und beachten wir bitte die Worte eines weisen Menschen: Homo „sapiens", das ist eine Hoffnung, keinesfalls eine heute schon zutreffende Charakterisierung für uns. Die wesentliche ökologische Gefahr für die Menschheit ist das zu schnelle Wachstum ihrer Zahl und ihrer Bedürfnisse und der vergleichsweise zu geringe Zuwachs ihrer Vernunft.

Was ist zu tun?
Der anthropogene Treibhauseffekt muss mit einwandfreier, unbezweifelbarer Messung ermittelt werden. Seine Auswirkung im Klimasystem, die Klimasensitivität, muss „realistisch" und ideologiefrei modelliert werden.

Ich trete ein für die sparsame, effiziente Nutzung fossiler Energien, für die Verringerung der das CO2 begleitenden Emissionen (Ruß, NOx, CO) und für die in Zukunft vermehrte Anwendung erneuerbarer Energien, in beiden Fällen gemäß den Kriterien der Agenda 21, also der ökologischen, ökonomischen und sozialen Vertretbarkeit; ohne Aufblähung der Bürokratie, ohne CO2-Emissionshandel.




Bild 1
Drei historische Rückblicke über 100, 70 und 48 Jahre für drei Typen von extremen Wetterereignissen. IPCC 2001, Bd. 1. Oben: Jährliche Zahl der grösseren Hurricane über dem Nordatlantik (Fig. 2.37).
Mitte: Zahl der Hurricane pro Dekade, welche die USA von See her treffen (Fig. 2.37).
Unten: Zahl der Tornados in den USA (Windgeschwindigkeiten 70 bis 164 m pro sec) (Fig. 2.38).


Bild 2
Der nach 10 verschiedenen Klimamodellen berechnete Wolkeneffekt für 2 x CO2. IPCC 2001, Bd. l, S. 430, Fig. 7.2. Die Kürzel an der waagrechten Achse geben die Institute an, die mit ihrem Modell das cloud radiative forcing berechneten. Die schwarze Säule resultiert aus dem kurzwelligen (grau) und dem langwelligen (weiß) Effekt.



Bild 3
Die Lebenserwartung für Frauen in Norwegen, USA, Japan, Chile, Neuseeland. Die einzelnen Länderkurven haben als Umhüllung die Gerade der maximalen Lebenserwartung der Frauen unserer Erde (Fig. 2 aus (60)), ein großartiger Erfolg andauernder Bemühungen um die Wohlfahrt der Menschen der Industrienationen.


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