Abstract:
The man-made greenhouse-effect of CO2 is not measurable. By applying
certain
hypothesis it can be modelled and calculated, what is and must be open
to
doubt. Higher frequencies and greater intensities of weather-extremes
are
considered to be caused by human-induced climate change based on the
man-made
hypothetical CO2-greenhouse effect. The statistics of extreme weather
events
do not substantiate this notion. Climate-activists interpret extreme
weather-events
in an alarmist unserious manner. Climate-change has been and will be
going
on forever. The period of our instrumental observation of weather and
climate
is short (30 to 200 years) in comparison to the long-term (50 to 5.000
years)
variability of many natural phenomena. Probably the man-made
greenhouse-effect
is overestimated and natural climate variability as well as aerosols
are
played down.
Zusammenfassung:
Der anthropogene Treibhauseffekt des CO2 ist nicht messbar; er ist mit
Anwendung
bestimmter Hypothesen modellier- und berechenbar, woran man zweifeln
soll
und darf. Angebliche Häufungen und größere
Intensitäten
extremer Wetterereignisse werden auf den infolge des hypothetischen
CO2-Treibhauseffekts
bereits eingetretenen, von der Menschheit verursachten Klimawandel
zurückgeführt.
Die Statistiken extremer Wetterereignisse bieten dafür keine
schlüssigen
Anhaltspunkte; Umweltaktivisten interpretieren einzelne
Extremereignisse
in unseriöser, Furcht erregender Weise. Das Klima unserer
unsicheren
Welt war und ist immer im Wandel. Die Zeitdauer unserer nicht
flächendeckenden
instrumentellen Beobachtungen von Wetter und Klima ist zu kurz (30 -
200
Jahre) im Vergleich zur langfristigen (50 bis 5.000 Jahre)
Variabilität
vieler natürlicher Phänomene. Wahrscheinlich werden der
anthropogene
Treibhauseffekt überschätzt und die natürliche
Klimavariabilität
sowie die Aerosolwirkungen unterschätzt.
1. Elbe-Hochwasser 2002, Klimawandel
Die Regenfluten im Einzugsgebiet der Elbe im August 2002 und das
folgende
Hochwasser waren ein Extremereignis im Ablauf des Wetters. Sauer (1)
berichtete
über dieses Elbe-Hochwasser - ein altes Phänomen - und
zitierte
den Leipziger Meteorologen Mudelsee, der davor warnt, in diesem
Unglück
einen Beleg für einen von Menschen gemachten Klimawandel zu sehen.
Die
Natur produziere von sich aus von Zeit zu Zeit Katastrophen.
Statistische
Analysen zeigen, dass in den letzten 150 Jahren die Häufigkeit von
Sommer-Hochwassern
an Elbe und Oder nicht zugenommen hat; Hochwasser im Winter sind sogar
seltener
geworden. Langfristige und gelassene Betrachtung ist notwendig, siehe
(70).
„Bis heute unübertroffen ist das Elbe-Hochwasser Ende Juli 1342.
Diese
Jahrtausendflut soll beispielsweise in Meißen in der
Franziskanerkirche
die Altäre überstiegen haben, wäre also um einiges
höher
gewesen als die jüngste Überschwemmung, die Meißens
historische
Altstadt schwer getroffen hat. Einzigartig war allerdings die regionale
Ausdehnung
der Unwetterkatastrophe von 1342, die etwa daran ablesbar ist, dass
auch
an Main, Donau und Rhein Brücken zerstört wurden. Viele
Städte
und Dörfer wurden von den anschwellenden Wassermassen, wie
jüngst
wieder erlebt, schlagartig getroffen. Auslöser war eine
Großwetterlage,
wie sie ähnlich in den Julimonaten 1897, 1927, 1997 und nunmehr im
August 2002 aufgetreten ist. Die katastrophalen
Auswirkungen des Hochwassers von 1342 lassen sich nicht nur an manchen
impressionistischen
Berichten spätmittelalterlicher Chronisten ablesen, die stets mit
kritischer
Vorsicht zu betrachten sind, sondern sie finden ihre Bestätigung
in
Untersuchungen der Landschaftsökologie. Die starken
Niederschläge
im Juli 1342 haben zu beträchtlichen Bodenerosionen geführt,
die
sich in den Schwemmfächern zahlreicher Flüsse und Bäche
niedergeschlagen
haben. Um das ganze Ausmaß der damaligen Katastrophe zu erfassen,
muss
man sich vergegenwärtigen, dass es das moderne Problem der
Bodenversiegelung,
das die Wirkung der Niederschläge noch steigert, vor dem 19.
Jahrhundert
praktisch nicht gegeben hat." Leserbrief Dr. Bünz (2). Dieses
Jahrtausendhochwasser
erwähnt Glaser (68): „Nach dem außergewöhnlichen
Hochwasser,
das bis zu 14 m tiefe Schluchten gerissen hatte und die ganze
Landschaftsoberfläche
veränderte, brach, nachdem die gesamte Ernte zerstört war,
eine
Hungersnot aus."
Die maximalen Pegel, maximalen Wassermengen pro Sekunde, maximalen
Niederschläge
pro Tag, Einengung der Abflüsse durch Bebauung, Verdichtung der
Böden,
die Wasserstände in den Talsperren, alle diese und noch andere
Faktoren
sind bei der Beurteilung von Flutrisiken zu berücksichtigen, wie
es
Becker und Grünewald (3) am Beispiel der letzten
Überschwemmung
von Dresden durch die Elbe aufzeigen: 2002 waren es max. 4.680 m
3/s
und max. 9,4 m in Dresden; 1845 sollen es max. 5.700 m
3/s
und max. 8,8 m gewesen sein. Der Beitrag (3) in Science wird
illustriert
durch das Photo eines von den Fluten umtosten, einsturzgefährdeten
Wohnhauses
in einem Erzgebirgsort. Im Einzugsgebiet der Weißeritz fielen 312
mm
Regen in 24 h und 406 mm in 72 h, was die physikalisch maximal
möglichen
Niederschläge knapp unterschreitet. Die Weißeritz suchte
sich
dann im Bereich des Dresdener Hauptbahnhofs ihre alte
Überflutungsfläche
und bahnte sich einen Weg in und durch die Stadt. Die zivilisatorische
Einengung
des Abflusses führte zur Durchströmung des Bahnhofportals
beim
Hochwasser 2002.
Die Hochwasserschäden in der Schweiz werden erst seit 1972
systematisch und von Amts wegen erfasst. Die Unwetterstatistik 1972 bis
1996 zeigt, dass Unwetter nicht häufiger auftreten als
früher, doch hat die Erstellung von Bauten in altersher bekannten
Gefahrenzonen in den letzten Jahren zu einem
sprunghaften Anstieg der Schadenkosten geführt, wie
Röthlisberger (4) feststellt. Über die genannten 25 Jahre
ermittelt er Schadenkosten von 30 Franken pro Schweizer und Jahr. In
der Schweiz sind keine Häufungen von Katastrophen infolge einer
Klimaerwärmung nachweisbar; Vischer (5).
Röthlisberger (4) erwähnt einen extremen Murgang im Val
Varuna bei
Poschiavo im Jahr 1672, der sich 1834, 1839, 1842, 1845, 1855, 1928 und
1987
wiederholte. War die Häufung in 1834 bis 1845 die Folge eines
Klimawandels? Ursache des ersten historisch belegten Murgangs des
Varuna-Bachs 1672 soll angeblich eine Frau gewesen sein, die dann auch
prompt bei einem Hexenprozess für diese „Untat" verurteilt wurde.
Eine schweizerische Untersuchung (in (4) beschrieben auf Basis von
(67))
von 122 Hochwassern aus den vergangenen fünf Jahrhunderten stellt
deutlich
gewisse zeitliche Konzentrationen und Schwerpunkte im Unwettergeschehen
der
Schweiz fest. Vergleicht man die Hochwasserhäufungen mit den
jeweiligen
Klimaphasen, so erkennt man allerdings keine klaren Zusammenhänge
und
auch keine Periodizität. Häufungen von Hochwassern
können
in allen Klimaphasen vorkommen, sowohl in kalt-kühlem,
verschlechtertem
Klima, als auch in Perioden kontinentalen Klimas und in
Wärmephasen.
Das Unwettergeschehen hält sich also an keine starren Regeln, ein
empirisches
Indiz, dass eine Klimaerwärmung nicht unbedingt auch eine
Häufung
schwerster Unwetter mit sich bringen muss, wie heute gerne extrapoliert
wird
(3), (17).
Pfister (67) schrieb für die Schweiz eine Wetternachhersage
über
500 Jahre, über die beobachteten Klimavariationen und
Naturkatastrophen.
Glaser (68) berichtete über 1.000 Jahre der Klimageschichte
Mitteleuropas:
Wetter, Klima, Katastrophen. Glaser (68) fasste zusammen (S. 209): „Die
Veränderlichkeit
ist das Wesensmerkmal des mitteleuropäischen Klimas. Es gibt
keinen
als normal zu bezeichnenden Zeitabschnitt, in dem nicht auch die
unterschiedlichen
Extreme aufgetreten wären. In den letzten 1.000 Jahren sind das
Wärmeoptimum
des Mittelalters, die kleine Eiszeit und das moderne Wärmeoptimum
erkennbar,
letzteres mit vor allem im Winter und nachts erhöhten
Temperaturen.
In allen Phasen gab es in einzelnen Jahren immer wieder Extreme, die
man
ohne Kenntnis der Klimaentwicklung der letzten tausend Jahre vorschnell
als
neuartig einstufen würde. Es existiert eine deutlich höhere
natürliche
Variabilität im Auftreten von Klimakatastrophen als die
aktualistische
Betrachtung erkennen lässt (S. 208)."
Kasten 1:
Auszug (gekürzt) aus dem Buch
von Stehr und von
Storch (66) Kap. 4.1 Ideengeschichte der Klimaänderungen, S. 61
bis
67.
Zu Beginn der Verwissenschaftlichung der Klimaforschung, also gegen
Mitte
des 19. Jahrhunderts, waren Themen der Klimaveränderung
zunächst weitgehend
vernachlässigt. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die
Fragestellung
der Klimavariabilität in historischer Zeit - vor allem aufgrund
der Beobachtungen
und Analysen von Eduard Brückner - zu einer wichtigen
Forschungsaufgabe.
Allerdings rückte sie bald wieder in den Hintergrund. Erst in
unseren Tagen
ist die Problematik möglicher Klimaveränderungen und ihrer
Ursachen wieder
zu einem der zentralen Objekt der Klimaforschung geworden.
Wir sind heute mit der Tatsache konfrontiert, dass die intensive und
kontroverse
Diskussion über eine von Menschen verursachte, globale
Klimaveränderung nicht
nur unter Wissenschaftlern, sondern auch in der Öffentlichkeit
stattfindet.
In diesem Zusammenhang ist der Begriff „Treibhauseffekt" heute
Allgemeingut.
Unter Wissenschaftlern zeigt man sich sehr beunruhigt, appelliert zum
Teil
direkt an die Öffentlichkeit und warnt vor einer bevorstehenden
Klimakatastrophe.
Man gewinnt den Eindruck, als handele es sich hier um eine völlig
neue Auseinandersetzung.
Tatsächlich ist dies nicht der Fall.
Eine ähnliche Diskussion unter Wissenschaftlern fand vor hundert
Jahren statt,
als einer Anzahl von Klimatologen klar wurde, dass sich unser Klima
nicht
nur in geologischer Zeit, sondern auch in Zeiträumen von
Jahrhunderten und
Jahrzehnten verändert. .....
Einige Wissenschaftler der damaligen Zeit appellierten, wie auch heute,
direkt
an die Öffentlichkeit und verlangten Maßnahmen, die man
heute als Klimapolitik
oder Klimaschutz bezeichnen würde. Weitere Klimaveränderungen
mit negativen
wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen sollten verhindert
werden.
Andere Wissenschaftler waren dagegen überzeugt, es handele sich um
natürliche
Schwankungen des Klimas, die möglicherweise mit irgendwelchen
kosmischen
Prozessen in Verbindung stünden und an die sich die Gesellschaft
„anpassen"
müsste.
Eduard Brückner (1863 - 1927) war langjähriger
Lehrstuhlinhaber
für Geographie an der Universität Wien. .....
1890 veröffentlichte Brückner sein Hauptwerk
„Klimaschwankungen seit 1700".
Aus den Schwankungen des Wasserspiegels des größten
abflusslosen Sees der
Welt, dem Kaspischen Meer, schloss er, dass die beobachteten
Veränderungen
eine klimatische, 35jährige quasi-periodische Ursache haben
müssen. Maxima
des Wasserspiegels sind danach Ergebnis kühler und feuchter
Witterung, während
die Minima durch eine trockene und warme Witterung verursacht werden.
In
einem weiteren Schritt analysierte Brückner den Zusammenhang von
Regenfall
und den damit in Verbindung stehenden Wasserständen auf der
globalen Skala.
Er fand, dass die säkularen Schwankungen in allen Regionen der
Welt stattfinden.
Brückner betonte, dass die Ursache der von ihm konstatierten
Quasiperiodizität
unklar sei.
Brückner interessierte sich sehr für die ökonomischen,
gesellschaftlichen
und politischen Folgen der Klimaschwankungen. Er befasst sich mit
Fragen
des Einflusses der Klimaveränderungen auf Wanderungsbewegungen,
Ernteerträge
und Handelsbilanzen sowie auf die Gesundheit und die Veränderungen
im internationalen
politischen Machtgefüge. .....
Brückner publizierte seine Forschungsergebnisse in mündlicher
und schriftlicher
Form. Er wandte sich in Vorträgen und Zeitungsaufsätzen
sowohl an die Öffentlichkeit
als auch an Berufsgruppen, die von den Klimaschwankungen besonders
betroffen
waren, wie zum Beispiel die Bauernschaft. Seine Überlegungen
wurden in der
zeitgenössischen Presse diskutiert. .....
In mancher Hinsicht war die Situation Ende des vergangenen Jahrhunderts
mit
der heutigen vergleichbar: Den Naturwissenschaftlern wurde zunehmend
deutlich,
dass das Klima nicht konstant ist, sondern sich in Zeiträumen von
Jahrhunderten
und Jahrzehnten signifikant verändert. Gleichzeitig wurde man sich
darüber
klar, dass sich das Klima sowohl systematisch als Reaktion auf
menschliches
Verhalten als auch zeitlich begrenzt aufgrund natürlicher Prozesse
verändern
kann. Die Ursachen für die natürliche Klimavariabilität
waren unbekannt.
Spekulative Hypothesen machten etwa eine unterschiedliche
Sonneneinstrahlung
oder andere „kosmische" Prozesse verantwortlich. In einer der
gegenwärtigen
Situation durchaus vergleichbaren Reaktion machte eine Anzahl von
Wissenschaftlern
den Fehler, relativ langsame natürliche Klimaveränderungen
als Indikatoren
für systematische Schwankungen zu deuten. Beispielsweise
interpretierten
einige Wissenschaftler die von Brückner beschriebenen Schwankungen
als Folgen
von Entwaldungen und anderen Modifikationen der Landoberfläche.
Angesichts der Tatsache, dass die Klimaverhältnisse einen
erheblichen Einfluss
auf bestimmte Wirtschaftszweige und gesellschaftliche Institutionen
haben,
sahen sich die Wissenschaftler damals wie heute vor die Frage gestellt,
ob
sie die Öffentlichkeit nur informieren oder vielmehr vor den
anstehenden
Klimaschwankungen warnen sollten. .....
Brückner fühlte sich ethisch verpflichtet, sich direkt an die
Öffentlichkeit
zu wenden. Im Gegensatz zu besonders umweltbewussten, „aktivistisch"
orientierten
Wissenschaftlern der Gegenwart verlangte Brückner allerdings keine
bestimmten
politischen Maßnahmen zum Klimaschutz. .....
Die Verfechter der These von anthropogenen Klimaveränderungen im
vergangenen
Jahrhundert hatten in der Tat einen gewissen Einfluss auf die
öffentliche
Verwaltung und die Politik. In einer Reihe von Staaten wurden von
Regierungen
und Parlamenten Untersuchungskommissionen gegründet, um sich mit
der Problematik
des Klimawandels auseinanderzusetzen. .....
Das wachsende populärwissenschaftliche Genre der Klimaforschung
bzw. die
öffentliche Auseinandersetzung mit dem Klimaproblem sind nicht
neu. Heute
wie vor 100 Jahren hatten die in diesen Diskussionen engagierten
Wissenschaftler
deutlich verschiedene Selbstverständnisse. Auch macht man nicht
erst heute
auf die mit den Daten verbundenen Unsicherheiten und Ungewissheiten in
der
Prognose von Klimaschwankungen aufmerksam. Heute meinen viele
Beobachter,
dass die globale Perspektive einen neuartigen Ansatz darstelle. Dies
ist
unzutreffend. Wie unser Fall demonstriert, prognostizierten
Wissenschaftler
schon Ende des 19. Jahrhunderts globale Umweltveränderungen.
Für Brückner
stand fest, dass unser Klima ein globales System ist und global
wirksamen
Schwankungen ausgesetzt ist.
|
Das Phänomen des El Nino / La Nina widersteht bis jetzt (Mai 2003)
den
Prognosetechniken der Klimamodellierer: Weder sie noch ihre Computer
sahen
La Nina vom April/Mai 2003 voraus; Kerr (6a). Ein Zusammenhang des
Phänomens
mit den bekannten Klimadaten scheint nicht zu bestehen; seine
Variabilität
beruht wohl auf einer uns unbekannten inneren Dynamik. Und im Juli 2003
war
La Nina schon wieder gestorben, peinlich, peinlich (Kerr 6b), eine
unglaubliche
Wende. Für den Rest des Jahres nimmt man neutrale
Verhältnisse
an.
2. Politik, Bilder, Kanzlerworte
Extreme Wetterereignisse liefern eindrucksvolle Bilder: Das Auge des
tropischen
Wirbelsturms aus Satellitensicht. Windgepeitschte Palmen. Die
zugehörige
Überschwemmung in Mocambique mit verzweifelten Menschen auf
Hausdächern.
Die überspülten Hochwasserdämme an Elbe und Oder. Die
Politiker
in Gummistiefeln am Deichbruch. Die sengende Sonne über bleichen
Gerippen
in der verdorrten Steppe im Sahel. Die zu Skeletten abgemagerten Kinder
mit
großen traurigen Augen. Die Waldbrände auf der iberischen
Halbinsel.
Die flüchtenden Bewohner des Campingplatzes. Die Schneisen der vom
Wintersturm
Wiebke umgelegten Bäume. Muren und Lawinen in den Bergen. Das
Bahnhofsportal
mit dem herausdrängenden Wildbach. In den Fluten treibende Autos.
-
Das sind schlimme und beeindruckende Bilder, die eine unheimliche Macht
über
uns ausüben, die unsere Vorstellungen von der Welt und ihren
Phänomenen
prägen. Wir verwechseln unser Bild von der Wirklichkeit mit der
Wirklichkeit
selbst, vgl. Urban (7).
Politik wird mit Bildern gemacht. Die Bildfolgen von solchen
natürlichen
Katastrophen werden von Medien und der etablierten Klimapolitik
missbraucht,
um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Forscher, Priester,
Ökoaktivisten,
Umweltminister behaupten: Die Zunahme der Stürme, Lawinen,
Starkregen,
Hitzewellen und Trockenheiten beweise, dass eine Veränderung des
Klimas
bereits eingetreten sei und laufend stärker werde. Wer anders als
die
Menschen der Industrieländer und der von ihnen verursachte
zusätzliche
Treibhauseffekt des CO2 könnte daran schuld sein. Damit folgen die
Klimapolitiker
absichtsvoll den bewährten Grundsätzen für erfolgreiche
Öffentlichkeitsarbeit:
Linear vereinfachen, ständig wiederholen,
gefühlsmäßig
steigern. Nicht die Fakten prägen unsere Vorstellung von der Welt,
sondern
die Bilder, die wir uns von den Phänomenen machen (Epiktet, Urban
(7)).
Die medial induzierte Bilderwelt in unseren Köpfen kann unser
kritisches
Nachdenken blockieren. Extremereignisse des Wetters bieten in der
Klimadebatte
die Möglichkeit zur hochgradigen Emotionalisierung, vgl. (8). So
werden
wir empfänglich gemacht für Schreckensszenarien eines
globalen
Klimawandels mit regionalem Würgegriff (9).
„Der Klimawandel ist keine prognostische Vermutung, er ist bittere
Realität", das sagte Bundeskanzler Schröder nach dem
Elbe-Hochwasser, August 2002.
Der Kanzler folgte den Rezepten von Klima-Aktivisten, wie sie in einer
Studie der KFA Jülich (siehe (10), (11), (8)) und von Schneider
(dto.), Graßl (dto.) und Latif (12) empfohlen bzw. angewandt
werden. Dabei kann man eine oder zwei Katastrophen schon brauchen (13).
Nach Schönwiese (zitiert in (14)) ist das ungewöhnliche
Wetter, das das Elbhochwasser auslöste, nicht unbedingt mit der
anthropogenen Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre
gekoppelt. Doch er meint, einige Fehlinterpretationen in Kauf
nehmen zu können, wenn die Überschwemmung eine
größere öffentliche Aufmerksamkeit für die
potenziellen Gefahren der globalen Erwärmung bewirkt. So
äußerte sich auch Tickel (13) in einem Editorial für
Science am 2.8.2002:" Communicating the fact of climate change is a
complex process involving political leadership, science, public
pressure and even perhaps a useful catastrophe or two to illuminate the
issues." Die gute Absicht (Rettung des Klimas) soll also rechtfertigen,
dass nicht nur objektiv berichtet wird, sondern dass die Kommunikation
einen politisch korrekten Drall, einen spin bekommt.
Pielke (15) analysierte die heutigen vielfältigen Verflechtungen
von
Politik, Umweltaktivisten und Wissenschaft: Letztendlich wird die
Wissenschaft
immer stärker politisiert. Ihre Ergebnisse dienen - mit passender
Interpretation
- den Zielen der Politiker (siehe (15)), darunter die Erringung und
Erhaltung
der Macht.
Das wurde zuletzt deutlich in der Diskussion der Planung der
Klimaforschung der Regierung der USA (D. Malakoff, Science 301 (2003)
575): Die Administration
sagt: Die Wissenschaftler sollen nicht Empfehlungen für die
Politik
geben sondern darlegen was wir gesichert wissen. Die Kritiker sagen:
Die
Regierung bauscht die Unsicherheiten im Klimawissen auf, besonders im
Hinblick
auf die natürliche Variabilität; das sei der Code für
„die
Erwärmung ist natürlich und nicht anthropogen". Zur gleichen
Planung
(1,7 Mrd. Dollar pro Jahr) berichtet G. Brumfield (Nature 424 (2003)
475),
dass viele Wissenschaftler es als einen fundamentalen Fehler
betrachten, wenn
das Budget keine Mechanismen zur Sicherstellung des Einflusses
der
Ergebnisse auf die Politik aufweise. Das noch in die Wissenschaft
gesetzte
Vertrauen wird von Politikern, Aktivisten und Mitarbeitern der
Versicherungsindustrie verwendet für die Durchsetzung ihrer
strategischen Absichten bzw. Marketingziele. Die Wissenschaft wird
instrumentalisiert für die Ziele der Politik; sie
zieht sich den Unwillen der Politik zu, wenn sie politisch unbrauchbare
Ergebnisse
abliefert. Hans Schuh (16) formulierte: „Politiker wählen
ungeniert
wissenschaftliche Berater so aus, dass garantiert das gewünschte
Ergebnis
herauskommt. Da verlottert Wissenschaft zum pluralistischen Steinbruch,
aus
dem sich jeder herausbricht, was ihm gerade beliebt."
Einen Rückblick auf die Klimadiskussion vor 100 Jahren bringen
Stehr
und von Storch (66), der auszugsweise im Kasten 1 dargestellt ist.
Ruß
war vermutlich schon damals klimawirksam.
3. Statistik und Prognose von Extremwetter
„Wenn der Klimawandel die Variabilitäten von Niederschlag und
Temperaturen
verringern würde, dann würde eine mittlere globale
Erwärmung
an der Oberfläche als Konsequenz eines erhöhten
Treibhauseffekt
nicht vielen Leuten Furcht einjagen (would not intimidate many people).
Die
Änderungen der Variabilität sind wichtiger als die
Verschiebungen
der Mittelwerte. Die Änderungen der Häufigkeitsverteilung von
Wetterparametern
als Funktion der Änderung des Mittelwerts müssen beobachtet
bzw.
modelliert werden." Dies ist ein im ersten Satz wörtliches Zitat
(S.
1994) aus dem Übersichtsartikel von Grassl (17) „Stand und
Verbesserungen
gekoppelter Zirkulationsmodelle". Die Meteorologen des IPCC haben 1990
und
1995 die langfristigen statistischen Wetterdaten der „instrumentellen
Periode"
(leider nur 100 Jahre) durchgesehen mit dem Ergebnis, dass kein Trend
einer
größeren Häufigkeit und Heftigkeit von extremem Wetter
erkennbar
ist. Bengtson (18) hat dies im Jahr 2001 bestätigt. Kurzfristige
(unter
30 Jahren) Betrachtungen führen in die Irre; die Vergangenheit
zeigte
seit 1900 keine Auffälligkeiten, vgl. Bild 1. Eine neuere Studie
von
Vinnikow und Robock (19) kommt für die letzten 100 Jahre zum
gleichen
Ergebnis.
Noren et al. (20) untersuchten die Sturmhäufigkeit über dem
Nordosten
der USA während der letzten 15.000 Jahre mit Hilfe von
Binnensee-Sedimenten.
Sie fanden einen Zyklus von etwa 3.000 Jahren. Zur Zeit sei der Trend
dieses
Zyklus positiv; derzeitige Zunahmen der Sturmhäufigkeit seien kein
zuverlässiger
Indikator für einen anthropogenen Klimawechsel. Moy et al. (21)
fanden
an einem See-Sediment-Bohrkern (Laguana Pallcacocha, Ecuador) heraus,
dass
die ENSO-Vorkommnisse seit 12.000 Jahren zunahmen bis vor etwa 1.200
Jahren,
und dass 2.000-jährige Perioden relativ hoher und niedriger
ENSO-Aktivitäten
diesem Langfristtrend überlagert sind.
|
Kasten 2
Extreme Wetterereignisse: Beobachtete Veränderungen (in der 2.
Hälfte
des 20. Jhdts.) gemäß Darstellung im Summary for
Policymakers
in IPCC 2001, TAR, S. 4, 5, 15:
In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die Häufigkeit von
Starkregen
in den mittleren und hohen Breiten der Nordhemisphäre um 2 bis 4 %
zugenommen
(66 bis 90 % Wahrscheinlichkeit). Während des 20. Jahrhunderts gab
es
global relativ kleine Zunahmen der Landflächen mit schweren
Dürren
oder schweren Überschwemmungen.
In Teilen von Asien und Afrika haben Häufigkeit und
Intensität
von Dürren zugenommen. Globale Änderungen der Häufigkeit
und
Intensität von Stürmen (in und außerhalb der Tropen)
werden
von interdekadischen bis multidekadischen Variationen bestimmt.
Über
das 20. Jahrhundert sind keine signifikanten Trends erkennbar.
Keine systematischen Änderungen der Häufigkeiten von
Tornados,
Gewittertagen oder Hagelvorkommnissen sind erkennbar für die
wenigen
untersuchten Gebiete.
|
IPCC meinte 1995, dass es unsicher sei, ob sich in Zukunft die
Extremereignisse
nach Intensität und Häufigkeit ändern werden. IPCC 1995,
Bd.
2, S. 35 widersprach der Meinung einiger Mitarbeiter der
Versicherungsindustrie,
die einen Trend zu erhöhter Frequenz und Intensität extremer
Wetterereignisse
wahrgenommen haben wollten: In der langfristigen meteorologischen
Analyse ist ein solcher Trend nicht
erkennbar. Die Aussagen von IPCC 2001 zu Extremereignissen sind in
Kasten
2 wiedergegeben. U.a. keine Zunahme der Zahl oder der Intensität
von
Stürmen, Taifuns, Hurricans, Tornados. Kasten 3 schildert
Katastrophen
im Chiemgau 1611 bis 1648 (siehe S.17). Pfister ((67), S. 245)
kommentiert
die extremen spätsommerlichen Überschwemmungen im Alpenraum,
die
unter natürlichen Bedingungen ausgeprägte langfristige
Schwankungen
aufweisen. Fest steht, dass sie primär durch natürliche
Klimavariationen
bedingt sind und nicht in erkennbarer Weise mit anthropogenen
Einflüssen
in Zusammenhang stehen. - An anderer Stelle weist Pfister (67) (S. 211)
auf
den Rückgang der kalten Anomalien 1976 bis 1993 hin. Stünden
nur
Ergebnisse der letzten 300 Jahre zur Verfügung, würde man
kaum
zögern, diesen Schwund der kalten Anomalien dem anthropogenen
Treibhauseffekt
zuzuschreiben. Es ist aber nicht zu übersehen, dass sich ein
analoger
Rückgang auch im 17. Jhdt. nachweisen lässt, in einer Periode
eines
rein natürlichen Klimas.
Als Beispiel einer Kurzfrist-Studie der Klimavariabilität
während
des 20. Jahrhunderts (der instrumentellen Periode, die nach Pfister
(67)
zu fast zwei Drittel auch eine Zeit des „Klimafriedens" ist) sei die
Arbeit
von Easterling et al. (46) genannt: sie bestätigt eine globale
Erwärmung
von etwa 0,5 °C, Änderungen zu einem intensiveren
hydrologischen
Kreislauf und die Zunahme von extremen Niederschlägen in den USA
und
Australien, immer über die Zeitspanne des 20. Jahrhunderts und im
Vergleich
zum ersten Drittel dieses Jahrhunderts, als das Klima „friedlich" war.
Mit
den weichen Aussagen des IPCC kann ein aktiver Klimapolitiker oder ein
NGO-Aktivist
nichts bewirken; wissenschaftlich sind sie richtig,
politisch-marketingmäßig
sind sie unbrauchbar. Wenn schon der kurzfristige meteorologische
Rückblick
auf das 20. Jahrhundert keinen brauchbaren, handfesten Trend liefert,
dann
muss man die auf Hypothesen und ungesicherten Vorgaben beruhende
Klimamodellierung
bemühen, um die zukünftigen Extrema dem sich
ängstigenden,
furchtbereiten Volk darzubieten. Das würde doch der
überzeugende
Beweis für die kommende anthropogene Klimakatastrophe sein, den
die
Katastrophenpropheten suchen. 1995 war man noch nicht so weit, mit den
damaligen
Klimamodellen vertretbare prognostische Aussagen zu machen.
Sechs Jahre später glauben Palmer und Raisinen (22) sowie Milly,
Wetherald,
Dünne und Delworth (23) weiter zu sein (Modellierung Monsun
Südasien).
Schnur (24) kommentiert diese Arbeiten: „Zwei neue Studien liefern
Hinweise,
die unser Vertrauen in die Vorhersage von extremen Regenfällen und
Überflutungen
vermehren". Unterstützt wird diese Aussage vom Aufmacher des
Schnur'schen
Kommentars, nämlich dem Photo einer überschwemmten
Straße
mit Ruderbooten unter Verkehrsampeln (Oregon City 1996). Ein solches
Bild
wird unsere Entscheidungsträger auf einen Blick eher
überzeugen
als die trockene wissenschaftliche Erörterung. Schnur (24) weist
die
Politiker darauf hin, dass die Klimamodelle mit der heute üblichen
groben
Auflösung von 200 x 200 km für die Vorhersagen von
Wetterextremen
ungeeignet sind; brauchbarer seien Auflösungen von einigen 10 km.
Die
Computer und ihr Betrieb für diese Rechnungen werden erheblich
teurer
sein als bisher. Im Spätsommer 2002 erhielt das Hamburger
Klimarechenzentrum
einen neuen 34 Mio. € teuren Superrechner, „nur" 100 x 100 km
Auflösung,
vgl. Cesin (25).
Das indische Monsun-Modell aus den 90er Jahren hat nach
anfänglichen
Vorhersage-Erfolgen in den letzten vier Jahren versagt, was den
indischen
Landwirtschaftsminister zu dem Bonmot veranlasste: „All die
Supercomputer
und Satelliten sind kein Ersatz für den Regengott", vgl. Bagia
(26).
- Abgesehen von der Frage der Auflösung stellt sich generell die
Frage
nach der Zuverlässigkeit der heute üblichen Klimamodellierung
und
nach der Richtigkeit der Modellierung des anthropogenen
Treibhauseffekts.
4. Klima, Modellierung, Wolken, Wasser
Klima ist der 30-jährige Durchschnitt des täglich komplexen
hochvariablen
Wetters, Klima ist ein statistisches Konstrukt. Klima war, ist und wird
immer
im Wandel sein, auch ohne menschliches Zutun (64) (67) (68).
Also: Die Klimawechsel sind Realität. Viele kurz-, mittel- und
langfristige
Einflüsse sind am Werk. Wir messen heute die schlussendliche,
summierte
Wirkung dieser Einflüsse als Temperatur, Wind, Niederschlag
u.v.a.m...
Und wegen der geringen Zeitdauer unserer Beobachtungen interpretieren
wir
zu schnell eine 10- oder 20jährige Entwicklung als einen sich
fortsetzenden
Trend (gar mit modellierter anthropogener Ursache), obwohl es eine
Schwingung
(mit einer oder mehreren natürlichen unbekannten Ursachen) ist.
Ein
Beispiel dafür schildern Bryden et al (28). Im Frühjahr 2003
berichteten
die deutschen Medien über einen von Rahmstorf beschriebenen
Klimazyklus
von 1.470 Jahren Periodendauer, der 23 Mal in den
paläoklimatischen
Daten erkennbar sei.
„Der Geograph Brückner (1895) ging als einer der ersten von der
Annahme
aus, dass sich das Klima verändert. Es gelang ihm,
Zusammenhänge
zwischen Klimavariationen, Gletscherschwankungen und der Konjunktur
aufzuzeigen,
die heute noch von Bedeutung sind. Aber als die Anomalien und
Naturkatastrophen
im frühen 20. Jahrhundert zurückgingen und eine Periode des
ewigen
Klimafriedens angebrochen zu sein schien, da wurden seine
Überlegungen
vergessen." Das ist ein wörtliches Zitat aus Pfisters Buch, S. 14
(67).
Klima ist eine Angelegenheit, die geduldig und über lange Zeit
beobachtet
werden muss, nicht nur über zwei/drei Wahlperioden, auch nicht nur
über
ein/zwei Menschenleben.
Es ist anmaßend und unmöglich, einen gedachten idealen
globalen
Zustand des Klimas für immer und ewig erhalten und schützen
zu
wollen. Klimaschutz ist eine Leerformel der Politik. Wie will man etwas
schützen,
das in seinem Wirken nur partiell verstanden und kaum vorhersehbar ist?
Damit
ist es auch sehr offen, ob fragwürdiger Klimaschutz heute
Hochwasserschutz
für Übermorgen sein kann. Nur bei von Menschen verursachten
Änderungen
können wir sinnvoll eingreifen. Natürliche Änderungen
müssen
wir hinnehmen und uns anpassen.
Der Konsens von 90 oder 99% der Wissenschaftler ist kein Beweis
für
die Richtigkeit ihrer Hypothesen, ihrer Modelle und der darauf
aufbauenden
Prognosen. Was man nicht messen kann oder will, das kann man
modellieren.
Die Modellierung basiert auf Hypothesen, über deren Anwendbarkeit
man
diskutieren muss (Verifizierung, Falsifikation). Demokratische Politik
basiert
auf dem parlamentarischen Konsens. Hingegen ist Wissenschaft die
kritische
Methode der Suche nach Fehlern im etablierten Stand der Kenntnisse; das
hat
noch nie im Konsens funktioniert. Die konsensuale Meinung der
vatikanischen
Autoritäten war vor bald 400 Jahren nicht geneigt, die
Beobachtungen
von Galileo Galilei als richtig wahrzunehmen. (Damals existierten
Modelle,
die das geozentrische System stützten).
Die Klimamodellierung hat eine wesentliche Schwäche bei der
Berücksichtigung
der Wolken. Diese haben mit der Konzentration des Treibhausgases Wasser
in
der Atmosphäre (Wasserdampf), mit Stürmen, Regen, Hagel,
Schnee,
Überschwemmung zu tun. Und im Fall fehlender Wolken gibt es
Hitzewellen,
Dürre, Wassermangel. H. Volz (priv. Mitlg.) weist auf Fig. 7.2, S.
430
des Band 1 des IPCC 2001 hin. Dieses Bild (hier Nr. 2) belegt eine der
wesentlichen
Unsicherheiten bei der Modellierung der physikalischen Prozesse in der
Atmosphäre:
die Änderung des Strahlungshaushalts durch die Veränderung
der
Bewölkung bei Verdoppelung der CO2-Konzentration für neun
renommierte
Modelle. Volz schreibt: Die Modelle kommen trotz einheitlicher Vorgabe
zu
völlig unterschiedlichen und sich widersprechenden Ergebnissen:
Sowohl
abkühlende Wirkung als auch erwärmende Wirkung sind
modelliert,
noch nicht einmal beim Vorzeichen ist man sich einig. Die
Veränderung
des cloud radiative forcing reicht von -1,2 bis +1,8 W/m
2
für
die Verdoppelung der CO2-Konzentration der Luft. Zum Vergleich: Das
modellierte
CO2-radiative forcing für die Verdoppelung der CO2-Konzentration
in
der Atmosphäre (2 x CO2) beträgt nach IPCC 3,7 W/m
2.
(Es wurde Ende der neunziger Jahre um 15 % nach unten korrigiert).
Die Vielzahl der zu modellierenden klimatologischen Prozesse wird heute
physikalisch
nicht hinreichend verstanden. Das wirkt sich insbesondere bei Wolken
deutlich
aus. Volz meint, dass unsere heutigen Klimamodelle für
Langfristprognosen
ungeeignet sind und dass die damit prognostizierten globalen Tendenzen
einer
anthropogenen Temperaturerhöhung wesentlich zu hoch sind (29).
Malberg
(30) weist darauf hin, dass die einseitige Ausrichtung der
Klimadiskussion
auf den CO2-Effekt ebenso fraglich ist wie die angebliche Dominanz des
menschlichen
Einflusses bei der Erwärmung seit 1850: Die Sonnenaktivität
sei
die Ursache dieser Erwärmung.
Modellierungen des europäischen Klimas von Christensen (31)
zeigen,
dass bei weiterem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre
und
entsprechendem Anstieg der globalen Temperatur die Sommer heisser und
trockener
werden, dass aber Sommerniederschläge über weiten Teilen
Europas
heftiger werden. Das wäre erklärbar mit der stärkeren
Aufnahme
von Wasser durch die wärmere Atmosphäre infolge des
höheren
Dampfdrucks des Wassers: Clausius-Clapeyron-Gleichung für das
Gleichgewicht
flüssig-gasförmig; bei 20 °C bringt 1 °C
Temperaturerhöhung
6,4 % mehr Dampfdruck, bei 30 °C 5,9%. Es entspricht der
landläufigen
Erwartung, dass in einem wärmeren Klima die Luft trockener und die
Verdampfung
von Wasser zunehmen wird. Paradoxerweise zeigen terrestrische
Beobachtungen
mit Verdampfungspfannen seit 50 Jahren das Gegenteil, vgl. Ohmura und
Wild
(32) sowie Roderick und Farquhar (33). Das ist ein kompliziertes,
komplexes
Gewebe von Argumenten und Gegenargumenten, bisher ohne Auflösung
der
Widersprüchlichkeiten.
Man sollte nie vergessen, dass Wasser das wirksamste Treibhausgas zum
„Einfangen"
der terrestrischen Strahlung ist, dass der Wasserdampf der
Atmosphäre
aber auch 10 bis 20 % der einfallenden solaren Strahlung absorbiert,
vgl.
Bernath (34) und Callegari (35), und dass der Latentenergietransport
durch
H2O wesentlich zur Kühlung der Oberfläche unseres Planeten
beiträgt.
5. Klima, Modellierung, Treibhauseffekt CO2
„In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts bemerkten
die
Klimamodellierer die politische Schubkraft des anthropogenen CO2-
Treibhauseffekts.
Sie bauten in ihre damals noch rudimentären
Atmosphärenmodelle
eine CO2-Wirkung ein und siehe da, es kamen beim Verdoppeln des
CO2-Anteils
(2 x CO2) Erhöhungen der globalen Temperatur von 0,7 bis 9,6
°C
heraus. Inzwischen trimmt man die Computersimulationen, koppelt die
Atmosphärenmodelle
mit Ozeanmodellen, mit Modellen des Kohlenstoff-Kreislaufs und den
SO2-Emissionen/Sulfataerosolen,
was vielfältige Steuerungsmöglichkeiten ermöglicht und
die
„Ausreißer" einfängt." So schilderte Gerlich (36) 1995 seine
provokante
Sicht der Klimadebatte und schloss: „Der CO2-Treibhauseffekt der
Erdatmosphäre
ist eine reine Fiktion von Leuten, die gerne große Computer
benutzen,
ohne physikalische Grundlagen."
Der springende Punkt in der gegenwärtigen Klimadiskussion ist, ob
und
in welchem Ausmaß die seit 100 Jahren beobachtete Erhöhung
der
globalen Temperatur auf natürliche oder menschliche Ursachen
zurückzuführen
ist. Neben der veränderten Nutzung der Landoberfläche der
Erde,
den Methan-, FCKW-, Distickstoffoxid-Emissionen, dem
troposphärischen
Ozon und den Aerosolen wird vor allem der zusätzliche von Menschen
gemachte
Treibhauseffekt des Kohlendioxids als Ursache diskutiert. Er ist nicht
messbar;
er wird modelliert mit Hilfe der im Labor gemessenen
infrarot-spektrographischen
Daten (HITRAN-Datenbank) und der Theorie des Strahlungstransfers in der
Atmosphäre,
vgl. Raschke et al. in (37), (38), (39), (40).
IPCC behauptete 1994 (41), dass der Treibhauseffekt
des CO2 physikalisch real und gut verstanden sei: die Verdoppelung der
CO2-Konzentration
führe zu einer 10 bis 20 %igen Erhöhung des gesamten
Treibhauseffekts
des CO2. IPCC 2001 formulierte (Bd. 1, S. 22): The greenhouse effect is
a natural feature of the planet, and its fundamental
physics is well understood. Rahmstorf (42) interpretierte IPCC im
September
2002: „Die Wirkung von CO2 ist physikalisch verstanden durch zahlreiche
Messungen
in Labor und Atmosphäre belegt und durch die Klimageschichte
bestätigt".
Das Letztere ist ein notwendiges aber kein hinreichendes,
bestätigendes
Kriterium. Das Erstere (Messungen) steht im Widerspruch zur klaren
Aussage
von Raschke und Hollmann (39): „Der Treibhauseffekt selbst kann nur
berechnet
werden" (auf Basis „richtiger" Hypothesen und möglichst exakter
Eingabedaten
für solche Rechnungen). Niels Bohr meinte: „Physik ist die
Fähigkeit,
klar und deutlich zu sagen, was wir über die Natur wissen und
nicht
wissen". Vor allem das Letztere ist wichtig im Hinblick auf die
umweltpolitischen
Konsequenzen.
Zweifel am IPCC-Modell wurden u.a. von Hug (27), (43), Barrett und Hug
(44),
Dietze (45) und Volz (29) geäußert. Solche Zweifel machen
eine
um den Faktor 4 geringere anthropogene Erwärmung wahrscheinlich
als
sie von IPCC bis zum Jahr 2100 prognostiziert wird. Oder anders gesagt:
Das
radiative forcing für 2 x CO2 beträgt nur rund 1 W/m
2.
So plausibel eine Wirkung des CO2 prima vista erscheinen mag, so
unsicher
ist die hypothetische Modellierung des anthropogenen Effekts. Die mit
dem
IPCC-Modell berechnete Wirkung auf das Klima, die
Klimasensitivität,
könnte um den Faktor vier zu groß sein, u.a. aus
Gründen
der Vorsorge und auch der Ideologie.
Einige Befürworter und Zweifler des IPCC-Verständnisses des
CO2-Treibhauseffekts trafen sich beim Sonderkolloquium der Dechema in
Frankfurt
am 11.10.2001, worüber Wiesner und Zellner (47) berichteten, sowie
Gärtner
(48) und Hauthal (49). Auch hier (47) wird die Kraft der Bilder
verwendet:
Rußwolken ausstoßende kubanische Industriekamine weisen auf
die düsteren Gefahren des Treibhauseffekts hin; des
Treibhauseffekts von Ruß? Ruß hat tatsächlich als
Aerosol eine von IPCC vermutlich unterschätzte erwärmende
Wirkung. Man vergleiche hierzu Menon et al. (50) sowie Chameides und
Bergin (51) sowie Novakow, Ramanathan, Hansen et al. (52), die einen
substantiellen Beitrag des anthropogenen Rußes aus der Nutzung
fossiler Energien zur globalen Erwärmung vermuten auf Basis seiner
modellierten Wirkungen, in der Größenordnung von 1/3
bis 1/2 des derzeitigen anthropogenen modellierten CO2-forcing.
Stadlbauer (53) befragte im April 2002 in einem Interview
Befürworter
und Zweifler der IPCC-Theorie des anthropogenen Treibhauseffekts
(Raschke,
Dietze, Hug, Barrett, Courtney). Graßl stellte in einem
SZ-Interview am 21.10.2002 apodiktisch fest,
dass es unter Wissenschaftlern keinen Streit über die
Größe
des von Menschen verursachten Treibhauseffekts gibt; das ist eine
für
Klimapolitiker brauchbare Aussage: Am anthropogenen Klimawandel gibt es
keinen
Zweifel.
Die Theorien, Berechnungen und Simulationen zur CO2-Wirkung im
Klimasystem
und generell zur Klimaproblematik müssen wegen der daran
angeknüpften
ökonomischen, weltpolitischen Konsequenzen (vgl. Röck (10)
(11))
immer wieder kritisch hinterfragt werden. Die Eingabedaten müssen
präzise
und eindeutig sein (Spektren). Der simulierte Prozess sollte
physikalisch
klar verstanden und mathematisch ohne Rückgriff auf nicht
gerechtfertigte
Näherungen beschreibbar sein (Strahlungstransfer). Die
Rechenergebnisse
müssen mit hinreichenden Kriterien verifizierbar oder
falsifizierbar
sein. Diesen drei Forderungen (nach Volz, priv. Mitlg.) sollte man ohne
ideologisch-politischen
Eifer nachgehen; wir brauchen gesicherte Erkenntnisse (vgl. (10)).
Auch Raschke
(37) rät zur Vorsicht: „Die heute beobachtete globale
Erwärmung
wird bereits von einem großen Teil unserer Gesellschaft als
Ergebnis
des zusätzlichen Treibhauseffekts betrachtet. Die
vollständige
Rechtfertigung dieser Annahme ist noch nicht möglich wegen unserer
lückenhaften
Kenntnisse über die beteiligten Prozesse und wegen unserer
ungenügenden
Fähigkeiten der Modellierung". Und wenn der Betrag des
anthropogenen
Treibhauseffekt des CO2 nur 1/4 des von IPCC modellierten ausmachen
würde,
dann wäre das fast ein „Freispruch für das CO2", wie ihn
Thüne
(54) wünscht. Siehe auch Malberg (30), der die Sonne als Ursache
des
Temperaturanstiegs seit 150 Jahren betrachtet.
Die Aerosolforscher haben im Mai 2003 erneut auf die von ihrem
Forschungsgegenstand
verursachten Ungewissheiten hingewiesen, Charlson, Heintzenberg et al.
(55).
Vogelmann et al. (69) beobachteten über der Japansee episodische
infrared
radiative forcings von 2 bis 9 W/m
2. Die Größe
und
Unsicherheit des Aerosol-forcings wird bis heute in den Klimastudien
ungenügend
berücksichtigt.
Folgerungen über die Ursachen der oberflächennahen
Erwärmung
seit 150 Jahren und über die Klimasensitivität könnten
deswegen
fehlerhaft sein. Die natürliche Klimavariabilität könnte
erheblich
größer sein als sie in den derzeitigen Klimamodellen
dargestellt
wird. Der Fehler könnte sein, dass die natürliche
Variabilität
aus zu kurzen Beobachtungsperioden (z.B. von 1890 bis 1960, der Zeit
eines
vermeintlichen ewigen Klimafriedens (Pfister (67), siehe Kap. 4, S. 14)
abgeleitet
wird. Ein anderer, heute wahrscheinlich unterschätzter Faktor im
Klimageschehen
ist der Einfluss der Änderung der Landnutzung auf die
Änderung
der mittleren Oberflächentemperatur. Kalnay und Cai (56)
ermittelten
für die USA im 20. Jhdt. diese Wirkung mit 0,27 °C pro 100
Jahre,
was doppelt so viel sei wie frühere Schätzungen. Die beiden
Autoren
korrigierten diese Zahl inzwischen auf 0,35 °C.
R. Pielke sen. et al. publizierten eine Studie, die aufzeigt, dass die
Wirkungen
der anthropogenen Landoberflächenveränderungen mindestens
gleichbedeutend,
wenn nicht bedeutender als die Wirkung des anthropogenen CO2 sind.
(http://www.gsfc.gov/topstory/
200209261andcover.html).
6. Fakten, Angst, Furcht, Politik, Ministerworte
Blättert man vom Artikel von Schnur (24) (siehe S. 10, Kap. 3) in
der
gleichen Ausgabe von Nature vierzehn Seiten weiter, so stößt
man
auf einen Beitrag von Doran et al. (57) über die starke gemessene
Abkühlung
des antarktischen Klimas seit 34 Jahren. Sie entspricht insgesamt und
im
jahreszeitlichen Verlauf nicht den aus Klimamodellen abgeleiteten
Erwartungen
einer Erwärmung. Lediglich die antarktische Halbinsel hat sich
erwärmt,
sogar schneller und stärker als von den Modellen berechnet. Das
ist
wohl einer der Gründe für das Aufbrechen des
Larsen-B-Eisschelfs.
Die durchschnittliche Abkühlung der Antarktis von zuletzt 1 °C
pro
Dekade wurde im betreffenden Heft von Nature nicht diskutiert, nicht
mit
Bildern unterlegt, also politisch totgeschwiegen. Es gab kein Bild
eines
Whiteouts (obwohl doch so einfach) mit der Schlagzeile „Am Südpol
wird's
immer kälter". Mir erscheint dies als selektive Wahrnehmung durch
den
vom Glauben an den Mythos der anthropogenen CO2-basierten
Klimakatastrophe
für Fakten blind gewordenen Teil der Menschheit. Die von Doran et
al.
(57) verwendete Methodik der Interpolation von Messwerten wurde von
Turner
et al. kritisiert (58); Doran et al. verteidigten ihre Methode als
richtig
(59).
Kasten 3
Extreme Wetterereignisse in der guten, alten Zeit. Auszug aus dem
Büchlein
von Ludwig Sailer „Trostberg, Stadt und Land im Spiegel der
Geschichte",
S. 55. Verlag Alois Erdl, Trostberg (1949) :
Pest, Musterung und Katastrophenjahre
Während Herzog Maximilian im Jahre 1611 ein Heer von 30.000 Mann
am
Inn und um Burghausen sammelte, brach auch in Trostberg die Pest aus,
die
viele Opfer forderte. Sie wurden jenseits der Alz auf dem Pestfriedhof
beerdigt.
Dennoch hatten die Reiter und Schützen aus der Umgebung am
17.10.1611
im Markte Trostberg zur Musterung zusammenzukommen. Am 18. Oktober
mussten
sie nach Burghausen und am 22. Oktober 1611 wurde die Stadt Tittmoning
erstürmt.
Nun folgten böse Katastrophenjahre, die der Übersicht halber
im
Zusammenhang gebracht sein sollen.
- 1611 war ein so kalter Winter, dass der Chiemsee noch
im März zugefroren war. Es fiel auch sehr viel Schnee.
- 1614 fielen schwere Hagelschläge, die alles
verwüsteten, so dass die Bauern nicht einmal „Haberbrot" zu essen
hatten.
- 1615 war ein so heißer Sommer, dass das Vieh
vor Hitze umfiel.
- 1622 setzte eine Inflation ein und entwertete das
Geld. Eine große
Teuerung begann. In diesem Jahre fing man an, kupferne Münzen zu
schlagen.
Es war nichts mehr zu bekommen.
- 1626 war das Getreide durch Hagelschlag „schwer
verderbt, auch den ganzen
Sommer niemals warm gewesen und das wenige Draitt vor Reng und
Wötter
net eingebracht". Die armen Leute haben die „Gfeldblumen und harbolen
und
Bücheln gemalen und solches Brodt daraus" gemacht.
- 1636 war ein so heißer Sommer, dass die Brunnen
austrockneten. Die
Hitze dauerte von März bis Juli, die Wälder und Moore
brannten.
Als der Regen am 2. August kam, war um Prien und Trostberg ein solcher
Hagelschlag,
dass es „Steine warf in der groß eines zweijährigen
kindeshaubt".
Das Vieh wurde auf dem Feld erschlagen. Der Chiemsee trat über die
Ufer.
- 1637 brausten schwere Windstürme über den
Chiemgau hinweg.
- 1641 fielen so schwere Regengüsse, dass ganze
Häuser weggeschwemmt wurden.
- 1642 war ein solches Hagelwetter, dass im Landgericht
Trostberg alle Früchte zerschlagen wurden.
- 1647 Am 12.07. ein ungeheures, siebenstündiges
Gewitter; das Getreide
wurde vernichtet. Hierauf regnete es sechs Wochen lang Tag und Nacht
ohne
Aufhören, so das viele glaubten, der jüngste Tag sei nahe
- 1648 Vom 11.6. bis 29.9. regnete es stets. Der Inn
war immer gewaltig angeschwollen
und erschwerte so den Schweden den Übergang.
Diese Vorgänge sind Aufzeichnungen der Äbtissin von
Frauenchiemsee,
Magdalena Haidenbucher, entnommen, und dürfen daher als
glaubwürdig
angesehen werden mit Ergänzungen 1636, 47, 48 aus dem Werk (1850)
von
Ernest Geiß über ihre Tagebücher. Vgl. hierzu Pfister
(67)
und Glaser (68).
|
Umweltminister Trittin stellte fest, dass die extremen Wetterereignisse
in
Mitteleuropa zwischen dem 9. und 14. August 2002 die konsequente
Quittung
der Natur für die seit hundert Jahren betriebene
Industrialisierung
sei. Er meint damit die immer hemmungslosere Ausbeutung der Ressourcen
unseres
Planeten durch die Minderheit der Menschen der Industrieländer zum
Nachteil
der Umwelt und der großen Mehrheit der Menschen in den
Entwicklungsländern.
Solche liberale, globale, kapitalistische Wirtschaftspolitik werde in
eine
Klimakatastrophe führen, für welche prognostische Vermutung
(Kap.
1 und 2) das Elbehochwasser als Beweis dienen möge. Das ist
Angstmache,
ideologisch folgerichtig, aber wissenschaftlich falsch.
Politisch-ideologisch
glaubt Schürch (61) „hinter angeblicher Umweltpolitik den
großen
sozialistischen Traum zu erkennen: ein internationales Abkommen
(Kyoto-Protokoll)
zur Kriminalisierung des wirtschaftlichen Erfolgs."
Die Folgen der Industrialisierung sind vielfältige - gute und
böse.
Seit 1850 wuchs die Weltbevölkerung enorm an, allein seit 1928 bis
heute
von 2 auf 6 Milliarden. Ist das gut? Ist das böse? Die steigende
Lebenserwartung
(best performance life expectancy) der Frauen in den
Industrieländern
ist eine wissenschaftlich belegte Quittung für die positiven
Folgen
der Industrialisierung (Oeppen, Vaupel (60)): Seit 160 Jahren stieg sie
von
45 auf 85 Jahre, konstant um 3 Monate pro Jahr. Das ist eine
großartige,
nachhaltige Leistung der Menschheit! Vgl. Bild 3. Eine Quittung
für
anderthalbe Jahrhunderte Bemühungen um menschliche Wohlfahrt in
den
Industrieländern! Und dies trotz aller tatsächlichen (Kriege,
Bevölkerungszunahme,
Drogen, Aids) und vermeintlichen (Waldsterben, Chlorchemie, Dioxin,
BSE,
Atomtechnik) Katastrophen. Wir werden älter und immer älter,
und
wir alle sollten uns freuen über die geschenkte Zeit.
In der Öffentlichkeit ist jedoch fast nur die Finanzierung des
Renten-
und Gesundheitsystems das Thema. Kaum einer freut sich über unser
längeres,
gesünderes Leben, alle stöhnen über die derzeit
unlösbare
Finanzproblematik, obwohl das alles doch viel klarer vorhersehbar war
und
ist als das Klima. In Medien und Talkshows hört man die
Feststellung
„viele Menschen haben Existenzangst", oder die Frage „wieviel Angst
müssen
wir haben?". Und konkret: „Haben Sie Angst vor einer
Klimaänderung?"
Oder die symptomatische Medienschlagzeile „Bleibt die Katastrophe aus?"
Umweltpolitik wird bedauerlicherweise oft mit der Angst vor
Katastrophen
gemacht. Angst und Furcht sind unserem Bewusstsein aus Jahrtausenden
Menschheitsgeschichte eingeprägte Leben erhaltende Gefühle,
die
im Übermaß lebensbedrohend sind. Angst ist das diffuse
Gefühl
der allgemeinen Bedrohung unseres Lebens in dieser unsicheren Welt;
Furcht
ist das Gefühl gegenüber einer identifizierbaren
Gefährdung.
Wer von Angst besessen ist, der entwickelt eine Süchtigkeit, eine
Gier
nach Furcht, in der ihm viele Dinge von Medien, Kirchen und Politik als
Furchtobjekt
verkauft werden können (vgl. Kirsch (62)), u.a. auch die von
Menschen
gemachte Klimakatastrophe. Die Maßnahmen zur Reduktion der
CO2-Emissionen
in Deutschland vermitteln offensichtlich das positive furchtmindernde
Gefühl,
einer identifizierten Gefährdung entgegenzutreten. Doch sind
sowohl
die Gefährdung als auch die Wirksamkeit der Maßnahmen
unsicher
und bezweifelbar.
In Bezug auf die vertretungsweise Dingfestmachung (Proxy) des
anthropogenen
Klimawandels durch das Auftreten von Extremereignissen muss die
Klimawissenschaft
- bleibt sie seriös - die Politiker enttäuschen. Der
Rückblick
in die Vergangenheit (67, 68, 70) zeigt, dass extremes Wetter sich in
Mitteleuropa
in jeder Klimaphase der letzten tausend Jahre ereignete. Sowohl im
warmen
mittelalterlichen Optimum, als auch in der kalten kleinen Eiszeit
traten
jeweils enorme Starkregen mit fürchterlichen Hochwassern, als auch
heiße
Dürreperioden mit verheerenden Trockenheiten auf. Aus solcher
Beobachtung
der Vergangenheit ist eine Änderung der Häufigkeitsverteilung
von
Wetterparametern in einem wärmeren Klima nicht ableitbar, wie von
Grassl
(17) gewünscht (Kap. 3, Seite 8). Bleibt also die Modellierung mit
ihren
großen Schwächen und unendlichen Problemen, wie in Kap. 4
und
5 geschildert. Das Modellieren regionaler Klimata (10 x 10 km) scheint
mit
besonderen Schwierigkeiten verbunden zu sein; die Ergebnisse werden
trotzdem
von Ministern, Politikern und Aktivisten gerne verwendet wegen der
modellierten
katastrophalen Zukünfte. Wir müssen uns bemühen, den
anthropogenen
CO2-Effekt nicht über Zweifel beladene Proxies oder
Modellierungen,
sondern durch direkte einwandfreie Messungen zu belegen.
Dahrendorf (63) sagt: „Wir leben in einer Welt der Ungewissheit.
Niemand
weiß genau, was wahr und was gut ist. Darum müssen wir immer
neue
und bessere Antworten suchen. Das geht aber nur, wenn Versuch und
Irrtum
erlaubt, ja, ermutigt werden, also in einer offenen Gesellschaft
(Popper),
die wenn nötig verteidigt und jederzeit weiter entwickelt werden
muss."
Und beachten wir bitte die Worte eines weisen Menschen: Homo „sapiens",
das
ist eine Hoffnung, keinesfalls eine heute schon zutreffende
Charakterisierung
für uns. Die wesentliche ökologische Gefahr für die
Menschheit ist das zu
schnelle Wachstum ihrer Zahl und ihrer Bedürfnisse und der
vergleichsweise
zu geringe Zuwachs ihrer Vernunft.
Was ist zu tun?
Der anthropogene Treibhauseffekt muss mit einwandfreier,
unbezweifelbarer
Messung ermittelt werden. Seine Auswirkung im Klimasystem, die
Klimasensitivität,
muss „realistisch" und ideologiefrei modelliert werden.
Ich trete ein für die sparsame, effiziente Nutzung fossiler
Energien,
für die Verringerung der das CO2 begleitenden Emissionen
(Ruß,
NOx, CO) und für die in Zukunft vermehrte Anwendung erneuerbarer
Energien,
in beiden Fällen gemäß den Kriterien der Agenda 21,
also
der ökologischen, ökonomischen und sozialen Vertretbarkeit;
ohne
Aufblähung der Bürokratie, ohne CO2-Emissionshandel.
Bild 1
Drei historische Rückblicke über
100, 70 und 48 Jahre für
drei Typen von extremen Wetterereignissen. IPCC 2001, Bd. 1. Oben:
Jährliche
Zahl der grösseren Hurricane über dem Nordatlantik (Fig.
2.37).
Mitte: Zahl der Hurricane pro Dekade, welche die USA von See her
treffen (Fig. 2.37).
Unten: Zahl der Tornados in den USA (Windgeschwindigkeiten 70 bis 164 m
pro sec) (Fig. 2.38).
Bild 2
Der nach 10 verschiedenen Klimamodellen
berechnete Wolkeneffekt für
2 x CO2. IPCC 2001, Bd. l, S. 430, Fig. 7.2. Die Kürzel an der
waagrechten Achse
geben die Institute an, die mit ihrem Modell das cloud radiative
forcing
berechneten. Die schwarze Säule resultiert aus dem kurzwelligen
(grau)
und dem langwelligen (weiß) Effekt.
Bild 3
Die Lebenserwartung für Frauen in
Norwegen, USA, Japan, Chile, Neuseeland.
Die einzelnen Länderkurven haben als Umhüllung die Gerade der
maximalen
Lebenserwartung der Frauen unserer Erde (Fig. 2 aus (60)), ein
großartiger
Erfolg andauernder Bemühungen um die Wohlfahrt der Menschen der
Industrienationen.
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70. Eine entsprechende Studie publizierten Mudelsee et al. (Nature 425
(2003)
166), wobei sie Weikinns „Witterungsgeschichte Europas" kritisch
auswerteten
für das Einzuggebiet von Elbe (ab AD 1000) und Oder (ab AD 1200).
Anschrift des Verfassers:
Dr. Heinrich Röck
Traunsteiner Str. 9
83308 Trostberg
Tel. 08621/3692
Fax: 08621/63605
26.10.2003
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