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Schlechtes Zeugnis bei internationalem Test - Ruf nach Reformen Arbeitgeberchef Dieter Hundt sprach von einer »neuen Bildungskatastrophe". Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, sagte: "Schlimmer hätte es nicht kommen können." Beide verlangten ein Umdenken in der Schulpolitik und gemeinsame Anstrengungen für radikale Reformen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) forderte, Deutschland müsse seine Kinder "besser und früher fördern". Deutschland müsse mehr Geld in Bildung investieren. "Der Bund hat den Anfang gemacht, andere müssen jetzt folgen." Die Präsidentin der KuItusministerkonferenz, die baden-württembergische Ministerin Annette Schavan (CDU), kündigte massive Verbesserungen bei der Lehrerausbildung an und forderte eine Pflicht zur Fortbildung für Pädagogen. Besonders erschreckend für die Schulforscher: Gut jeder fünfte deutsche Schüler (22,6 Prozent) erreicht bei der Lesekompetenz nur die niedrigste Leistungsstufe. Die Fähigkeit, einen Text zu lesen und den Sinn zu verstehen, gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen, um sich im Leben und Beruf zurechtzufinden und sich auch mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse anzueignen. Eine Lehrlings-Einstellungsprüfung, wie sie bei den Kammern heute üblich sind, würden diese Schüler nicht bestehen. Die Mehrzahl der leistungsschwachen Schüler ist männlich und stammt aus dem sozial schwachen Milieu. Anders als in anderen Ländern gelingt es den deutschen Schulen nicht, herkunftsbedingte Nachteile oder Sprachprobleme von Ausländerkindern beim Lernen auszugleichen. Aber selbst die besten deutschen Schüler lagen im Vergleich mit den besten anderer Länder unter dem Durchschnitt, zeigen die Ergebnisse des Schultests. Und: In keinem anderen Land gibt es so krasse Diskrepanzen zwischen guten und schlechten Schülern wie in Deutschland. Für die "Pisa"-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris wurden weltweit mehr als 260000 Schüler im Alter von 15 Jahren getestet, darunter rund 10.000 Deutsche. In der Wertung liegt Deutschland auf einer Niveaustufe mit Russland und Brasilien. In einem Fall landeten die Deutschen sogar auf dem vorletzten Platz vor Mexiko. Alle Länder mit Spitzenleistungen haben Ganztagsschulen. Auch werden
dort die Kinder nicht wie in Deutschland üblich als Zehnjährige
auf verschiedene Schulformen verteilt. Sie besuchen mindestens bis zur
neunten Klasse gemeinsam die Schule.
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