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Am Sonntag, den 02.07, findet in Siena der erste Palio dieses Jahres statt Auch die Stadtteile "Turm" (Torre) und "Stachelschwein" (Ístrice), die seit dem 16. August 1961 bzw. 2. Juli 1975 nicht mehr gesiegt haben, werden teilnehmen und jedes Mittel einsetzen, um sich endlich wieder den Triumph zu sichern; doch die "Gans" (Oca), die von allen Stadtteilen am häufigsten gesiegt hat (zuletzt vor exakt einem Jahr), und die "Welle" (Onda), beide mit dem "Turm" verfeindet, werden dessen Sieg nach Kräften zu verhindern versuchen, überhaupt kann man vor der Verlosung der Pferde kaum Voraussagen machen. Außer den vier genannten, nehmen folgende Stadtteile teil: Bruco (Raupe), Civetta (Eule), Giraffa, Pantera (Panther), Tartuca (Schildkröte), Valdimontone (Widder). Die 7 Stadtteile, die am 2. Juli 2000 nicht teilnehmen (Schnecke, Drache, Wölfin, Muschel, Einhorn, Adler, Nashorn), werden beim Rennen vom 2. Juli 2001 dabeisein zusammen mit anderen drei, die am letzten Sonntag im Mai 2001 ausgelost werden.
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Die schönste Stadt Italiens spielt wieder einmal verrückt. Zwar veranstaltet heutzutage beinahe jeder Ort irgendwann im Laufe des Jahres ein kostümiertes Fest, aber der Palio von Siena ist das einzige, das nicht etwa im XX. Jahrhundert (wieder-)eingeführt wurde, um Touristen anzulocken, sondern seit Jahrhunderten ununterbrochen veranstaltet wird und auch heute wohlgemerkt nicht für den, sondern trotz des Tourismus stattfindet. Dies macht natürlich einerseits die Einzigartigkeit des Palio aus, erfordert andererseits ein umsichtigeres, zurückhaltendes Verhalten der Besucher, denen es bewußt sein muß, daß das Ganze nicht um ihretwillen veranstaltet wird.
Fälschlicherweise behaupten die meisten Reiseführer, daß der Brauch, Pferderennen zu veranstalten, in Siena um 1600 aufkam. Dabei ist der Palio bereits um 1300 urkundlich bezeugt, mit dem Unterschied freilich, daß man damals die Pferde nicht auf dem Campo (dem Hauptplatz), sondern auf der sogenannten Frankenstraße (der Hauptstraße) rennen ließ. |
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Termine auf dem Campo 29.06, den ganzen Vormittag: Untersuchung, Auswahl und Verlosung der Pferde
29.06, 19 Uhr 45: erstes Proberennen 30.06, 09 Uhr: zweites Proberennen 30.06, 19 Uhr 45: drittes Proberennen 01.07, 09 Uhr: viertes Proberennen 01.07, 19 Uhr 45: fünftes Proberennen 02.07, 09 Uhr: sechstes Proberennen 02.07, am frühsten Nachmittag: Einsegnung des Pferdes in der jeweiligen Stadtteilkirche 02.07, ca. 15-17 Uhr: Palio-Parade vom Dom bis zum Campo 02.07, ca. 17 Uhr: Beginn der Parade auf dem Campo 02.07, 19 Uhr 45: das Rennen! Die anderthalb Minuten, auf die eine ganze Stadt ein Jahr lang gewartet hat! 02.07, 20 Uhr bis... Ende Oktober: Feiern mit verschiedenen Höhepunkten im Siegerstadtteil Wenn Sie Fragen haben, klicken Sie hier unten! Antwort kommt bestimmt und es kostet nichts. © Marco Bucciarelli |
Verschiedene Einzelheiten des Brauchtums lassen übrigens einen noch viel früheren Ursprung vermuten; so war es in meiner Kindheit in den 1960er Jahren (als der Palio noch nicht live im Fernsehen übertragen wurde) üblich, als Zuschauer auf dem Campo zu stehen und gespannt die Flugrichtung der Tauben zu beobachten, um im voraus zu wissen, welchem Stadtteil ("contrada") der Sieg zuteil werde: dies ist aber im Grunde nichts Anderes als die Vogelschau der Etrusker, die bekanntlich zu diesem Zweck den Himmel in Bezirke eingeteilt hatten! Auch die Einsegnung der Pferde mit Weihwasser, die nahezu menschliche, ja königliche Behandlung, die den verlosten Rennern zuteil wird, legen einen Ursprung des Palio in heidnischen Urzeiten nahe, als das Pferd als Erscheinungsform der Göttin Diana galt, der es beim großen Fest von Mitte August geopfert wurde; man bedenke hierbei, daß der Palio vom 16. August in Siena als wichtigerer denn jener vom 2. Juli empfunden wird... Obwohl das Rennen in seltenen Fällen heute noch zum blutigen Opfer ausartet, kann es nur von Unkundige leichtfertig als Tierquälerei abgestempelt werden: wer mit eigenen Augen gesehen hat, wie die Bevölkerung von Siena die Pferde hegt und pflegt und geradezu vergöttlicht, dem wird es klar, daß der Palio eher ein Fall für den Anthropologen und den Religionswissenschaftler als für den Tierschützer darstellt.
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Nachtrag Das Stachelschwein hat am 02.07.2000 nach 25 Jahren endlich wieder gesiegt! Ein aufregendes Rennen, viele Reiter sind abgestürzt! Das Volk des Stachelschweins zieht trommelschlagend mit Hunderten von Fahnen rund um die Uhr im Triumph durch die Stadt! |
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