Was will der Islam?
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Der Präsident des deutschen Amtes für Verfassungsschutz, Peter Frisch, ist kürzlich mehrfach mit der Warnung an die Öffentlichkeit getreten, der Islam sei die größte Gefahr für Deutschland in den kommenden Jahrzehnten. Mit Zitaten aus dem Buch der Muslime, dem Heiligen Qur-ân, versuchte er zu belegen, dass ein Anhänger der Lehre des Propheten Muhammad (Frieden und Segen Allahs seien auf ihm) notwendigerweise die Demokratie ablehnen und bekämpfen müsse, und dass es Pflicht eines Muslims sei, alle Ungläubigen zu töten. Nun ist es unbestreitbar, dass sich in etlichen Regionen der Welt Menschen finden lassen, die ihre Vorstellung von einem sogenannten Gottesstaat mit brutaler Gewalt durchzusetzen versuchen. Dies betrifft jene, die sich in der Nachfolge Muhammads wähnen, genauso wie jene, die sich für Jünger Jesu halten, wie jene, die dem Hinduismus Gefolgschaft geschworen haben, wie jene, die den Prinzipien Buddhas treu zu sein vorgeben, wie jene, die sich Juden nennen. Aber in unseren Breitengraden rücken vor allem die Muslime in den Vordergrund, was natürlich etwas damit zu tun hat, dass der Islam etwa mit zwei Millionen Anhänger die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Deutschland darstellt. Es scheint überdies, dass in Deutschland der jahrhundertealte Kampf des Christentums gegen den vermeintlich falschen Propheten aus Mekka sich stets zu wilden Auswüchsen verstiegen hat. Angefangen von den Kreuzzügen, bei denen von Christenseite her zum Heiligen Krieg aufgerufen wurde – ein Schlagwort, das man jetzt dem Islam anzuhängen versucht –, bis hin zu einem Unverstand gegenüber den islamischen Tugenden wie Verzicht auf Alkohol und Drogen oder dem Einhalten strenger, sittlicher Maßstäbe, wie sie im Kopftuch zutage treten. Der Islam war gewissen Kreisen im Westen seit jeher suspekt, aus Gründen der christlichen Ideologie oder der allgemeinen Tradition, und so ist es nicht verwunderlich, dass die Medien diese aggressive Haltung übernehmen und ein Feindbild Islam aufbauen. Dabei bedienen sich die Verantwortlichen nicht nur bedenkenlos jeglicher Stereotypen, sie übernehmen auch alle möglichen Gerüchte und Vorstellungen als wahr, indem sie sie als Aussagen des Heiligen Qur-ân ausgeben, oder als Handlungsweisen, die dem Propheten Muhammad saw zu eigen gewesen seien. Vorurteile gegen den Islam zuhauf Die Liste von Abscheulichkeiten und Ungereimtheiten, die so den Deutschen durch die Medien aufgetischt werden, ist sehr lang. Ich habe in rund 30 Jahren, in denen ich Islam praktiziere, selbst von hochgebildeter Seite so viele Lügen gehört, dass eine Dokumentation dieser Ungeheuerlichkeiten ein Buch füllen würde. Indes ist es nicht Aufgabe dieses Aufsatzes, anekdotenhaft solche Vorfälle vor Augen zu führen, sondern Klarheit darüber zu geben, was die Absichten des Propheten Muhammad saw und seiner Nachfolger sind, was der Heilige Qur-ân vom Menschen verlangt und wohin er ihn führen will, kurzum, was der Islam eigentlich ist und will. Ein solches Vorhaben sieht sich aber nicht nur den festsitzenden Vorurteilen von Bewohnern der westlichen Hemisphäre unserer Erde gegenüber, sondern auch den abergläubischen, irrationalen Praktiken und Ideen von Kreisen, die sich islamisch nennen, aber trotzdem dem Heiligen Qur-ân zuwiderhandeln. In scheinbar gutem Glauben vertreten diese Leute eine rigide und bisweilen auch blindwütige Vorstellung eines Islam, die in der Tat geeignet ist, Entsetzen und Schrecken hervorzurufen. Hier muss ich deswegen auf die befremdlichen Ideen beider Lager eingehen. Des Islam authentische Quellen Nun verfügt der Islam wie keine andere Religion über grundlegende Schriften, die einmütig von den Wissenschaftlern als authentisch und unverfälscht betrachtet werden. Der Heilige Qur-ân, von dem die Muslime glauben, dass er die wortwörtlichen Mitteilungen Gottes erhält, ist sozusagen in einer Urschrift herhalten, jener Fassung nämlich, die der dritte Nachfolger Muhammads saw, der Khalifa Usman, aus allen verfügbaren Niederschriften und vor allem den im Gedächtnis unfehlbar getragenen Zeugnissen der Muslime erstellen ließ. Zum zweiten haben wir in den Hadith, den Berichten über das, was der Prophet Muhammad saw sagte oder tat, einen unermesslichen Schatz an Weisung, die den Propheten zu jener Persönlichkeit der Geschichte machen, über die am meisten bekannt ist. Aus solchen Quellen ergibt sich der grundlegende Verhaltens- und Glaubenskodex der Muslime. Studieren wir sie, lässt sich als erstes feststellen, dass die Religion, die Gott dem Propheten Muhammad saw als Quintessenz aller Religionen offenbarte, auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruht. Der Qur-ân ist eindeutig darin, dass es in Glaubensdingen keinen Zwang geben darf (2:257). So heißt es zum Beispiel unmissverständlich: Lass den gläubig sein, der will, und lass den ungläubig sein, der will. (18:30) Jegliche Anwendung von Gewalt gegenüber Muslimen oder Nicht-Muslimen hinsichtlich einer Glaubensfrage ist absolut verboten. Es war ja auch, wie wir ganz genau wissen, niemals Praxis des Propheten Muhammad saw, etwa eine Frau dazu zu zwingen, einen Schleier zu tragen, oder einen Mann dazu zu zwingen, einen Bart zu tragen. Geschweige denn, einen Nicht-Muslim unter Androhung von Gewalt dazu zu zwingen, sich zum Islam zu bekennen. Ein Vorfall macht das ganz deutlich. Ein Gefährte des Propheten traf in einer Schlacht, in der sich die Muslime gegen die Aggression ihre Feinde zu verteidigen hatten, auf einen Gegner in einer Situation, in der es ihm leicht war, ihn zu töten. Als der Muslim dem Feind das Schwert auf die Brust setze, sagte jener den ersten Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses, la illaha illalah, daher: es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah. Der Muslim indes hielt das für eine Ausflucht, mit der der Nicht-Muslim sein Leben zu retten gedachte, so tötete er ihn. Als er diesen Vorfall dem Propheten Muhammad saw berichtete, wurde dieser äußerst zornig und sagte, dass das Glaubenskenntnis, das der Nicht-Muslim geäußert hatte, als Zeugnis gegen den Muslim am Tage des Gerichts stehen würde. Niemand, so sagte er, könne in das Herz eines anderen schauen und somit sagen, dass ein geäußertes Glaubensbekenntnis nicht ehrlich gemeint sei. In der Geschichte des Islam ist es demzufolge auch nicht vorgekommen, dass die Muslime jene, mit denen sie Krieg lagen, dazu zwangen, den Islam anzunehmen. Die Grundlage des Glaubens muss die Glaubensfreiheit sein. Ansonsten bringt man in besten Falle nur Heuchler hervor. Kein Zwang im Glauben Der Prophet Muhammad saw deswegen von Gott so angesprochen: Rufe auf zum Wege deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und rede mit ihnen auf die besten Art. (16:126) d.h. durch Beweisen und Argumentieren, durch barmherziges Verhalten und beispielhaftes Vorleben sollen die Herzen der Menschen für den Weg Allahs gewonnen werden. An anderer Stelle sagt Allah: Und hätte dein Herr seinen Willen erzwungen, wahrlich, alle, die auf Erden sind, würden geglaubt haben insgesamt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, dass sie Gläubige werden? Niemanden steht es zu, zu glauben, es sei denn mit Allahs Erlaubnis. Er sendet (seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft nicht gebrauchen mögen. (10:100-101) Hier weist Gott darauf hin, dass der Mensch kraft seiner Vernunft zu Einsicht kommen soll und kann, und dass rationales Überlegen zum Glauben führt. Es sind schlechte Angewohnheiten und Begierden, die den Menschen weit abführend vom Weg. Machtgier, Habgier, Liebe zur Welt, Gelüst all das sind moralische Verirrungen, die den Menschen unterjochen. Während die Vernunft es ist, die ihn aus den Niederungen tierhafter Sinnlichkeit zu einem Lebewesen werden lässt, das in den Höhen der Engel auf eine Weise, die Gott gefällt, seinen Eigenschaften zum Guten lebt und seine Seele verfeinert. Dadurch wird der Mensch reif, sich dem Ort seiner eigentlichen Bestimmung zu nähern, dem rein geistigen Leben im Jenseits. Der Heilige Qur-ân sagt dazu: O die glaubt, fürchtet Allah und sucht den Weg der Vereinigung mit ihm und strebet auf Seinem Wege, auf dass ihr Erfolg habt. (5:36) Dies ist keine neue Aussage in der Geschichte der Religion. Jesus as zum Beispiel erklärte, dass er und der Vater eins seien, und dass die Juden ihm als dem Weg, der Wahrheit und dem Leben nachfolgen sollten, daher, dass sie gleich ihm die Vereinigung mit Gott anstreben sollen. Die Mystik hat dieses Ziel im Christentum unio mystica genannt, im Islam wird jenes Ziel als Fana, als Erlangen des großen Ich-Todes der Überwindung des Egoismus, bezeichnet. Diesem Zustand folgt dann, so Gott will, ein Leben in den höheren Bereichen, die Baqa und Liqa genannt werden, einem immerwährenden Wachsen an Schönheit in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Der Qur-ân sagt zu diesem Weg, dass die Blicke des Menschen Gott nicht erreichen können, Gott aber die Blicke der Menschen erreiche. Damit wird erklärt, dass der Mensch eigenem Tun und Wollen jenen höchsten Zustand der Glückseligkeit, den wir Paradies nennen, nicht erreichen kann, sondern dass dazu die Gnade Gottes notwendig ist. Der Mensch aber muss sich anstrengen, einen Zustand Gottergebenheit zu erlangen, indem er sich mit all seinen Kräften bemüht, die Aufgaben zu erfüllen, die Gott ihm gegeben hat. Das betrifft mithin die Anstrengung, die Gebote der rechten Ernährung und die Gebote richtigen moralischen Verhaltens zu beachten und sich all dessen zu enthalten, was Gott als schädlich für Leib und Seele beschreibt. Glaube und Vernunft Nun verlangt Gott von dem Muslim, das heißt wörtlich einem der gottergeben ist keinen blinden Glauben. All das, was Gott im Heiligen Qur-ân gebietet oder verbietet, erfährt eine plausible Begrüßung. Das fängt damit an, dass Gott ausführt, dass das Fleisch des Schweines unrein ist, eine Aussage, die die Wissenschaft belegt, indem sie herausgefunden hat, dass das Fleisch des allesfressenden Schweines von allen Fleischsorten am wenigsten nahrhaft ist. Und das geht weiter bis zur Erklärung Gottes, dass in Alkohol und Drogen zwar auch Gutes enthalten ist, dass das Schlechte darin aber das Gute überwiegt, weil Menschen, die sich der Berauschung hingeben, vom Gedenken Allahs, also der Erklimmung hoher und höchster geistiger Stufen, abgeschaltet werden und zudem sich zu Handlung hinreißen lassen können, die zu Mord und Todschlag führen. Es ist interessant, dass Gott in seiner Ermahnung nicht nur das verbot begründet, sondern in ihm bereits ein Ziel vor Augen stellt, das jene vergängliche Erfahrung von Schönheit, wie sie durch Alkohol und Drogen erreicht werden mögen, bei weitem Schönheit und Glückseligkeit übertrifft: nämlich die Gemeinschaft mit Allah. Nun ist Allah ein lebendiger Gott. Er sagt von Sich: Allah – es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendigen, dem aus Sich Selbst Seienden und Allerhaltenden. Schlummer ergreift ihn nicht noch Schlaf. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Wer ist es, der bei ihm Fürbitten will, es sei denn mit seiner Erlaubnis? Er weiss, was vor ihnen ist und was hinter ihnen und sie begreifen nichts von seinem Wissen, außer was ihm gefällt. Sein Wissen umfasst die Himmel und die Erde; und ihre Erhaltung beschwert ihn nicht; und Er ist der Erhabene, der Große. (2:256) An anderer Stelle heißt es: Sprich: er ist Allah der Einzige, Allah der Unabhängige und von allen Angeflehte, er zeugt nicht und war nicht gezeugt, und keiner ist ihm gleich. (112:2-5) Dieser lebendige Gott ist nicht dem Tod unterworfen, noch der Geburt. Alles, was geboren wird, erlangt Leben durch Ihn, und Er bestimmt den Tod. Alle Geschöpfe dienen, willentlich oder unwillentlich, nur Ihm, seien sie noch so vornehmen oder groß oder heilig oder mächtig. Er gibt die Herrschaft, wem er will. Er ist der Allerhaltende, Der alles mit rechtem Maß herabsendet. Er erhörte die Gebete der Bittenden und beantwortet sie. Keine Seiner Eigenschaften hört jemals auf zu existieren. Er spricht heute noch so, wie er vor Tausenden von Jahren gesprochen hat. Wenn wir ihn ansprechen, dann mag er sich uns barmherzig und gnadenreich wenden. Und er beschenkt die Rechtschaffenen mit seiner Liebe. Während er die, die sich hochmütig von ihm abwenden, bestraft, damit sie erkennen, dass wahre Schönheit nur in ihm zu finden ist. Er ist der Allgerechte, der keinen unrechtmäßig bevorzugt. Frauen und Männer sind gleich vor seinem Angesicht. Und es ist ein Irrtum, Er sei männlich, nur weil Er sich bisweilen mit dem Attribut der Stärke zu erkennen gibt, indem von Er die Rede ist. Im Qur-ân nennt sich die Person des göttlichen Wesens bisweilen Allah, bisweilen spricht sie von Wir oder von Ich oder von dem Gnadenreichen wobei Gnade im arabischen, der Sprache, in der Gott den Heiligen Qur-ân herabgesandt hat, weil sie die Ursprache aller Menschen ist, weiblich ist. Der Allmächtige und Liebreiche, der Heilige und Führer auf dem geraden Weg ist der Schöpfer aller Universen und aller Geschöpfe und Dinge, die in ihnen verstreut sind. Gott spricht auch heute Manche Gelehrte im Islam behaupten, nach der Offenbarung des Heiligen Qur-ân habe Allah aufgehört, Sich durch Offenbarung, im Fachbegriff Wahi oder Ilham genannt, Menschen mitzuteilen. Ein verhängnisvoller Irrtum, wie sich herausgestellt hat. Denn zu behaupten, auch nur ein einziges von der über 100 Attributen Allahs würde aufhören zu existieren, kommt einer Selbstverstümmelung gleich. Natürlich spricht Allah auch heute noch zu wem Er will in einer Sprache, die ihm beliebt. Tausende haben dies bezeugt, und Tausende werden es, den Gelehrten zum Trotz, zu bezeugen. Genauso so verhängnisvoll ist die Vorstellung mancher, die meinen, Allah dadurch nahezukommen, dass sie bis zur Bewusstlosigkeit rhythmisierend seinen heiligen Namen ausstoßen. Die Art, in der wir uns Allah nähern sollten, ist eine Art der liebe. Er ist nicht taub. Er hört das verborgene und sieht das, was sich in unserer Brust versteckt. Er weiss, ob wir lauteren Herzens sind, oder ob wir Hass hegen. Das, wozu Allah uns aufruft, ist ein Leben in Reinheit. Nie sollten wir zu jemandem, der sich als Gläubigen bezeichnet, sagen, er sei ein Ungläubiger, selbst wenn er gegen sittlichen Normen des Islam verstößt. Manch einen gibt es, der schon an die Tore der Hölle klopfte, und dann zum Himmel geleitet wurde, und manch einen gibt es, der wähnte, an die Pfoten des Himmels zu klopfen, und dann den Weg in den Abgrund ging. Indes ist gerade die Sucht zu entzweien, dem Islam so zur Gefahr geworden, dass die Muslime sich ermahnen lassen sollten durch den Qur-ân-Vers, der sie auffordert, allesamt festzuhalten am Seile Allahs. Und trotzdem gefallen sich von den vielen verschiedenen Richtungen, in die der Islam zersplittert ist, die meisten darin, Angehörige andere Gruppierungen zu Ketzern und Ungläubigen zu erklären, ohne Wissen und Verstand. Dabei sagt der Prophet Muhammad saw, dass ein Mumin, der einen anderen Mumin zum Ungläubigen erklärt, selbst kein Mumin mehr ist. Ich erwähne dies, um eines der großartigen Ziele, für die der Prophet Muhammad saw gesandt wurde, deutlich werden zu lassen. Allah ist Eins, und seine Einheit manifestiert sich in jedem Menschen. Derjenige, der als Krone der Schöpfung zum besten aller Menschen und Propheten erklärt wurde, der Heilige Prophet Muhammad saw, Friede und Segen Allahs seien auf ihm, den Allah im Heiligen Qur-ân Khâtam un-Nabîyyin, das heißt das Siegel, durch das alle Propheten bestätigt werden müssen, nennt, jener gesegnete Führer aus Mekka, von dem Allah im Heiligen Qur-ân sagt, dass er das schönste Vorbild für alle Menschen ist, dem alle folgen sollen, die Gott lieben, er war auserwählt worden, die Einheit der Menschheit herbeizuführen. Während alle Propheten, die vor ihm erschienen, nur jeweils für ein bestimmtes Volk und eine bestimmte Zeit mit einem bestimmten, zeitlich begrenzten Gesetz gesandt worden war, war es dem Propheten Muhammad saw vorbehalten, als Barmherzigkeit für alle Welten, wie Gott ihn im Heiligen Qur-ân nennt, Träger des abschließenden Gesetzes der Menschenheit zu werden, und zudem Gesandter, durch dessen Leben und Lehre die Menschheit zu einer Einheit zusammenwachsen würde. Somit ist es völlig irreführend zu denken, der Islam sei eine Religion der Araber. Der Prophet selbst hat auf einer seiner berühmten Abschiedspredigt die Gleichheit aller Menschen verkündet. Kein Araber hat einen Vorrang vor einem Nicht-Araber, und kein Weißer einen Vorrang von einem Schwarzen und umgekehrt. Das einzige, was die Menschen, ob Mann oder Frau, gleich welcher Rasse sie angehören mögen und zu welcher Religion auch immer sie sich bekennen, unterscheidet, ist ihr Grad an Rechtschaffenheit, ist die Vorzüglichkeit ihres moralischen Verhaltens. Und um die Menschen zu moralischen Verhalten zu erziehen, wurde der Heilige Qur-ân abgesendet. Nicht darum, dass wir leiden mögen, sondern darum, dass wir die wahre Schönheit erkennen. Sehr wohl weiss Gott, das die üblen Kräfte im Menschen ihn verführen möchten zu Prassen und Genießen, zu Unrechttun um der eigenen Vorteile willen, zu Unzucht und der Verehrung von Totem aus dem Wunsch nach Selbsterhöhung heraus. Sie werden dem Vieh die Ohren abschneiden, heißt es dazu im Heiligen Qur-ân, sie werden ihr Gelüst zu ihrem Gott machen. (45:24) Aber das, was Menschen herabzuziehen vermag, ist gleichzeitig eine Möglichkeit, sich zu edlem und großem Verhalten durchzuringen. Prüfungen müssen sein, leiden müssen erfahren werden, der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Abhängigkeit muss durchgefochten werden, damit wir auferstehen zu einer Menschlichkeit, die sich freimacht durch die Gnade Allahs für jene Höhen, in denen die Engel wirken, jene Wesen, die Gott nicht ungehorsam sein können. Erneuerung des Glaubens Und doch verirren sich die Menschen immer wieder in Zweifeln und maßlosem Hass, in Argwohn und Täuschungsversuchen, statt Hilfe dessen zu suchen, dessen Licht jedes Bemühen belohnt, das mit Hingabe an Ihn und Demut und guter Absicht und Kraft der Vernunft Gutes zu tun im Sinn trägt. Und doch nehmen die Menschen Zuflucht zu Glaubensvorstellung, die den erhabenen Lehren des Propheten Muhammad saw Hohn sprechen. Zumal in jenen Einflussbereichen, die durch den Islam geprägt sind, haben sich in den letzten Jahrtausenden Glaubensvorstellungen und Praktiken eingeschlichen, die das reine Antlitz der wahren Religion vor Gott entstellen. Ob es Beschneidung von Mädchen ist oder die Vernachlässigung und Missachtung der Rechte der Frauen (Iran, Afghanistan), ob es die Verehrung des islamischen Gebotes auf Verteidigung der Glaubensfreiheit in einen willkürlichen, unmenschlichen Terrorismus ist, ob es die absurde Hinzufügung zu den Inhalten des Qur-ân ist, mit der die Geschichte von Jesus as bedacht wird, ob es die völlige Missachtung der Prophezeiung ist, die der Heilige Prophet über das Erscheinen eines islamischen Reformers, des Mahdis, und die Wiederkunft von Jesus as ist – der Beispiele sind viele. Lesen denn diejenigen, die die Klarheit und Widerspruchslosigkeit des Heiligen Qur-ân durch ihre falschen Interpretationen zu Aberglaube und Irrationalismus verrücken, nicht mit ihrem Herzen, ihrem Verstand und ihrem Gewissen die offenbarten Worte Allahs? Jedenfalls ist das Ergebnis solcher Misshandlungen, dass dem Westen vor dem Islam graut und dass es, in der Meinung der Intellektuellen, keine hässlichere Religion zu geben scheint als den Islam. Gleichberechtigung – aber wie? Lassen sie mich jetzt deswegen zu einigen der verheerenden Verwirrungen Stellung nehmen, die man dem Islam zuschreibt. Da wäre als erstes die Behauptung, im Islam werde die Frau unterdrückt, sie spiele eine untergeordnete Rolle. Nichts davon ist wahr. Der Qur-ân sagt als Grundlage für das Verhältnis der Geschlechter in Sure 2 Vers 188: die Frauen sind den Männern ein Gewand, und die Männer sind den Frauen ein Gewand. Kein Mann ist nur aufgrund seiner Geschlechtszugehörigkeit besser als eine Frau und umgekehrt. Wetteifert miteinander in Rechtschaffenheit, fordert der Qur-ân alle Menschen auf. Und Frauen können einen ebenso hohen Rang erreichen wie Männer. Frauen haben ihre Rechte und Männer haben ihre Rechte. Und beide haben die ihnen gemäßen Pflichten. Mann und Frau sind also gleichwertig, und beiden muss alles zugestanden werden, was sie befähigt, ihre Talente auf das Beste zu entfalten. Natürlich aber bedingt die unterschiedliche biologische Konstitution unterschiedliches Verhalten in bestimmten Situationen. Einer Frau müssen in den Tagen ihrer Schwangerschaft, zum Beispiel, verhältnismäßig mehr Rechte eingeräumt werden, als einem Mann. Andererseits muss es einem Mann, der laut Islam die Pflicht hat seine Familie zu ernähren, vorbehalten sein, in Sachen Finanzen letztlich zu entscheiden. Aber der Heilige Qur-ân ermahnt die Ehepartner, gütlich miteinander umzugehen, denn manches, was man in dem anderen nicht mag, kann sich als wohltuend erweisen. Völlig unzutreffend sind Ideen, die meinen, die Frau sei im Islam nur halb so viel wert wie ein Mann, da angeblich die Zeugenschaft eines Mannes durch zwei Frauen nur aufgewogen werden kann. Wer das behauptet, liest den Qur-ân nicht richtig, nirgendwo ist davon die Rede. Gleichfalls in den Bereich der Fabel ist die Idee einzureihen, ein Mann könne sich durch dreimaliges ich verstoße dich von seiner Frau scheiden. Das entspricht nicht der überlieferten Praxis des Propheten Muhammad saw. Mann wie Frau haben gleichermaßen das Recht auf Scheidung, Wahl des Ehepartners, Erbe und die Ausübung von der Bürgerpflichten. Beide können Geschäfte tätigen und alle Berufe ergreifen, die ihren Fähigkeiten angemessen sind, im privaten wie im politischen Bereich. Dass die Frau vom Heiligen Qur-ân dazu aufgefordert wird, sich dezent zu kleiden, damit sie durch eine Zurschaustellung ihrer Schönheit nicht Männer reizt, ist ein Gebot der Sittlichkeit, das der Tatsache Rechnung trägt, dass die Männlichkeit aggressiver ist als gemeinhin die Frau, und dass die Formen einer Frau von einnehmenderem Charakter sind als die des Mannes. Gleichwohl gebietet der Heilige Qur-ân den Männern und Frauen gleichermaßen, ihre Blicke nicht umherschweifen zu lassen und sich nicht auf den Pfad des Ehebruchs zu begeben. Jihaad – falsch verstandener Begriff Der Heilige Qur-ân verlangt Gehorsam gegenüber einer rechtmäßigen Regierung, gleich, ob sie von Muslimen gestellt wird oder nicht. Solange die Glaubensfreiheit gewährt ist, hat der Muslim kein Recht, zu den Waffen zu greifen. Der Jihaad, das qur-ânische Gebot, auf dem Wege Allahs zu sterben, das oftmals fälschlicherweise mit Heiliger Krieg übersetzt wird, gilt im Bereich der kriegerischen Auseinandersetzung nur dann, wenn die Muslime die Freiheit im Lande verteidigen müssen. Sich abschlachten zu lassen von Aggressoren, die eine Tyrannenherrschaft errichten wollen, gleich in welchen Namen, ist verboten. Die Glaubensfreiheit muss für die Bekenner aller Religionen gewährt werden. Sie ist das höchste Gut im Islam, was die gesellschaftlichen Umstände betrifft. Die Muslime sind bei Wahlen gehalten, wo immer sie sind, jene zu wählen, die ihrer Meinung nach am besten geeignet scheinen, einen Staat zu verwalten. Es kann nicht Gutes bewirken, was aus Machtgründen Gewalt eingesetzt, denn Frieden zu stiften und zu leben ist die Grundlage des Islam. Schon das Wort Islam bedeutet ja Frieden zu finden, indem man sich Gott unterwirft. Demzufolge warnt der Qur-ân schon in seinen ersten Versen vor jenen, die im Grunde Heuchler sind. Sie geben vor, Gläubige zu sein. Dazu heißt in der Sure 2 Verse 9-13: Unter den Leuten sind solche, die sagen: wir glauben an Allah und an den jüngsten Tag, sind gar nicht gläubige. Sie möchten Allah betrügen und die wenigen, die gläubig sind doch sie betrügen nur sich selbst allein sie begreifen es nicht. In ihren herzen war Krankheit, und Allah hat ihre Krankheit vermehrt und eine qualvolle straffe wird ihnen, weil sie logen. Und wenn ihnen gesagt wird: Stiftet keine Unruhe auf erden, antwortet sie: wir sind nur Förderer des Friedens. Hört, gewiss sind sie es, die Unruhe stiften; allein sie begreifen es nicht. Hingegen wird immer wieder angeführt, dass es im Heiligen Qur-ân Verse gebe, in denen dazu aufgefordert wird, die Ungläubigen zu töten. Der Heilige Qur-ân aber ist widerspruchsfreies Buch, und seine Verse müssen im Zusammenhang gelesen werden. Demzufolge ist es leicht einsichtig, dass sich Verse, in denen Muslime ermahnt werden, im Kampf gegen diejenigen, die eine Gewaltherrschaft errichten und die Muslime unterjochen und ihnen die Glaubensfreiheit nehmen wollen, nur auf den regulären Kriegszustand beziehen. Die Grundlage gesellschaftlichen Lebens, die der Heilige Qur-ân gebietet, ist die Glaubensfreiheit. Warum also kommen manche Leser islamischer Schriften auf den Gedanken, es sei gestattet, ja gefordert, Ungläubige zu töten, nur weil sie einen anderen Glauben haben als die Muslime? Sagenhafte Geschichte Ein weiterer in der Diskussion ist die sagenhafte Geschichte, die gewisse Leute innerhalb des Islam erdacht haben, um ihre Neigung zu irrationaler Wundergläubigkeit zu befriedigen. Wiewohl kein Wort davon im Qur-ân steht oder in den als authentisch erklärten Hadith, wird so behauptet, Jesus as sei gar nicht ans Kreuz genagelt worden; vielmehr sei er von Gott lebendig in den Himmel erhoben worden, während Gott einen anderen Juden, wahrscheinlich Judas, plötzlich mit einem anderen Gesicht und Körper versehen habe, so dass die Römer und Juden meinten, es handele sich dieser Person um Jesus as; und jene so phantastisch umgestalte Person sei dann gekreuzigt worden. Wie gesagt, von dieser absurden Geschichte findet sich kein Wort im Qur-ân, dennoch scheuen sich manche Qur-ân-Übersetzer nicht, ihre Version als die richtige in ihre Übersetzung einzubauen. Tatsache ist, dass Muslime, die heute noch an dieses Märchen glauben, von einem Gottes-Verständnis ausgehen, das bar jeder Vernunft ist. So heißt es an der fraglichen Stelle, dass Jesus as den Juden nur wie einer erschien, der den Kreuzestod erlitt, und dass Gott Jesu as davor errettete und ihn zu sich erhob. (4:158) Aber wer diese Verse im obengenannten Sinne interpretiert, umgeht zum einen historische Tatsachen; zum zweiten leugnet er, dass Gott eine Möglichkeit hatte, Jesu as nicht am Kreuz sterben zu lassen, indem Er ihn bewusstlos werden ließ, so dass geglaubt wurde, dass er tot sei, während er doch lebendig vom Kreuz genommen wurde, und, gesund gepflegt, dann den Jüngern erschien, um später in die jüdische Diaspora auszuwandern; und zum dritten übersehen jene Verfechter dieser Theorie, dass Jesus as lebendig in den Himmel aufgenommen wurde, dass die Aussage des Heiligen Qur-ân, in der es heißt, dass Gott Jesus as zu Sich erhob, natürlich von einem Gott ausgeht, Der allgegenwärtig ist und nicht etwa oben in einem Himmel auf einem Thron residiert. Die Erhöhung von Jesus as, von der der Qur-ân spricht, ist mithin eine geistige Erhöhung, denn Gott war bei Jesus as auch in jenen Momenten, in denen er das Leid der Kreuzigung durchmachte. Nun kann hier nicht in der gebotenen Ausführlichkeit, durch Zitate aus dem Qur-ân und der Bibel, gezeigt werden, dass Jesu as nicht am Kreuz, sondern eines natürlichen Todes starb. Aber wer darüber genauer Auskunft haben möchte, sei auf die dazu vorhandene ausführliche Literatur verwiesen. Die Wiederkunft Jesu as Ein wesentlicher Punkt, den Muslime von heute gerne missachten, betrifft die Prophezeiung des Propheten Muhammad saw über die Wiederkunft von Jesus as, das Erscheinen eines Reformers in der Endzeit, der Mahdi genannt wird und das Auftreten einer antigöttlichen Macht in eben diesem Zeitraum, die Dajjal geheißen ist. Man mag sich fragen, ob diese Frage denn so von Belang sind angesichts einer Situation in der islamischen und christlichen Welt, in der eher Probleme des Zusammenlebens, des friedlichen Miteinanderseins im Vordergrund zu stehen scheinen. Und zumal, wenn wir uns das Thema dieser Rede noch einmal vor Augen führen, was will der Islam, ist es zunächst nicht einsichtig, warum diese Punkte überhaupt hier berührt werden. Indes ist das Schicksal des Islam in unserer Zeit untrennbar verknüpfte mit der Erfüllung besagter Prophezeiungen und wir gehen weit in die Irre, wenn wir meinen, das Ziel des Islam sei individuell oder kollektiv zu erreichen, wenn wir auf die deutlichen Prophezeiungen verzichten, die im Qur-ân und in den Hadith überliefert werden. Der Islam ist vom Anfang an so eng mit der Person des Propheten Muhammad saw verbunden, dass es total unsinnig ist, von einem Islam ohne den Propheten zu reden. Sein Beispiel eines vollkommen Gott ergebenen Dieners der Menschheit ist Beispiel für jeden Muslim. Indem wir dem Propheten bis ins kleinste gehorchen, erlangen wir erst jenen Status eines Rechtschaffenen, der uns zu Muslimen nicht nur den Namen nach werden lässt. Die Moral des Propheten, der in den Zeiten der Schwäche und in den Zeiten der Stärke an den Prinzipien der Gerechtigkeit festhielt, der in Sanftmut predigte und von dem im Heiligen Qur-ân Allah sagt, dass es seine Liebenswürdigkeit war, die seine Gefährtinnen und Gefährten so in einem Bund vereinigte, dass die Welt bis zum heutigen Tage und darüber hinaus ihnen frommstes Gedenken und größte Ehrung zuteil werden lässt, das vorbildliche Verhalten Muhammads saw, der als Gatte und Vater ewige Zeichen setzte, der als Staatsmann und Verkünder göttlicher Wahrheiten unübertroffen ist und uns ob seiner überragenden Eigenschaften bei der Bildung unserer Charaktere hilft, indem wir ihm nacheifern können, ohne von auch nur kleinster Fehlerhaftigkeit fehlgeleitet zu werden, seine Verkörperung der Eigenschaften Gottes mithin war es, die den Islam prägte und prägt und prägen wird. Die Prophetie lebt weiter Was aber ist sein Beispiel, wenn es nicht lebendig in unserer Mitte den Weg weist? Genügt es, ihn zu loben, wenn doch unsere Praxis das Gegenteil darstellt, weil wir zu schwach sind, ohne direkte Nähe eines Gottnahen eigenständig zu gehen? Zwar haben wir die unverbrüchlichen Buchstaben, die von seinem Leben künden, vor uns, aber reicht das aus, uns aus der Verblendung zu führen, in die wir uns versteigen können, wenn Egoismus und Fehlinterpretation überhand nehmen? Allah hat im Heiligen Qur-ân sehr wohl diese Problematik behandelt. In Sure 7 Vers 36 bis 38 heißt es zum Beispiel: O Kinder Adams, wenn zu euch gesandte kommen aus eurer Mitte, die euch meine Zeichen verkünden – wer dann gottesfürchtig ist und gute Werke tut, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern. Die aber, die unsere Zeichen verwerfen und sich mit Verachtung ihnen abwenden, die sollen die Bewohner des Feuers sein, darin müssen sie bleiben. Wer ist wohl frevelhafter als der, der eine lüge wieder Allah erdichtet oder seine Zeichen der Lüge zeiht? Hier sagt Allah sehr klar, dass Er immer wieder Gesandte senden wird, die die Menschen leiten werden. In diesem Sinne hat auch der Prophet Muhammad saw prophezeit, dass die Muslime ihrer Mitte Reformer, Mujaddids genannt, erleben werden, die sie leiten würden, und dass etwa 1300 Jahre nach seinem Tod der Mahdi erscheinen würde, der zugleich die Wiederkunft von Jesus as verkörpere, so wie etwa 1300 Jahre nach Moses Jesus as als Messias der Juden erschienen war. Nun haben immer wieder Versuche stattgefunden, diese Wiederkunft so dazustehen, dass Jesus as, von dem geglaubt würde, er weile mit seinem Körper im Paradies, lebendig vom Himmel herabschweben würde, und die Prophezeiungen darüber, was Jesus as nach seiner Wiederkunft tun würde, sind ebenfalls wortwörtlich interpretiert worden, auch wenn es unsinnig ist zu denken, der wiedergekommene Jesus as würde buchstäblich alle Schweine töten und buchstäblich alle Kreuze zerbrechen, um nur zwei der vielen Prophezeiungen über seine Wiederkunft zu erwähnen. Die Muslime sind mithin demselben Fehler unterlegen, den die Juden machten, als sie die Prophezeiung über die Wiederkunft Elias vor dem Erscheinen des Messias wortwörtlich interpretierten. Selbst als Jesus as auf ihre Frage hin, wo denn der Elias sei, wenn er der Messias zu sein vorgebe, antwortete, dass Johannes der Täufer kein anderer sei als der Elias, den sie erwarteten, selbst also, als Jesus as klarmachte, dass Prophezeiung über die Wiederkunft eines Propheten metaphorisch zu verstehen seien, wollten die Juden ihm nicht glauben. Als nun vor etwa 100 Jahren Hazrat Mirza Ghulam Ahmad, Friede sei auf ihm, erschien und nach einem Leben in Verteidigung des Islam verkündete, dass Gott ihm mitgeteilt habe, in seiner Person seien die Prophezeiungen über das Erscheinen des Mahdis und die Wiederkunft von Jesus as erfüllt, wandten sich jene, die ihn eben noch als Champion des Islam gefeiert hatten, von ihm ab und erklärten ihn zum Ketzer. Nun ist es das Schicksal aller Propheten und Reformer, dass ihr Volk sie auf das heftigste bekämpft, so war es zum Beispiel auch bei Jesus as und Muhammad saw, und nicht anders war es bei dem Messias unserer Zeit. Der Verheißene Messias – der Imam Mahdi Wiewohl die Muslime sogar im Heiligen Qur-ân erwähnt finden, dass Jesus as von dem Erscheinen einer Person namens Ahmad spricht (61:7), was sich sowohl auf den Propheten Muhammad saw als auch auf die Wiederkunft von Jesus as bezieht, wiewohl Ahmad erleuchtende Zeichen Beweise brachte, die hier mangels Platz auch nicht annähernd aufgeführt werden können, wiewohl zumal die Prophezeiung des Propheten Muhammad saw über eine Sonnen- und Mondfinsternis, die als einmaliges Geschehen für den Mahdi Zeugenschaft ablegen würde, zu Lebenszeiten Ammans Realität wurde, weigern sich die Führer vieler islamischer Gruppierung, ihn anzuerkennen und suchen statt dessen, ihn und seine Anhänger als Ungläubige zu brandmarken. Indes, wenn Gott auch bestimmte, dass Seine Gesandten stets verfolgt würden, so bestimmte er doch auch, dass sie stets siegreich bleiben würden. Durch Argumente und Beweise, so lautet eine Prophezeiung des Mahdis, würde seine Bewegung innerhalb von innerhalb von 300 Jahren nach seinem Erscheinen die Welt für den Propheten Muhammad saw gewinnen. Daran können auch jene nichts ändern, die mit Lügen und unterlaufener Methoden seine Gemeinde, die Ahmadiyya Muslim Jamaat, bekämpfen und vor Mord, Totschlag und Brandstiftung nicht zurückschrecken. Mit Niederlassungen in über 150 Ländern der Erde und über 12 Millionen Mitgliedern setzt sich die Ahmadiyya Muslim Jamaat unter der Führung ihres gewählten Khalifas für den wahren Islam ein. Das, was der Islam zur Zeit des Propheten Muhammad saw wollte, nämlich eine Welt des Friedens, der Gottnähe, der Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit zu schaffen, das wird durch jene Wirklichkeit werden, die heute in die Fußstapfen des Propheten Muhammad saw gehen. Voraussetzung dafür ist natürlich das Einhalten der Lehren des Heiligen Qur-ân, wie es heißt: Höchst hassenswert ist es, wenn ihr sagt, was ihr nicht tut. Deswegen ist das Erstreben der Liebe Allahs durch kontinuierliches Beten, durch Fasten und Spenden erste Pflicht der Muslime. In allen Lebenslagen sich Allahs zu erinnern, Seiner zu gedenken, wo immer man ist, ist jene Stufe, die den Muslim über die Verlockungen der Welt erhebt. Gerecht zu sein, auch wenn es gegen einen selbst oder gegen Verwandte ist, ist weitere Voraussetzung für ein Leben, das aus der Erde einen Ort des Friedens werden lässt. Islamischer Staat – kein Begriff Es ist deswegen völlig gegen den Geist des Heiligen Qur-ân gerichtet, wenn manche versuchen, einen Gottesstaat zu errichten, in dem sie ihre Vorstellung vom Gesetz Allahs, der Sharia, dann mit Gewalt durchzusetzen wollen. Ein Staat muss auf Gerechtigkeit gründen, sagt der Qur-ân (4:59). Und dass heißt, dass nicht-muslimische Bürger nicht nach der Sharia behandelt werden dürfen. Es wäre äußerst ungerecht, sie nach dem zu beurteilen, was sie nicht glauben. Der Schrei nach einer Einheit von Religion und Staat ist nicht islamisch. Das Staatsgebilde, das der Propheten Muhammad saw zu Medina anführte, ist nicht in unsere heutige Lage zu übertragen, in der selbst die Auffassungen der islamischen Gelehrten über das, was richtig ist, weit auseinandergehen. Wer sich heute auf eine Sharia, ein islamisches Gesetz, beruft, tut dies überdies zumeist, indem er mittelalterliche Vorstellungen übernimmt, die oftmals gegen den Qur-ân gerichtet sind. So sieht der Qur-ân keineswegs die Steinigung von Ehebrechern vor, oder gar die Tötung von Menschen, die dem Islam abschwören, nachdem sie ihn eine Zeitlang gefolgt sind. Vorstellungen von Herrschern in Ländern mit islamischer Tradition, dass auf Gotteslästerung oder Beleidigungen des Propheten Muhammad saw die Todesstrafe stehen müsse, lassen sich mit dem Heiligen Qur-ân nicht vereinbaren. Der Qur-ân kennt solche Strafen nicht, und zur Zeit des Propheten Muhammad saw waren sie auch nicht gestattet. Hingegen sehr wohl gestattet waren Forschung und die schönen Künste. Die Blütezeit, die nach dem Auftreten des Propheten Muhammad saw für den Islam angebrochen war, wurde dadurch möglich, dass Wissenschaftler und Dichter gefördert wurden. Kriegerische Auseinandersetzungen, die damals als Mittel der Politik galten, sind andererseits heute nicht mehr eine Möglichkeit, Entscheidungen herbeizuführen. In den Prophezeiungen des Propheten Muhammad saw heißt es deswegen, dass in der Zeit des Mahdis der Jihaad mit der Waffe abgeschafft würde. Der Jihaad der Belehrung durch das Wort, und der Jihaad des Kampfes gegen eigene schlechte Angewohnheiten, würde bestehen bleiben. Demzufolge ergeht der Aufruf, ernst zu machen mit dem, was Allah den Gläubigen verspricht: ein reines Leben zu führen, durch dessen Verbindlichkeit die Mitmenschen begeistert werden für den Weg Muhammads saw, den Weg des Islam. Gut und Schlecht ändern sich nicht im Menschentum, Güte und Freundschaft, Barmherzigkeit und Wahrheitsliebe sind nach wie vor Eigenschaften, die für sich sprechen, auch wenn allerorten Anstrengungen unternommen werden, den moralischen Kodex zu unterlaufen. Jene, die Qur-ân-Verse aus dem Zusammenhang reißen, seien es Muslime oder Christen oder Andersgläubige, sind jenen gleich, die nur sich selbst betrügen. Für die anderen gilt das ewige Wort Allahs, der zum Beispiel in Sure 2 Vers 258 sagt: Allah ist der Freund der Gläubigen: er führt sie aus den Finsternissen ans Licht. Die aber nicht glauben, deren Freunde sind die Verführer, die sie aus dem Licht in die Finsternisse führen sie sind die Bewohner des Feuers darin müssen sie bleiben. Die Freunde Allahs sind jene, die nicht leichtfertig urteilen, sondern sich in Geduld üben und nachdenken. Wer das tut und den Heiligen Qur-ân studiert, wird in ihm Licht über Licht finden. Und er wird verstehen, dass der Mensch nicht in Sinnlosigkeit erschaffen wurde, wie Allah betont. Deswegen sind jene, die bar jedes Verstandes von einem Paradies der Sinnlichkeit, von körperlichen Freunden im Jenseits reden und denen, die nicht ihrer Vorstellung vom Glauben folgen, ein ewiges körperliches Brennen in der Hölle androhen, nicht in Einklang mit der Evolution des Menschen. eine Barmherzigkeit umfasst jedes Ding, sagt Allah in Sure 7 Vers 157, indes ist seine Strafe streng für jene, die seine Mahnung nicht. Er soll stattdessen sich wie ein Vogel in die lichten Höhen aufschwingen, in die Seligkeit, die nur der geläuterten Seele zu Eigen sei kann. So spricht der Mahdi. Erkennen wir deswegen unsere Berufung: zwar in der Welt zu sein, aber nicht von der Welt. Und hier auf des Leben im Jenseits, das ein rein geistiges Leben ist, vorzubereiten, indem wir Treue zu Ihm und seinen Gesandten bewahren, durch alle Nächte hindurch. Indem wir nicht den Versuchungen des Fleisches erliegen, sondern uns freimachen für die höchste Glückseligkeit, die Anbetung Allahs. Drum sei Frieden und Segen des allmächtigen Schöpfers auf allen, die der Leitung folgen. Und unser letztes Wort sei: Alhamdolillah – aller Preis gebührt Allah. Hadayatullah Hübsch Aus: Der Islam September 1998 |