E-Mail-Tagebuch

Auf dieser Seite wollen wir Mitgliedern der B.Z.-Redaktion die Möglichkeit geben, der interessierten Öffentlichkeit einen Einblick in das Innenleben der Redaktion zu geben. Um dieses "Tagebuch" mit Leben zu erfüllen, sind wir auf E-Mails angewiesen. Selbstverständlich recherchieren wir auch im Umfeld der B.Z., bei den Lesern und nicht zuletzt bei den Konkurrenzblättern der B.Z.

 

"Ich finde es ja richtig, daß ihr diese Seite macht. Aber eigentlich ist sie unnötig. Kann doch jeden Tag jeder lesen, was für ein Blatt das ist und Rückschlüsse darauf ziehen, was der am meisten bösesteste, brutaligste, dumm Chefredakteur so macht. Wie heißt es doch auf der neuen Frauenseite so schön? Gesundheit, Schönheit, Praktisch. Ich sage: Gemeinheit, Boshaftigkeit, Böse. In dieser Diktion sind die Rückstände großer Verbitterung --- drin. Das waren sprachliche Insider-Witze, und das soll man nicht machen, aber es juckte mich einfach in den Fingern. Wer sie nicht versteht: BZ lesen."

Anonyme E-Mail


"Es gibt zwei Typen von B.Z.-Redakteuren seit Wagner am Ruder ist: Die einen (das sind 95 % der Kollegen), die gemerkt haben, daß sie sich auch noch so anstrengen können, es wird ihnen nichts nützen, und der Rest, der sich anpaßt - aber denen nützt es auch nichts. Wagner akzeptiert nur diejenigen, die er selber mitgebracht hat. Den Rest ignoriert er nicht mal. Die meisten sind schon in der inneren Kündigung. Ich war noch nie bei einer Zeitung, wo die meisten Kollegen gehofft haben, daß die Auflage sinkt, nur damit der Chefredakteur wieder verschwindet. Bei der BZ denken die meisten so, und ich auch."

E-Mail-Zuschrift


"Es ist gut, daß die Besucher Eurer Page auf die dicksten Dinger der BZ hingewiesen werden sollen. Aber interessant ist auch ein Blick in die privaten Angewohnheiten von FJW. Zum Beispiel läßt er sich seinen Espresso immer nur mit Evian-Mineralwasser kochen. Trotzdem schmeckt er ihm häufig nicht. Seine Sekretärinnen sind verzweifelt. Zwei Damen der Chefredaktion haben deshalb schon gekündigt. Sie sollen jetzt wieder beim Springer-Vorstand in Hamburg arbeiten. Wir alle hoffen, daß sie dort darüber berichten, warum sie gekündigt haben. Eine wurde angeblich immer verdächtigt, daß sie dem Chefredakteur seine Schokoriegel vom Schreibtisch geklaut hat."

(Gedächtnisprotokoll eines Gesprächs mit einem BZ-Redakteur).

Zum Thema Persönlichkeit ist auch interessant, was wir über den kurzfristigen Führerscheinentzug von FJW recherchiert haben. Dies trug sich zu am 18. Oktober, unser Mann schlingerte vom Springer-Verlag zu seinem Hotel (Four Seasons). Er blinkte nicht beim Abbiegen, überfuhr ein Stoppschild und fuhr Schlangenlinien. Die Polizei hielt ihn an. Im Protokoll stand später zu lesen, daß er die "typischen Anzeichen eines Betrunkenen" zeigte. Er hatte "gerötete Augen, roch nach Alkohol und war extrem streitsüchtig". Seinen Führerschein bekam er übrigens wieder zurück (Name seines Anwalts ist uns leider nicht bekannt).

"Wir in der BZ fragen uns häufig, warum die Berliner Zeitung so intensiv und dennoch wohlwollend über FJW berichtet. Wir haben es herausgefunden: Der dortige Kollege Gehrs war früher bei "Korsika" (Anm. d. Red.: ein Blatt, das FJW für Burda entwickelte, das aber nie erschien - Konzept zu konfus!) und verehrt Wagner."

E-Mail

Anruf in der Telefonzentrale der B.Z.

Frage: Warum berichtet die BZ ständig über irgendwelche Hitler- und Drittes-Reich-Geschichten?

Antwort: Ach, ist ihnen das auch schon aufgefallen?

Frage: Ja, sonst würde ich nicht anrufen. Also warum?

Antwort: Das müssen sie den neuen Chefredakteur fragen. Der macht das immer.

Frage: Und warum?

Antwort: Wir finden das auch komisch. Wollen sie sich beschweren?

Frage: Bringt das denn was?

Antwort: Nein. Aber wir freuen uns über jeden, der sich beschwert. Dann wissen wir, daß unsere Leser so denken wie wir. Ich leite das auf jeden Fall weiter.

"Ich finde den neuen Chefredakteur ja richtig gut. Von mir werden zwar kaum noch Fotos gedruckt, aber ich bekomme trotzdem viele Aufträge. Und die werden auch alle bezahlt. Aber die BZ druckt die nicht, weil die lieber noch schönere Fotos aus dem Archiv oder von sonstwo drucken. Aber das braucht mich nicht zu kümmern, ich bekomme mein Geld so oder so.

Gespräch mit einem freien Fotograf der BZ


Die BZ ist so ziemlich das einzige Blatt, das sich keinen Deut um Urheberrechte schert. Aber dafür müssen sie bluten. Die haben aus unserer letzten Ausgabe einfach ein Foto geklaut und es ohne Rücksprache gedruckt. Wir schicken denen eine Rechnung, daß sie nicht mehr froh werden. 10000 Mark muß dieser Wagner dafür bezahlen, mindestens. Mit anderen Illus soll er es ja noch schlimmer gemacht haben, aber die wehren sich auch. Angeblich müssen die Fotostrafen von 500.000 Mark bezahlen. Bei so etwas könnte ich mir die Kugel geben."

E-Mail eines Illustrierten-Fotoredakteurs - Anmerkung: nach unseren Recherchen hat der Mann recht, die Strafen sollen sogar noch deutlich höher liegen

Hausmitteilung des Fotochefs an alle Ressorts

Liebe Kollegen,

es scheint sich in letzter Zeit zu etablieren, Bilder ohne Rücksprache mit der Fotoredaktion aus anderen Publikationen in die B.Z. zu heben und zu drucken - mit z.T. obskuren Quellenangaben - sogenanntes Bilder-"Klauen". Dagegen verwehre ich mich in meiner Eigenschaft als Fotochef aufs schärfste und stelle dazu fest:

1 . Bilder klauen ist kriminell. Derjenige, der es tut, kann persönlich juristisch zur Rechenschaft gezogen werden.

2. Bilder klauen kann sehr, sehr teuer werden. So teuer, daß wir unser eigenes Blatt gefährden können.

3. Bilder klauen ist aus den oben genannten Punkten unprofessionell.

Fotos werden unter Umständen auch mit Auflagen vergeben hinsichtlich: Fotozeile, Texthinweis, ohne Beschneidungen drucken usw. Davon wird die Redaktion üblicherweise von der Fotoredaktion in Kenntnis gesetzt, und ich bitte Euch alle noch einmal auf diesem Wege, Euch daran zu halten. Die Aufgabe der Fotoredaktion ist es, (unter anderem) Bildrechte zu klären, also bitte ich, den Weg über die Fotoredaktion auch einzuhalten. Die Antwort auf Bildanfragen kann eben leider auch "Nein" heißen, dann können wir dieses Bild, oder diese Bilder eben nicht drucken.

"Die BZ verliert ständig an Auflage. Das liegt natürlich in erster Linie immer an den Inhalten. Aber es hat auch einen technischen Grund darin, daß wir oft viel zu spät mit dem Drucken anfangen. Früher war das anders. Aber da waren die Chefs auch keine solchen Chaoten. Und außerdem verlieren wir morgens viel Zeit, weil der Chef häufig nicht um pünktlich um elf Uhr erscheint, sondern gerne auch eine halbe Stunde später. Dann warten 20 Leute, macht schon wieder zehn Stunden Arbeitszeit von hochbezahlten und qualifizierten Leuten. Oft wird in meinem Ressort dann erst gegen 14 Uhr mit der Arbeit begonnen. Etwas anderes anfangen kann man in der Zeit nicht, weil man immer Sprungaufmarschmarsch bereitstehen muß für eine völlig unrealisierbare Chaosrecherche."

E-Mail eines Redakteurs

"Es wird immer schlimmer. Immer mehr Kollegen gehen oder sind lange krank. Für uns Hinterbliebene ist das verdammt schwer. Die Erkrankungen sind meines Erachtens psychosomatisch. Die Leute, die ausfallen, sind übrigens keine Drückeberger. Die sind einfach nervlich am Ende. Das liegt daran, daß sie das Gefühl haben, daß sie als Personen völlig gleichgültig sind. Und noch mehr liegt es daran, daß sie auch als Journalisten völlig gleichgültig sind. Der Typ kennt immer noch nicht die Namen seiner Kollegen. Und eine Idee ist immer schlecht, wenn sie nicht von ihm ist. Wir sind hier aber immer noch so loyal, daß wir unsere Geschichten erst an andere Zeitungen geben, wenn sie zwei Mal abgelehnt wurden. Wenn die das dann groß hinlegen, baut uns das immerhin wieder ein wenig auf."

Anonym per E-Mail

"Es ist schön, daß ihr die Lügen, Schlampereien und Verdrehungen der BZ kommentiert, auch wenn die Wallraff-Zeiten eigentlich überwunden sind. Paßt aber auf, daß das nicht kleinlich wirkt. Die Leute sind ja schon so weit, daß sie glauben, daß die BZ so einen Scheiß schreiben muß, weil sie eben ein Witzblatt geworden ist. Ihr wirkt dann vielleicht wie 70er-Jahre-Spinner, die im Club der Aufrichtigen ihre Heiligen-Identität suchen. Das wirkt dann lächerlich, weil ihr ein Witzblatt wie eine echte Zeitung behandelt. Das ist das eigentliche Verbrechen von Wagner: Daß er durch seine Art einen ganzen Zeitungstypus der Lächerlichkeit preisgibt. Bedauerlich, denn ich glaube schon, daß man eine packende, provozierende, manchmal fröhliche oder auch wütende Zeitung machen kann, in der trotz allem die Inhalte stimmen."

Ein Redakteur über die Planungen für diese Homepage