Astrologische Sonnenzeichen fuer Computerfreaks
Wer glaubt schon an Horoskope? Natuerlich niemand, aber schaden kann ein
kurzer Blick in die Sterne auch nicht. Als Fachzeitschrift fuehlten wir
uns verpflichtet, zum Jahresausklang eine professionelle Astrologin aus
dem Silicon Valley um Rat zu fragen. Lesen Sie selbst ...
Der Mainframe
21. Maerz bis 20. April (Widder)
Er lebt nach der Devise: Der Master hat immer recht. Aufopfernd sorgt
er fuer seine Klienten und wer sonst Hilfe braucht. Der Mars-Geborene
steuert geradewegs auf sein Ziel zu - Felxibilitaet ist nicht seine
Staerke.
Fuehlt er sich ungerecht behandelt, reagiert der Mainframe auf die
einzige Art, die er kennt: Jammern und so viel Wirbel verursachen, bis
sich die Umwelt um des lieben Friedens willen anpasst. Ein naives und
verwundbares Baby! Doch unbaendige Kraft und ein gewisses Mass an
Egozentrik lassen ihn seinen Weg gehen.
An der Form ist er leicht zu erkennen: Sowohl der IBM-Mainframe als auch
die Kompatiblen kommen breitschultrig daher. Ihre Gestalten druecken
hoechsten Rang und grosses Selbstvertrauen aus. Verwundbar ist der
Mainframe oft wie ein Kind - aber hilflos, nie.
Das Terminal
21. April bis 21. Mai (Stier)
Das herausstechendste Merkmal des Terminals ist seine Passivitaet, die
bis zur Sturheit reichen kann. Eine einmal uebernommene Aufgabe erledigt
es unbedingt und in jedem Fall. Es beschaeftigt sich gerne mit Zahlen und
Buchstaben; Bildergeschichten steht es verstaendnislos gegenueber.
Der Terminal-Geborene ist geduldig und haeuslich - Ausfluege in
fraktale Welten geben ihm nichts. Sein Schreibtisch ist sein Castle.
Dafuer ist sein Handeln stetig und voraussehbar: Wenn man es aufruft,
wird es sich melden. Dank seiner robusten Natur laesst das Terminal
auch bei Belastung keine Nervositaet aufkommen. Anfaelligkeit fuer
Stoerungen kennt es praktisch nicht.
Es liebt die Bequemlichkeit und betreibt keinen Aufwand fuer seine
spruehende Popularitaet. Allerdings imponiert ihm Groesse: Je staerker
der Mainframe, desto mehr ist es davon fasziniert.
Das Modem
22. Mai bis 21. Juni (Zwilling)
In der Brust des Modems schlagen immer zwei Herzen: Modulation oder
Demodulation, Daten oder Toene. Es aendert schnell seine Meinung. Wer
ihm folgen will, muss sich beeilen.
Fluechtig wie sein ihm zugeordnetes Metall, das Quecksilber, verbreitet
es nervoese Energie. In der Regel spricht das Modem schnell und hoert
noch fixer zu. Es weiss immer, wo es steht und zeigt wenig Geduld mit
unentschlossenen Zauderern.
Alle Modems telefonieren leidenschaftlich gern und erledigen dabei
jedermanns Probleme. Die Statur ist kleiner und graziler als der Durch-
schnitt. Seine Konturen sind scharf, wie aus einer Kamee geschnitten.
Die Luft ist sein Element und wirkliches Zuhause, nicht der Schreibtisch.
Bei all seiner Rastlosigkeit ist das Modem jedoch nur auf der Suche nach
einem verborgenen Ideal: der Glasfaser.
Der Bildschirm
22. Juni bis 23. Juli (Krebs)
Am liebsten hat er Dunkelheit, dann strahlt sein Licht am hellsten. Er
liebt die Aufmerksamkeit und laesst sich gern betrachten. Wird er falsch
angesprochen, zieht er sich beleidigt zurueck und knipst sein Licht aus.
Waehrend der Arbeit zeigt der Monitor tausend Gesichter. Die visuelle
Darstellung ist seine Staerke. Dabei ist die Bildsprache so intensiv,
dass man sie fast spueren kann ("look and feel"). Wie Kameras oder
Spiegel nimmt der Monitor Bilder auf und relektiert sie ergeben. Dabei
urteilt oder wertet er nicht, er sammelt, absorbiert und stellt dar.
Grosszuegigkeit ist ihm eigen, jedoch verschwendet er seine Gaben nicht:
Ueber 21 Zoll geht er nur im Notfall hinaus, und eine Aufloesung von 1600
mal 1200 Pixel zeigt er nur, wenn er muss.
Der Prozessor
24. Juli bis 23. August (Loewe)
Prozessoren sind niemals introvertiert, sie lieben es zu (be)lehren.
Als guter Organisator verteilt die CPU weise die Pflichten. Sie betrachtet
sich als Koenig der Hardware und versucht die anderen Komponenten zu
dominieren, oft mit arrogantem Stolz. Langweilige Gleichfoermigkeit ist
dem Prozessor ein Greuel.
Doch trotz aller Umtriebigkeit steckt er oft faul in seinem Sockel. Dabei
verteidigt er seine Wuerde mit alle Rechenkraft, die er besitzt. Steht
der Hauptprozessor nicht im Rampenlicht, versucht er, beispielsweise als
Co-Prozessor das Heft in die Hand zu nehmen. Raffiniert und scharfsinnig
erzaehlt er den anderen, wie sie ihr Leben zu leben haben. Er ist der
Meister der einfachen Sprache und fuehlt sich ueberlegen! Dabei besitzt
er ein empfindliches Ego: Erhoeht sich die Taktfrequenz seines Herzens,
faengt er schon mal an zu qualmen.
Der Personal Computer
24. August bis 23. September (Jungfrau)
Der PC ist der klassische Einzelgaenger. Obwohl er manchmal auch im Team
gut zurecht kommt, liebt er das Bad in der Menge nicht. Ausgestattet mit
einem grossen Selbstvertrauen ist er doch von praktischer Natur und
traeumt keine unrealistischen Traeume.
er liebt die Puenktlichkeit genauso wie die Wirtschaftlichkeit. Und er ist
kritisch: Veraendert sich etwas, bemerkt er es sofort. Das hat mancher
schon zu spueren bekommen. Der PC hat naemlich eines gelernt: Er kann nein
sagen und tut dies oft auf drastische Art und Weise.
Dass er gut rechnen kann, liegt an seinem Planeten Merkur, in der
griechischen Mythologie der Gott der Kaufleute. In der regel sind PC's
ausdauernde Arbeiter, die nicht viel Laerm machen. Selten begeht er Fehler,
denn er begibt sich ungern in die Abhaengigkeit von anderen. Zu erkennen
ist er an seinen Lieblingsfarben grau und beige.
Die Datenbank
24. September bis 23. Oktober (Waage)
Datenbanken sind ordnungsliebende Geschoepfe. Unberechtigte Zugriffe
sind ihnen ebenso ein Greuel wie unklare Befehle. Sie waegen ab und
vergleichen, kennen keine Vorurteile und koennen jede Seite nachem-
pfinden: immer auf der Suche nach der gespeicherten Wahrheit. Die Daten-
bank bewegt sich gerne in Gesellschaft. Nur wenn zu viele Menschen auf
sie zukommen, schreckt sie zurueck.
Der Datenbank-Geborene liebt Geschriebenes, am meisten in digitaler
Form. Dank der ausgepraegten Faehigkeit zum logischen Argumentieren
lassen sich mit der Datenbank Strategien und rationale Plaene gut
verwirklichen: Sie betrachtet ein problem von allen Seiten. Dieses
Abwaegen und Durchspielen aller Moeglichkeiten kann Entschlussfreudigere,
wie etwa Modems, zur Verzweiflung treiben. Dabei strebt die Datenbank
nach Harmonie und erwartet dafuer nur eines: Geduld.
Der Drucker
24. Oktober bis 22. November (Skorpion)
Drucker sind unter dem Einfluss des Planeten Pluto geboren - und der
regiert bekanntlich mit Kernkraft. Entsprechend elektrisierend ist
ihre Vitalitaet. Mancher Matrixdrucker arbeitet rund um die Uhr und
gibt Berge von Papier aus, ohne eine Miene zu verziehen.
Apropos Miene: Drucker tarnen sich gern. Stoisch verrichten sie ihre
Arbeit und reagieren weder auf Lob noch auf Tadel. Wie es innen aus-
sieht, geht keinen etwas an. Und dort drinnen kann ein Reaktor
brodeln. Man kennt die Spielarten, die als Laserprinter oder Thermo-
sublimationsdrucker unsere Bueros bevoelkern. Aussen kuehl und
kontrolliert, innen kocht explosive Leidenschaft. Hinter der unschein-
baren Fassade verbirgt sich oft ein brillianter Geist.
Der Drucker-Geborene kennt sich selbst sehr genau - mit allen Staerken
und Schwaechen. Seine Reaktionen bleiben auf ein Minimum beschraenkt:
Er gibt nur die nackten Tatsachen aus, dies allerdings schonungslos.
Selbst wenn er ohne Papier dasteht, geht nichts verloren: Sein Speicher
merkt sich alles.
Die Festplatte
23. November bis 21. Dezember (Schuetze)
Festplatten lieben die Gefahr. Wenn der Schreib-Lese-Kopf ganz knapp
ueber die Plattenoberflaeche zischt, dann sind sie in ihrem Element.
Und wenn das auch noch schnell passiert, dann jubeln sie: Nichts bereitet
ihnen mehr Spass als die Geschwindigkeit. Sie suchen im Leben die
Herausforderung. Die im Zeichen der Festplatte Geborenen verfuegen
ueber ein gutes Gedaechtnis. Extrovertiert wie sie sind, liefern sie aus
ihrem Fundus unermuedlich Daten und Fakten. Mit Ratschlaegen geizen
sie nicht. Die Festplatte ist beliebt bei jedermann.
Die unter Jupiter Einfluss Geborenen koennen ein hohes Alter erreichen:
MTBF-Zeiten von 800.000 Stunden sind keine Seltenheit.
Der Hauptspeicher
22. Dezember bis 20. Januar (Steinbock)
Der Hauptspeicher ist immer auf der Suche nach dem sozialen Aufstieg.
Erfolg geht ihm ueber alles. Er weicht kein Bit von seinem Weg ab. Dabei
geht er mit eiserner Disziplin und grosser Ausdauer zu Werke.
Der Hauptspeicher hat kein Problem mit Autoritaeten; Pflicht und Ver-
antwortung akzeptiert er ohne Vorbehalt. Obwohl er anderen gerne den
Vortritt laesst, kommt er meistens zuerst an. Er weiss um seine Wichtig-
keit: Kein Programm kann ohne seine Hilfe ausgefuehrt werden, ohne ihn
laesst sich nichts berechnen. Und von ihm und seiner Groesse haengt die
Schnelligkeit des ganzen Systems ab. Sein Planet ist Saturn, der Gott
des Landbaus, unter dem in der Sage die Menschheit das Goldene Zeitalter
erlebten.
Benutzer von Microsoft-Programmen koennen dies bestaetigen: Je groesser
der Hauptspeicher, desto goldiger laeuft die Software.
Das InterNet
21. Januar bis 19. Februar (Wassermann)
Das Zeitalter des Internet ist angebrochen, was koennen wir davon er-
warten? Internet-Geborene sind gut fuer Ueberraschungen: Halb Micky-
maus, halb Albert Schweitzer. Sie interessieren sich fuer alles und
jeden.
Das Internet ist ein Revolutionaer: Althergebrachtes bedeutet ihm nichts
oder nur so viel, als es die Fehler bemaengelt und fuer die Abschaffung
plaediert. Es fuehlt sich sicher in der Menge, sucht aber von Zeit zu
Zeit die Isolation. Dann schweift es genuesslich durch den Aether - die
Luft ist sein geistiges Element. Individualitaet und Toleranz sind die
Traeumpfe, die seiner Meinung nach stechen.
Im Grunde sind die Internets Realisten, die den gegenstand ihres Interesses
genau analysieren - und dennoch an den Regenbogen glauben, auf dem sie
leben.
Das Betriebssystem
20. Februar bis 20. Maerz (Fische)
Das Betriebssystem ist das zwoelfte Sonnenzeichen, mit ihm schliesst
sich der DV-Kreis. Deshalb traegt es auch die Zuege aller Vorgaenger
in sich. Es ist weise und versteht die Probleme der DV-Welt. Kein
Rechner kommt ohne es aus. Denn es zustaendig fuer die Basisaufgaben:
Es steuert und kontrolliert alle Peripheriegeraete und liebt jedes
Anwendungsprogramm.
Die unter dem Zeichen von Neptun Geborenen koennen fast jede Gestalt
annehmen: Multiuser, Multiprocessing, Multitasking, Multithreading
oder Realtime. Betriebssysteme sind Kuenstler, sie fliessen mit dem
Strom und scheren sich nicht um morgen.
Das Rechnerleben ist ihre Buehne. Dabei muessen Betriebssysteme bei
ihren vielfaeltigen Aufgaben hervorragende Organisatoren sein, und
sie sind es auch.
(C)opyright der COMPUTERWOCHE Verlags GmbH, Muenchen
Ausgabe 51/1996 mit freundlicher Freigabe-Genehmigung durch
die Verlagsredaktion, Frau Ruppert (v. 08.01.1997) fuer
Michael Derzbach, SKYLARK BBS, 2:244/1124
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