Klatsch und Totschweigen
2. und 3. Möglichkeit: Klatsch und Totschweigen
Kaum ein Tag vergeht an dem wir nicht, ohne ein lachendes und ein weinendes Auge, registrieren, dass Familienfeiern, Geburtstage oder Jubiläen ins Haus stehen. Auch das ist ein denkbar dankbarer Tag für den fest Entschlossenen. Teilnehmen ist hier nicht erste Pflicht, auch hier ist die Post der zuverlässigste Zuträger von Informationen, die den Adressaten nicht verfehlen werden.Ein geschickt formulierter Brief, oder besser noch eine offenliegende Karte, kann viel Freude bereiten, wenn man sie zuschneidet auf die persönlichen Gegebenheiten. So manche kunstvolle Äusserung, so manch artifizielles Artefakt verbaler Konstruktionen, löst beim Empfänger wochenlanges Überlegen und Nachdenken, oft sogar abgrundtiefe Betroffenheit aus, die nur im persönlichen Gespräch geklärt werden können, das man nach Vermögen so lange wie nur möglich hinauszögert. Kommt es dann zur Aussprache, ist man mit allen nur erdenklichen Mitteln bestrebt, dem Besorgten seine Beunruhigungen auszureden. Im Gegenteil: immer weiter auf der gut gemeinten Absicht bestehen und ihn einen Dummkopf schelten, wenn er Dir an die Wäsche will. Mach ihm klar, dass Du ein echter Freund bist, und er fürchterlich ungerecht. Schliesslich wird er klein beigeben, und Du hast Deinen Spass gehabt.
Eine wesentlich elegantere Methode ist es Dinge totzuschweigen. Sie kennen diejenigen Leute, die überall ihr ach soooo schreckliches Schicksal herumerzählen. Das geschieht natürlich in der kruden Hoffnung von möglichst vielen anderen bedauert zu werden...... Einfach nicht darauf eingehen! Erzählen Sie etwas über das schöne Wetter, über gut gelungene Geschäfte, am besten aber über erfreuliche Dinge aus Ihrem eigenen Leben. Betonen Sie mehrmals, wie gut es Ihnen geht! Sollte bis dahin Ihr Gegenüber aufgegeben haben, können Sie zufrieden sein. Sollte es sich jedoch um ein besonders hartnäckiges Exemplar der Marke "Weltschmerz" handeln, so müssen Sie schwerere Geschütze auffahren. Versuchen Sie von einem Bekannten zu erzählen, dem das Schicksal besonders übel mitgespielt hat. Schmücken Sie Details aus, übertreiben Sie masslos, und enttäuschen sie nicht durch zu zahme Formulierungen. Gebrauchen Sie "starke" Wörter, übertreiben Sie nochmals, geben Sie jedoch Ihrem Gesprächspartner zu keinem Zeitpunkt die Chance, das Thema an sich zu reissen. Wenn Ihr Gegenüber mehr als fünfmal hintereinander "Furchtbar!" gesagt hat, haben Sie Ihr Ziel erreicht.
Serie wird fortgesetzt!