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Graffiti (Einzahl Graffito):
der Begriff leitet sich etymologisch vom griechischen Wort graphein ab. Im italienischen Sprachraum entwickelte sich aus sgraffiare (= kratzen, das Gekratzte) Sgraffiti bzw. Graffiti. Beide Bezeichnungen standen synonym für eine Technik der Fassadengestaltung, einer Kratzputztechnik, bei welcher verschiedenfarbige Putzschichten aufgetragen und dann durch Wegkratzen der oberen Schicht reliefartige Motive gestaltet werden. Viele dieser Sgraffitihäuser
stehen heute unter Denkmalschutz.
"Heute ist Graffiti ein Oberbegriff für viele thematisch und gestalterisch unterschiedliche Erscheinungsformen. Die Gemeinsamkeit besteht darin,
dass es sich um visuell wahrnehmbare Elemente handelt, welche "ungefragt" und meist anonym, von Einzelpersonen oder Gruppen auf fremden oder in öffentlicher Verwaltung befindlichen Oberflächen angebracht werden.
Besonders in der Variante des "graffiti-writings" der
Sprayer-Kultur bezieht der Begriff auch offiziell ausgeführte Auftragsarbeiten und künstlerische Produktionen mit ein."
Norbert Siegl |
Mir erscheint es als das wichtigste Klassifikationsmerkmal bei der Zuordnung zum klassischen Graffiti-Begriff,
dass eine Botschaft "ungefragt" entstanden ist. Viele Definitionen operieren mit dem Begriff der Legalität bzw. Illegalität, womit aber keine Trennschärfe zu erreichen ist, da viele Graffiti-Formen traditionell zur Kultur der Menschheit gehören und keineswegs unter Strafandrohung stehen. Man denke dabei etwa an die Kommunikation auf öffentlichen Toiletten, oder an den Brauch
von Verliebten, ihre Initialen an Bäumen zu hinterlassen... Auch die Betonung der vielfältigen Erscheinungsformen von Graffiti ist sehr wichtig, weil oft unterschiedliche Assoziationen mit dem Begriff verbunden sind und eine Vernachlässigung der Differenzierung zu Verständigungsschwierigkeiten führt.
Betrachtet man Graffiti als eigenständige Kommunikationsform, so ist Nähe und Verwandtschaft zu vielen Mitteilungen gegeben, denen man im öffentlichen Raum begegnen kann.
Geht man von der technischen Ausführung aus, gibt es folgende drei Varianten bei der Graffitiproduktion:
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Das auftragende Verfahren:
Dabei wird die Oberflächenmodifikation durch Hinzufügung von Substanz, meist Farbe, erreicht. Es ist das mit Abstand häufigste Verfahren, wobei die Möglichkeiten der Gestaltung von einfachsten Schreibgeräten wie Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift, ... bis hin zur Farbspraydose reichen.
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Das abtragende Verfahren:
Dieses entspricht etwa dem Begriff der Archäologen und Altertumsforscher des 19ten Jahrhunderts. Dabei kommt es durch Kratzen, Schnitzen, Bohren ..., zu einer Modifikation in der Oberflächenstruktur, welche durch Substanzverlust hervorgerufen wird.
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Das komprimierende oder verdrängende Verfahren:
Dabei bleibt die Menge der Substanz gleich, die Oberfläche wird modifiziert, indem Stellen verdichtet oder verdrängt werden. Beispiele wären etwa Inschriften oder Spuren in Sand, Schnee, Beton, ... oder Modifizierung durch Pressen und Stanzen. Eine offizielle Version dieser Technik sind die Fuß- oder Handabdrücken prominenter Personen, die man in sogenannten "walks of fame" finden kann.
Graffiti sind in der Regel Einzelstücke. SONDERPHÄNOMENE hinsichtlich rascher und gleichbleibender Reproduzierbarkeit sind Graffiti, die mit SCHABLONE oder STEMPEL hergestellt werden, sowie die in der Writer-Kultur anzutreffenden TAGS auf KLEBEFOLIE.
Meist einem Unverständnis entsprungen, emotionalisierend und verächtlich machend, werden die häufig unrichtigen und unzutreffenden Bezeichnungen
KRITZELEI und SCHMIEREREI bestimmten Graffiti-Formen gegenüber angewandt:
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KRITZELEIEN gibt es v. a. auf Kinderspielplätzen, sie sind dort als wichtige feinmotorische Übung anzusehen. Daneben findet man sie auch als
"halbbewusst" nebenher entstehende Figurationen von Erwachsenen und Jugendlichen (besonders häufig in Telefonzellen und auf Schreibflächen in Schule und Universität). Fälschlich werden aber auch viele der schwer entzifferbaren Tags und andere Inhalte, mit denen man sich nicht auseinandersetzen will, so bezeichnet.
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SCHMIEREREI ist ebenfalls ein Begriff, der überwiegend völlig falsch angewendet wird. In Wirklichkeit sind Schmierereien, im Sinne von "ver-schmieren" kaum zu finden, meist entstehen sie dort, wo unsachgemäße Graffiti-Entfernung vorgenommen wurde.
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