Graffiti in Europa

Europa




In Europa gab es bis Ende der 60er Jahre immer wieder Künstler, die sich der spontanen Wandmalerei bedienten. Die 68er Studentenbewegung beeinflußte erneut das politische Graffiti duch ihren Umgang mit der Wand. Jetzt (70er) rückte die Wand selbst ins Blickfeld. Es gab reichlich Betonwände und sie wurden als gegen das Leben gerichtet gekennzeichnet.





1977 Zürich/Schweiz: in NYC ist gerade die große Zeit der U-Bahn-Graffiti, als in Zürich die ersten Zeichnungen an den Wänden auftauchen. Sie unterscheiden sich von denen in New York und stammen von Harald Naegeli. Naegeli wurde 1979 verhaftet und zu einer Geld- sowie Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Er ging in Revision, und das Urteil wurde verschärft und in eine Haftstrafe ohne Bewährung umgewandelt.





Naegeli_1Naegeli sah in seiner Arbeit einen künstlerischen Protest gegen die Verbauung seiner Stadt, doch die politische Begründung des Urteils ("Der Angeklagte hat es verstanden, über Jahre hinweg und mit beispielloser Härte, Konsequenz und Rücksichtslosigkeit die Einwohner von Zürich zu verunsichern und ihren auf unserer Rechtsordnung beruhenden Glauben an die Unverletzlichkeit des Eigentums zu erschüttern.") machte nochmals deutlich: Graffiti paßt nicht in die öffentliche Ordnung und wird nicht geduldet.Quelle(4)





Naegeli_3
Nachdem sich Naegeli abgesetzt hatte, wurde er nun mit internationalem Haftbefehl gesucht. 1983, vor der Auslieferung an die Schweizer Behörden, erklärte ihn die damalige Hamburger Kultursenatorin zum "schützenswerten Kulturgut". Trotz der Proteste zahlreicher Politiker und Künstler wie Willy Brandt und Joseph Beuys, mußte er die Haftstrafe antreten.Naegeli_2






Aber auch das konnte ihn nicht abhalten, 1986 seinem Protest durch halböffentliche, medienwirksame Sprayaktionen Ausdruck zu verleihen. Anlaß war diesmal ein schwerer Chemieunfall, der den Rhein vergiftete.

Welcome


Weitere Impulse gingen von der Berliner Mauer und der Hausbesetzerszene aus. Zunächst herrschten Sprüche und politische Parolen aller Art vor. Nur vereinzelt tauchten Zeichnungen an den Wänden auf.





Das änderte sich schnell, als Dokumentationen wie "Subway Art", "Wildstyle" (1983) und Kinofilme wie "Style Wars" und "Beatstreet" (1984) nach Europa kamen. So verbreitete sich eine Graffitikultur nach New Yorker Vorbild, was erstmal hieß, daß Style und Bilder einfach kopiert wurden. Mit der Zeit hat sich (weltweit) eine gute Mischung der Stile und Techniken herausgebildet.





Kommerz Während die writer verfolgt und zu hohen Geldstrafen (bzw. Haftstrafen) verurteilt wurden und werden,nahmen sich Mode- und Werbeindustrie des Graffitis an. Gesprühte Werbung für Autos!, Radios, Möbel und was sonst noch alles standen hoch im Kurs. In der Schweiz gab es Radiosendungen und Modegeschäfte namens "Graffiti". Reisebüros und die Landesbausparkasse machten sich Graffiti zunutze, um Kunden zu werben.



Aber auch öffentliche und staatliche Institutionen waren auf dieser Welle unterwegs: eine Bundesgesundheitsministerin, die auf eine Werbefläche den Slogan sprühte "Ohne Rauch geht´s auch" oder die Stadt Köln, die bei ihrer Kampagne "Rettet die Liebe-Stoppt AIDS" zum Graffiti griff.


Heute hat sich in fast jeder Stadt eine Sprayergemeinde herausgebildet, die zahlenmäßig variiert, aber doch nicht zu übersehen ist.





Schablonentechnik

Paris9


Eine ganz eigene Entwicklung nahm das Graffiti in Frankreich, iniziiert durch einen Pariser BLEK_4Sprayer mit dem Pseudonym "BLEK le Rat". Er benutzte Schablonen (pochoir=Schablone)für seine Bilder und setzt eine ganze "Pochoir"-Graffiti-Bewegung in Gang, die sich vorallem im französisch-sprachigen Raum durchsetzte.






Spontane Arbeiten sind hiermit allerdings unmöglich, da erst die Schablone- la grille (das Sprühgitter)- gefertigt werden muß.
Für mich persönlich haben diese Bilder einen besonderen Reiz.

<<<< >>>>