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Workshop Mischpult Teil 3

Rückschau/Vorschau: In der letzten Ausgabe unseres Onlinemagazins haben wir uns mit verschiedenen Anwendungsbeispielen eines Hardware-Mischpultes auseinandergesetzt. Wir wollen das durch weitere Beispiele ergänzen und zusätzlich auch einmal den Sinn und den Wert von Audioaufnahmen mit Schülern hinterfragen. In der Fortsetzung soll es dann um das virtuelle Mischpult eines Audioprogrammes gehen.

Anwendungsbeispiel:
Wir produzieren ein Hörspiel

Der Hintergrund

 Viele unserer Kinder und Jugendlichen haben bereits sehr früh Erfahrungen mit Hörspielen gemacht. Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg sind zwei Beispiele für beliebte Begleiter und mediale Erlebnisse, die bereits im Vorschulalter einen festen Platz haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 

Die Kinder bringen von zu Hause Erfahrungen und Begeisterung zum Thema „Hörspiel“  mit

Leider gelingt es uns nur in sehr wenigen Fällen, die ursprüngliche Begeisterung und Freude am Hörspiel in der Schule zu nutzen. Dabei lassen sich unendlich viele Möglichkeiten finden, Lernstoff mithilfe eines Hörspiels auf interessante Weise umzusetzen. Woran liegt es also?

Mit Sicherheit gibt es eine ganze Reihe von Gründen für das Schattendasein von Hörspielen im Bereich der Schule. Es fehlt an Ideen, wie man Lerninhalte auf diesem Weg fantasievoll umsetzen kann. Die methodisch-didaktische Planung und Organisation bereitet Schwierigkeiten: Wie lässt sich die Arbeit im Klassenverband so realisieren, dass ohne Störungen mit Freude und Motivation an der Produktion gearbeitet werden kann? Mit welchen Aufgaben kann ich die Schüler/innen beschäftigen? Dazu machen wir an späterer Stelle einige Ausführungen und bieten Beispiele an.

Die Technik

 Vielleicht sollten wir zunächst einmal auf die technischen Voraussetzungen eingehen. So mancher Versuch in der Vergangenheit, mit einem oder zwei Kassettenrekorder und einem Billigmikrofon die Produktionsarbeit zu bewältigen, hat doch eher magere Ergebnisse erbracht: verrauschte Aufnahmen mit vielen Störgeräuschen - unverständliche Stimmen, die in der Weite des Klassenzimmers verschwinden – ungewollte Pausen oder versehentlich gelöschte Teile – mangelhafte Einspielungen von Geräuschen und Musik usw. Die eigentliche Atmosphäre, die das Hörspiel braucht, um unterhaltsam und lebendig zu wirken, konnte so jedenfalls nicht entstehen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit einem Redakteur des SWF 1999 schulische Hörspielbeiträge aus dem Wettbewerb zu „150 Jahre Badische Revolution“ ausgewertet habe. Die technische Realisierung hatte allen Gruppen erhebliche Probleme bereitet.

Nun wäre es durchaus auch damals schon möglich gewesen, mit dem nötigen Know-how und einem einfachen aber sorgfältig zusammengestellten Equipment zu deutlich besseren Ergebnissen zu gelangen. Allerdings hat sich in den letzten Jahren auf dem Computersektor eine Entwicklung abgespielt, die uns für das Audiorecording noch einmal ganz neue Optionen zur Verfügung stellt. Musikprogramme, die wir von Firmen wie Steinberg und Emagic als Freeware erhalten (Logic Fun – Cubasis) bieten eine Palette  von Möglichkeiten an, die elegantes Mehrspurrecording und vielseitiges Bearbeiten zur Freude werden lassen.

Im folgenden wollen wir darstellen, wie man einfach und schnell produzieren kann. Mit „schnell“ ist hier nicht oberflächlich gemeint. Es geht vielmehr darum, unter unterrichtsökonomischen Gesichtspunkten zu einem qualitativ guten Ergebnis zu gelangen. 

Wenden wir uns zunächst den technischen Bausteinen zu: Mikrofon – Mischpult – Aufnahmegerät. In den vorangegangenen Workshops haben wir bereits grundlegende Ausführungen dazu gemacht. Vielleicht schauen Sie einfach noch einmal nach, wenn wichtige Fakten wieder in Vergessenheit geraten sind.

Mikrofonierung

 Zum Mikrofoneinsatz lässt sich hier folgendes sagen: Die Stereomikrofonierung ist eine Voraussetzung für räumliche Orientierung und Gewichtung der Rollenträger. Wer steht im Mittelpunkt? Welche Person befindet sich am Rand? Wer auf diese Informationen verzichtet, verschenkt von vorneherein eine wesentliche Informationsebene. Unterschiedliche Positionen und Bewegungen der Personen im Hörspiel sind so nicht mehr auszumachen. Eine wichtige Komponente für die dynamische Entwicklung der Dramarturgie geht verloren. Auch Geräuschequellen können vom Hörer nicht geortet werden. Ein Stück Lebendigkeit und Gestaltungsmöglichkeit bleibt auf der Strecke.

Die visuelle Information zu Positionen, Bewegungen und Gewichtungen muss man im Hörspiel durch die  Stereophonie ersetzen.

 Im Workshop 1 zum Thema Mikrofone haben wir Tipps gegeben, wie man 2 geeignete Mikrofontypen in eine sogenannte XY-Position bringt, die für Stereophonie sorgt. Es gibt nun noch eine andere Möglichkeit, die wir hier darstellen wollen. Der Nachteil obiger Methode liegt in der Sensibilität der Mikrofone. Gemeint ist folgendes: Sämtliche Nebengeräusche, die im Klassenraum oder außerhalb entstehen, werden für die Aufnahme eingefangen. Wenn insgesamt also eine unruhige Atmosphäre herrscht, muss man nach einer anderen Lösung suchen. Nehmen wir einmal an, unser Hörspielt soll den Zuhörer in die freie Natur versetzen. Jetzt hören wir aber Verkehrslärm oder einen Rasenmäher aus der Nachbarschaft der Schule. Der Lehrer kann beides nicht abstellen, möchte aber natürlich den geplanten Unterricht durchführen. Nun geht man Kompromisse ein, die selbsverständlich auf Kosten der Atmosphäre im Hörspiel gehen.


Wir schlagen Ihnen einen anderen Weg vor. Wer in seiner Schule mit starken Beeinträchtigungen durch Lärm zu rechnen hat, ist mit dynamischen Mikrofonen besser beraten. Verwenden Sie ein Gesangsmikrofon, etwa ein Shure SM58 (AKG D 880S Emotion, Sennheiser E835S, Beyerdynamic TGX 58). Die Funktionsweise dieses Mikrofontyps haben wir im Workshop 1 ausführlich beschrieben. Für die angesprochene Situation ist es von großem Nutzen, dass ein dynamisches Mikrofon wie die hier erwähnten Produkte hauptsächlich im Nahbesprechungsbereich reagiert. Ungewollte Geräusche treten absolut in den Hintergrund. Allerdings muss ich jedem Sprecher sein eigenes Mikrofon zur Verfügung stellen. Hier kann man natürlich durch Flexibilität Mikrofone einsparen, weil ja nicht immer alle gleichzeitig agieren. Es ist aber sicher von Vorteil, wenn man vielleicht 5 Mikros zur Verfügung stellen kann. Berechnet man die Gesamtkosten einschließlich Stative und Kabel, gelangt man in einen Bereich von ca. 700 €. Das mag jetzt schon wieder erschrecken. Nun sollte man allerdings berücksichtigen, dass man solche Mikrofone bei unterschiedlichsten Anwendungen einsetzen kann: Schülerband, Schulfest etc. Dieser Standard tut einer Schule absolut gut und ist keineswegs überzogen.

Die XY-Mikrofonierung ist eine gute Möglichkeit, stereophone Aufnahmen zu produzieren. Allerdings braucht man eine ruhige Umgebung. Der Raum sollte gut gedämpft sein. Durch den großen Abstand der Sprecher zu den Mikrofonen fängt man Umweltgeräusche und Raumanteile relativ stark ein.

Für die Nahbesprechung eignet sich zum Beispiel ein Gesangsmikrofon wie das Shure SM 58. Man kann jedem Sprecher ein Mikrofon zuweisen und über die Panoramaregler des Hardwaremischers die Position im Stereobild definieren. Jetzt nimmt man die Sprache sehr direkt auf. Man iat weniger abhängig vom Raum und den Umweltgeräuschen, die störend auf die Atmosphäre wirken könnten.


Mischen

Zurück zum Hörspiel. Sprechen wir nun über das Mischpult. Dieses ist nämlich, was Stereophonie anbetrifft, im folgenden von entscheidender Bedeutung. Jedem Mikrofon wird über den Panoramaregler eine vorher besprochene Position zugewiesen. Diese muss nicht statisch sein. Derjenige, der das Mischpult bedient, kann direkt bei der Aufnahme nach einem Regieplan agierend Veränderungen vornehmen. So ist es zum Beispiel möglich, eine Person durch den Raum wandern zu lassen, obwohl der Sprecher fest an seinem Platz bleibt. Der Pan-Regler eröffnet diese Option.

Wir haben zu Beginn über Unterrichtsökonomie gesprochen. Ein Produkt soll in einem angemessenen Zeitraum fertig gestellt werden. Durch die Festlegung der Stereopositionierung schon während der Aufnahme ist ein wichtiger Arbeitsschritt bereits erledigt. Zwingende Voraussetzung isr wie erwähnt ein genauer Regieplan. Schülern macht das Erstellen des Planes und die sorgfältige Umsetznug großen Spaß. Weiterhin kann man sehr gut verschiedene Aufträge verteilen und auf diesem Weg viele Schüler/innen miteinbeziehen.

Im Grunde genommen können auch während der Prodution bereits von einem angeschlossenen CD-Spieler oder Kassettenrekorder Geräusche und Musik eingespielt werden. Der Tonmeister am Mischpult muss dazu aber über einen Kopfhörer in der Lage sein, richtige Mischungsverhältnisse herzustellen. Das wird vorher für einen bestimmten Szenenabschnitt des Hörspiels eingestellt. Jetzt muss ein Assistent an den betreffenden Stellen den Schülern, die die Geräte bedienen, den Einsatz geben. Wenn die Szenen nicht zu lang und zu kompliziert sind, ist diese Methode durchaus ein Garant für flottes Produzieren. Als Aufnahmemedium kann dann auch ein Kassettengerät oder ein Minidisk dienen. Bei der Aufnahme wird ja bereits alles eingespielt und gemischt: Sprecher – Geräusche – Musik.

 Der PC – dein Freund und Helfer

 Wer mit dem PC arbeitet, ist in der komfortablen Lage, den oben beschriebenen Prozess zu teilen. Das wirkt sich positiv auf die Qualität aus und bewirkt stressfreieres Arbeiten. In diesem Fall würde man die Sprachaufnahmen in vorher festgelegten Szenenblöcken wie oben beschrieben machen. Anschließend spielt man Musik und Geräusche auf weitere Spuren des Musikprogramms. Ein sorgfältig abgestimmter Mischvorgang ist nun möglich. Bei dieser Vorgehensweise bietet sich auch eine Unterrichtsdifferenzierung an. Die Erarbeitung des Hörspiels und die Produktion der Sprachaufnahmen sind Inhalt des Unterrichts. Auch die musikalische Gestaltung lässt sich für das Plenum zum Thema machen. Die Mischung dagegen ist Angelegenheit einer Expertengruppe. Zum Thema „Soundbearbeitung am PC erfahren Sie in dieser Ausgabe übrigens auch eine ganze Menge an grundlegenden Infos von unserem Kollegen Fritz Wäldin.

Die methodisch-didaktische Komponente

 Wir haben oben schon darauf hingewiesen, dass sämtliche technische Grundlagen, die wir hier angesprochen haben, in den Workshops 1 und 2 erläutert und durch Fotos und Schaubilder ergänzt sind. Wenden wir uns an dieser Stelle also noch etwas der methodisch-didaktischen Seite zu.

Es ist in jüngster Zeit in vielen Publikationen, die in irgendeiner Weise auf die Ergebnisse der PISA-Studie reagiert haben, immer wieder gefordert worden, dass Unterricht für Schüler/innen spannender und handlungsorientierter werden muss. Die Schüleraktivitäten und das bewusste Mitgestalten des Lernprozesses sind Voraussetzungen dafür. Wir müssen verstärkt und mit Fantasie nach Möglichkeiten suchen, die genau diese Bedingungen schaffen. Im Zusammenhang mit unserem Workshopthema können wir sagen: Audioaufnahmen sind in vielfältiger Hinsicht eine Quelle für den lebendigen und handlungsorientierten Unterricht. Das Hörspiel ist dabei nur eine Möglichkeit von vielen. Es eröffnet uns aber insbesondere auch für das Fach Musik interessante Möglichkeiten. Ereignisse, Bilder und Stimmungen zu illustrieren ist ein Kernthema des Musikers. Für jede Alterstufe lassen sich ansprechende Inhalte und altersgemäße Realisationen finden. Verknüpfungen mit Musik hören und Werkanalyse bieten sich geradezu an (Programmusik, Filmmusik, Musik in der Werbung).

Um obige Ausführungen mit Beispielen zu ergänzen, fügen wir diesem Workshop Anschauungsmaterial bei. Sie finden in dieser Ausgabe bei den Unterrichtsbausteinen eine Beispiel zur Hörspielbearbeitung „Die Brück` am Tay“.  Des weiteren haben wir uns eines Themas aus dem Geschichtsunterricht angenommen. Ausgehend von dem Lied „Des Geyers schwarzer Haufen“ ist ein kurzer Hörspieltext entstanden. Das Hörbeispiel dazu ist mit einer Lehrergruppe innerhalb einer Fortbildung produziert worden – übrigens ohne Computer. In Bezug zu unserem Workshop finden Sie hier die Variante der Schnellproduktion. Die Aufnahme selbst ist innerhalb einer halben Stunden entstanden. Selbstverständlich wurde die Produktion inhaltlich und gestalterisch sorgfältig und mit Tiefgang vorbereitet.

Nun wünschen wir wieder viel Erfolg beim Ausprobieren und würden uns freuen, von Ihnen Rückmeldungen zu erhalten.

 

Dietrich Danksin

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