Aus
Geschichte und Landschaft
Mit Zustimmung von Kaiser und Papst begann im frühen 13. Jahrhundert der von Herzog Konrad von Masowien ins benachbarte Kulmer Land gerufene Deutsche Orden die Gründung des Deutschordensstaates Preußen. Dadurch wurde das im späteren Westpreußen gelegene Kulmer Land zur Keimzelle des Staates. Gewaltige Burgen, zahlreiche Kirchen, Rathäuser und andere bedeutende Bauwerke erinnern auch noch im 20. Jahrhundert an diese besondere Epoche in der Landesgeschichte. Nach der Ordensherrschaft war das westliche Preußenland ab 1454/1466 bis 1772 ein Ständestaat unter der Oberhoheit der Krone Polen, in dem die großen Städte Thorn, Elbing und Danzig die Stellung von Stadtrepubliken einnahmen. Seit 1772—Thorn und Danzig ab 1793—gehörte dieser Teil des Preußenlandes zum Königreich Preußen. Die Wiedervereinigung der beiden 1466 getrennten altpreußischen Landesteile war 1773 für König Friedrich II. – den Großen – der Anlaß, die Namen Westpreußen dem westlichen und Ostpreußen dem östlichen Landesteil zu verleihen. Marienwerder war Sitz der Provinzialbehörden für Westpreußen, zu dem auch der Netzedistrikt mit Bromberg als Hauptstadt gehörte. Mit Bildung der modernen Provinzen 1815 wurde Danzig Sitz des Oberpräsidenten und damit Hauptstadt von Westpreußen. Der Oberpräsident von Westpreußen, Theodor von Schön, übernahm 1824 auch das Amt des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen. Unter Schöns Leitung erfolgte 1829 die Vereinigung der beiden Provinzen zur Provinz Preußen im gleichnamigen Königreich. Königsberg blieb Provinzialhauptstadt. Die Auflösung der Provinz Preußen geschah 1878. Gleichzeitig wurden die Provinz Ostpreußen mit der Hauptstadt Königsberg und die Provinz Westpreußen mit der Hauptstadt Danzig wiederhergestellt. ...
Der Frieden von Versailles teilte die 1922 aufgelöste Provinz Westpreußen, durch den die Hauptstadt Danzig den Status einer Freien Stadt erhielt.
Neben einer intensiven Landwirtschaft mit einer z.B. stark ausgeprägten
Zuckerindustrie verfügte das Land über ansehnliche andere Industrien.
Schiffbau, Maschinenbau, Holz- und Tabakverarbeitung wurden weit über
die Provinz hinaus bekannt oder erlangten sogar Weltgeltung.

Aus "Westpreußen-Karte"; Hans-Jürgen Schuch, Herausgeber:
Verlag DER WESTPREUSSE, Von-Kluck-Straße 23, D-4400 Münster,
Gesamtherstellung: Druckhaus Fromm, Osnabrück, unveränderter
Nachdruck 1985