Westpreußen Westpreußen  

         Aus Geschichte und Landschaft
 
 

Das Land zu beiden Seiten der unteren Weichsel war bis 1918 eine Provinz im Königreich Preußen und bis zum Inkrafttreten des Versailler Friedens am 10 Januar 1920 in dem ebenfalls zum Deutschen Reich gehörenden Freistaat Preußen. Im Westen grenzt Westpreußen an Pommern, im Osten an Ostpreußen und im Süden an Posen. Die Landschaft wird geprägt durch die Weichsel, ihren Mündungsarm Nogat und zahlreiche andere Flüsse und viele Seen. Von Südosten kommend bahnt sich die Weichsel vorbei an Thorn, Kulm, Schwetz, Neuenburg, Mewe, Dirschau und Danzig den Weg zur Ostsee. 232 Kilometer durchfließt der Strom Westpreußen. Seine Nebenflüsse Brahe, das Schwarzwasser, Montau, Ferse und Mottlau münden von Westen, Drewenz und Ossa von Osten kommend in die Weichsel, die Liebe in die Nogat. Im westlich der Weichsel gelegenen Pommerellen liegen die etwa 2.500 Quadratkilometer große Tucheler Heide und die Kaschubische Schweiz mit dem 331 Meter hohen Turmberg zwischen Berent und Karthaus. Östlich des Stromes reicht mit dem Kulmer Land, Pomesanien und Pogesanien der preußische Landrücken bis fast an die Weichsel und Nogat heran. Seine höchste Erhebung ist hier mit 197 Metern der Butterberg bei Elbing, nahe dem Frischen Haff. Das Weichsel-Nogat-Delta umfaßt die Werder zwischen Danzig, Dirschau, Marienburg und Elbing. Das Land liegt bis zu 1,8 Meter unter dem Meeresspiegel.

Mit Zustimmung von Kaiser und Papst begann im frühen 13. Jahrhundert der von Herzog Konrad von Masowien ins benachbarte Kulmer Land gerufene Deutsche Orden die Gründung des Deutschordensstaates Preußen. Dadurch wurde das im späteren Westpreußen gelegene Kulmer Land zur Keimzelle des Staates. Gewaltige Burgen, zahlreiche Kirchen, Rathäuser und andere bedeutende Bauwerke erinnern auch noch im 20. Jahrhundert an diese besondere Epoche in der Landesgeschichte. Nach der Ordensherrschaft war das westliche Preußenland ab 1454/1466 bis 1772 ein Ständestaat unter der Oberhoheit der Krone Polen, in dem die großen Städte Thorn, Elbing und Danzig die Stellung von Stadtrepubliken einnahmen. Seit 1772—Thorn und Danzig ab 1793—gehörte dieser Teil des Preußenlandes zum Königreich Preußen. Die Wiedervereinigung der beiden 1466 getrennten altpreußischen Landesteile war 1773 für König Friedrich II. – den Großen – der Anlaß, die Namen Westpreußen dem westlichen und Ostpreußen dem östlichen Landesteil zu verleihen. Marienwerder war Sitz der Provinzialbehörden für Westpreußen, zu dem auch der Netzedistrikt mit Bromberg als Hauptstadt gehörte. Mit Bildung der modernen Provinzen 1815 wurde Danzig Sitz des Oberpräsidenten und damit Hauptstadt von Westpreußen. Der Oberpräsident von Westpreußen, Theodor von Schön, übernahm 1824 auch das Amt des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen. Unter Schöns Leitung erfolgte 1829 die Vereinigung der beiden Provinzen zur Provinz Preußen im gleichnamigen Königreich. Königsberg blieb Provinzialhauptstadt. Die Auflösung der Provinz Preußen geschah 1878. Gleichzeitig wurden die Provinz Ostpreußen mit der Hauptstadt Königsberg und die Provinz Westpreußen mit der Hauptstadt Danzig wiederhergestellt. ...

Der Frieden von Versailles teilte die 1922 aufgelöste Provinz Westpreußen, durch den die Hauptstadt Danzig den Status einer Freien Stadt erhielt.

Neben einer intensiven Landwirtschaft mit einer z.B. stark ausgeprägten Zuckerindustrie verfügte das Land über ansehnliche andere Industrien. Schiffbau, Maschinenbau, Holz- und Tabakverarbeitung wurden weit über die Provinz hinaus bekannt oder erlangten sogar Weltgeltung.
 
 
 

 
 
 

Aus "Westpreußen-Karte"; Hans-Jürgen Schuch, Herausgeber: Verlag DER WESTPREUSSE, Von-Kluck-Straße 23, D-4400 Münster, Gesamtherstellung: Druckhaus Fromm, Osnabrück, unveränderter Nachdruck 1985
 

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