WERNHER VON BRAUN

                                                                

WERNHER VON BRAUN

Dieser Name ist unauslöschlich mit der Raumfahrt verbunden - und wenn in Jahrhunderten die Namen von Sportlern, Sängern und Politikern, die heute die Schlagzeilen beherrschen. Längst vergessen sein werden. dann wird man immer noch wissen, wer Wernher von Braun war.

Heinz Haber schrieb über ihn in "Bild der Wissenschaft" anläßlich seines frühen Todes:

"'Ein Mondschiff'. sagte einmal Wernher von Braun, ist kein Gefährt, das ein genialer Erfinder in seiner Garage baut. um dann die Welt mit der Eroberung des Alls zu überraschen.'

Von Braun hat sich, wie viele andere von uns, bereits als Teenager von dem Traum des Raumfluges begeistern lassen. Auch er hatte den Zukunftsroman von Otto Willi Gail 'Der Schuß ins All' in der Lateinstunde unter der Schulbank verschlungen. In diesem Roman hat just ein solcher 'Garagen - Erfinder' alle Probleme der Weltraumfahrt gelöst und klammheimlich eine Mondumkreisung durchgeführt. Wenn auch dieser Roman, auf dem berühmten Werk von Hermann Oberth der zwanziger Jahre beruhend. keine groben technischen Fehler aufwies - die Figur des Helden war völlig falsch gezeichnet. Wernher von Braun hatte schon damals klar erkannt, daß die Zeit der großen Einzel - Erfinder wie James Watt. Werner von Siemens und Rudolf Diesel vorbei war. Ein einzelner konnte nicht mehr hoffen, alle für die Weltraumfahrt erforderlichen Gebiete der Wissenschaft und Technik auch nur zu überschauen.

Hinzu kommt - was jeder heute weiß -. daß die Weltraumfahrt neben einer gigantischen Finanzierung einen erheblichen Teil der technischen und intellektuellen Kapazitäten einer Großmacht in Anspruch nimmt.

So war auch von Braun kein Einzel - Erfinder; seine Werkstatt war nicht die Garage. es waren die Amtszimmer des Heereswaffenamtes. die Offices des Pentagon, die Büros des technischen Direktors in Peenemünde und in den Spaceflight- Centers der NASA. Dort konnte er seine manchmal geradezu penetrante Überzeugungskraft und sein einmaliges Organisationsgenie entfalten. Er konnte natürlich nicht alles wissen; er wußte aber immer. wer etwas wußte und wen er seinem Team einverleibte und mit seiner Begeisterungsfähigkeit auf das große Ziel 'Mond' ausrichtete.

Er war dabei keineswegs nur Manager. Als technischer Teamführer war er mit seiner umfassenden Begabung und Erfahrung vielleicht auch der einzige. der alle Aspekte des großen Projektes überschaute und fachkundig die Schwerpunkte der Forschung und Entwicklung setzte. Dabei verknüpfte er die Ergebnisse langjähriger Detailarbeit in der Grundlagenforschung mit gelegentlichen, genialen Improvisationen.

Auch hatte von Braun ein hervorragendes Gespür. wie man die Idee der Weltraumfahrt unter die Leute brachte. Eine kleine Gruppe meist deutscher Weltraumwissenschaftler - wieder unter seiner unvermeidlichen Führung - hat glänzende illustrierte Zeitschriftenartikel und Bücher in Millionenauflage verfaßt und Walt Disney bei der Produzierung aufwendiger 'Space- Filme' beraten.

Diese gewaltige Public-Relations-Kampagne hat nach dem ersten Sputnik vom 4. Oktober 1957 ihre Früchte getragen. Während die übrige Welt von der bevorstehenden Weltraumfahrt keine Ahnung hatte. wußte die amerikanische Öffentlichkeit sehr gut Bescheid darüber. was ein künstlicher Satellit ist. Dem Präsidenten Eisenhower. der der Weltraumfahrt sehr kühl gegenüberstand. wurde von der Öffentlichkeit nun tüchtig eingeheizt.

Innerhalb von 88 Tagen hatte von Braun mit seiner Mannschaft aus nicht für einander gedachten Geräten des unkoordinierten amerikanischen Raketenprogramms eine mehrstufige Satellitenkanone für den erfolgreichen Explorer-l- Satelliten zusammengenagelt.

Damit trösteten sich die in ihrem Stolz tief verletzten Amerikaner - aber Explorer I war eben nicht der erste. sondern gar nur der dritte künstliche Satellit. Die darauffolgenden Jahre mit den russischen Ersttaten des bemannten Weltraumfluges und den unbemannten Mondschiffen waren für die Amerikaner bitter, die mit ihrem technischen Genie als Nation nicht gewohnt waren. nur Silbermedaillen zu sammeln.

Schon aus dem Altertum stammt das unschöne Word :'Der Krieg ist der Vater aller Dinge.' Bestimmt aber war der kalte Krieg der Vater des bemannten Mondfluges. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung entschloß sich 1961 Präsident Kennedy zu seinem berühmten Gelübde, noch vor Ende des Jahrzehnts einen amerikanischen Astronauten auf den Mond zu befördern und ihn glücklich wieder zur Erde zurückzubringen. Die Einlösung dieses Versprechens am 20. Juli 1969 hat Kennedy nicht mehr erlebt.

Unter der mitreißenden Regie von Wernher von Braun wurde das aufwendige 'Gemini'- Projekt durchgeführt und dann auf das Finale des 'Apollo'- Programms losgesteuert. Langsam, aber sicher, setzte sich die - den Fachleuten schon immer bekannte - Überlegenheit der amerikanischen Weltraumtechnik durch.

Als der amerikanische Erfolg der Monderoberung mit den Händen zu greifen war. erklärten die Russen die Erforschung des Mondes für sekundär; man wollte sich der wichtigeren Erdforschung widmen.

In kleinerem Kreise hat von Braun das auch bestätigt: Mit seinem feinen Gefühl für die Psychologie der Öffentlichkeit lie13 er sich aber nicht von seinem Ziel abbringen :'Die Menschheit braucht ein hohes Ziel - ein Symbol für ihre technischen Potenzen, auf das jeder Erdbewohner stolz sein kann.'

Aber auch seine Kritiker geben zu, daß er in einer kritischen politischen Phase mit an erster Stelle das Prestige des amerikanischen Genius wieder entscheidend aufgewertet hat Die Eroberung des Mondes ist vielleicht nicht die bedeutendste. wohl aber die auffälligste Errungenschaft unseres Jahrhunderts. Damit wird der Name Wernher von Braun immer verbunden sein."

Soweit das, was Heinz Haber schrieb.

Ich selbst habe Wernher von Braun mehrfach getroffen und mit ihm gesprochen. Das erste Mal - rein zufällig - 1945 im Allgäu, dann später - vor Apollo 11 und nach Apollo 11 - bei Veranstaltungen der Hermann - Oberth- Gesellschaft und Raketenstarts in den USA. Er war eine der faszinierendsten Persönlichkeiten. die ich je kennengelernt habe. und mit seinem Charisma überzeugte er jeden von seinen Ideen, von seinem Blick in die Zukunft, von der Richtigkeit jener Gedanken. die zum Teil heute noch auf die Realisierung warten.

1967 überließ er mir ein Vorwort für eine Briefmarkensammlung - Sie finden es auf der nächsten Seite.