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Warum ein Hollandse Herder?
oder Wie kommt man auf diese Rasse?


Am Anfang dieser Überlegung stand für mich, welche Eigenschaften mein zukünftiger Hund haben bzw. auf jeden Fall nicht haben sollte.
Für mich die wichtigsten Eigenschaften sind:
~Arbeitseifer und Lernwille, dennoch ruhiges Verhalten im Haus
~Gehorsam in jeder Situation, dennoch aber Eigeninitiative
~Anpassungsfähigkeit
~ausdrucksstarke Körpersprache, ursprüngliches Verhalten
 
Ebenso wichtig war, dass folgende Eigenschaften nicht im Übermaß oder nicht unkontrollierbar auftreten sollten:
~Jagdeifer
~Hyperaktivität
~Hypersensibilität
(~Aggressionsverhalten: wer will das schon? Da aber meist vom Besitzer beigebracht und nicht genetisch bedingt ist es hier nur in Klammern gesetzt)
 
Außerdem war an körperlichen Voraussetzungen wichtig, dass der zukünftige Mitbewohner wenigstens mittelgroß und agil sein sollte, abgesehen davon sollte natürlich möglichst keine genetische Vorbelastung irgendwelcher Krankheiten (besonders aber HD, OCD etc.) vorhanden sein.
 
Aufgrund dieser Überlegungen blieb ich zunächst an einigen Hunderassen hängen, von denen ich mich dann für den Belgischen Schäferhund entschied. Der Charakter gefiel mir von allen Rassen, die ich bis dahin gefunden hatte, mit Abstand am Besten, und je mehr ich mich um Infos zu dieser Rasse bemühte, umso sicherer war ich mir, dass dies der richtige Weg sei. Also ging ich auf einige Ausstellungen und schaute mir die Belgier auch "in Aktion" an. Allerdings merkte ich leider sehr schnell, dass die Hunde, die ich auf den Ausstellungen sah, immer mehr auf Fell gezüchtet wurden und auch einige sehr nervöse Teilnehmer aufwiesen. Abgesehen davon gefällt mir persönlich der sehr schmale, schon fast collie-ähnliche Kopf der Belgier nicht so - besonders nicht, seitdem die Ohren auch noch immer enger stehend gezüchtet werden. Die Belgier auf den alten Fotos mochte ich deutlich lieber. Dennoch fand ich keine Rasse, die nur annähernd an die Belgier herankamen, und so beschäftigte ich mich damit, schon mal Ausschau nach einem Züchter von Tervueren (rot, langhaarig mit schwarzer Maske) zu halten.
Per Zufall sah ich dann in einigen Hundebüchern und Zeitschriften Abbildungen von Holländischen Schäferhunden. Diese waren zwar deutlich unauffälliger als beispielsweise der Tervueren, dafür hatten sie weniger Fell und der Schädel schien mir auch breiter. Vom Charakter wurden sie in den meisten Fällen als ruhiger als die Belgier beschrieben - und damit stand für mich fest: DAS ist mein Hund!
Also wieder Infos gesammelt, was sich als noch schwieriger als zu den Belgiern erwies, denn zu den Hollandse Herders gibt es überhaupt keine Bücher im deutschsprachigen Raum, so dass ich mich auf Internetsuche und Zeitschriften beschränken musste. Und diesmal war ich mir absolut sicher: dieser Hund und kein anderer sollte es werden. Viele meiner Bekannten und Freunde meinten: Hübsch ist der aber nicht. Das kann ich noch nicht mal bestreiten - wobei für mich die Schönheit an zweiter Stelle steht und die Holländer keineswegs hässlich sind. Aber sie sind de facto recht unauffällige Hunde - vom Äußeren her!!
 
Also versuchte ich, auch Holländische Schäferhunde "in Aktion" kennenzulernen. Auf Ausstellungen traf ich irgendwie nie einen, so dass ich mich auch hier auf das Internet beschränken musste. Dann aber war es so weit, und ich konnte mit meiner damaligen Mischlingshündin Mücke einen HH-Rüden besuchen fahren. Cosmo L'Ombre Accompagnante und Mücke verstanden sich total super (sie spielten 4 Stunden am Stück), und auch ich war von dieser Rasse absolut begeistert.
Nach diesem positiven Erlebnis war mir endgültig klar, dass ein HH mein nächster Hund (bzw. Zweithund) werden sollte.



 
Woher bekommt man nun einen HH??


Auch hier erwies sich das Internet als die beste Quelle, da es in Deutschland keinen Verband für die Hollandse Herder gibt. Als einzige Möglichkeit, überhaupt an Züchteradressen zu gelangen, bietet es sich noch an, an den VDH. direkt zu schreiben.
Allerdings gibt es in Deutschland bislang nur wenige Züchter für Holländische Schäferhunde, auch für die Langhaarigen; (meines Wissens nach bis jetzt drei (Korrektur: mittlerweile sind es vier)).
Damit ergab sich für mich das nächste Problem: da ich studiere und im Sommer 2004 mein Physikum zu absolvieren hatte, war klar, dass ein Welpe erst danach in Frage kommen würde. Also musste ich einen Züchter finden, der im passenden Zeitraum (Sommer 2004) einen Wurf haben würde, damit ich den Welpen nicht innerhalb des Prüfungszeitraumes bekommen würde. Den Welpen bis zu einem Alter von 16 Wochen beim Züchter lassen und ihn danach erst abzuholen, kam für mich von Anfang an nicht in Frage, da ich gerade in diesen wichtigen ersten 8 Wochen nach dem normalen Abgabetermin den Hund schon haben wollte.
 
Als Zeitraum, in dem ich mir einen Welpen holen könnte, kam eigentlich immer nur das 5. Semester in Frage, da es in diesem nur sehr wenige Pflichtveranstaltungen gibt und ich dementsprechend viel Zeit mit dem Kleinen verbringen könnte. Außerdem wäre er dann im 6. Semester, wenn ich wieder mehr Zeit in der Uni verbringen müsste, schon älter und hätte nicht mehr so die Probleme mit dem Allein-Sein über kürzere Zeiten, da das bis dahin ja ausreichend trainiert werden kann.
Somit blieb also nur ein Zeitraum von wenigen Wochen, in denen ich einen Welpen zu mir nehmen konnte.
 
Leider hatte keiner der Züchter in Deutschland passend einen Wurf geplant, so dass ich gezwungenermaßen ins Ausland ausweichen musste. Zunächst hätte ich gerne einen Welpen aus Finnland gehabt, aber das war finanziell auch vom Besuchen her etc. einfach für mich nicht machbar. Dann entdeckte ich über einen Link den Kennel "van Oscarli". Dort sollte Natascha im von mir gewünschten Zeitraum einen Wurf haben. Also trat ich mit Wil und Els in Kontakt, und im Frühjahr 2004 konnte ich das erste Mal nach Arnhem fahren, um Natascha, Myra, Oscar und natürlich Wil und Els van Ommen kennenzulernen.
Alle waren mir von Anfang an sehr sympathisch und so entschied ich mich, dass ich gerne aus der Verpaarung Natascha van Oscarli x Jaho-Duc v.d. Passchin einen Welpen hätte.
 
Im Sommer dann war es soweit: Natascha wurde erfolgreich gedeckt, so dass damit zu rechnen war, dass im September die Welpen zur Welt kommen würden.
Am 10. September 2004 erblickten 7 Welpen das Licht der Welt; 3 Rüden und 4 Hündinnen. Überraschenderweise waren 2 der Welpen sogenannte "gelbe" Holländer, d.h. die Stromung fehlte ihnen komplett. Das eine war ein Rüde, das andere eine Hündin.
 
Im Alter von 9 Tagen besuchte ich den Wurf das erste Mal. Ich hatte mir noch immer keine Gedanken darüber gemacht, ob ich lieber einen Rüden oder eine Hündin haben wollte, da ich hauptsächlich nach Gefühl zu den einzelnen Welpen entscheiden wollte.
Besonders sprachen mich zwei der gestromten Hündinnen und der fehlfarbene Rüde an, und letzlich entschied ich mich für den Rüden. Damit stand dann die Namensfrage im Raum, wobei letztlich dann "Kenji" als erster Name feststand. Als zweiten Namen suchte ich mir dann "Sora" aus, was soviel wie "Himmel" bedeutet.
 
Als Kenji fünf Wochen alt war, besuchte ich ihn das nächste Mal. Er war schon ganz ordentlich gewachsen und war der dickste und grösste aus der gesamten Meute. Und er schlief sehr viel - dabei liess er sich auch von nichts und niemandem stören.
 
Die ganze Zeit über hielten mich Wil und Els mit Fotos von Kenji auf dem Laufenden, so dass ich immer ungefähr wusste, wie viel er wiegt und mir ein Bild von ihm machen konnte. So wurde mir die Wartezeit doch angenehm versüsst und ich konnte mich wirklich auf meinen kleinen "Bauarbeiter", wie ihn Els betitelt hatte, freuen.



 
Kenji zieht ein


Am 04. 11. 2004 war dann der große Tag da: nach der Uni fuhren Kristin und ich in die Niederlande nach Arnhem, um Kenji abzuholen. Ich war schon sehr gespannt und konnte es kaum abwarten, endlich meinen kleinen Wuffi mit nach Hause zu nehmen.
 
Leider war ich noch nie von Hannover aus nach Arnhem gefahren und der Routenplaner schickte uns eine total unmögliche Strecke entlang, so dass wir statt geplanten 3 h fast 4,5 h brauchten. Aber dann waren wir endlich, endlich da!!
 
Kenji war der zweite, der abgeholt wurde, seine Schwester Kacenka war als erste in ihr neues Zuhause umgezogen.
 
Wir blieben deutlich länger bei Wil und Els, als wir ursprünglich geplant hatten, da den beiden der Abschied auch sichtlich schwerfiel. So kam es, dass wir erst abends gegen 19.00 überhaupt wieder in Richtung Deutschland aufbrachen. Die Rückfahrt fuhren wir eine andere Strecke, die deutlich angenehmer zu fahren war. Kenji fand das ganze allerdings nicht so lustig, ihm wurde ganz eindeutig schlecht obwohl Kristin ihn auf dem Schoß hatte. Er sabberte ohne Ende, und nachher war Kristins Pulli schon total durchgeweicht.
 
Gegen 00.30 waren wir dann endlich in Hannover, wo ich noch Kristin nach Hause brachte und danach zu mir fuhr.
 
Die erste Nacht verlief ziemlich ruhig, offensichtlich war er doch sehr müde und geschafft von dem ganzen Stress. Wir mussten nur einmal raus, weil er pinkeln musste.