Wörterbuch der weiblichen Kleidung

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Hüfthalter und Hüftgürtel

Per eMail von Rosemarie am 10.03.2001

Hallo Manfred !

Hüfthalter ist der Begriff allgemein für das Mieder-Unterteil, passend zum Büstenhalter. Nachdem vor etwa 100 Jahren der Büstenhalter erfunden wurde, teilte sich das Korsett in zwei Teile, eben BH & Hüfthalter. Von dieser Zeit an existiert der Hüfthalter, wie Sie richtig feststellen, als ein formendes Mieder, gefertigt aus Baumwollstoff, es kann mit Satin und Atlas verarbeitet sein, was ihm die schöne glatte und glänzende Oberfläche verleiht, ist durchweg mit einem seitlichen Hakenverschluß, und er kann auch meist im Rücken (oder seitlich oder vorn) eine Schnürung haben wie ein Korsett. Meist endet er in der Taille, wo er einschnüren kann, so daß die Ausführung als hochtaillierter Hüfthalter komfortabler ist. Dann reicht er bald wieder an den BH heran, und es findet die Vereinigung zum Korselett statt. Da der Hüfthalter formen soll, kann er auch mit Federn, Spiralen, Stäben oder Stangen verstärkt sein. Gummieinsätze - an den Seiten oder kleine Keile oben und unten - sorgen für etwas Elastizität beim Bewegen.
Nach der Erfindung von leichteren, elastischen Stoffen (zuerst Zweizuggummi, dann Nylon, Elasthan, Lycra ...) wurde der gute, alte Hüfthalter leichter und bequemer, wenn gleich ein fester Halt für entsprechende Figurenprobleme weiterhin von einem kräftigen Hüfthalter geboten werden kann. So entstanden aus dem Standardmodell (Hüfthalter) verschiedene Varianten.
Das bringt uns zu dem Hüftgürtel.
Der Name soll darauf hinweisen, daß es sich um leichteres, bequemeres Modell handelt und der Name ist in den Miederfachgeschäften, Versandkatalogen gebräuchlich. In der Tat ist der Hüftgürtel schmaler, (= er umfaßt nicht voll die Hüften), behält aber den Hakenverschluß bei, der auch durch einen Reißverschluß ersetzt oder zusätzlich ist. Ein Hüftgürtel hat keine Schnürung! Er hat auf jeden Fall Strumpfhalter; jedoch meist keine Verstärkungen mit Stäbcheneinlagen, wenn, dann sind zwei schmale, kurze vorne eingezogen.
Man kam wahrscheinlich auf den Namen -gürtel durch die englische Sprache, die dafür das Wort "girdle" hat, was Gürtel heißt.
Der -gürtel hat sich gehalten: Seit Jahren werden Mieder-Gürtel angeboten. Damit sind Hüftgürtel gemeint, die nicht aus festen Stoffen sind, sondern elastisch. Sie sind ebenfalls offen und haben Strumpfhalter.
Dann gibt es noch Miederschlüpfer. Man hört schon heraus, daß damit elastische Miederteile gemeint sind, die unten geschlossen sind, wenn dazu noch minimiert und wenig Formkraft in ihnen steckt, bleibt nur noch ein Miederslip übrig und der Übergang zum Wäscheslip ist klar.
Als elastische Mieder zum Schlüpfen auf dem Markt erschienen, die aber noch aus Gummi waren - Lycra gab es noch nicht - nannte man ein solches Stück Rollon. Frau rollte ihn buchstäblich über die Beine hoch und "rollte" ihn dann auf dem Körper in Form.
Miedergürtel können auch ganz anders sein: Sie sind keine Dessous mehr, wenn sie über der Kleidung sichtbar getragen werden und zum Ausdruck kommen soll, daß sie breiter sind als normale Gürtel für Rock und Hose. Es gibt Ausführungen, die Eigenschaften wie ein Mieder haben und die Taille stark betonen. (Auch als Formgürtel, Taillengürtel bezeichnet) Entsprechend liest man manchmal auch von Hüftgürteln, wenn Gürtel über der Kleidung von ihrem herkömmlichen Platz auf die Hüften herunterrutschen.
Für heute mit freundlichen Grüßen
Rosemarie


Strumpfbänder und Strumpfhalter

Per eMail von Rosemarie am 08.02.2001

Sei gegrüßt, lieber Manfred !

Habe Eure KORSETTSEITEN gesehen und finde sie KLASSE! - Ich hoffe, daß ich richtig weitergeleitet wurde, so daß es recht ist, wenn ich Ihnen etwas dazu schreibe.
Mit Ihrer Definition "Strumpfbänder ... sind am Mieder, Korsett befestigt" bin ich nicht ganz einverstanden. Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema "Mieder Korsetts" und habe die Erfahrung gemacht, daß es sehr auf eine genaue Beschreibung und Definition ankommt, da sich die Mode im Laufe der Zeit verändert hat und auch die Begriffe einem Wandel unterworfen sind.
So gab es Zeiten, als das Strumpfband eine bedeutende Rolle spielte. Da war das Strumpfband aber ein selbständiger Artikel: es war ein elastisches Band, das über dem Bein getragen wurde, es wurde übergestreift, um den Strumpf (einigermaßen) fest zu halten; was kurz oberhalb des Knies oder höher geschah, aber es war wohl sehr rutschig ... In der schlimmsten Form ein einfaches Gummiband (Einkochringe sollen in schlechten Zeiten dafür zweckentfremdet worden sein!), ansonsten recht attraktiv gestaltet, in Farben und Mustern, aus Spitze, Häkelei, Rüschen, schmal oder breit. Versteckt unter langen Kleidern und Röcken, manche Verse und Lieder zeigen, wie begehrt das bißchen Stück war, da gab es noch echte Erotik!
Später änderte sich die Mode der Mieder und Strümpfe. Wahrscheinlich war der Grund maßgebend, daß ein Strumpfband kaum zuverlässig sitzt und die neuen Seidenstrümpfe einen sicheren Halt benötigten (Ziehharmonika-Effekt), so daß man nach einer besseren Lösung suchte. Diese fand man auch, indem man nun die Strümpfe an dem Mieder oder Korsett befestigte, diese Aufgabe übernahmen die Strumpfhalter, (ich verwende die Mehrzahl, da mehrere für jeden Strumpf benötigt werden, meist 4 aber auch 6 und mehr) wohlgemerkt, das ist ein elastisher und verstellbares Streifen aus Gummi oder Stretch, unterschiedlich schmal bzw. breit, und der eben nicht mit dem Strumpf-Band zu verwechseln ist. In der Tat steht in allen Katalogen usw.: Das Modell XXXX hat (meistens) 4 Strumpfhalter.
Diese Strumpfhalter konnten nicht nur am klassischen Korsett angenäht werden, sondern es entwickelte sich ein spezielles Dessous dafür, das auch sehr vielseitig auttritt, oft verspielt und modisch phantasievoll dekoriert, und das ist der Strumpfhaltergürtel, kurz Strumpfgürtel, oder auch Tanzgürtel genannt. Man sollte aber nicht den ...-Gürtel als "Strumpfhalter" definieren; Strumpfhalter sind immer nur die angenähten Bänder!) Im Übergang zum Mieder finden sich die Strumpfhalter dann auch am Hüftgürtel, Hüfthalter, Miederslip, Miederhose, Korselett. Es gab sogar Strumpfhalter, die mit einem langen Büstenhalter Verbindung hatten, dann waren sie natürlich sehr lang, das hatte den Vorteil, die Strümpfe schön lang bis oben hin zu verlängern und halten zu können.. Es ist sowieso darauf zu achten, daß die Länge der Strümpfe und die der Mieder zueinander passen. An einem Tanzgürtel kann man gut lange und sehr lange Strümpfe korrekt halten; mit einer tief über die Hüften reichenden Miederhose gelingt das nur bei kurzen Strümpfen. Heute, das heißt in den letzten Jahren, spricht man meist von Straps. Das ist der englische Einfluß. Im Duden von 1967 wird das Wort Straps kurz als "engl." Fremdwort angegeben. Es bedeutet allgemein "Träger, Halter" und im besonderen erst "Strumpfhalter"; das hat man dann mit «Straps» in den Sprachgebrauch übernommen. Vom Wort her ist also damit der angenähte Strumpfhalter gemeint. Man kann also sagen: Strapsstrümpfe (im Gegensatz zu selbsthaftenden Strümpfen, die ein eingebautes Strumpfband ! haben), neudeutsch heißt es dann: ein Mieder mit Strapsen. Logischerweise wird aus dem Strumpfgürtel ein Strapsgürtel. Ich halte es aber falsch, wenn ein Tanzgürtel oder Hüftgürtel als «Straps» bezeichnet wird. Das ist sachlich nicht richtig.
Mir persönlich ist der alte Name Strumpfhalter lieber und bleibe dabei. Ich finde auch, daß bei Straps oft hintergründig etwas unseriöses oder anrüchig aus dem Milieu angedeutet werden soll. Trotzdem werden Strapse, Strumpfhalter, Strumpfbänder, Mieder und Korsetts immer weiblich anziehend und attraktiv bleiben. Wir sollten auch alle dazu beitragen und uns in der Meinung einig sein, die Bedeutung der Erotik zu fördern. Nun, ich hoffe, daß Sie meinen Beitrag mit Interesse gelesen haben und ihn akzeptieren können.
Es ist mir recht, wenn Sie ihn zu Ihrem Artikel ergänzen wollen. Das wäre der Sache wegen sogar wünschenswert und den Besuchern nützlich. Ich hoffe und würde mich sehr freuen, bald von Ihnen zu hören. Über das faszinierende Thema gibt es viel zu sagen.
Für heute mit freundlichen Grüßen
Rosemarie

Be curvy as curves can be.

Antwort:
Wenn man soviele Seiten ins Internet stellt, dann kann es schon vorkommen, daß da sich Unrichtiges darunter befindet. Außerdem bleiben immer einige angefangene Seiten halbfertig liegen. Ich freue mich daher über Mails wie diese, die mir da weiterhelfen. Also seien sie so frei und schreiben mir.
Danke Rosemarie!

Korsettfreundin


Webmaster: Korsettfreundin Letzte Korrektur: 11.03.2001
http://mitglied.lycos.de/korsett_freundin/dictionary/de/feedback.html