Korsett-Freundin - Wolfgang Seite 3
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Wörtlich entnommen aus: „Der Bazar, illustrirte Damen-Zeitung, Nr. 33“, Berlin, 1. September 1865, in originaler Schreibweise.

Anmerkungen:
Auch hier sind die Original-Schnittmusterbögen leider untergegangen. Interessant an diesem Korsett ist die Verwendung von zwei quer am oberen Rand eingenähten Stäben, wodurch offenbar die Rundung des Busens besser in Form zu bekommen ist. Die Verschlußmechanik ist offenbar mit 5 Schließern (der oberste unter der Verzierung verborgen) etwas zu kurz, weswegen ganz unten noch eine Schließung mit Haken&Öse nötig ist. Was mich immer wieder wundert, ist der vorn zu sehende, nach oben zeigende Blech-Haken, den man auch auf anderen Schnitten sieht. Wozu hat er bloß gedient?

W.S.



Langes Corset


Nr. 38 Mieder - Corset

Hierzu die Abbildung Nr. 38 - Schnitt: Rücks. d. Suppl., Nr. IX, Fig. 40-45


Das vorliegende Corset wird vorn mit Mechanik geschlossen und mit Schnüren, welche kreuzweis den Rückentheilen eingezogen sind, um die Taille zusammengehalten. Es empfiehlt sich seiner bequemen Facon wegen; außerdem macht ein dünnes weiches Fischbein, welches vorn, am oberen Rande des Corsets, von der Mechanik aus, an jeder Seite quer über beide Brustzwickel bis zur Seitennaht geführt ist, das Corset für die Figur sehr vortheilhaft. Ein farbig unterlegter Spitzeneinsatz, an jeder Seite mit 1 Cent. breiter Spitze besetzt, ziert den oberen Rand des Corsets und deckt zugleich jenes erwähnte Fischbein.

Beim Zuschneiden des Corsets, welches, aus Drillich sowohl wie aus englischem Leder, keines Futters bedarf, hat man die auf den Schnittheilen befindliche Angabe für den Lauf des Längsfadens in dem Stoff zu beachten. Man schneidet nach Fig. 40 - 45 je zwei Theile. Am hinteren Rande des Rückentheils ist ein reichlich 3 Cent. breiter Umschlag als Unterlage der Schnürlöcher zuzugeben, außerdem hat man für sämmtliche Nähte einen sehr breiten Umschlag zu berechnen, da die Theile überall breit übereinander tretend zusammengenäht werden. Für die Fischbeine wird durchgängig ein Leinenband in der auf den Schnitttheilen mit punktirten Linien angegebenen Breite untergesetzt. Dies geschieht auch für die vorn einzulegende Mechanik. Alle diese Leinenbänder sind an unserem Original mit Steppstichen von der rechten Seite aus festgenäht. Das Zusammensetzen der Corsettheile geschieht nach der übereinstimmenden Buchstabenbezeichnung des Schnittes, und zwar von der rechten Seite aus mit Steppnaht, von der linken Seite aus mit Saumstichen.

Die ebenfalls in reichlicher Größe zu schneidenden Zwickel werden untergesetzt und an ihrer abgestumpften Spitze ohne Umschlag mit dichter Kreuznaht auf der Rückseite des Haupttheils festgenäht. Letzterer wird alsdann auf der rechten Seite je in der Tiefe des Einschnittes ebenfalls ohne Umschlag mit Languettenstichen dem Zwickel aufgenäht.

Die eingeschobenen Fischbeine sind je an ihren beiden Enden mit langen Kreuzstichen von weißer Seide zu befestigen. Jenen im Rückentheil schließen sich nach oben, wie Fig. 44 es angibt, fünf eingenähte Schnurenden an, wodurch man verhindert, daß der Abschnitt des Fischbeins sich markirt. Am oberen und unteren Rande wird das Corset mit weißem Leinenband eingefaßt und nach Angabe der Fig. 44 mit den Schnürlöchern versehen. Zwei je 200 Cent. lange Schnüre werden dann in bekannter Weise eingezogen und deren Enden befestigt. Das Original lieferte uns die Corset- und Reifrock-Fabrik von H. Lissers Witwe in Berlin, Jägerstraße 42.   W.



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