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Wörtlich entnommen aus: Der Bazar, illustrirte Damen-Zeitung, Nr. 37, Berlin, 1. Oktober 1865, in originaler Schreibweise.
Anmerkungen:
Auch hier sind die Original-Schnittmusterbögen untergegangen. Nun, in heutiger Zeit ist der Gedanke an eine Nachfertigung wohl kaum noch interessant, wer wird heutzutage seinen Nachwuchs schon korsettieren wollen? Wohl kaum jemand. Somit sind diese beiden Beiträge nur noch von historischem Interesse. Eines zeigen sie jedoch deutlich: All diese Erzählungen von Gewaltkuren für junge Mädchen mit 'Erziehungs-Korsetts' und dergleichen gehören ins Reich der fetischistisch geprägten Märchenphantasien. Die Realität hat ganz anders ausgesehen und die hier vorgestellten Korsetts dürften damals sehr wohl tragbar gewesen sein. Es war eine Zeit ohne Lycra, selbst ohne Gummi! Auch Herrenunterhosen wurden in der Taille festgeschnürt, der heutige Dehnbund und Schlüpfergummi waren damals unbekannt. Bei all unserem technischen Fortschritt sollten wir aber bedenken, daß die hier anklingenden Zeiten gar nicht so fern sind. Selbst in meiner Kindheit gab es noch das 'Leibchen' - und zwar 'uni' für Knaben und Mädchen! Und das ist nicht mal 50 Jahre her.W.S.

Hierzu die Abbildung Nr. 41 - Schnitt: Vorders. d. Suppl., Nr. VIII, Fig. 24-28
Das vorliegende Corset schließt sich bequem den zarten Formen eines Kindes an und gewährt gleichzeitig dem Körper den nöthigen Halt; das Original ist aus feinem weißen Drillich und durchgehends mit weißem Shirting gefüttert. An den Seiten ist es mit eingesetzter Elastique versehen und hinten zum Schnüren eingerichtet. Zur Anfertigung eines solchen Corsets schneidet man nach Fig. 24 einen Theil der Mittellinie entlang im Ganzen, je zwei Theile aber nach Fig. 25 bis 27. Desgleichen richtet man aus Shirting in doppelter Stofflage je zwei Theile von 19 Cent. Länge und 8 Cent. Breite her und durchnäht sie, beide Stofflagen fassend, nach Vorzeichnung der Fig. 28 in regelmäßigen Zwischenräumen. Es entstehen dadurch je 3 schmale Züge, welche mit feinen Sprungfedern von 4 bis 5 Cent. Länge durchzogen werden, so daß der zusammengezogene Theil hiernach die Form der Fig. 28 erhält.
Oberzeug und Futter der übrigen Schnittheile heftet man glatt aufeinander, näht alsdann in den Vordertheilen die auf Fig. 24 vorgezeichnete Falte ein und setzt die Brust- und Hüftzwickel nach den gleichen Buchstaben zwischen Futter und Oberzeug ein. Nach Angabe des Schnittes durchsteppt man alsdann Fig. 24 und 26 den punktirten Linien entlang zur Aufnahme der Fischbeine, welche sehr fein und biegsam sein müssen, und versieht den Rückentheil nach Vorzeichnung mit Schnürlöchern. Dann faßt man nach der gleichen Buchstabenbezeichnung die elastischen Einsatztheile zwischen Futter und Oberstoff der Corsettheile. Selbstverständlich müssen dabei die Sprungfedern an ihren Enden gut befestigt werden. Der obere und untere Rand des Corsets wird mit Leinenband eingefaßt.
Beachten Sie im Korsett-Ratgeber auch den Beitrag: Wann soll mit dem Korsetttragen bei einem jungen Mädchen angefangen werden? !
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