Korsett-Freundin - Wolfgang Seite 1
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Ich habe aus einer alten Zeitschrift für Damenmode von 1865 die Bilder und Beschreibungen zweier Korsett eingescannt. Die Original-Schnittmusterbögen sind leider verlorengegangen.

W.S.



Um unsere Leserinnen mit den Neuerungen auf dem Gebiet der Corsets, deren Vervollkommnung die Mode fortdauernd anstrebt, bekannt zu machen, bringen wir heute zwei der Corsetfabrik von Lisser's Witwe in Berlin, Jägerstraße 42, entnommene Modelle, deren Facon ganz geeignet ist, dem Körper eine elegante und graziöse Haltung zu verleihen.

Mieder-Corset


Nr. 18 Mieder - Corset

Hierzu die Abbildung Nr. 18 - Schnitt: Rücks. d. Suppl., Nr. II, Fig. 5-9


Das unter Abbildung Nr. 18 vorliegende Miedercorset ist aus grauem Drillich, mit carmoisinrothem Seidenband eingefaßt und durchgängig mit Seide derselben Farbe genäht.

Bei der Anfertigung des Corsets sowol aus Drillich als auch aus englischem Leder bedarf es keines Futters. Man schneidet nach Fig. 5-9 des oben bezeichneten Schnittes je 2 Theile und hat dabei für sämmtliche Nähte einen sehr breiten Umschlag zuzugeben, da die Theile überall breit übereinander tretend zusammengenäht werden, und zwar auf der rechten Seite mit Steppstichen, auf der linken Seite mit dichten Saumstichen.

Zwischen beiden Nähten muß der Raum breit genug sein, um an den auf den Schnittheilen dafür bezeichneten Stellen das Fischbein einschieben zu können. Wo außerdem noch Fischbein erforderlich, wird ein Leinenband in der auf den Schnittheilen mit je 2 punctirten Linien angegebenen Breite untergesetzt; dies geschieht auch zum Zweck der vorn einzulegenden Mechanik. Alle diese Leinenbänder sind an unserem Original ebenfalls mit Steppstichen von der rechten Seite aus festgenäht.

Die Zusammensetzung der Theile läßt sich leicht aus der Buchstabenbezeichnung des Schnittes entnehmen. Die als Zwickel bezeichneten Theile werden untergesetzt, an ihrer Spitze eckig abgeschnitten und daselbst ohne Umschlag mit dichter Kreuznaht auf der Rückseite an dem betreffenden Haupttheil befestigt, während man letztere auf der rechten Seite in der Tiefe des Einschnittes ebenfalls ohne Umschlag mit Languettenstichen auf dem Zwickel festnäht. Im Vordertheil näht man mit Steppstichen die von P aus mit feinen glatten Linien vorgezeichnete Falte bis zum unteren Rand ein.

Die eingeschobenen Fischbeine sind an ihren beiden Enden mit langen sich kreuzenden Stichen von rother Seide festgenäht, wie es auch auf den Schnittheilen vorgezeichnet ist.

Die Schnürlöcher werden an beiden Rückentheilen sich ganz gerade gegenüberliegend, nach Angabe der Fig. 9 angebracht, und die beiden Schnüre, welche je 200 Cent. Lang sein müssen, folgender Art befestigt und eingezogen:

Von der Mitte jedes Rückentheils aus zieht man je eine der Schnüre auf der rechten Seite durch die beiden mittelsten der 4 dichteren Schnürlöcher, und zwar so, daß die Schnur-Enden nach der Rückseite heraushängen und oberhalb an jedem Rückentheil die hindurchgezogene Schnur eine lange Schlinge bildet. Von den 2 und 2 Enden schnürt man nun die beiden oberen sich gegenüber befindlichen in gewöhnlichen Kreuzlagen nach oben, die beiden unteren ebenso nach unten durch die Löcher, beide Rückentheile dadurch verbindend, und näht die Enden am oberen und am unteren Rand an der auf Fig. 9 durch einen kurzen Strich bezeichneten Stelle fest.

Beim Anlegen des Corsets werden sodann die in der Mitte hängengebliebenen Schlingen, nachdem die Mechanik vorn geschlossen ist, hinten gebunden, wobei man das Corset nach Belieben zusammenzieht.  K.

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