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Kulturplattform? Was wollen die eigentlich?

Autor: Alexander Jarka

Wir leben in einem Vakuum, wißt Ihr das?
Über dieser Gegend hier, zwischen Rotenburg, Bebra und Alheim liegt ein Dornröschenfluch.
Alle schlafen! Es ist verrückt. Die nicht mal wenigen Diskos, die wir haben sind entweder geschlossen, oder sie sind schlecht. Gerade zu peinlich. Die großen Hüttenfeten und die wirklich guten privaten Parties sind leider viel zu selten.Abi ist auch nur einmal im Jahr. Man kann hier nirgendwo richtig gut tanzen. Die Musik ist einfach zu schlecht.
Aber wir sind doch jung. Wir brauchen doch das Feiern, die Wiesen, die Liebe. Unser Blut, unsere Hormone, alles in uns verlangt doch nach Leben. Wir können das doch nicht einfach abstellen. Wir sind doch nicht tot. Warum tun wir nichts gegen diese tödliche Leere?
Weil wir fliehen.
Wenn es Wochenende wird, erwachen in uns die Sehnsüchte. Irgendwas will man erleben, egal was, nur keine Kirmes. Also nehmen wir uns ein Auto und je nach Lebensstil und Neigung fahren wir nach Fulda, und Kassel. Nach Eisenach und Waldkappel.
Wir versuchen dem Vakuum zu entkommen, anstatt es selber zu füllen.
Das ist schade.
Uns ist etwas verloren gegangen, etwas lebenswichtiges. Das ist der Jugendliche Geist.
Das Feuer, das Fieber, die Leidenschaft.
Ich weiß nicht, was soll ich sagen? Es gibt keine Worte. Natürlich höre ich an diesem Punkt auf, vernünftig zu sein. Er ist halt einfach da. Ihr könnt es nur glauben, wenn ihr ihn spürt, ansonsten müßt Ihr mich jetzt auslachen!
Es dauert immer eine Zeit, bis man anfängt, sich zu wehren.
Wir sind auch eben gerade erst aufgewacht. Wir haben lange dagestanden und sahen zu, wie sich die Leere langsam ausdehnte. Wir dachten, wir könnten nichts tun.
Tatenlos. Blutleer. Ohne Inspiration.
Uns fehlte eine Jugendbewegung.
Aber diesen Sommer ist alles anders. Diesen Sommer füllen wir das Vakuum mit Leben, und zwar wir alle gemeinsam. Zusammen mit Euch.
Genau zu diesem Zweck wurde die Kulturplattform geboren. Irgendwann fingen wir Feuer.
Und wir wußten, überall dort draußen loderten lauter kleine Flammen, so wie wir. Lauter junge Menschen, in denen versteckte Begabungen schlummern, die sich aber nicht austauschen können, weil sie nichts von einander wissen. Mit der Kulturplattform wollen wir all die kleinen Flammen zu einem großen, hellen Feuer bündeln.
Wer weiß, wie viele begnadete Schauspieler, Kabarettisten, Maler, Bildhauer, Dramaturgen und Dichter, oder auch junge Bands, Musiker und Tänzer, es hier bei uns gibt, die nichts weiter benötigen, als einen Auftritt.
Die Kulturplattform soll die Bühne sein, auf dem all diese Talente endlich ans Licht gebracht werden. Sie spielt dabei aber lediglich die Rolle des Veranstalters, des Fördervereins, oder einfach des Organisators. Die Inhalte liefert Ihr.
Und wir haben viel mit Euch vor. Wir wollen mit Euch Theater spielen, gesellschaftliche Probleme diskutieren, wegen mir lyrische Abende veranstalten, natürlich auch ausschweifende Parties feiern und alles, was Euch sonst noch einfällt. Was immer ihr einbringen könnt und wollt ist uns willkommen.
Wir wollen ein Gesicht bekommen. Wir, die jungen Menschen dieser erstickend leeren Gegend wollen uns zusammenschließen und etwas beginnen und etwas anfangen mit uns.
Verdammt, wir brauchen niemanden fragen, ob wir das auch dürfen. Wir machen es einfach. Wir bringen den Jugendlichen Geist zurück!
Das müssen wir. Sonst denken die Erwachsenen wirklich noch, ihre Generation wäre viel cooler gewesen, als unsere und wir wären nur jämmerliche Nachthemdchen.
Wir sind schon am Leben. Wir müssen nur noch Feuer fangen.
Ich denke es war wichtig zu heulen. Unsere Eltern sind korrupt. Die Zukunft ist böse, die Welt schlecht. Wir haben nichts. Also haben wir die ganzen düsteren Neunziger durchgeheult, haben dafür sogar eigene Musikrichtungen erfunden bekommen.
Gut, das mußte sein. Aber jetzt reicht es auch. Cobain ist lange tot. Wir sind es nicht.
Die Kulturplattform möchte in allem, was sie tut, das Leben bejahen und nicht mehr diesem dunklen Nihilismus folgen, den wir den ganzen Tag in den nekrophilen Mtv-Videos zu sehen bekommen.
Obwohl die so hip und düster sind.
Wir haben versucht, unsere Ansichten und unser Lebensgefühl in einer kurzen, treffenden Prämisse zu formulieren, damit jeder, der sie liest, sofort aus dem Bauch heraus sagen kann "Die spinnen ja!" ,oder aber "Ja super. Genau. Da mach´ ich mit!".
Sie lautet wie folgt:

Die Kulturplattform will die lose Jugend vereinen und ihr eine kulturelle Bühne, ein Sprachrohr, sowie ein Plenum sein. Sie ist dabei stark von einer philanthropischen, positivistischen Weltsicht geprägt und möchte den jungen Menschen ein verwegenes, ein lebensbejahenderes Selbstwertgefühl vermitteln.
Außerdem ist sie der Meinung, daß der Relativismus uns nur gleichgültig macht und die völlige Beliebigkeit der Postmoderne langsam nervt.


So. Das ist der Beginn einer Jugendbewegung. Aber wie geht´s jetzt weiter? Was kommt noch?
Nun ja. Wir sind erst mal nichts weiter als Feuerfänger. Wir glühen in diesem abgefahrenen Fieber, das sich durch einen Impuls, entzündete und versuchen nun andere anzustecken. Versuchen uns zu regen. Ungewöhnliches zu tun. Bekannt zu werden. Unsere Idee zu verbreiten.
Wir machen diese Tanzparties, die sich am Beat und Glamour der Sixties orientieren. Wir geben uns damit sehr viel Mühe. Versuchen einen gewissen Lebensstil wieder aufleben zu lassen. Ihr habt sicher schon davon gehört. Wir nennen es Mars & Mango.
Das ist nur eine Sache.
Das Programm der Kulturplattform soll sich in drei Organe aufgliedern.
Da wäre als erstes die Jugendbühne zu nennen, die den gesamten musisch, künstlerischen Teilbereich abdecken soll, dann, sehr wichtig, das Waldforum, an dessen Tisch globale, sowie auch regionale Fragen und Probleme lebhaft diskutiert und erörtert und in dessen Rahmen auch eventuelle öffentliche Aktionen geplant werden sollen.
Der letzte Teilbereich ist ganz dem Feiern gewidmet. Wir wollen versuchen, pro Monat mindestens eine Mars & Mango Party zu veranstalten. Im Sommer, wie im Winter.
OK
Jetzt ist es auf dem Papier. Schön, wie es da so steht, aber verwirklichen können wir das alles nur mit Euch, mit Eurem Engagement, mit Eurem Interesse und Euren brillianten Einfällen und Ideen. Natürlich steckt viel jungromantische Verklärung in diesen Seiten. Seht, darüber hinweg. Bitte. Irgend womit muß man Euch doch kriegen. Also laßt Euch gewinnen.

Laßt Euch anstecken und fangt Feuer !!!

Zuletzt aktualisiert: 23.11.2001 Copyright Kulturplatform

 

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