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Warum entstehen solche Spalten?

Bis heute ist immer noch nicht vollständig geklärt, warum diese Spalten bei manchen Kindern überhaupt entstehen.
Eine Rolle dabei spielt möglicherweise Vererbung, d.h. dass Spalten in manchen Familien häufiger vorkommen als in anderen.
Zudem haben aber bestimmt auch äußere Umstände einen Einfluss.
Man ist diesbezüglich heute noch größtenteils auf Mutmaßungen angewiesen, da Auswirkungen von Umwelteinflüssen kaum erfasst werden können. 

Wieso wurde gerade mein Kind mit einer derartigen Spalte geboren?
Bei vielen Patienten kann kein Grund angegeben werden, weshalb sich während der Schwangerschaft eine Spalte gebildet hat.
Bei einem kleinen Teil der betroffenen Kinder finden sich Familienangehörige mit der gleichen Missbildung. 
Eine große Studie kommt zum Schluss, dass die Bereitschaft zu einer Spaltbildung in den letzten 100 Jahren im Erbgut der Durchschnittsbevölkerung deutlich zugenommen hat.
Zur Spaltenbildung sind jedoch noch zusätzliche, unbekannte und von außen einwirkende Faktoren erforderlich.
In keinem Fall ist es jedoch gerechtfertigt, allfällige Vorkommnisse während der Schwangerschaft dafür verantwortlich zu machen oder sich gar schuldig zu fühlen.

Wie oft kommen Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten vor?
Die Häufigkeit von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ist relativ hoch: von etwa 1000 Neugeborenen weist eines bis zwei eine solche Spalte auf. Aufgrund dieses ziemlich häufigen Auftretens weiß man jedoch schon recht viel über diese Missbildung und hat große Erfahrung in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Spalten im Kiefer- und Gesichtsbereich.

Werden jetzt alle unsere Kinder Spalten haben?
Wie schon erwähnt, hat die Vererbung bei der Entstehung von Lippen-, Kiefer- oder Gaumenspalten eine gewisse Bedeutung.
Das heißt aber sicher nicht, dass nun mit Gewissheit alle weiteren Kinder eine Spalte haben werden.
Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber gegenüber dem Durchschnitt etwas erhöht.
Eine genetische Beratung, die in der Spaltambulanz angeboten wird, kann helfen, die ausgelösten Ängste der Eltern zu beseitigen.
Hier erfahren Sie auch wie hoch das Risiko ist, dass in der gleichen Familie wieder ein Fall von LKGS auftritt.

Welche Folgen ergeben sich aus einer Lippen- bzw. Gaumenspalte?
Die Feststellung eines körperlichen Defektes beim Neugeborenen kann bei den Eltern und in der Umgebung der Kinder zahlreiche Reaktionen auslösen. Der Patient selber erfährt seinen Körperdefekt erst dann als Behinderung, wenn er im Vergleich mit Gleichaltrigen eine bestimmte Funktion nicht oder schlechter ausüben kann oder wenn er sein Aussehen mit diesen vergleicht.
Eine Studie zeigte indessen, dass im Alter von 11 Jahren die psychosozialen Probleme wegen des Aussehens und/oder der Sprache nur gerade bei 15% der Patienten so groß waren, dass sie darunter litten. Die an und für sich verständlichen Reaktionen der Eltern können vom Verhalten der Umgebung zusätzlich beeinflusst werden. Schrecken, Enttäuschung, Angst und Wut dürfen jedoch nicht zu einer Ablehnung des Kindes führen. Trotz des Aussehens sind diese Kinder liebenswürdige und normal intelligente Menschen. Die Eltern und später das Kind müssen lernen, mit der nicht immer feinfühligen Umgebung umzugehen. Dies ist für das Kind nur möglich, wenn die Eltern ihm Geborgenheit und Sicherheit während des Heranwachsens vermitteln. Dass die Eltern sich an das Aussehen gewöhnen zeigt die Tatsache, dass nach dem erfolgreichen Lippenverschluss die meisten Eltern das Gefühl haben, ein ganz anderes Kind vor sich zu haben.

Welche Körperfunktionen können beim Spaltträger in Mitleidenschaft gezogen sein?
Da wäre zunächst die Nahrungsaufnahme zu nennen. Viele Spaltkinder können nicht gestillt werden, da sie wegen der Spalte das hierzu im Mund erforderliche Vakuum nicht bilden können. Die Milch muss abgepumpt und mit einer geeigneten Flasche verabreicht werden. Diese Art der Ernährung benötigt etwas Geduld und mitunter Anleitung.

Was tun, wenn das Kind nicht an der Brust trinken kann?
Unbestritten ist Muttermilch die beste Nahrung für ein Neugeborenes. Spaltkinder können jedoch meistens nicht an der Brust trinken. Es sollte aber jedenfalls versucht werden, denn vielleicht gelingt es nach ein paar Anläufen trotzdem. In den anderen Fällen wird die Muttermilch mit dem Fläschchen verabreicht. Die Schwestern in der Klinik zeigen Ihnen, wie Sie Kind und Flasche am besten halten und auch, welchen Sauger Sie am besten verwenden. Bedenken Sie bitte stets, dass auch das Kind erst lernen muss, mit seiner Spalte umzugehen.

Kann mein Kind normal trinken?
Spaltenkinder brauchen zu Beginn etwas mehr Zeit und Geduld, bis sie richtig trinken können. Etwas Geduld, wiederholte Versuche in verschiedenen Positionen werden aber bald die Trinkzeiten für Mutter und Kind zum schönen Erlebnis werden lassen. Bei anfänglichen Schwierigkeiten helfen Ihnen die Schwestern im Kinderspital gerne.
In den meisten Fällen erhält Ihr Kind nach ein schnell eine Gaumenplatte welche das Trinken ungemein erleichtern kann.

Wird mein Kind normal sprechen?
Die Sprachentwicklung und das Erlernen einer normalen Aussprache hängen von zahlreichen Faktoren ab. Auch bei Kindern mit einer Spalte spielen, wie bei jedem gesunden Kind, Faktoren eine Rolle, die nichts mit der Spalte zu tun haben. Während bei isolierten Lippenspalten das Erlernen einer normalen Aussprache kaum beeinträchtigt ist, ist bei der Gaumenspalte der Ablauf der Sprachentwicklung etwas verzögert. Ein Logopäde hilft Ihrem Kind diese Probleme zu meistern.

Wird mein Kind normal hören?
Bei Kindern mit Gaumenspalten kann die Belüftung des Mittelohres vom Rachen aus behindert sein. Daraus resultiert vor allem im Säuglings- und Kleinkindesalter eine Neigung zu Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr, zur Mittelohrentzündung und schlimmstenfalls zur Gehörverminderung.
Fieber und/oder Ohrschmerzen können ein Hinweis für eine Mittelohrentzündung sein. Die Veränderungen am Mittelohr können aber auch ohne diese Zeichen ablaufen.
Ihr Kinderarzt wird im Rahmen der üblichen Vorsorgeuntersuchungen im Säuglingsalter besonderes Augenmerk darauf lenken.
Mit etwa 3 Jahren wird ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt Ihr Kind Untersuchen und je nach den Befunden eine zusätzliche Gehörprüfung (Verhaltens- bzw. Spielaudiometrie) veranlassen oder eine Behandlung eingeleiten werden. Bei mindestens 80% der Patienten kann ein normales Gehör erhalten werden.

Wird mein Kind normal atmen können?
Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen werden Sie und Ihr Kind eine Nacht im "Schlaflabor" verbringen. Spaltkinder und Kinder mit sogenanntem Pierre-Robin-Syndrom/Sequenz  sowie Spaltenträger mit zusätzlichen Missbildungen können auch Atemprobleme haben, so dass eine zusätzliche Behandlung unabdingbar wird.


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