PHILIPPINEN - Land und Leute: MOUNT KANLA-ON
Philippinen - LAND UND LEUTE
1999 / 2000


Mount KANLA-ON
Ein sagenumwobener Vulkan

by Alfred Nigel Bruckner

A B N C - NEWS & COMMENTARIES








Nach einer der zahlreichen Erzaehlungen und Legenden, die sich um Mount Kanla-on ranken, lebte in Negros - lange Zeit vor Ankunft der Spanier - ein galanter Krieger und Prinz, namens Kanla-on. Er war der Sohn von Koenig Suta, dem Herrscher ueber Berge und Wildnis.

Prinz Kanla-on verliebte sich in Prinzessin Marapara, die Tochter von Datu Mandalagan, des Gebieters der noerdlichen Winde. Auch Silay-on, Prinz der Fischer von Pulupandan, hatte ein Auge auf die bezaubernde Marapara geworfen.

Kanla-on's Werben wurde von Prinzessin Marapara erhoert und so stand einer Hochzeit nichts im Wege, bis ein Eindringling die gerade begonnenen Feierlichkeiten unterbrach. Der Stoerenfried war Silay-on mit seinen Mannen.

In einem Anflug von Eifersucht gerieten die beiden Krieger in einen heftigen Streit, der zu einer handfesten Auseinandersetzung eskalierte, in dessen Verlauf Silay-on von Kanla-on erschlagen wurde.

Ungluecklicherweise wurde Prinzessin Marapara, die zwischen die beiden Streithaehne geriet, von einem Speer getroffen und getoetet.

Die Prinzessin wurde beerdigt und der Speer in ihr Grab gelegt. Wie durch ein Wunder verwandelte sich der Speer in einen Stamm mit grasaehnlichen Blaettern, der aus dem Grab wuchs. Daraus gewann man einen suessen Saft und nannte folglich die Pflanze

Z u c k e r r o h r


Prinz Kanla-on blieb unverheiratet und wurde, als er eines Tages starb, inmitten der Zuckerrohrfelder bestattet.

An der Stelle seines Grabes erhob sich die Erde und ein Huegel wuchs empor, der sich immer weiter ausdehnte, bis er sich zu einem majestaetischen Berg entwickelt hatte .....

Mount K a n l a - o n


Einheimische glauben, es ist ein "heiliger" Vulkan, ein Treffpunkt von Geistern und dass in seinem Inneren Prinz Kanla-on mit seinem Hofstaat residiert.

Entsprechend respektvoll verhalten sie sich und leben mit der Natur im Einklang, die ihnen in der fruchtbaren Vulkanerde groessere Tomaten und Paprika als anderswo schenkt und das Land zu einem riesigen Gemuesegarten geraten laesst, in dem die herrlichsten Orchideen wachsen, die, kaum gepflanzt, schon die farbenpraechtigsten Blueten hervorzaubern.

Hin und wieder, heisst es, macht Prinz Kanla-on seinem Aerger ueber die Welt draussen Luft und dann rumort es mitunter gewaltig.

In Abstaenden von ein, zwei oder auch mehr Jahren, zeigt Mount Kanla-on ein bisweilen gewaltiges Spektakel in Form von sogenannten

"phreatischen" Explosionen.


Eine andere Erklaerung fuer dieses Naturereignis ist, dass es sich dabei um stoerungen im Wasserhaushalt halndelt, wenn kaltes Oberflaechenwasser in das heisse Berginnere gelangt und dort erwaermt wird. Je nach Wassermenge und Erhitzungsgrad entsteht in Hohlraeumen Dampf, der zunehmend unter Druck geraet.

Vergleichbar mit einem Dampfkochtopf oder einem Boiler, entweicht Ueberdruck durch das "Ventil" im juengeren Krater und reisst - je nach Intensitaet und Druckverhaeltnissen einer solchen Entladung - auf dem Kratergrund lagerndes Oberflaechenmateriel, wie Sand, Staub, Steine, alte Asche von frueheren Ausbruechen mit sich in die Atmosphaere ..... bis in Hoehen von einigen hundert, gelegentlich auch weit ueber eintausend Metern.

Diese Vorgaenge koennen jederzeit geschehen - ohne Vorwarnung oder Anzeichen von bevorstehenden Ereignisse. Konsequenterweise hat man deshalb die Gipfelregion in einem Radius von vier Kilometern zur "staendigen Gefahrenzone" erklaert.


P h i v o l c s

Philippinisches Institut fuer Vulkanologie und Seismologie

unterhaelt eine Beobachtungsstation an der oestlichen Flanke des Vulkans, etwa drei Kilometer westlich der Stadt Canla-on City in der oestlichen Provinz Negros Oriental.

Messinstrumente der Station und die, die man an verschiedenen Punkten an den Haengen verteilt hat, registrieren groessere oder kleinere phreatische Explosionen, Bewegungen im Inneren des Berges und nehmen Hoch- oder Niederfrequenz-Erdbeben wahr, die an der Oberflaeche ueberhaupt nicht zu spueren sind, und beobachten die Aktivitaeten im und am Berg.

Die Station meldet ihre Beobachtungen zum Phivolcs Hauptsitzin Quezon City, Metro Manila. Dot werden die Ergebnisse ausgewertet und entsprechene Entscheidungen getroffen, Warnungen gegeben und gegebenenfalls Massnahmen vorbereitet. Warnungen werden gegeben, wenn Anzeichen erkennbar sind, dass zunehmende Aktivitaeten des Vulkans - insbesondere bei erkennbaren Bewegungen von Material in Richtung nach oben in kritische Bereiche geraten, die unter Umstaenden zu einem Ausbruch fuehren koennten.


Im Unterschied zu "Explosionen" werden bei einem "Ausbruch" Materialien aus der Tiefe des Vulkans - Magma, Lava, Gestein, Gase, Asche - nach oben transportiert, mit Oberflaechenmaterial vermengt und unter gewaltigem Druck nach draussen in die Atmosphaere geschleudert.


Sollte sich ein bevorstehender Ausbruch ankuendigen, werden seitens der beiden Provinzverwaltungen entsprechende Massnahmen ergriffen und Katastrophenplaene aktiviert.

Die "staendige Gefahrenzone" im Vier-Kilometer-Bereich, der weitgehendst unbewohnt ist, wird zur "Sperrzone" erklaert, ein weiterer Bereich wird dann zur "Gefahrenzone" ausgedehnt. Oben nur duenn besiedelt, liegen weiter unten an der suedlichen Flanke im Sechs- bis Acht-Kilometer-Bereich einige Doerfer mit etlichen tausend Menschen.

Der naechste Schritt ist dann die Vorbereitung der Evakuierung der Bevoelkerung aus der erweiterten Gefahrenzone, sollte sich ein Ausbruch als unmittelbar bevorstehend vermuten lassen.

Je nach Windrichtung - im Halbjahr November/Mai von nordost, in der uebrigen Zeit von suedwest - ist, in geringerem Ausmass auch bei phreatischen Explosionen, mit "Fall-out" zu rechnen, der sich, etliche Kilometer weit vom Krater in der Naehe des Gipfels entfernt, niederschlagen kann.

Flusstaeler und ausgetrocknete Taeler werden zu Rinnsalen fuer Lava, die unterschiedlich schnell fliessen kann - duennfluessig und schnell, oder als zaehe und langsam gleitende oder kriechende Masse, die an der Oberflaeche relativ rasch erkaltet und fest wird, innen jedoch laengere Zeit heiss bleibt. Das sind dann die haeufig anzutreffenden, mitunter kuriose Formen von "Gestein", das solch erkaltete Lava ist. Manchmal brechen solche kalten Oberflaechen ein, wenn die darunter liegende Masse sich weiter ausgebreitet und teilweise entfernt hat, und es entstehen dann Gruben und andere Loecher.


Die Menschen, die an den Haengen des Mount Kanla-on und seit Generationen mit dem Vulkan (und dem Prinzen)leben, haben mehr Angst davor, nach einer Evakuierung nicht in ein zerstoertes, aber gepluendertes Haus zurueckzukehren, als vor moeglichen Folgen zunehmender Aktivitaeten des Berges.

Der letzte Ausbruch liegt schon Jahrzehnte zurueck, es ist jedoch keineswegs auszuschliessen, dass sich nach einer Reihe von Explosionen durch Veraenderungen des Zustandes im Berginneren, der Vulkan nicht doch eines Tages ausbricht und einen neuen Krater zu dem alten und bisherigen, derzeit aktiven bildet.


Andererseits, die Aktivitaeten dieses Vulkans und auch seiner "Kollegen" - wie dem Mount Mayon, der seit einigen Jahren wieder heisse Lava ausstoesst, oder dem Mount Taal, der gelegentlich rumort, und einiger anderer im Land ..... oder man danke an den Pinatubo, der nach ueber sechshundert Jahren wieder Praesenz zeigte und dabei nicht nur ein riesiges Gelaende auf Jahrzehnte in Mitleidenschaft geraten liess, sondern auch eine ganze Militaerbasis der Amerikaner mitsamt Flughafen zudeckte - diese Aktivitaeten erinnern uns daran, dass wir auf einem noch relativ jungen Planeten leben, der in seinem Inneren ein gluehender Feuerball ist. Nur an seiner Oberlfaeche ist er abgekuehlt und hat eine duenne und zerbrechliche Kruste gebildet. Vulkane und Geysire sind die "Ueberdruckventile".

Mount Kanla-on ist einer der aktivsten Vulkane in der Liste der zwanzig aktiven, von ueber zweihundert im philippinischen Archipel und er zaehlt zu dem sogenannten "Ring of Fire", einer Kette von hoechst aktiven Vulkanen im oder um den Pazifischen Ocean.




Alfred Nigel Bruckner


Correspondent
Travel Writer - Photographer
Tourist Guide


A B N C - NEWS & COMMENTARIES




K a n l a - o n ..... N a t i o n a l - P a r k




Eine etwa zweihundertfuenfzig Quadratkilometer grosse Wildnis an den Haengen rund um den Gipfel und bis hinunter in die Talregionen bilden den

Kanla-on National Park

der in Bereiche von sechs Kommungen ragt: Canla-on City in der Provinz Negros Oriental; San Carlos City, Murcia, Bago City, La Castellana und - meine Wahlheimatstadt - La Carlota City in Negros Occidental.


Die beste Zeit fuer eine Wanderung zu Gipfel und Krater des Mount Kanla-on ist die Zeit um die Karwoche. Da ist es relativ trocken und der See, der sich aus Regenwasser speist, ist noch nicht voellig ausgetrocknet.

Morgens ist der Gipfel meistens frei von Wolken, dann verhuellt tagsueber der Gipfel - scheu, wie eine "Jungfrau" - sein Gesicht mit Wolken, aus denen es in den oberen Regionen bisweilen kraeftig regnet.


Die letzte Woche im April, mit Uebergang zum Mai -
ist Zeit fuer eine Fista:

La Carlota City feiert:

P a s s a l a m a t


Es ist ein "Erntedankfest" am Ende der Milling Season, wenn die Zuckerrohrernte eingefahren ist und die Ferien beginnen. Die Fiesta reicht mit ihren Wurzeln bis in die Zeit zurueck, als Prinz Kanla-on und Prinzessin Marapara noch ein verliebtes Paar waren.


Mehr als die Haelfte der Zuckerproduktion der Philippines kommt aus Negros. Eine dieser "Central" genannten Zuckerfabriken, die aelteste im Land, ist in La Carlota City beheimatet.

Es ist eine Fundgrube fuer Dampflokfreunde, denn einige dieser alten Dinger sind heute noch im Ernte-Einsatz - befeuert mit Bagasse, einem Abfallprodukt bei der Zuckerherstellung, und somit ein preiswerter Brennstoff, der sich uebrigens auch fuer kalorische Kraftwerke hervorragend anbietet. Man ist dabei, diesbezueglich sogar Ueberlegungen anzustellen .....