PHILIPPINEN - Land und Leute: STRASSENVERKEHR - Verkehrsregeln

Philippines - LAND UND LEUTE
1999 / 2000

Stassenverkehr - Verkehrsregeln


by Alfred Nigel Bruckner


A B N C - NEWS & COMMENTARIES








Die durchschnittliche Wachstumsrate der Bevoelkerung in den Philippines liegt bei etwa zwei bis drei Prozent (2000 offiziell 2.36%)- das heisst, jaehrlich kommen mehr als eineinhalb Millionen zu den jetzt schon ueber sechsundsiebzig Millionen Filipinos hinzu - in anderen Worten: jede Minute drei mehr!

Noch weitaus rasanter ist die Zuwachsrate an Fahrzeugen: landesweit um die zehn Prozent Neuzulassungen - in einem Zentrum, wie Metro Cebu, auch etliches darueber.

Nicht in Statistiken erfasst sind die Tausenden von Vehikeln, die entweder gar nicht, oder nur "vorlaeufig" registriert sind, oder bei denen die jaehrlich vorgeschriebene Verlaengerung der Strassenverkehrszulassung spaeter als termingerecht vorgenommen wird.

Hin und wieder - besonders in Metro Manila - koennen Sie auch den edlen Karossen mit dem Stern aus Stuttgart oder der weiss-blauen Niere begegnen ..... ohne Nummernschild ..... oder "For Registration".


Diese etwas ausfuehrlichere Einleitung war notwendig, um einige Dinge, die jetzt folgen, nachvollziehen zu koennen.


Wenn's um Strassenverkehr geht, ist dies hierzulande Sache des

D O T C - Department of Transportation and Communication


L T O - Land Transportation Office


Dieses ist mit seinen Aussenstellen in den Regionen und Provinzen zustaendig fuer Fahrerlaubnisse, Zulassungen, Ueberpruefungen, usw. und erledigt auch die Verfolgung von Uebertretungen, die von den "Agents" festgestellt und gemeldet werden. Solche "Agents" koennen, muessen aber nicht, Polizisten sein.

Groessere Staedte haben ein sogenanntes

" T r a f f i c - M a n a g e m e n t " ,

ds sich um den rollenden und ruhenden Verkehr kuemmert - mehr oder weniger effizient. In solchen Metropolen wie Cebu wird das schon etwas schwieriger, weil nicht selten die Koordinierung mit den Nachbarn gar nicht oder nur unzureichend funktioniert.

Weil diese Truppe sich quasi "selbst" erhalten muss, werden an "strategisch guenstigen" Stellen Uebertretungen festgestellt und dann verfolgt ..... je nach Tageszeit - kaum vor Sonnenaufgang, zu Mittag, oder nach Sonnenuntergang - mehr oder weniger konsequent. Und auch Regen laesst so manchen Verkehrssuender "straffrei" davonkommen.


Es ist auch eine Frage, wer welche Uebertretung feststellt.

Wird beispielsweise ein Fahrer dabei ertappt, dass er ein "NO STOPING ANY TIME" - ein Halteverbot - uebersehen hat, geht die Einnahme in die Kommunale Verwaltung, wenn ein "Traffic Enforcer" das "Delikt" zu bearbeiten hat.

Dass das Vehikel ohne Licht oder mit abgefahrenen Reifen unterwegs ist, koennte ihn interessieren, falls er die entsprechende Vorschrift in der Stadt kennt, aber meistens bleibt's dabei, dass dies Sache des LTO ist, wenn er nicht dessen "Agent" ist. Kompliziert ??

Nein, aber die "Verfolgung" eines Delikts richtet sich in erster Linie nach der Zustaendigkeit der "Dienststelle", zu der der Anhaltende gehoert. Und es ist auch eine Frage, wer fuer das "Ticket" kassieren moechte.

Ob das Vehikel ueberhaupt eine ordnungsgemaesse Zulassung hat, waere hoechstens fuer einen "Agenten" des LTO eine Ueberpruefung wert ..... Darum soll man sich auch nicht wundern, wenn die zwei Meter im "NO STOPING" Grund fuer eine Beanstandung ist, aber das fehlende Nummernschild oder die abgelaufene Zulassung voellig ausser Acht bleiben.


Und ausserhalb von oertlichen Zustaendigekeitsbereichen von "Traffic Management" bzw. weit genug von LTO-Buerogebaeuden entfernt - was aber auch schon vor deren Haustuer sein kann - meinen nicht wenige Verkehrsteilnehmer, dass Verkehrsregeln nicht mehr gelten oder zeitweise (nachts) ausgesetzt seien.

Na ja, viele Verkehrsteilnehmer haben irgendwann einmal eine Fahrerlaubnis beantragt und sie erhalten, ohne jemals eine Pruefung abgelegt haben zu muessen. Die Verlaengerung im Drei-Jahresturnus - jeweils zum Geburtstag - ist Formsache.




Passen Sie gut auf sich auf!


TRAFFIC DIVISION - CEBU's FINEST



"GUTE FAHRT" ..... AUF UNSEREN STRASSEN !


Wenn Sie sich als "Selbstfahrer" in unseren Strassenverkehr begeben wollen, koennen Sie das in der Regel mit Ihrer nationalen Fahrerlaubnis tun. Allerdings empfiehlt es sich, einen "Internationalen Fuehrerschein" dabei zu haben.

Mag Ihnen - als erstem Eindruck - der Strassenverkehr etwas "chaotisch" erscheinen, taeuscht dies ..... und ich kann Ihnen sagen, dass ich mich in unserem (vermeintlichen) Wirrwar zeitweise "sicherer" fuehle, als beispielsweise in der bayerischen Landeshauptstadt, wo ich gerne zu Gast bin.

Man kann sich in der Regel auf andere Verkehrsteilnehmer besser einstellen - es wird mehr nach Gefuehl, Sicht und "Verstaendigung per Lichthupe und Horn" gefahren, als nach "Recht". Denn was nuetzt es einem, wenn man mit "Vorfahrt" geradewegs auf dem Weg nach "Sechs Fuss unter Null" ist ??


Fahren Sie so, wie die meisten meiner Landsleute, die sich zum ersten Mal in den Strassenverkehr begeben haben:

Schau'n Sie sich um, wie's die anderen machen ..... dann liegen Sie schon richtig.


Hat es Sie dennoch erwischt und Sie werden von einem (uniformierten) "Traffic Enforcer" angehalten, oder von jemanden - Polizisten oder Zivilisten, der eine "ID" (Ausweis mit Bild) von DOTC oder LTO sichtbar traegt, zahlen Sie nichts vor Ort.

Keinesfalls wird - ausser von Fussgaengern beim Ueberqueren einer Strasse an einer roten Ampel oder wo es aus anderen Gruenden untersagt ist - am Ort des Geschehens "abkassiert".

Ihre Fahrerlaubnis, falls Sie Ihnen abgenommen worden sein sollte, erhalten Sie - meist am naechsten Tag - von der zustaendigen Behoerde wieder zurueck, wenn der "Vorgang" erledigt wurde ..... entweder Sie werden freundlich auf die Verkehrsvorschriften hingewiesen oder Sie haben tatsaechlich fuer Ihr "Ticket" bezahlen duerfen.



S T R A S S E N V E R K E H R S R E G E L N




Es gibt sie - wie auch andernorts. Aber, ob sie jeder kennt, ist eine andere Frage.

Bei einer Pruefung zur Erlangung einer Fahrerlaubnis sollte man sie zumindestens gekannt haben - falls man ueberhaupt in den Genuss kam, eine solche ablegen zu duerfen ..... und wenn doch, vielleicht war ja beim Fragebogen auch gleich der Zettel mit den Ziffern und Buchstaben, die als Antwort zu den Fragen zu schreiben sind .....


Also, da gibt es die Strassenverkehrsregeln, die im wesentlichen den US-Vorschriften entsprechen. Sind Sie in den Staaten gefahren, wird Ihnen vieles sehr bekannt vorkommen.

Und dann gibt es die sogenannten "ungeschriebenen" ..... Wer danach verfaehrt, kommt am besten durch:

Es dauert sicher nicht lange, und Sie haben den Bogen 'raus ..... "Recht" hat (in der Regel) ohnehin der Groessere oder Staerkere. Das heisst, Busse sind die "Koenige der Landstrasse" und deren Fahrer wissen dies auch meistens selbstbewusst auf der Strasse zu demonstrieren.

Blaulicht und Martinshorn - anderswo Hinweis auf Polizei, Feuerwehr, Rettung oder sonstige Einsatzfahrzeuge, denen es Platz zu machen gilt - haben wir in aehnlicher Form auch hier: meistens "rot" fuer Polizei oder Feuerwehr, "gruen" fuer Rettung, auch kombinationen oder andere Farben. Die Sirene kennen Sie aus amerikanischen Filmen.

Platz zu machen, mag durchaus in der Absicht eines Fahrers sein - oft kommt er im Stau jedoch nciht dazu ..... und das Ausweichen, wie Sie es in der Fahrschule gelernt haben, ist hier nicht gaengige Praxis.

Anders als Sie es vielleicht kennen, naemlich dass Sirene und / oder Lichter aeusserste Dringlichkeit signalisieren, werden bei uns die Dinger eingeschaltet, wenn sie schon am Fahrzeug sind und funktionieren, und wenn's nur ein Vehikel einer "Barangay Police" (einer Art Dorfpolizei) aus einem Provinznest auf dem Weg zur Stadt ist. Es geht halt vielleicht doch ein bisschen schneller.



Wenn Sie unterwegs sind, denken Sie gelegentlich daran, dass Lichter und Spiegel zwar ein nettes Zierat sein moegen, aber nicht immer zu dem Zweck benutzt werden, zu dem sie an einem Fahrzeug angebracht sind.

Einen Fahrer interessiert hauptsaechlich das, was vor ihm ist und das Sichtfeld - bei sehr beliebten getoenten Scheiben - wird durch zahlreiche Aufkleber noch eingeschraenkt. Bei Bussen, Jeepneys und Tricycles oft bis zur Groesse von Panzer-Sehschlitzen.

Fahrstreifenwechsel werden nicht immer - oder besser gesagt, aeusserst selten - mit Blinker anekuendigt und auch ein ploetzliches Linksabbiegen eines Vorausfahrenden ist durchaus nichts ungewoehnliches.

An Ampeln gilt die - leider in Deutschland (West) nur aeusserst selten praktizierte - Regel, dass grundsaetzlich immer bei "Rot" rechts abgebogen werden darf, falls dies nicht ausdruecklich mit Zusatzschild untersagt ist.

Sind mehrere Fahrstreifen vorhanden - auch auf Ueberlandstrecken, rechnen Sie damit, dass - auch bei guter Beschilderung und Hinweisen - langsam fahrender Verkehr gerne (entgegengesetzt der Vernunft) links faehrt ..... Einbiegen und gleich nach links durchziehen.



A c h t u n g ---> bei Ueberlandfahrten


Schlagloecher in Fahrbahnen sind nichts aussergewoehnliches.

Bitte denken Sie bei Nachtfahrten auf schlecht oder unzureichend beleuchteten Strassen auch daran, dass neben der Fahrbahn Haeuser stehen koennen, deren Eingangstueren unmittelbar auf die Strasse fuehren.

Sollte Ihnen in laendlichen Gebieten nachts ein bellender Vierbeiner ueber den Weg laufen, dann ist's oft das beste, man handelt nach dem Prinzip "Nichts wie weg!"

Hunde, die tagsueber oft scheu sind und Ihnen aus dem Weg gehen, aendern in der Dunkelheit ihre Verhaltensweisen. Wenn Sie auf der Suche nach Fressbarem in Muelltonnen wuehlen und neben der Strasse oder auf Gehsteigen fuer die Muellabfuhr deponierte Tueten durchstoebern, koennen Sie mitunter aeusserst aggressiv werden und auch schon mal angreifen.

Weil Hunde nicht selten Traeger von Tollwut-Erregern sind, wurden schon vor Jahren viele Vorschriften dazu erlassen, Impfungen vorgeschrieben und die Hundehaltung reglementiert ..... gut fuer's Image von Politikern, aber in der Praxis nur sehr schwer zu realisieren. Die Statistiken waeren aussagekraeftig genug ..... Es gibt Provinzen und Gemeinden, die haben traurige Rekorde an Todesfaellen nach Hundebissen.



Wenn Sie aus einem Land kommen, in dem - wenn's gekracht hat - die Versicherungen jeweils den Fremdschaden regulieren, ist's hier etwas anders.

Ziehen Sie jedoch in jedem Fall besser Polizei hinzu, falls die Sachlage nicht ganz klar ist. Und lassen Sie sich aus dem Journal bzw. Tagebuch eine Abschrift anfertigen. Das kann Ihnen eine Schadensregulierung unter Umstaenden erleichtern.



Ansonsten kann ich Ihnen nur empfehlen, erkunden Sie das Land - es hat so vieles Interessantes zu bieten und Sie werden ueberrascht sein, wie vieles Sie entdecken, was in keinem noch so ausfuehrlichen Buch beschrieben ist.





Alfred Nigel Bruckner

Correspondent
Travel Writer - Photographer
Tourist Guide



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