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Dienstag, 29.06.:
Es ist früh um fünf. Endlich haben Katja und ich einen Parkplatz in der Frankfurter
Innenstadt gefunden, verbunden mit der Hoffnung mein Auto auch in einer Woche hier wiederzufinden.
Für satte 43 Märker fanden wir auch gleich ein Taxi zum Flughafen. Das Einchecken brachten wir
auch schnell hinter uns und so hatten wir noch 2 Stunden Zeit. Der Schlaf nagte jetzt
schon ganz schön an den Nerven, was sich manchmal in den nicht ganz ernst zu nehmenden Dialogen
zwischen uns wiederspiegelte. Gestern Abend verliesen wir Dresden gegen 22:00 Uhr. Und vor uns
lagen noch 40 schlaflose Stunden. Doch die Erwartung heute New York City zu sehen ließ aber
schnell jede Art von Müdigkeit schwinden. Die Zeit verging rasend schnell und Katja wurde
zunehmend nervöser, da es ihr erster Flug war. Doch sie hat sich ganz ordentlich gehalten.
Na ca. 8 Stunden Flug landeten wir auf dem John F. Kennedy-Airport in New York City. Das Wetter
ähnelte eher einer Waschküche und von städtischer Umgebung scheinbar keine Spur.
Ich muß ja sagen, die Landung in Newark/New Jersey war da letztes Jahr beindruckender.
Aber daß lag wahrscheinlich wirklich nur am Wetter. Mein erstes Problem war die Passkontrolle.
Da ich dieses Jahr ein US-Knöllchen im Wert von 340 DM mit 10 monatiger Verspätung
gezahlt habe, hatte ich die Befürchtung ein paar Probleme bei der Einreise zu bekommen. Die
Beamtin hatte jedoch erstmal mit ihrem Computer zu tun, da irgendwas nicht funktionierte. Meinen
Namen kontrollierte sie gar nicht, stempelte und heftete in meinem Reisepaß herum und ich konnte
weitergehen. Die ganze Aufregung Gott sei dank umsonst! Schnell war unser Mietwagen ausgeliehen
und wir fuhren in Richtung Manhattan. Ich wählte die Route über die Atlantic Ave und die Jamaica Ave
um meine kleine Stadtrundfahrt in den Straßen von Queens und Brooklyn zu beginnen, anstelle nur
über den Long Island Expwy nach Manhattan reinzujagen. Es war unheimlich schwül und über 30 Grad
Celsius. Nach ca. einer Stunde im typischen New Yorker Traffic-Jam tauchten am Horizont die
majestätischen Twin-Towers des World Trade Centers auf.
Brooklyn-Bridge
Auf dem Broadway
Blick Richtung Lower Manhattan
Mittwoch, 30.06.:
Rrrrring. 9 AM, der Wecker, von Katja am Vorabend gestellt, zerschnitt das rhytmische Brummen
der Klimaanlage. Nach der Feststellung, daß wir nicht geträumt hatten und uns tatsächlich
in den Staaten befanden, starteten wir also hochmotiviert in den Tag. Frisch geduscht wartete
unsert Wägelchen vor dem Hotel schon auf seinen nächsten Einsatz. Allerdings musste es wieder
in Brooklyn abgestellt werden. Dann suchten wir uns die nächste Subway-Station. Wir wollten
Mitte Central-Park aussteigen, hatten aber versehentliche den Express-Zug genommen welcher
natürlich nicht im Central-Park hielt sondern irgendwo in Harlem. Und daß das nicht gerade
ein Viertel ist, in dem man hemmungslos flanieren sollte, stiegen wir auch gleich wieder in den
Zug zurück ein. Allerdings wieder ein Express-Zug. Und so sausten wir halt wieder am Central-Park
vorbei. Aber das nächste mal waren wir klüger. Die Subway hielt genau an der 57th st. in der
Mitte des Parks. Von hier aus durchforsteten wir erst einmal die grüne Lunge von NYC, ohne die
die New Yorker bzw. ihre Atemwege nicht viel zu Lachen hätten. Es ist eine richtige Oase inmitten
dieses Molochs.
Pferdekutsche im Central-Park
Donnerstag, 01.07.:
Gegen 9 Uhr in der Frühe hieß es dann wieder aufstehen. Die Hauptstadt der USA wartete auf uns.
Der Tag begann aber weniger urlaubsmäßig. Ein Blick nach draussen: Strömender Regen bei über
30 Grad und einer Luftfeuchte die nicht weit von der 100%-Marke entfernt war. Sogar das Objektiv
meines Fotoapparates beschlug schon. Nach einem kurzen Halt in einem typischen amerikanischen
Restaurant (McDoof) waren die restlichen 150km bis Washington schnell hinter uns gebracht. Nach Washington D.C.
führt eine kilometerlange Straße, vorbei an ruhigen, familiären, kleinen und gepflegten Häusern.
Manche sahen aus wie kleine Schlößer. Überhaupt ist Washington eine sehr saubere Stadt.
Irgendwo in der Nähe des Weißen Hauses fanden wir in einer kleinen Gasse eine Abstellmöglichkeit
für unser vierrädriges Gefährt. Wie die ganze Woche über in den Staaten immer mit dem
Hintergedanken es könnte abgeschleppt werden. Was hier natürlich sehr schnell geht. Zu Fuß ging
es dann vorbei am weißen Haus Richtung Washington Monument (einem ägyptischen Obelisken
nachempfundenen Bau), welches zu Ehren von George Washington erbaut wurde. Anschließend liefen
wir zum Lincoln Memorial.
Das Weiße Haus
Donnerstag, 01.07. / Freitag, 02.07.: Gegen 19:00 Uhr ging also die Fahrt zu den Niagara-Fällen los. Und diesmal nahmen wir uns vor wirklich gegen 02:00 Uhr in den Federn zu liegen. Ich wollte bis Mitternacht ca. 450km bis Pittsburgh schaffen und dort in der Nähe ein Motel suchen. So ging nun unsere Fahrt quer durch die Appalachen, durch die Bundesstaaten District of Columbia, Maryland, West-Virginia und Pennsylvania. Kurz vor Mitternacht erreichten wir dann auch Pittsburgh. Katja schlief neben mir vor sich hin, aber ich war noch hellwach, und so beschloss ich noch ein Stückchen weiter zu fahren. Es fing an leicht zu regnen, was sich innerhalb einer Viertelstunde zu einem Wolkenbruchartigen Gewitter ausweitete. Ein vergleichbares habe ich selten erlebt. Man konnte auf dem Highway fast nichts mehr sehen und nicht schneller als 50km/h fahren. Außerdem hatte ich noch ganz schön mit Aquaplaning zu kämpfen. Je mehr wir jedoch in Richung Erie-See (einem der Großen Nordamerikanischen Seen) fuhren, desto besser wurde das Wetter und 2 Stunden später hatten wir den Erie-See erreicht. Ich entschloß noch weiter zu fahren. Jedoch aus Rücksicht auf Katja, die schon ziemlich verschlafen neben mir aus der Wäsche schaute, fuhren wir beim nächsten Motel runter. 65$ pro Nacht waren uns aber ein bisschen zu teuer. Da ich wußte daß es an den Niagara-Fällen Motels für rund 35$ gibt machte ich den Vorschlag den Rest auch noch durchzuziehen, da es bis Niagara Falls gerade noch knapp 150km waren. Gesagt getan, nach 1 1/2 Stunden tauchte vor uns ein Schild "WELCOME TO NIAGARA FALLS" auf. Da ging einem schon ein kalter Schauer über den Rücken, wieder hier zu sein. Mittlerweile war es schon halb vier. An einem kleinen Motel, welches ziemlich versüfft aussah, hielten wir an. Und es quälte sich tatsächlich noch ein Besitzer, als Reaktion auf mein Klopfen und Klingeln, aus seiner Schlafstube. Für 35$ wollte ich natürlich erstmal das Zimmer sehen, was mit einer Antwort "What do you expect for 35$" und einem "freundlichen" aus-der-Türe-weisen quittiert wurde. Also gings zum nächsten Motel. Hier klingelte ich und niemand öffnete, auch bei der nächsten Unterkunft war das nicht anderes. Bei Nummero 4 hatten wir dann Glück. Ein ziemlich verschlafen dreinschauendes, weibliches, indisches Gesicht kroch aus dem Haus hervor. Ersteinmal alle Formalitäten und 32$ gezahlt und schon sackten wir in die Betten.
Freitag, 02.07.:
Ich fror wie im Winter. Es war früh um sieben. Die Klimaanlage tat wirklich ihr bestes
einem den Schlaf mit einem Hauch Frost zu versüßen. Katja, die näher an der Klimaanlage lag,
hatte wahrscheinlich auch ein paar Temperaturprobleme und schaltete die Arktismaschine dann auch
aus. Und so konnten wir erstmal 3 Stunden weiterschlafen. Nach einem guten Frühstück ging es
dann zu den ca. 15km entfernten Fällen. Strahlendblauer Himmel und das voll aufgedrehte Radio
mit Yellow Umbrella begleitete uns dorthin. Schnell wurde das Auto abgestellt. Von weitem hörte man
schon den Niagara-River tosen. Solche Wassermassen kann man sich gar nicht vorstellen. Die Niagara-
Fälle bestehen aus den kleineren American-Falls (USA) und den größeren Horseshoe-Falls (Canada).
Nach wenigen Minuten standen wir oberhalb der amerikanischen Fälle. Ein atemberaubender Anblick!
Die kanadischen Horseshoe-Falls
Die kanadischen Horseshoe-Falls
Samstag, 03.07.: Auf dem etwas härteren Untergrund war an ein gemütliches Ausschlafen gar nicht zu denken. Gegen 8 stolperten wir mehr oder weniger unbeholfen aus dem Zelt. Gekennzeichnet von mehreren Angriffswellen feindlicher Mücken-Geschwader packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren nochmals in Richtung Canada. Unser heutiges Tagesziel hieß Toronto, welches wir schon nach 2 Stunden ereichten. Toronto hatt eine traumhafte Skyline. Ist aber trotz des NYC-ähnlichen Betonwuchers eine eher ruhige und vor allem grüne Stadt. Gegen Abend traten wir unsere ca. 1000km lange Rückreise nach New York City an. Auf halber Strecke brach wieder ein Unwetter los. An einer Tankstelle rief ich unsere amerikanische Katja an, zwecks morgigen Treffens. Sie und ihr Freund machten uns gleich ein Angebot bei Ihnen zu übernachten. Wir nahmen dieses Angebot natürlich dankend an, wußten aber nicht, ob wir die 1000km durchhalten ohne vorher in ein Motel zu fallen.
Samstag, 03.07. / Sonntag, 04.07.: Wir erreichen gegen 00:30 Uhr die Washington-Bridge. Mitten in der Nacht und der Verkehrsstau scheint kein Ende zu nehmen. Jetzt wird einem langsam klar was das Zitat "Die Stadt, die niemals schläft" bedeutet. Wir nähern uns dem Times-Square. Das Restlicht der Nacht scheint sich hier an einem einzigen Ort zu versammeln. Schon von weitem sieht man es nur Leuchten und Flimmern. Katja zückte den Camcorder aus dem Rucksack und hing sich ganz gemütlich aus dem Fenster um die Anfahrt auf dem Times Square für immer in bewegten Bildern zu bändigen. Hier scheint das Leben niemals stillzustehen, egal zu welcher Zeit man ankommt. Weiter ging es dann auf der 7th Ave vorbei am Madison Square Garden in Richtung Lower Manhattan, dann über die Brooklyn-Bridge Richtung Longs Island. In Queens fanden wir dann nach langem Suchen ein Motel. Der stolze Preis von 105$ machte unsere Entscheidung aber leicht, weiterzufahren. Ich wollte unsere Unterkunft vom letzten September in Coram ansteuern, jedoch musste ich auch ehrlich zugeben den Weg nicht genau zu kennen. Nach langem Suchen fanden wir dann auch gegen 05:00 Uhr am Morgen dieses niedliche Motel, jedoch mit einem prangendem Schriftzug "NO VACANCY". Jetzt war erstmal Ratlosigkeit angesagt. Katja bestand darauf die Bekannte von mir anzurufen (ebenfalls mit dem Namen Katja). Auf dem Weg zum Telefon ließ ich mir erst einmal alle möglichen Entschuldigungen durch den Kopf gehen, die es rechtfertigen würden bei ihr früh am morgen anzurufen. Aber ohhh Wunder es waren noch alle wach. Das "Hallo" war natürlich riesengroß. Das erste Wiedersehen nach mehreren Monaten mit einer guten Freundin. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals ganz herzlich für die umwerfende Gastfreundschaft von Katja und ihrem Freund Alex bedanken. Wir wurden bewirtet, gut gebettet und bekamen alles was das Gastherz so begehrt. Nach einer kurzen Quatschrunde fielen wir dann früh um sechs wie tot in die Betten.
Sonntag, 04.07.:
Nach einem kräftigen Frühstück und von unseren Gastgebern selbstgebrannten rumänischen Schnaps
ging es dann zu viert Richtung New York City. Heute war Independence Day und wir waren voller Zuversicht
eines der schönsten Feuerwerke unseres Lebens über der Skyline von Manhattan sehen zu können. Doch vorher
nahmen wir uns noch das Empire State Building vor von dem man meiner Meinung nach einen viel besseren
Blick über Manhattan hat als vom World Trade Center.
Chinatown
Blick vom Empire State Building
Montag, 05.07.:
Der letzte vollständige Tag in Amerika lag vor uns. Wir wurden nochmals kräftig von unseren Gastgebern
bewirtet. Dann gabs die "geliebten" Abschiedsszenen. Gegen Mittag waren wir dann wieder in New York City.
Diesmal fuhren wir aber nicht direkt bis Brooklyn hinein, vielmehr fuhren wir auf der Jamaica Ave ab.
Jamaica-Queens sollte zu einem unserer Lieblingsviertel werden. Im Herzen des Viertels liegt eine Art Mall.
Dort reihen sich Musikläden und Läden mit "Rasta-Zubehör" aneinander. Jeder Musikladen möchte natürlich
nur auf sich aufmerksam machen und dreht seinen Ghetto-Blaster natürlich auf volle Lautstärke. So schallte
es in der ganzen Straße nach Reggae, Hip-Hop und Ragga. Da fühlten wir uns natürlich als Liebhaber
"Jamaicanischer Folklore" ganz in unserem Element. Nach dem Kauf unzähliger Kassetten, CDs, Getränke und
T-Shirts verliesen wir Jamaica schweren Herzens. Und wieder ging es dann weiter Richtung Brooklyn.
Jamaica-Queens
Haus mit Feuerleitern in SoHo
Blick auf Lower Manhattan
Auf dem Times Square
Dienstag, 06.07.: Pünktlich um 07:30 Uhr schellte der Wecker los. Eigentlich wollten wir ja mal ein bisschen ausschlafen. Aber ab 08:00 Uhr stand unser Auto im Parkverbot. Wir waren 07:58 aus dem Hotel 'raus und schon stand ein nervöser LKW-Fahrer vor unserem Vehikel und wartete bis wir abdüsten. Das taten wir natürlich auch und zwar, oh Wunder mal wieder, in Richtung Brooklyn Bridge. Von dort gings nochmals per pedes in südlichen Teil von Manhattan. Bei einem "traditionellen" McDoof-Essen mit leckeren Bagels entschieden wir uns mit der kostenlosen Staten Island Ferry in einer Stunde nach Staten Island und zurück zu fahren. Eigentlich hat die Fähre ja eigentlich wirklich nur Transportfunktion für die einheimische Bevölkerung, jedoch wird sie zum großen Teil auch von Touristen genutzt. Man hat einen traumhaften Ausblick auf Manhattan und an der Freiheitsstatue schippert man auch noch vorbei. Bei uns beiden kam langsam der Herzschmerz auf, waren es doch die letzten Stunden in einer der schönsten Städte der Welt. Danach trennten sich unsere Wege kurz. Während Katja zu Tower-Records ging, um nach ein paar CDs für ihre Schwester zu suchen, war mein Ziel Greenwich Village. Am Washington Square machte ich es mir eine Weile gemütlich. In der Tasche hatte ich 2 Eintrittskarten für die New Yorker Börse. Aber das Wetter war einfach zu schön um sich in dunklen Gebäuden herumzureiben. Irgendwann haben wir uns jedenfalls in Chinatown wiedergefunden. Es wurde jetzt immer heißer und schwüler. Laut New York Post der heißeste Tag des Jahres mit fast 40 Grad Celsius und der Auftakt zu einem der heißesten Sommer, die New York in den letzten Jahren erlebt hatt. Schnell wurde noch das Auto ausgemistet und dann der Weg Richtung Flughafen eingeschlagen. Auf dem Long Island Expwy kamen wir mitten in den Traffic Jam. Was uns dazu veranlasste den Flughafen über kleinere Straßen in Brooklyn und Queens anzusteuern. Die Rückgabe des Mietwagens erfolgte ohne Probleme, genauso wie das Einchecken. Es war jetzt gegen 10 oder 11 abends. Die Maschine hob ab. Unter uns erstreckte sich das Rasterförmige Muster der Straßen. In der Ferne sah man die Skyline. Auf Wiedersehen New York City. Eine der schönsten Wochen des Jahres gingen vorüber. Wir beide waren uns aber huntertprozentig sicher: Diese Stadt haben wir nicht zum letzten mal gesehen. See you soon NEW YORK CITY!!
(c) by Mario Karsch
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