Reise-Page von Mario Karsch

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New York City, Washington D.C., Niagara-Fälle, Toronto

Juni/Juli 1999


Dienstag, 29.06.: Es ist früh um fünf. Endlich haben Katja und ich einen Parkplatz in der Frankfurter Innenstadt gefunden, verbunden mit der Hoffnung mein Auto auch in einer Woche hier wiederzufinden. Für satte 43 Märker fanden wir auch gleich ein Taxi zum Flughafen. Das Einchecken brachten wir auch schnell hinter uns und so hatten wir noch 2 Stunden Zeit. Der Schlaf nagte jetzt schon ganz schön an den Nerven, was sich manchmal in den nicht ganz ernst zu nehmenden Dialogen zwischen uns wiederspiegelte. Gestern Abend verliesen wir Dresden gegen 22:00 Uhr. Und vor uns lagen noch 40 schlaflose Stunden. Doch die Erwartung heute New York City zu sehen ließ aber schnell jede Art von Müdigkeit schwinden. Die Zeit verging rasend schnell und Katja wurde zunehmend nervöser, da es ihr erster Flug war. Doch sie hat sich ganz ordentlich gehalten. Na ca. 8 Stunden Flug landeten wir auf dem John F. Kennedy-Airport in New York City. Das Wetter ähnelte eher einer Waschküche und von städtischer Umgebung scheinbar keine Spur. Ich muß ja sagen, die Landung in Newark/New Jersey war da letztes Jahr beindruckender. Aber daß lag wahrscheinlich wirklich nur am Wetter. Mein erstes Problem war die Passkontrolle. Da ich dieses Jahr ein US-Knöllchen im Wert von 340 DM mit 10 monatiger Verspätung gezahlt habe, hatte ich die Befürchtung ein paar Probleme bei der Einreise zu bekommen. Die Beamtin hatte jedoch erstmal mit ihrem Computer zu tun, da irgendwas nicht funktionierte. Meinen Namen kontrollierte sie gar nicht, stempelte und heftete in meinem Reisepaß herum und ich konnte weitergehen. Die ganze Aufregung Gott sei dank umsonst! Schnell war unser Mietwagen ausgeliehen und wir fuhren in Richtung Manhattan. Ich wählte die Route über die Atlantic Ave und die Jamaica Ave um meine kleine Stadtrundfahrt in den Straßen von Queens und Brooklyn zu beginnen, anstelle nur über den Long Island Expwy nach Manhattan reinzujagen. Es war unheimlich schwül und über 30 Grad Celsius. Nach ca. einer Stunde im typischen New Yorker Traffic-Jam tauchten am Horizont die majestätischen Twin-Towers des World Trade Centers auf.


Brooklyn-Bridge

Brooklyn-Bridge


Wie nun am besten nach Manhattan kommen. Das "Gute" am hiesigen Straßensystem sind die Einbahnstraßen. Hat man sich einmal als Ortsunkundiger verfahren ist sowieso schon fast alles zu spät. Jedenfalls kamen wir dann irgendwo am East-River im Südlichen Brooklyn 'raus. Weiter ging es nun Richtung Brooklyn Bridge. Und da war sie: die Postkarten-Skyline von Lower Manhattan. Katja konnte noch gar nicht so richtig begreifen was sie sah, und daß es wirklich wahr sein konnte hier zu sein. Ich dachte schon eine gewisse Abhärtung durch die Reise letztes Jahr zu besitzen. Doch weit gefehlt.


Auf dem Broadway

Auf dem Broadway


Dieser imposante Eindruck überwältigt einem jedes mal wieder aufs neue. Und dann ging es über die Brooklyn-Bridge mitten nach Manhattan rein. Ein wahnsinniges Gefühl. Katja sah völlig überwältig aus. Also machte ich 'ne kleine Stadtrundfahrt, da ich ja wusste wo man wie hinkommt. Über die Brooklyn-Bridge ging es dann also weiter nach Chinatown, zum Rockefeller-Center, dann zum Times-Square bis auf den Broadway. Von dort aus verliesen wir Manhattan über den Holland Tunnel Richtung Westen nach New Jersey, wo dann auch unser Hotel stand. Nach über zwei Stunden Autofahrt kamen wir dann also im Hotel an. Das erste was wir dort brauchten war etwas zu trinken, denn durch die Schwüle verlor man Literweise Wasser. Nach 2 Stunden waren wir aber schon wieder in Manhattan. Das Auto schnell in Brooklyn geparkt liefen wir per pedes über die Brooklyn-Bridge nach Chinatown, wo jeder von uns für 2$ leckeren Reis und Nudeln kaufte.


Blick Richtung Lower Manhattan

Blick Richtung Lower Manhattan


Wir liefen noch wie in Trance durch die Straßenzüge. Eine Mischung aus überwältigenden Eindrücken und Müdigkeit. Dann ging es wieder zurück auf den Broadway bis zur Südspitze Manhattans und zur Wallstreet. Dort pflanzten wir uns erstmal auf eine Treppe und ruhten uns aus. Dann wurde es schon langsam dunkel und die 48 Stunden ohne zu schlafen zehrten jetzt schon ganz schön an den Nerven. Gegen Mitternacht waren wir dann wieder in unseren Hotel und schliefen wie die Steine.

Mittwoch, 30.06.: Rrrrring. 9 AM, der Wecker, von Katja am Vorabend gestellt, zerschnitt das rhytmische Brummen der Klimaanlage. Nach der Feststellung, daß wir nicht geträumt hatten und uns tatsächlich in den Staaten befanden, starteten wir also hochmotiviert in den Tag. Frisch geduscht wartete unsert Wägelchen vor dem Hotel schon auf seinen nächsten Einsatz. Allerdings musste es wieder in Brooklyn abgestellt werden. Dann suchten wir uns die nächste Subway-Station. Wir wollten Mitte Central-Park aussteigen, hatten aber versehentliche den Express-Zug genommen welcher natürlich nicht im Central-Park hielt sondern irgendwo in Harlem. Und daß das nicht gerade ein Viertel ist, in dem man hemmungslos flanieren sollte, stiegen wir auch gleich wieder in den Zug zurück ein. Allerdings wieder ein Express-Zug. Und so sausten wir halt wieder am Central-Park vorbei. Aber das nächste mal waren wir klüger. Die Subway hielt genau an der 57th st. in der Mitte des Parks. Von hier aus durchforsteten wir erst einmal die grüne Lunge von NYC, ohne die die New Yorker bzw. ihre Atemwege nicht viel zu Lachen hätten. Es ist eine richtige Oase inmitten dieses Molochs.


Pferdekutsche im Central-Park

Pferdekutsche im Central-Park


So konnten wir nun genügend Kraft und Entspannung, kombiniert mit Eis, für den New Yorker Trubel sammeln. Aus dem Central-Park heraus liefen wir schnurstracks Richtung Times Square. So viel Werbung, Yellow Cabs, Straßenmusiker, Lärm, Hupen usw. auf einen Haufen erlebt man, glaube ich, sonst nirgends auf der Welt. Mitten auf dem Times Square stand ein riesiger Haufen quickender und kreischender Teenes, die die ganze Zeit irgend so einem Boygroup- Typen in einem Glasfenster zuwinkten, was bei mir auf völliges Unverständnis stieß. Zu Fuß ging es dann den gesamten Broadway bis zur Südspitze von Manhattan, wo man (bei schon mittlerweile eintretenden Sonnenuntergang) einen wunderschönen Blick auf die Freiheitsstatue genießen konnte. Dann ging es weiter in Richtung Brooklyn-Bridge und zu unserem Auto. Es ist jetzt gegen 21:00 Uhr und wir beschließen Richtung Wasgington D.C. zu fahren. Auf halber Strecke, in der Nähe von Philadelphia, fanden wir ein günstiges Motel für 33$.

Donnerstag, 01.07.: Gegen 9 Uhr in der Frühe hieß es dann wieder aufstehen. Die Hauptstadt der USA wartete auf uns. Der Tag begann aber weniger urlaubsmäßig. Ein Blick nach draussen: Strömender Regen bei über 30 Grad und einer Luftfeuchte die nicht weit von der 100%-Marke entfernt war. Sogar das Objektiv meines Fotoapparates beschlug schon. Nach einem kurzen Halt in einem typischen amerikanischen Restaurant (McDoof) waren die restlichen 150km bis Washington schnell hinter uns gebracht. Nach Washington D.C. führt eine kilometerlange Straße, vorbei an ruhigen, familiären, kleinen und gepflegten Häusern. Manche sahen aus wie kleine Schlößer. Überhaupt ist Washington eine sehr saubere Stadt. Irgendwo in der Nähe des Weißen Hauses fanden wir in einer kleinen Gasse eine Abstellmöglichkeit für unser vierrädriges Gefährt. Wie die ganze Woche über in den Staaten immer mit dem Hintergedanken es könnte abgeschleppt werden. Was hier natürlich sehr schnell geht. Zu Fuß ging es dann vorbei am weißen Haus Richtung Washington Monument (einem ägyptischen Obelisken nachempfundenen Bau), welches zu Ehren von George Washington erbaut wurde. Anschließend liefen wir zum Lincoln Memorial.


Das Weiße Haus

Das Weiße Haus


Dies ist ebenfalls ein Denkmalbau für Abraham Lincoln der 1776 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten ausrief. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Vietnam Veterans Memorial. Das ist eine riesige Mauer in der alle Namen der amerikanischen Soldaten eingraviert sind die im Vietnam-Krieg ums Leben gekommen sind. Angehörige der Verstorbenen können sich als Nachweis die Namen per Pergamentpapier und Bleistift rauspausen. Anschließend gingen wir, mittlerweile schon schweren Schrittes, mit einem Eis bewaffnet Richtung Capitol auf der Mall entlang. Das Capitol ist das Parlamentsgebäude der USA. Anläßlich des Independence Day war der Weg dorthin zugestellt mit Festzelten, in denen sich alle in den USA vertretenen Nationen vorstellten. Am rumänischen Zelt legten Katja und ich erstmal ein Tänzchen hin (Videobeweise exestieren). Den Abschluß unserer Washington-Besuches bildete der Besuch des National Museum of Natural History. Wie alle Museen in Washington war auch dieses kostenlos. Ich muss ehrlich sagen, es war eines der schönsten Museen die ich jemals gesehen habe. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätte ich garantiert den ganzen Tag im Museum verbracht. Auf dem Weg zu unserm Auto schüttete sich erstmal wieder der ganze Himmel über uns aus und wir konnten uns dadurch langsam auf die Niagara-Fälle einstimmen. Unsere Weiterfahrt zu den Niagara-Fällen konnte beginnen...

Donnerstag, 01.07. / Freitag, 02.07.: Gegen 19:00 Uhr ging also die Fahrt zu den Niagara-Fällen los. Und diesmal nahmen wir uns vor wirklich gegen 02:00 Uhr in den Federn zu liegen. Ich wollte bis Mitternacht ca. 450km bis Pittsburgh schaffen und dort in der Nähe ein Motel suchen. So ging nun unsere Fahrt quer durch die Appalachen, durch die Bundesstaaten District of Columbia, Maryland, West-Virginia und Pennsylvania. Kurz vor Mitternacht erreichten wir dann auch Pittsburgh. Katja schlief neben mir vor sich hin, aber ich war noch hellwach, und so beschloss ich noch ein Stückchen weiter zu fahren. Es fing an leicht zu regnen, was sich innerhalb einer Viertelstunde zu einem Wolkenbruchartigen Gewitter ausweitete. Ein vergleichbares habe ich selten erlebt. Man konnte auf dem Highway fast nichts mehr sehen und nicht schneller als 50km/h fahren. Außerdem hatte ich noch ganz schön mit Aquaplaning zu kämpfen. Je mehr wir jedoch in Richung Erie-See (einem der Großen Nordamerikanischen Seen) fuhren, desto besser wurde das Wetter und 2 Stunden später hatten wir den Erie-See erreicht. Ich entschloß noch weiter zu fahren. Jedoch aus Rücksicht auf Katja, die schon ziemlich verschlafen neben mir aus der Wäsche schaute, fuhren wir beim nächsten Motel runter. 65$ pro Nacht waren uns aber ein bisschen zu teuer. Da ich wußte daß es an den Niagara-Fällen Motels für rund 35$ gibt machte ich den Vorschlag den Rest auch noch durchzuziehen, da es bis Niagara Falls gerade noch knapp 150km waren. Gesagt getan, nach 1 1/2 Stunden tauchte vor uns ein Schild "WELCOME TO NIAGARA FALLS" auf. Da ging einem schon ein kalter Schauer über den Rücken, wieder hier zu sein. Mittlerweile war es schon halb vier. An einem kleinen Motel, welches ziemlich versüfft aussah, hielten wir an. Und es quälte sich tatsächlich noch ein Besitzer, als Reaktion auf mein Klopfen und Klingeln, aus seiner Schlafstube. Für 35$ wollte ich natürlich erstmal das Zimmer sehen, was mit einer Antwort "What do you expect for 35$" und einem "freundlichen" aus-der-Türe-weisen quittiert wurde. Also gings zum nächsten Motel. Hier klingelte ich und niemand öffnete, auch bei der nächsten Unterkunft war das nicht anderes. Bei Nummero 4 hatten wir dann Glück. Ein ziemlich verschlafen dreinschauendes, weibliches, indisches Gesicht kroch aus dem Haus hervor. Ersteinmal alle Formalitäten und 32$ gezahlt und schon sackten wir in die Betten.

Freitag, 02.07.: Ich fror wie im Winter. Es war früh um sieben. Die Klimaanlage tat wirklich ihr bestes einem den Schlaf mit einem Hauch Frost zu versüßen. Katja, die näher an der Klimaanlage lag, hatte wahrscheinlich auch ein paar Temperaturprobleme und schaltete die Arktismaschine dann auch aus. Und so konnten wir erstmal 3 Stunden weiterschlafen. Nach einem guten Frühstück ging es dann zu den ca. 15km entfernten Fällen. Strahlendblauer Himmel und das voll aufgedrehte Radio mit Yellow Umbrella begleitete uns dorthin. Schnell wurde das Auto abgestellt. Von weitem hörte man schon den Niagara-River tosen. Solche Wassermassen kann man sich gar nicht vorstellen. Die Niagara- Fälle bestehen aus den kleineren American-Falls (USA) und den größeren Horseshoe-Falls (Canada). Nach wenigen Minuten standen wir oberhalb der amerikanischen Fälle. Ein atemberaubender Anblick!


Die kanadischen Horseshoe-Falls

Die kanadischen Horseshoe-Falls


Die Sonne brannte. Es war zwar nicht so schwül wie in NYC, für einen Sonnenbrand inkl. Sonnenstich reichte es. Nach einem riesigen Eis ging es dann über die Rainbow-Bridge nach Canada. Von dort hatt man einen traumhaften Ausblick über die kanadischen Horseshoe-Falls. Ein beeindruckender Tag neigte sich dem Ende. Gemütlich liefen wir wieder in die USA zurück und zu unserem Auto. Danach ging es zum Niagara-Falls-Campground, auf dem ich auch schon letztes Jahr übernachtet hatte. Nach mehr oder wenigen Aufbauversuchen stand das Zelt dann halbwegs. Noch kurz frischgemacht und pünktlich zur Abenddämmerung fuhren wir nochmals mit dem Auto Richtung Fälle, diesmal jedoch gleich auf die kanadische Seite. Es ist ein wahnsinniger Anblick, die Fälle nachts beleuchtet zu sehen. Und wenn wir dazu noch das Glück hatten ein Feuerwerk über den Fällen mitzuerleben war der Tag eigentlich perfekt. Gegen 01:00 Nachts waren wir dann wieder zurück auf unserem Campingplatz. Den krönenden Abschluß dieses Abends bildete ein kleines Lagerfeuer. Eine Stunde später lagen wir dann schon in den Schlafsäcken.


Die kanadischen Horseshoe-Falls

Die kanadischen Horseshoe-Falls


Samstag, 03.07.: Auf dem etwas härteren Untergrund war an ein gemütliches Ausschlafen gar nicht zu denken. Gegen 8 stolperten wir mehr oder weniger unbeholfen aus dem Zelt. Gekennzeichnet von mehreren Angriffswellen feindlicher Mücken-Geschwader packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren nochmals in Richtung Canada. Unser heutiges Tagesziel hieß Toronto, welches wir schon nach 2 Stunden ereichten. Toronto hatt eine traumhafte Skyline. Ist aber trotz des NYC-ähnlichen Betonwuchers eine eher ruhige und vor allem grüne Stadt. Gegen Abend traten wir unsere ca. 1000km lange Rückreise nach New York City an. Auf halber Strecke brach wieder ein Unwetter los. An einer Tankstelle rief ich unsere amerikanische Katja an, zwecks morgigen Treffens. Sie und ihr Freund machten uns gleich ein Angebot bei Ihnen zu übernachten. Wir nahmen dieses Angebot natürlich dankend an, wußten aber nicht, ob wir die 1000km durchhalten ohne vorher in ein Motel zu fallen.

Samstag, 03.07. / Sonntag, 04.07.: Wir erreichen gegen 00:30 Uhr die Washington-Bridge. Mitten in der Nacht und der Verkehrsstau scheint kein Ende zu nehmen. Jetzt wird einem langsam klar was das Zitat "Die Stadt, die niemals schläft" bedeutet. Wir nähern uns dem Times-Square. Das Restlicht der Nacht scheint sich hier an einem einzigen Ort zu versammeln. Schon von weitem sieht man es nur Leuchten und Flimmern. Katja zückte den Camcorder aus dem Rucksack und hing sich ganz gemütlich aus dem Fenster um die Anfahrt auf dem Times Square für immer in bewegten Bildern zu bändigen. Hier scheint das Leben niemals stillzustehen, egal zu welcher Zeit man ankommt. Weiter ging es dann auf der 7th Ave vorbei am Madison Square Garden in Richtung Lower Manhattan, dann über die Brooklyn-Bridge Richtung Longs Island. In Queens fanden wir dann nach langem Suchen ein Motel. Der stolze Preis von 105$ machte unsere Entscheidung aber leicht, weiterzufahren. Ich wollte unsere Unterkunft vom letzten September in Coram ansteuern, jedoch musste ich auch ehrlich zugeben den Weg nicht genau zu kennen. Nach langem Suchen fanden wir dann auch gegen 05:00 Uhr am Morgen dieses niedliche Motel, jedoch mit einem prangendem Schriftzug "NO VACANCY". Jetzt war erstmal Ratlosigkeit angesagt. Katja bestand darauf die Bekannte von mir anzurufen (ebenfalls mit dem Namen Katja). Auf dem Weg zum Telefon ließ ich mir erst einmal alle möglichen Entschuldigungen durch den Kopf gehen, die es rechtfertigen würden bei ihr früh am morgen anzurufen. Aber ohhh Wunder es waren noch alle wach. Das "Hallo" war natürlich riesengroß. Das erste Wiedersehen nach mehreren Monaten mit einer guten Freundin. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals ganz herzlich für die umwerfende Gastfreundschaft von Katja und ihrem Freund Alex bedanken. Wir wurden bewirtet, gut gebettet und bekamen alles was das Gastherz so begehrt. Nach einer kurzen Quatschrunde fielen wir dann früh um sechs wie tot in die Betten.

Sonntag, 04.07.: Nach einem kräftigen Frühstück und von unseren Gastgebern selbstgebrannten rumänischen Schnaps ging es dann zu viert Richtung New York City. Heute war Independence Day und wir waren voller Zuversicht eines der schönsten Feuerwerke unseres Lebens über der Skyline von Manhattan sehen zu können. Doch vorher nahmen wir uns noch das Empire State Building vor von dem man meiner Meinung nach einen viel besseren Blick über Manhattan hat als vom World Trade Center.


Chinatown

Chinatown


Da nun langsam schon wieder die Abenddämmerung einbrach fuhren wir wieder Richtung Südpsitze von Manhattan, nach dem gescheiterten Versuch in Brooklyn einen Parkplatz zu finden. Aber auch hier in Manhattan fanden wir nichts. Die Zeit lief und lief und das Feuerwerk kam immer näher und wir hatten immer noch keinen Abstellplatz für das Gefährt!! Zum Schluß fanden wir jedoch ein nicht ganz billiges Parkhaus.


Blick vom Empire State Building

Blick vom Empire State Building


Der Blick auf das Feuerwerk von Manhattan aus ist sicherlich nicht ganz so beeindruckend wie in Brooklyn zu stehen, war jedoch trotzdem überwältigend. Die Raketen formten sich zu einem blau-weiß-rotem "U S A"-Schriftzug am Himmel, zu Herzen und, und, und...Es ist schon Wahnsinn was die Amerikaner aus ihrem Tag der Unabhängigkeit machen! Jedenfalls war ein erlebnisreicher Tag schnell vergangen und wir fuhren wieder 100 km hinaus auf Longs Island, nach Coram. Dort schliefen wir eine zweite Nacht bei der NYC-Katja.

Montag, 05.07.: Der letzte vollständige Tag in Amerika lag vor uns. Wir wurden nochmals kräftig von unseren Gastgebern bewirtet. Dann gabs die "geliebten" Abschiedsszenen. Gegen Mittag waren wir dann wieder in New York City. Diesmal fuhren wir aber nicht direkt bis Brooklyn hinein, vielmehr fuhren wir auf der Jamaica Ave ab. Jamaica-Queens sollte zu einem unserer Lieblingsviertel werden. Im Herzen des Viertels liegt eine Art Mall. Dort reihen sich Musikläden und Läden mit "Rasta-Zubehör" aneinander. Jeder Musikladen möchte natürlich nur auf sich aufmerksam machen und dreht seinen Ghetto-Blaster natürlich auf volle Lautstärke. So schallte es in der ganzen Straße nach Reggae, Hip-Hop und Ragga. Da fühlten wir uns natürlich als Liebhaber "Jamaicanischer Folklore" ganz in unserem Element. Nach dem Kauf unzähliger Kassetten, CDs, Getränke und T-Shirts verliesen wir Jamaica schweren Herzens. Und wieder ging es dann weiter Richtung Brooklyn.


Jamaica-Queens

Jamaica-Queens


Unsere vierrädrige Begleitung parkten wir wieder unterhalb der Brooklyn Bridge. Unser erstes Ziel hieß wie so oft der Times Square. Auf dem Weg dorthin fanden wir eines der günstigeren Hotels von Manhattan. Auf der 24. Straße, Ecke Broadway mieteten wir uns in ein kabuffartiges Zimmer, inkl. Kackerlacken in der Dusche, ein. Für "nur" 90$ die Nacht. So viel also zum Thema der Lebenshaltungskosten in New York City. Zu Fuß war es dann nicht mehr weit bis zum Herzen von New York: dem Times Square. Von dort gings dann per Yellow Cab nach SoHo (South of Housten St). Für mich ist es einer meiner Lieblingsviertel in New York City geworden. Am letzten Abend wollten wir uns es noch einmal so richtig gut gehen lassen. In einem kleinem Restaurant gönnten wir uns ein Glässchen halbtrockenen französischen Weißwein. Katja bestellte sich irgendetwas toastartiges mit Pilzen und ich Mozarella und Artischocken.


Haus mit Feuerleitern in SoHo

Haus mit Feuerleitern in SoHo


Anschließend orderten wir uns wieder schnellstens ein schönes gelbes Taxi mit dem es dann zur Brooklyn Bridge an den East River hinunterging. Es war kurz vor Sonnenuntergang und noch immer waren es schwüle 30 Grad im Schatten. Langsam begann die Sonne hinter der Skyline zu verschwinden. Ein traumhafter Anblick. Weiter nördlich sah man das Empire State Buliding, immer noch anlässlich des Independance Day in den 3 Farben blau, rot und weiß angestrahlt. Die Sonne war jetzt endgültig verschwunden. Den traumhaften Ausblick versüssten wir uns noch mit allerlei alkoholischen Spezialitäten im East River Cafe unterhalb der Brooklyn Bridge.


Blick auf Lower Manhattan

Blick auf Lower Manhattan


Gegen Mitternacht sattelten wir unser Auto Richtung Hotel. Kurz frischgemacht ging es dann zum letzten mal zum Times Square. Ein Kessel voller Licht, der niemals abkült, so kann man sich diesen Platz nachts vorstellen. Es ist ein wahnsinniges Gefühl hierzustehen. Ziemlich müde von dem anstrengenden Wandertag setzten wir uns am nördlichen Times Square irgendwohin. Und wie auch überall in New York kam man hier sehr schnell mit Leuten ins Gespräch. Wir unterhielten uns mit einem Obdachlosen. Er war gebürtiger Pole und schlägt sich nun schon seit 8 Jahren durch diese Stadt. Er hat zwar Arbeit, kann sich aber eine Wohnung nicht leisten. Er erzählte mir von 500$ im Monat für ein Zimmer in New Jersey! Für die Lieben zu Hause ließ ich noch ein Komik-Kariktatur für 7$ von mir machen. Danach gins schon etwas wehmütig zum Hotel: Leider die letzte Nacht in New York City lag vor uns.


Auf dem Times Square

Auf dem Times Square


Dienstag, 06.07.: Pünktlich um 07:30 Uhr schellte der Wecker los. Eigentlich wollten wir ja mal ein bisschen ausschlafen. Aber ab 08:00 Uhr stand unser Auto im Parkverbot. Wir waren 07:58 aus dem Hotel 'raus und schon stand ein nervöser LKW-Fahrer vor unserem Vehikel und wartete bis wir abdüsten. Das taten wir natürlich auch und zwar, oh Wunder mal wieder, in Richtung Brooklyn Bridge. Von dort gings nochmals per pedes in südlichen Teil von Manhattan. Bei einem "traditionellen" McDoof-Essen mit leckeren Bagels entschieden wir uns mit der kostenlosen Staten Island Ferry in einer Stunde nach Staten Island und zurück zu fahren. Eigentlich hat die Fähre ja eigentlich wirklich nur Transportfunktion für die einheimische Bevölkerung, jedoch wird sie zum großen Teil auch von Touristen genutzt. Man hat einen traumhaften Ausblick auf Manhattan und an der Freiheitsstatue schippert man auch noch vorbei. Bei uns beiden kam langsam der Herzschmerz auf, waren es doch die letzten Stunden in einer der schönsten Städte der Welt. Danach trennten sich unsere Wege kurz. Während Katja zu Tower-Records ging, um nach ein paar CDs für ihre Schwester zu suchen, war mein Ziel Greenwich Village. Am Washington Square machte ich es mir eine Weile gemütlich. In der Tasche hatte ich 2 Eintrittskarten für die New Yorker Börse. Aber das Wetter war einfach zu schön um sich in dunklen Gebäuden herumzureiben. Irgendwann haben wir uns jedenfalls in Chinatown wiedergefunden. Es wurde jetzt immer heißer und schwüler. Laut New York Post der heißeste Tag des Jahres mit fast 40 Grad Celsius und der Auftakt zu einem der heißesten Sommer, die New York in den letzten Jahren erlebt hatt. Schnell wurde noch das Auto ausgemistet und dann der Weg Richtung Flughafen eingeschlagen. Auf dem Long Island Expwy kamen wir mitten in den Traffic Jam. Was uns dazu veranlasste den Flughafen über kleinere Straßen in Brooklyn und Queens anzusteuern. Die Rückgabe des Mietwagens erfolgte ohne Probleme, genauso wie das Einchecken. Es war jetzt gegen 10 oder 11 abends. Die Maschine hob ab. Unter uns erstreckte sich das Rasterförmige Muster der Straßen. In der Ferne sah man die Skyline. Auf Wiedersehen New York City. Eine der schönsten Wochen des Jahres gingen vorüber. Wir beide waren uns aber huntertprozentig sicher: Diese Stadt haben wir nicht zum letzten mal gesehen. See you soon NEW YORK CITY!!




(c) by Mario Karsch

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