Über Opfer

Über Opfer...

Das ist die Mutter von Larry Robison. Am 21. Januar wurde Larry hingerichtet und sie zu einem weiteren Opfer der Todesstrafe gemacht.

Wieso Opfer werden manche jetzt fragen - ihr Sohn hat schließlich fünf Menschen auf dem Gewissen. Die sind die Opfer und deren Angehörige.

Das ist nur die halbe Wahrheit!

Larry Robison war psychisch krank. Das gibt ihm natürlich nicht das Recht zum Töten. Aber hätte man ihn damals nicht zurückgewiesen, als seine Familie nach Hilfe suchte, als sie merkte das etwas mit Larry nicht stimmte, wäre es wahrscheinlich niemals zu den grausamen Morden gekommen.

Die "Institution Staat" verweigerte diesen Menschen Schutz, als mehrere psychiatrische Kliniken Larry Robison wegschickten, weil sie kein Bett für ihn hatten und ihn als nicht gewalttätig einschätzten.

Dieselbe "Institution Staat" forderte nun Larrys Leben...das Leben eines Kranken, der sich selbst nicht helfen konnte und dem niemand helfen wollte, der in der Lage dazu gewesen wäre.


Die Todesstrafe sei ein Mittel, dass Leid der Opfer zu lindern, wird oft behauptet. Aber ist das wirklich so? Der Tod des Täters macht den Verlust eines geliebten Menschen nicht ungeschehen. Das Warten auf die Hinrichtung des Täters verhindert eher den Heilungsprozess, da die Hinterbliebenen immer wieder an die schreckliche Tat erinnert werden.

Häufig haben die Angehörigen von Mordopfern neben dem Schmerz und der Trauer, die der Verlust eines nahen Familienmitgliedes verursacht, auch noch mit materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wäre ihnen nicht viel mehr geholfen, wenn der Täter durch Arbeit und Wiedergutmachungsleistung wenigstens diesen Teil seiner Schuld abtragen könnte, als durch das Zusehen bei seinem Tod?

Die Todesstrafe verhindert keine Opfer, im Gegenteil sie schafft nur neue Opfer. In die Kette der Gewalt und Opfer reiht sich auch die Familie des Täters ein. Wie können die Mutter, der Vater, die Schwester, der Bruder, die Ehefrau, die Kinder... je wieder ein normales Leben führen, mit dem Wissen darum, dass einem Mitglied ihrer Familie zu einem festgesetzten Datum mit vollem Vorsatz das Leben genommen werden soll und sie nicht das geringste dagegen tun können? Sie werden ebenso wie die Familie des Ermordeten zu Opfern - unschuldigen Opfern. Leid ist nicht differenzierbar. Die Mutter des Täters liebt ihren Sohn genauso wie die Mutter des Mordopfers. Sehen Sie sich das Foto der Mutter von Larry Robison an und Sie werden verstehen.

Ist es nicht an der Zeit, die Kette der Gewalt, deren einzelne Glieder die Opfer beider Seiten bilden zu sprengen?

Die Tötung eines Menschen unter dem Deckmantel der Strafe, verhindert keine Morde, die lebenslange Haft nicht auch verhindern würde.

Um einen „Ersttäter“ von seiner Tat abzuhalten, erscheint die Todesstrafe als völlig unzulängliches Mittel. Um dafür den Beweis anzutreten, muss man sich mit den Faktoren auseinander setzen, die Menschen zu Mördern werden lassen bzw. den Menschen, die zu Mördern werden.

Da wären wir wieder bei den Geisteskranken. Sie sind weder in der Lage ihr Handeln so zu steuern wie ein „normaler“ Mensch noch können sie die Tragweite eines Todesurteils ermessen. Das wäre aber Voraussetzung für die Wirksamkeit der Todesstrafe.

Alles in allem betrachtet, dient die Todesstrafe nur einem einzigen Zweck. Sie befriedigt die Gier nach Rache. Durch die Befriedigung dieser Gier stellt sich der Staat in seiner Rechtschaffenheit selbst in Frage, denn er sieht die Elemente der Rache und der fortlaufenden Erzeugung von Opfern und Folgeopfern als ein der Rechtsmittel würdiges Produkt an.



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